Titel: Gibson's kreisförmige Säge.
Autor: Gill, Thomas
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. VI. (S. 33–35)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/ar008006

VI. Ueber Professor Gibson's kreisförmige Säge, welche von selbst sägt, und über Hn. Th. Machell's Ring-Säge.

Von Hn. Th. Gill, in seinem technical Repository N. III. März 1822. S. 204. Im Auszuge.

Mit einer Abbildung auf Tab. II. Fig. 19.

Hr. Prof. Wilh. Gibson hat in seiner Abhandlung über Knochen-Geschwülste10) eine Säge beschrieben, von welcher wir, mit Hn. Gill, glauben, daß sie nicht bloß zum Abnehmen der Knochen, sondern auch in hundert anderen Fällen, wo gesägt werden soll, von sehr großem Nuzen seyn kann.

Prof. Gibson beschreibt seine Säge a. a. O. auf folgende Weise: „Ich gab Hn. Adam Stewart, einem geistreichen Mechaniker unserer Stadt (Philadelphia), die Idee, ein Instrument zu verfertigen, welches in bedeutender Tiefe, ohne die weichen darneben liegenden Theile zu verlezen, wirken könnte, und durch eine Feder getrieben würde, welche Kraft genug besäße, eine kreisförmige Säge in wenigen Sekunden einige hundertmal umlaufen zu lassen. Anliegende Skizze (Fig. 19) stellt eine solche Maschine dar. Sie ist ausserordentlich einfach, und wirkt doch so kräftig, daß |34| sie den härtesten Knochen, selbst Elfenbein, mit der äußersten Schnelligkeit durchschneidet. Das obere Ende oder der breitere Theil des Instrumentes schließt in einen Gehäuft von Messing eine starke an einem Rade angebrachte Uhrfeder ein; von diesem Rade läuft eine Verbindungs-Stange an den Triebstok der Säge, und sezt dieselbe in Bewegung. Die Feder wird mittelst einer Kurbel aufgezogen, und durch einen Fänger so lang gespannt erhalten, bis man sie durch einen leichten Druk mit dem Daumen oder irgend einem Finger auf diesen Fänger in freie Thätigkeit bringt. Man kann das Instrument, wie eine Schreibfeder, in der Hand halten und die Säge nach jeden Theil hinführen, den man durchs sägen will. Die Schnelligkeit der Bewegung der Säge kann durch den Fänger reguliert, und die Bewegung selbst durch lezteren augenbliklich unterbrochen werden. Man kann an die rechtwinkelig auf dem Schafte der Maschine stehende Achse Sagen von verschiedener Größe anbringen, und diese Sägen können mittelst einer kleinen Feder augenbliklich abgenommen, und andere dafür aufgesezt werden; die Achse selbst kann verlängert oder verkürzt werden. Um zu vermeiden, daß die Säge nicht an dem Mittelpunkte aufgehalten wird, ist die Achse selbst mit Zähnen versehen, und arbeitet senkrecht, während die Säge horizontal arbeitet. Ich habe diese Säge zwar noch an keinem lebenden Individuum angebracht, habe aber so viele Versuche an Leichen damit angestellt, daß ich von ihrer Kraft, so wie von ihrem Nuzen hinlänglich überzeugt bin.“

Hierüber bemerkt Hr. Th. Gill a. a. O., wünschend, daß auch die englischen chirurgischen Instrumenten-Macher diese schäzbaren Sägen bald verfertigen möchten, „daß es ihm scheine, das Rad, dessen Hr. Prof. Gibson erwähnt, könnte ein Kerbe-Zahnrad“ (toothed-bevel11)) oder mitre |35| wheel) „seyn, und die Triebstöke an beiden Enden der Verbindungs-Stange könnten Kerbe-Triebstöke seyn (bevel-pinions), wovon der eine in obiges Kerbe-Zahnrand der andere in den Kerbe-Triebstok an der Achse der Sage eingreift.“

Er verspricht, in einem der nächsten Stüke Hn. Machell's Ring-Säge so vorgerichtet liefern zu können, daß auch diese, in mancher Beziehung unvergleichliche, Säge, für welche Hr. Machell schon vor mehreren Jahren die große goldene Medaille der Society of Arts erhielt, von selbst sägt: sie ist in den Transactions dieser Gesellschaft, so wie Hr. Machell sie erfand, abgebildet, und beschrieben; die Beschreibung ist aber, ohne Abbildung, durch aus unverständlich, wir müssen daher noch die Abbildung erwarten.

|33|

The History et Tractment of Bony Tumours in dem Philadelphia Journal of the Medical et Physical Sciences N. III, Jahrgang 1821. Ganz wieder abgedrukt in Gill's technical Repository N. I. Jänner 1821 S. 66 N. II. Februar S. 113. wo S. 124 diese Säge beschrieben und Taf. 8. Fig. 9. abgebildet ist.

|34|

Die Engländer nennen bevel wheels solche Räder, deren Umfang |35| breit, fast walzenförmig ist, und wo die Zahne, wenn das Rad von Holz ist, entweder durch darauf befestigte Schienen oder in die Substanz des Hohes eingeschnittene Querfurchen gebildet werden. Eben dieß gilt auch von den Triebstöken. Hiernach erklärt |36| sich auch der Bau solcher metallner Räder und Triebstöke. Der Uebersezer kennt keinen adäquaten deutschen Ausdruk dafür, und übersezt daher bevel-wheel und bevel-pinion durch Kerbe-Rad, Kerbe-Triebstok. A. d. Ueb.

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