Titel: Bélanger's Beschreibung einer Spinn-Maschine zum Spinnen der kardätschten Wolle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. II. (S. 19–22)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/ar008002

II. Beschreibung einer von Hrn. Bélanger, zu St. Léger du Boury St. Denis bei Rouen, im Departement der unteren Seine, erfundenen Spinn-Maschine zum Spinnen der kardätschten Wolle4).

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale. November 1821. S. 315.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Der Erfinder hat wahrgenommen, daß die bisher gebräuchlichen Spinn-Maschinen zum Spinnen der kardätschten Wolle den Faden nicht in jeder verlangten Starke so gleich spinnen, wie die Hand des Menschen. Er suchte diesem wesentlichen Nachtheile abzuhelfen, und dieß gelang ihm endlich dadurch, daß er die Spinn-Maschine nur dann erst von dem Wasser bewegen ließ, wenn das von der Hand des Arbeiters ausgezogene Trumm seine ganze Länge erreicht hat: dann muß der zur Kette bestimmte Faden noch zwei Drittel Umdrehung des Rades empfangen, um die gehörige Drehung zu erhalten. Während dieser Zeit kann der Arbeiter ausruhen, und die Ungleichheiten und Fasern von dem |20| Faden, der nun seine Drehung empfängt, wegnehmen. Bei dieser Vorrichtung erhält man noch den Vortheil, daß mehrere Spuhlen aufgestellt werden können, daß ein Weib, oder ein Junge diese Maschine sehr leicht bedienen kann, und daß endlich diese Spinn-Maschine drei Mal mehr in einer gegebenen Zeit arbeitet, als die bisher gewöhnlichen.

Man erhält auf dieser Maschine Gespinste, die man zu den feinsten Kasimiren verarbeiten kann.

Erklärung der Vorrichtungen, um dieser Spinn-Maschine eine stetige Bewegung durch das Wasser zu ertheilen.

Fig. 9. zeigt diese Maschine im Aufrisse von Außen, und von der rechten Seite gesehen.

Fig. 10. stellt sie von Innen mit dem Wagen dar.

Fig. 11. ist ein vertikaler Durchschnitt des Wagens.

Fig. 12. Ansicht des Endes des Walzenträgers von der rechten Seite von Vorne. Man sieht hier einen Theil der gefurchten Walzen und der Drukwalzen, das Ekenrad, welches denselben die Bewegung mittheilt, die es von dem Lagerbaume erhält, und eine jener Rollen, welche den Wagen in Bewegung sezen.

Fig. 13. senkrechter Durchschnitt der vorigen Figur.

Fig. 14. das Gestell im senkrechten Durchschnitte durch seine Mitte.

Fig. 15. Grundriß eines Theiles der Welle, des Bewegungsrades und der senkrechten Welle, die davon bewegt wird, und ihre Bewegung dem Zahler mittheilt.

Fig. 16. Aufriß der vorigen Figur.

Fig. 17. Grundriß des Zählers.

Fig. 18. Aufriß des Zahlers.

A Zwillingsrolle mit einem Halse oder mit einer Vertiefung. Diese Rolle besteht aus zwei gleichen Theilen, die, vereint, die Dike derselben bilden. Der äußere Theil dreht sich frei um seine Achse, der andere ist an dem großen Rade B |21| befestigt. Ein Riemen O, der wechselweise über beide läuft, und seine Bewegung durch das Wasser erhält, theilt diese allen Theilen der Maschine mit, sobald er an dem befestigten Theile der Rolle angebracht wird. Wenn diese Bewegung unterbrochen werden soll, bringt die Gabel D den Riemen von dem befestigten Theile der Rolle auf den beweglichen, und umgekehrt.

Das große Rad B hat einen Hals oder eine Vertiefung zur Aufnahme des Seiles E welches die Rolle F in Bewegung sezt, die sodann die Spindel-Trommel mittelst der Rüklaufrolle G, und der Schnur H, auf die bei diesen Maschinen gewöhnliche Weise treibt.

I ist der Lagerbaum mit zwei kupfernen Ekenrädern; eines derselben befindet sich an seinem oberen Ende, und greift in das Rad J ein, welches an dem großen Rade B befestiget ist; das andere, an dem unteren Ende, sezt die gefurchten Walzen in Bewegung. Das untere Ende dieses Baumes wird von einem Hälter, das obere von der Gabel K getragen, welche auf L beweglich ist, und diesen Baum in das Rad J eingreifen läßt, sobald man die Maschine in Gang bringt, und aushebt, sobald man dieselbe still stehen lassen will. Auf diese Weise kann der Arbeiter dem Faden jede beliebige Drehung mittelst der Kurbel M ertheilen, und diese Kurbel kann, nöthigen Falles, die Stelle einer hydraulischen Kraft vertreten.

N, O, zwei hölzerne Rollen, über welche die Schnur P läuft, die den Wagen fährt. Auf der Rolle O, und außen an derselben, ist ein Zahnrad 8, Fig. 10. u. 12. befestigt, welches von einem Triebstoke T, der sich an der Achse der gefurchten Walzen befindet, in Bewegung gesezt wird. Die Rolle O wird von einer Gabel mit einer Schaukel getragen, welche der Wagen in dem Augenblike aushebt, wo er das Ende seines Laufes erreicht hat. Hiedurch gewinnt der Arbeiter |22| Zeit aufzuwinden, nachdem er dem Faden die gehörige Drehung gegeben hat.

R der Wagen im Durchschnitte Fig. 11.

U Sperre, durch welche der Wagen zum Stillstehen gebracht wird, nachdem er an das Ziel seines Laufes gekommen ist.

V eine andere Sperre, mittelst welcher der Wagen alle Theile der Maschine, welche Bewegung erzeugen, in dem Augenblike, wo er bis auf seinen Abfahrtspunkt zurükgestoßen wird, in einander eingreifen macht.

a Fig. 9. Zähler, durch welchen man den Grad der Drehung des Fadens erkennt. In einem größeren Maaßstabe zeigt denselben Fig. 17 und 18.

b Fig. 9. 16. 17. und 18. ist eine senkrechte Welle mit einem Zahnrade c, welche ihre Bewegung durch eine Schraube ohne Ende e an dem Ende der Welle des großen Rades B erhält. Die Welle b hat eine Art von Däumling, welcher, bei jeder Umdrehung der Welle, eines der beiden Räder g des Zählers, auf welchem sich ein kleiner Zapfen h befindet, der das zweite Rad des Zählers i treibt, um einen Zahn weiter rükt. Das Rad g hat fünfzehn, das Rad i zwanzig Zähne.

j Schelle des Zählers.

k Zieher hinten und mitten an der Maschine; der Zwek desselben ist, so wie jener des Holzstükes l, zu hindern, daß der Walzenträger sich nicht seiner Länge nach biegen kann.

m Fig. 9. Haspel, der hier einen Theil der Maschine bildet. Er dient, das gesponnene Garn in Strähne zu sammeln, ohne daß man nöthig hätte, dasselbe, wie gewöhnlich, von den Spindeln abzuziehen.

n Träger des Haspels.

Die Regierung hat auf den vortheilhaften Bericht, den man ihr über diese Maschine machte, um dieselbe so schnell als möglich zu verbreiten, dem Erfinder im September 1820 die Summe von 8000 Franken, theils für den Werth der Maschine, die im Conservatoire royal des arts et métiers aufgestellt ist, theils als Entschädigung für die noch übrige Dauer seines Brevets ausbezahlen lassen. (Vergl. Bulletin Oktober 1820. S. 287.) A. d. O.

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