Titel: v. Kurrer über das Bleichen der vegetabilischen und animalischen Substanzen.
Autor: Kurrer, Wilhelm Heinrich
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. XXIV. (S. 155–183)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/ar008024

XXIV. Ueber das Bleichen der vegetabilischen und animalischen Substanzen. Von Wilhelm Heinrich von Kurrer.

Fortsezung.

Von dem Bleichen der vegetablischen Stoffe vermittelst Wasserdämpfe.
(Chaptals Bleich-Methode).

Das Verfahren, mit Wasserdämpfen in Mitwirkung alkalischer Salze vegetabilische Stoffe zu bleichen, kam gleich nach Einführung der türkischen Rothfärberei in das südliche Frankreich, es blieb hier aber so lange ein Geheimniß, bis Graf Chaptal das Verfahren vermittelst milder und äzender Sode öffentlich bekannt machte62). Man sagt, es stamme aus dem Orient. Bawens, Eigenthümer der großen Baumwollen-Spinn- und Weberey zu aux bons hommes bei Passy, bediente sich zuerst der kaustisch-alkalischen Wasserdämpfe63), |156| und bleichte nach Chaptals Methode 2–3000 Ellen Baumwollen-Zeug, so leicht und wohlfeil, daß kein anderes Bleichverfahren, verfahren, wie er behauptet, damit verglichen werden kann. Der erste Versuch wurde mit 1500 Ellen Baumwollen-Zeug für den Kattundruk gemacht. Bawens war mit dem Erfolg im nachmaligen Druken und Färben der Waare vollkommen |157| zufrieden64). Bei seinem Dampfapparate bediente er sich des Haspels oder der Winde, einer neuen Vorrichtung, welche Chaptal in seinem Apparate nirgend angegeben hat. Die Versuche, welche mit Hamf gemacht wurden, berechtigten Bawens zu der Ueberzeugung, daß das neue Verfahren zu Bleichen auch auf feine Stoffe anwendbar sey. Es wurden |158| daher zur Probe 130 Stüke sehr schmuziger Leinwand in einer schwachen Lauge, welche aus 200 Pfund Wasser und einem Pfund Soda bereitet war, eingeweicht, 6 Stunden in den Dampfapparat gebracht, und dann noch zweimal eben so behandelt. Bei dem darauffolgenden Waschen war nur 1/4 Pfund Seife nöthig, ihnen die gehörige Weiße zu geben. Ein zweiter Versuch ward auf gleiche Weise angestellt, außer daß die Lauge 5 Pfund Seife in gelöstem Zustand erhielt. Mit der von diesen Versuchen übrig gebliebenen Lauge, die man mit etwas frischer Lauge vermischt hatte, konnten noch 140 Stüke Leinwand mit dem günstigsten Erfolge behandelt worden. Es waren auf diese Art 400 Stüke Leinwand mit geringen Kosten und in Zeit von zwei Tagen gereiniget worden65). Chaptal bleichte 200 Leinentücher aus dem Hospital Hôtel-Dieu mit einer Ersparniß gegen die gewöhnliche Art, wie sich 4 zu 7 verhält. Die Wasserdämpfe zerstörten wegen ihrer erhöhten Temperatur allen Krankheitsstoff. Es können auf diese Weise alle Miasmate und Krankheitsstoffe, die sich an vegetablische Kleidungsstüke anhängen, mit leichter Mühe, weggeschaft werden66). O'Reilly67) konstruirte |159| für die Dampfbleiche einen eigenen Apparat, der aber nicht die Vortheile darbot, welche man sich von der Anwendung desselben beim Bleichen der Leinwand im Großen davon versprochen hatte.

Bourlier suchte die neue Methode dadurch zu vervollkommen, daß er Mittel angab, die Stoffe im Dampfaparate ohne viele Mühe zu wenden, um alle Theile der Wirkung der Dämpfe auszusezen68). Er reiste in dieser Absicht nach Flandern, wo Versuche über das Bleichen der dort verfertigten Leinwand angestellt wurden. Nach seiner Versicherung bedarf das Leinengarn nur einer schwachen Lauge; es muß aber beim Bleichen die atmosphärische Luft (Auslegen auf die Wiese) abwechseln, um eine vollkommene Weiße zu erlangen69).

Bosc bleichte zu Troyes innerhalb 8–9 Monaten 2000 Duzend gestrikte Zeuge, die 6000 Pfund wogen, |160| und 200–300 Stüke Leinwand, vermittelst der Wasserdämpfe. Er ist mit Chaptal gleicher Meinung, daß das Bleichen mit der Chlorine ohne Nuzen sey, wenn man nicht zuvor mit alkalischen Laugen die Zeuge zu reinigen sucht70). Den Gebrauch der Dämpfe in verschloßenen Gefäßen suchte er in besondere Aufnahme zu bringen. Sein Verfahren, gestrikte Sachen nach dieser Methode zu bleichen, besteht wesentlich in Folgendem:

Erste Operation. – Kochen in weißer oder schwarzer Seife.

Die Strümpfe oder Müzen, die vom Stuhle kommen, werden an solche Stangen geheftet, die der Lauge und der Chlorine widerstehen. Es ist eine Art Schmiere die sie bedekt, welche nur durch die stärkste Seifenauslösung angegriffen wird71). Gewöhnlich nimmt man an Seife den 15ten Theil Gewichtes des zu bleichenden Stoffes, was sehr kostbar ist, daher man die Menge vermindert, und statt des reinen Wassers, dessen man sich zur Auflösung der Seife bedient, eine schwache Auflösung der kaustischen Soda anwendet, wodurch man außer der guten Wirkung der Seife noch den Vortheil gewinnt, daß sich eine vorbereitende Lauge darbietet, die die Baumwolle vollkommen reinigt, und für die nachfolgenden Operationen geschikt macht. Nach dem Kochen muß man die gestrikte Waare im Wasser klopfen, um sie gänzlich zu reinigen, und dann tüchtig ausspühlen. Diese lezte Operation des Waschens und Spühlens empfiehlt Bosc, weil die vollkommene Weiße |161| davon abhängen soll. Wenn die Witterung es erlaubt, troknet man das Zeug in der freien Luft ab72).

Zweite Operation; Chlorinbad.

Man legt die gestritten Sachen 7–8 Stunden lang in eine schwache Chlorinflüßigkeit oder javell'sche Lauge, wascht sie nach dem Herausnehmen sorgfältig aus, und troknet sie.

Dritte Operation; Dampflaugung.

Die Dampfkammer besteht aus einem vierekigen, fest aus Quadersteinen gebauten Thurm. Dieser ruht auf dem Rande eines Kochkessels von Kupfer, welcher den Boden einnimmt. Dieser Kochkessel hat 15–18 Zoll Tiefe. Auf dem Rande, der innerhalb 5–6 Zoll hervorragt, bringt man einen starken Rost von weichem Holze an, der ohne Nagel und Eisen befestigt ist. 6 Zoll über diesem Rost, und so weiter alle 6 Zoll, gibt man auf den gerade überstehenden Seiten bis an die Spize des Thurmes durch Steine Einschnitte, um Stüzen anzubringen, welche die Lage der gestrikten Waaren, die man nach und nach aufhangt, tragen. Den Thurm verschließt ein Dach, in dessen Mitte eine Oeffnung von 18 Zoll im Durchmesser sich befindet, die man mit einem genau einpassenden Quadersteine ausfüllen kann. Der Dampf hat keinen andern Ausgang, als durch eine kleine Oeffnung, deren Durchmesser 6–8 Linien beträgt, und die mit einer Sicherheitsklappe versehen ist. Diese Kammer kann 300 Duzend Stüke von gestrikter Waare, welche etwas mehr als 900 Pfund wiegen, aufnehmen. Man bereitet die Waare vor, indem man sie stark mit einer Auflösung der kaustischen Soda imprägnirt, die 1–2 Grad nach Beaumés Aereometer anzeigt. Sie |162| wird sodann in der Kammer auf Rahmen, die mit nezförmig geflochtenen Steken überzogen sind, gebracht, und so über einander gewunden, daß sie Lagen von 5–6 Zoll dik bildet. Man fängt mit der untern Lage an, und unterläßt nicht, bei jeder Lage das Zeug durch frische Lauge zu befeuchten. Wenn so die ganze Kammer bis oben zu garnirt ist, verschließt man sie Luftdicht, zündet unter dem Kessel Feuer an, und unterhält denselben 3 Stunden lang im kochendem Zustande. Nun wird die Kammer geöffnet, die Waare wieder mit frischer Lauge befeuchtet, dann abermals die Kammer geschlossen, und das dreistündige Kochen wiederholt. Durch eine zum Ausleeren bestimmte Röhre wird eine Quantität alter Lauge, so viel als man durch die obere Oeffnung hineingegossen hat, abgezogen, weil sonst der Kessel überlaufen, und die Waare auf dem Rost ersäuft würde. Diese Operation wiederholt man 24–30 Stunden lang, wobei man stets dafür sorgt, daß die Wirkung des Dampfes bei hoher Temperatur und starkem Druk abwechseln, um die Waare mit der frischen alkalischen Lauge nach jeder dritten Stunde wieder befeuchten zu können. Nach dieser Behandlung sind die Müzen und Strümpfe ganz ausgekocht und vollkommen weiß. Man zieht sie jezt aus der Kammer heraus, wascht sie sorgfältig, und läßt sie troknen.

Vierte und lezte Operation.

Das Weiß ist nach der Heransnahme aus der Kammer noch nicht glänzend genug für den Verkauf; um der Waare den erfoderlichen Glanz zu ertheilen, taucht man sie in ein mit Schwefelsäure leicht gesäuertes Bad. Da hiebei große Vorsicht nöthig ist, damit das Zeug nicht zerstört werde73), so substituirt man ein leichtes Bad der javell'schen |163| Bleichlauge; wäscht das Zeug sorgfältig in reinem Wasser, und läßt es in der Sonne troknen74).

In England und Irland fand man die von Chaptal angegebene Vorrichtung zum Bleichen der Waare mittelst Wasserdämpfe nicht zureichend. Man gab daher dem Dampfapparate folgende Einrichtung:

»Man stelle sich den Kessel einer Feuersprize von länglicher Form vor, der einen ledernen Sauger, eine Klappe und eine Röhre hat, die mit dem Boden des Kessels verbunden, und mit lezterm von gleicher Höhe ist. An dieser Röhre sind zwei Hahnen angebracht, und zwischen diesen ein gläserner Tubus, durch welchen man die Flüßigkeit beobachten kann. Von Außen ist der Kessel, um dem Druk des Dampfes besser widerstehen zu können, mit Mauerwerk umgeben.

Innwendig im Apparat befinden sich sechs Haspel, und zwar auf jeder Seite drei, die wechselweise umgedreht werden. Ein hölzernes Zahnrad steht mit einer Achse, an der sich ein Getriebe befindet, in Verbindung. Dieses Getriebe theilt dem Zahnrad eine langsame und gleiche Bewegung mit. Die Achse, welche durch den Rand des Kessels geht, ist mit einer ledernen Büchse verschießen, damit die Dämpfe nicht durchdringen können. Oben ist eine sechzehen Zoll weite Oeffnung mit unterlegtem Rande, auf welche ein genau passender Dekel eingeschraubt wird. Zwischen |164| den Rand und Dekel wird feuchtes Leder gelegt, damit auch hier kein Dampf entweichen könne. Durch diese Oeffnung bringen die Arbeiter die Walzen mit dem aufgewickelten Zeuge in den Kessel hinein und wieder heraus. Jede Rolle hat 20 Stüke. Die Lauge wird aus Soda bereitet, und durch Kalk äzend gemacht.

In dieser Lauge75) kocht man vorher die Zeuge, und versezt sie noch heiß in den Kessel, dessen Boden 5–6 Zoll hoch mit solcher Lauge bedekt wird76). Ist die Waare auf den Walzen gehörig geordnet, so wird die Oeffnung verschloßen, Feuer unter den Kessel gegeben, und wenn die Flüßigkeit kocht, die Kurbel herumgedreht, und das Zeug wechselweise von einer Walze auf die andere gehaspelt, bis es gehörig gebleicht ist. Bei dieser Art zu bleichen kommt mit allem, was die Kosten für Appretur, Feuerung und Arbeitslohn betragen, die Elle nicht einmal auf einen Pfenning.

Später erhielt die Dampfbleiche wesentliche Verbesserungen durch Curnbüll und Croock. Diese englischen Manufakturisten entziehen der rohen Waare durch Einweiweichen und Walken alle Schlichte, und behandeln sie mit siedend heißer Aezlauge aus Pottasche oder aus Soda. Nachdem die Waare von der Lauge ganz durchzogen ist, bringt man sie in eine Bütte mit doppeltem Boden, deren innerer Boden wie ein Gitter durchlöchert ist, damit die überflüßige Lauge ablaufen könne.

Jezt legt man die Waare in eine Beuchbütte, welche groß genug ist, die zu bearbeitende Menge aufzunehmen. Die Beuchbütte hat einen doppelten Boden; der obere bildet einen gegitterten Rahmen zum Aufnehmen der Lauge, |165| und ist mit Schnüren versehen, damit man ihn mittelst eines über der Bütte angebrachten Krahnes, sammt dem darauf liegenden Zeuge herausheben könne, nachdem es der Wirkung des Dampfes ausgesezt worden ist. Die obere Oeffnung der Bütte wird noch mit einem dunstdichten Dekel verschlossen, an welchem ein Ventil angebracht ist, um dem Dämpfen bei zunehmender Elastizität derselben einen Ausweg zu bahnen, und das Zerspringen des Apparats zu verhindern.

Ein außerhalb der Bütte befindlicher Dampfkessel, von dessen Dekel eine Dampfleitungsröhre ausgeht, welche mit dem untern hohlen Theile der Beuchbütte in Verbindung steht, aber durch einen Hahn davon abgeschnitten wird, dient zur Bildung der Dämpfe. Der Dekel des Dampfkessels ist mit einem Sicherheits-Ventil versehen, das sich bei starker Elastizität der Dämpfe hebt, und vor Zerspringen des Dampfkessels sichert.

Der Kessel wird mit schwacher Lauge gefüllt, die Leitungsröhren mit dem innern Raum der Beuchbütte in Verbindung gesezt, der in diesem Leitungsrohr angebrachte Dampfhahn geöffnet, der Kessel gefeuert und in's Kochen versezt. Bei solcher Vorrichtung erhält die Flüßigkeit eine höhere Temperatur, als in offenen Gefäßen, und die sehr heißen und elastischen Wasserdämpfe dringen in die Beuchbütte ein, durchdringen die übereinander geschichteten Waaren, erhizen sie, und bewirken, daß die in Berührung mit denselben gekommenen alkalischen Theile sich in Wirksamkeit sezen. Die Dämpfe verdichten sich in der Beuchbütte zu tropfbarer Flüßigkeit, nehmen den durch die alkalischen Salze aufgelösten Firniß der Waare in sich auf, und fließen mit demselben in den untern leeren Raum der Bütte ab.

Das Dampfbad wird nach solcher Vorrichtung acht Stunden ununterbrochen unterhalten, worauf man das Feuer |166| erlöschen und den ganzen Apparat erhalten läßt. Die Waare wird nun herausgenommen, gewalkt, wieder mit Aezlauge imprägnirt, und wie das erstemal acht Stunden lang der Einwirkung kochender Wasserdämpfe ausgesezt. Wenn diese Operation bei leinenen Stoffen einigemal verrichtet worden, so bringt man sie theils in saure Bäder, theils auf die Bleichwiese, theils wieder in den Dampfapparat, und wiederholt dieses so lange, bis sie vollständig gebleicht sind77).

Der um die technisch-chemischen Gewerbe hoch verdiente geheime Rath Hermbstädt gibt einen Apparat an, mittelst dessen die Bleichwaare während der Dampfoperation durch die alkalische Lauge gezogen werden kann, ohne den Apparat zu öffnen. Diese Vorrichtung mag ihr Gutes für wissenschaftliche Versuche im Kleinen haben. In großen Bleiche anstalten ist sie unausführbar. Die Beschreibung derselben findet man in Hermbstädts »allgemeine Grundsäze der Bleichkunst etc. S. 289–304. Berlin, Realschulbuchhandlung 1804«78).

Von dem Bleichen der baumwollenen Stoffe vermittelst Schwefelkalkes. (Higgins Bleichmethode).

Kirvans interessante Entdekung, daß Schwefelalkalien die Eigenschaft besizen, den natürlichen Firniß (Extraktivstoff) |167| und andere farbige Unreinigkeiten der Leinwand eben so gut, ja fast schneller aufzulösen, als reine Alkalien es vermögen, veranlaßte Higgins bei dem theuren Preise der Pottasche in Irland zu den Gedanken, die Verbindung des Schwefels mit der Kalkerde zum Bleichen der Leinwand im Allgemeinen einzuführen. Die damit angestellten Versuche fielen nach seiner Versicherung über alle Erwartung gut aus. Diese Verbindung steht dem Schwefelkali und Schwefelnatron in bleichender Wirkung nicht nach, und soll die Pottasche beim Bleichen der Leinwand im Großen vollkommen vertreten. Ich werde, wenn vom Bleichen der Leinwand die Rede seyn wird, auf dieses Verfahren zurükkommen. Den Gebrauch der geschwefelten Kalkerde zum Bleichen der baumwollenen Gewebe sezte ich bald nach der öffentlichen Bekanntmachung der Higgin'schen Methode im Jahre 1805 außer Zweifel79). Ich habe seit jener Zeit durch Abänderung in dem Verfahren selbst das Mittel aufgefunden, baumwollene Gewebe für den Druk und das Färben absolut zu bleichen, so, daß sich die Waare, nach dieser Methode behandelt, für alle Fabrikate in der Kattundrukerei qualificirt. Das Verfahren besteht in Folgendem:

25 Stüke 5/4 breite und 46 Ellen lange Calico werden nach der Fermentation gut gewaschen, zweimal gewalkt und für das Bleichbad vorbereitet.

Bereitung der Schwefel-Lauge.

6 Pfund fein gepulverter Schwefel.

30 Pfund frisch gebrannter Kalk, der zuvor mit wenig Wasser befeuchtet zum feinsten Kalkmehl zerfallen ist, und gesiebt wird, werden mit 150 Pfund Flußwasser in |168| einem eisernen Kessel, unter beständigen Umrühren eine halbe Stunde lang gekocht, und abgeklärt, worauf man das helle Fluidum in einem gut verschlossenen hölzernen Gefäß bewahrt. Den rükständigen Saz laugt man mit 150 Pfund Wasser aus, und bringt nach dem Abklären die Flüßigkeit zur ersten Auslaugung. In diesem Zustande besizt die aufgelöste gelöste Schwefelkalkerde die Farbe eines dünnen Weißbiers. Sie wird bei der Anwendung mit 250 Pfund Wasser verdünnt, und stellt so die Bleichlauge für die baumwollenen Gewebe dar.

Behandlung der Waare.

Die fermentirte und gut gereinigte Waare haspelt man vermittelst der Winde in die kalte Bleichflüßigkeit, und wiederholt das Hin- und Wiederhaspeln in dem Bade, damit sie von der Lauge gleichförmig durchdrungen werde, einigemale, sodann drükt man sie, aber nicht zu fest, unter die Flüßigkeit, und läßt sie 20 Stunden wohl zugedekt darin liegen. Vor dem Herausnehmen treibt man sie hin und wieder über die Winde, windet die Waare auf, daß die ablaufende Flüßigkeit in die Wanne zurüklauft, und schaft die Waare an den Fluß oder Bach. Sie wird jezt gut gewaschen, 2 mal gewalkt, und 4 bis 5 Tage auf die Bleichwiese ausgelegt, von da wieder gewaschen, gewalkt und in einer schwachen kaustischen Kalilauge, welche aus 6 Pfund guter Pottasche und dem dazu erfoderlichen Kalk bereitet worden, 4 Stunden lang ausgekocht. Hierauf bringt man sie nach dem Waschen und Walken wieder 16 Stunden lang in das geschwefelte Kalkbad, worin man sie wie das erstemal behandelt, wascht und walkt sie nach dem Herausnehmen 2 mal gut durch, kocht sie unmittelbar darauf in einer kaustisch- alkalischen Lauge, die aus 5 Pfund Pottasche, und der benöthigten Quantität Kalk dargestellt wurde, wascht und walkt sie abermals, und legt sie 6 Tage hindurch der Einwirkung der Luft |169| und des Lichts auf der Bleichwiese aus. In diesem Zustande wird sie abgetroknet 20 Stunden lang in ein Chlorinbad gelegt, hernach gewaschen, gewalkt und in ein schwefelsaures Bad auf 20 Stunden gebracht. Nach dem Waschen und Walken kommt sie für einige Tage auf die Bleichwiese, und erhält zulezt ein nochmaliges schwefelsaures Bad. Dieses Verfahren liefert mir eine Bleichwaare, die sich für alle Fabrikate des Drukes und Färbens eignet.

Bei dem Bleichen mit der geschwefelten Kalkerde ist darauf auf zu sehen:

1) Daß die Waare nach dem geschwefelten Kalkbade durch Waschen und Walken möglichst von der Lauge gereinigt werde, damit die atmosphärische Luft bei der Rasenbleiche keine Schwefelhaut abseze, die sich nur schwer durch kaustisch-alkalische Bäder wegschaffen läßt.

2) Daß die geschwefelte Kalkauflösung vor dem Zutritte der atmosphärischen Luft bewahrt bleibe, weil der Sauerstoff derselben die Flüßigkeit zersezt, und den Schwefel niederschlägt.

3) Daß auf der Bleichwiese bei heißer Witterung die Waare den Tag über öfters mit Wasser begossen werde.

Ueber die Buntbleiche, oder die Verfahrungsart, die baumwollenen- und leinenen Waaren nach dem Färben so zu reinigen, daß die ungedrukten Stellen vollkommen weiß erscheinen80).

Unter der Bunt- oder Schekenbleiche versteht man in den Manufakturen und Färbereien diejenigen Verfahrungsarten, mittelst deren gedrukte und gefärbte Waaren von dem in den weißen Grund eingeschlagenen Pigmente vollkommen |170| gereinigt werden, wodurch die farbigen Stellen geschönt und der weiße Grund, oder diejenigen Objekte, welche mit keinem Bindungsmittel für die Pigmente imprägnirt sind, wieder hergestellt werden.

Die Buntbleiche, welche einen wichtigen Gegenstand der Kattundrukerei ausmacht, beruht auf eben den Grundsäzen, die beim Bleichen der rohen Waare statt finden. Sie unterscheidet sich davon nur darin, daß man statt der alkalischen Salze, des Schwefelkalks und der liquiden Chlorine, das Weizenkleien- und Lerchenschwammbad, die Bäder von gesäuertem Getreidemehl, Seifenwurzel, Kuhmist und Seife, so wie das oxidirtsalzsaure Kali- und insbesondere oxidirtsalzsaure Natronbad anwendet, und die Waare durch Auslegen auf die Bleichwiese der Einwirkung und Zersezung der atmosphärischen Luft, des Lichts und des Wassers unter wechselseitiger Anwendung der Weißmachbäder so lange unterwirft, bis die Farben vollkommen geschönt, und die weißen Objekte ganz klar und hell erscheinen.

In ganz heißen Sommertagen entzieht man die Waare den heftig wirkenden Sonnenstrahlen zur Mittagszeit, was bei vielen Farben wesentlich nöthig ist, um sie lebhaft und feurig zu erhalten. Die zum gewöhnlichen Weißbleichen nöthigen Stoffe würden die Farben zum Theil ganz zerstören, und zum Theil, wenn man ein alkalisches oder gesäuertes Bindungsmittel zur Fixirung der gewählten Farbe angewendet hat, modifiziren und schwächen; das Sonnenlicht aber würde in ganz heißen Tagen auf die mit den Zeuge örtlich in Verbindung getrettenen Pigmente, einen nachtheiligen Einfluß durch Desoxidation, die dem Lichte eigen ist, oder durch aufgeregte allzugroße Wärme ausüben.

Die Bäder der Kleien, des Lerchenschwamms, der gesäuerten Getreidearten und der Seifenwurzel wirken nur schwach auf das an erdige und metallische Basen gebundene |171| Pigment des Krapps, Campechenholzes, Brasilienholzes, Wau's, der Scharte, des Gelb- und Fisetholzes, der Querzitronrinde u.s.w. Sie äußern dagegen große Wirkung auf die in den weißen Grund abgesezten, und nicht chemisch damit verbundenen Theile.

In den Druk- und Färbereien81) ist eine durchaus reine und weißgebleichte Waare nicht genug zu empfehlen, um ein günstiges Resultat beim Färben zu gewinnen. Die Farben, welche durch erdige oder metallische Basen in der Faser fixirt werden, erscheinen viel lebendiger, intensiver und dauerhafter, weil der Verbindung keine Materie entgegen strebt, sobald die Waare absolut rein gebleicht war. Es lassen sich dadurch die weißgebleichten Stellen viel leichter von dem sich anhängenden Pigmente reinigen. Eine minder rein gebleichte, und nicht durch alle Theile der innersten Faser durchaus entfärbte Waare, die also noch verborgene farbige Materien enthält, bietet vermöge derselben dem Pigmente ein Anziehungsmittel dar, und das Pigment sezt sich durch eine solche Verbindung fester in den Stellen an, welche weiß erhalten werden sollen. In diesem Zustande läßt sich eine solche gefärbte Waare viel schwerer und nur mit Verlust an Farbenlebhaftigkeit der gedrukten Objekte vollkommen weiß darstellen; denn je mehr es bei der Bundbleiche Zeit erfodert, der Waare die gewünschte Weiße zu geben, um so mehr müßen auch die Farben, durch die wiederholten Operationen leiden, und an Intensität verlieren. Es kann indessen eine Waare beim Einkaufe vor dem Druken |172| und Färben schön weiß gebleicht sich darstellen, ohne jedoch so vollkommen gebleicht zu seyn, daß sie sich für das Färben eigne, wenn nämlich die zum Theil noch übrig gebliebenen Farbetheilchen, die gewöhnlich bei einer Seifenbleiche dem Auge entgehen, nicht durch die gehörigen Mittel aufgelöst und bei Seite geschaft worden sind. Eine solche Erscheinung gründet sich auf die Bleichmethode selbst, wenn entweder mit Seife, saponificirter Kalilauge, oder mit Wasserdämpfen ohne Auslegen auf den Bleichplan oder Passage durch Chlorine gearbeitet wurde.

Was hier über die Buntbleiche bemerkt worden, gilt jedoch nur für solche Fabrikate, welche gemusterte weiße Stellen enthalten, die durch Ausfärben erzielt werden. Zum Druken mit Applikations-Farben (Tafeldruk-Farben, topischen Farben) und uni zu färbenden Gründe, wird keine absolut rein gebleichte Waare erfodert, zumal wenn die Gründe dunkel erscheinen, wo eine halbe Bleiche schon ausreicht.

Das zwekmäßigste Verfahren beim Reinigen der Waare nach dem Färben oder der sogenannten Buntbleiche ist:

A) Durchnehmen im Kleienbade und Auslegen auf die Bleichwiese;

B) Durchnehmen im gesäuerten Erbsenmehlbade und Auslegen auf die Bleichwiese;

C) Durchnehmen im Lerchenschwammbade und Auslegen auf die Bleichwiese;

D) Durchnehmen im Kuhmistbade und Auslegen aus die Bleichwiese;

E) Durchnehmen durch ein Seifenwurzelbad;

F) Durchnehmen in einem mit vielem Wasser verschwächten Bade von Chlorinkali (Javellscher Lauge);

G) Durchnehmen in einem mit vielem Wasser verschwächten, erwärmten chlorsauren Sodabade;

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H) Durchnehmen durch ein Seifenbad zur Belebung der verschiedenen krapprothen Farbenschattirungen.

A) Von dem Kleienbade.

Das Kleienbad zum Durchnehmen der gefärbten Waare wird bald lau, bald heiß, bald kochend zum Reinigen der Waare angewendet, nach der Natur der Farbe, welche man mit der vegetabilischen Faser verbunden hat. Waare, welche mit Querzitronrinde, Kreuzbeeren, Aepfelbaumrinde etc. gelb gefärbt worden, wird in ein mäßig heißes Bad von 60–65 Grad Reaum. gebracht; Waare in Wau gefärbt aber behandelt man kochend, besonders wenn die Umrisse schon früher durch Krapp oder ein anderes solides Pigment dargestellt wurde. Ein in der Temperatur zu hohes Bad würde hier das Querzitrongelb in eine bräunliche oder röthliche spielende Farbe modificieren. Olivenfarben, welche eine Eisen- und Thonerden-Basis haben, erfodern mit denselben gelbfärbenden Pigmenten dargestellt, ein heißeres Kleienbad, das bei der Querzitronfärberei 70–75° hat, und bei Wau stark kochend ist. Diese Farben verlieren nicht nur nichts durch die erhöhte Temperatur, sondern es scheint vielmehr ihre Intensität dadurch durch zu gewinnen. Solche Fabrikate bekommen durch das Bad eine solche Weiße, daß sie nicht der Bleichwiese bedürfen, welche nur nachtheilig seyn würde, indem durch die Einwirkung des Lichts das Querzitrongelb bald ins Braune sich zöge, und die Farbe ihren Lüster verlöre. Um bei den verschiedenen mit Krapp oder Campechenholz gefärbten Waaren den weißen Grund zu reinigen, ist dem Bade eine Hize von 75 bis 78° Reaum. zu geben; am allerheißesten aber, 78–80° R., muß dasselbe bei einer Waare seyn, welche mit Fernambuk, Rothholz oder Brasilienholz gefärbt worden. Die Waare wird darin in einzelnen Stüken einigemale schnell hin und wieder gehaspelt, weil ein längeres Verweilen im Bade den Farben die |174| Lebhaftigkeit benimmt. Bei Carmoisin-Farben aus diesen Pigmenten gefärbt, sezt man dem Kleienbade hin und wieder etwas kohlenstoffsaures Natron hinzu, wodurch die Farbe einen Stich in's Bläuliche annimmt.

Alle diese verschiedenen individuellen Behandlungsarten sind Gegenstände, welche jeder praktische Kolorist und Färber, durch eigene Erfahrung belehrt, den Eigenschaften der Farben gemäß anwenden muß; sie richten sich nach den gewählten Basen und den Farben selbst; es kann daher nicht genau, bei den differenten Zusammensezungen der Farben, wo die eine mehr, die andere minder dauerhaft erhalten wird, angegeben werden, wie hoch der Grad der Temperatur seyn, und wie lange das Verweilen im Weißmachkessel dauern müsse. Hauptabänderungen finden nur bei einer vorangegangen schlechten oder fehlerhaften Weißbleiche statt. Ich habe nur noch zu bemerken, daß man die Waare, insbesondere die gelbgefärbte, gleich nach dem Reinigen im Kleienbade im fließenden Wasser zu waschen habe, weil sonst eine Abänderung des Farbenausdruks zu befürchten wäre.

Bereitet wird das Kleienbad, indem man einen Kessel mit Wasser beinahe anfüllt, das Wasser mittelst Heizung in die erfoderliche Temperatur sezt, und kurz zuvor, ehe man die Waare über die Winde in's Bad dreht, die Kleien zusezt, und alsdann das Fluidum wohl untereinander rührt. Vor dem Einbringen der Waare in dasselbe, läßt man sie gleich nach dem Färben waschen und walken. Die vermittelst gelbfärbender Pigmente dargestellten Farben, die Fernambuk-Rothholz- und Campechenholz-Farben, die braunen, violeten und Lilas-Farben aus Krapp gefärbt, werden gleich darnach in das Kleienbad gebracht, und erstere, nachdem sie weiß sind, getroknet, leztere aber auf die Bleichwiese ausgelegt. Alle rothe mit Krapp bewirkten Farben werden nach dem Waschen und Walken der Einwirkung der Luft und des |175| Lichts auf der Bleichwiese ausgesezt, dann erst in Kleien weiß gemacht und wieder ausgelegt, womit man so lange abwechselnd fortfährt, bis die Farben die gewünschte Nuancen angenommen haben, und der weiße Grund vollkommen hergestellt ist. Bei dergleichen Fabrikaten werden nach dieser Behandlung die rothen Farben geschönt, und das falbe Pigment des Krapps wird ausgeschieden, wogegen das rothe rein zurük bleibt; das Fabrikat ist nun als vollkommen zu betrachten.

Erscheint die Waare nach dem Reinigen mit Kleien und Waschen im Fluß noch nicht vollkommen weiß, so pflegt man sie auf die Bleichwiese auszulegen. Die rechte Seite, wo das Muster aufgedrukt ist, kommt auf den Grasboden so zu liegen, daß die linke Seite oben ist, und das Licht nebst der Luft darauf wirken kann. So ausgebreitet wird die Waare auf den Seiten der Länge nach benadelt, und an den 4 Enden mit Bleichnägeln, welche in die Erde eingestekt werden, befestigt. Man begießt sie nun täglich 2 bis 3 mal mit Wasser, und läßt sie so lange auf der Bleichwiese liegen, bis sie vollkommen weiß gebleicht ist.

Zur Verhütung des Zusammenrollens der Waare auf der Wiese bedient man sich geschälter Stanzen von Tannenholz, welche quer über die ausgebreiteten Stüke gelegt werden. Sie werden alle 2 Stunden auf der Waare fortgerükt, damit die Luft und das Licht alle Theile gleichmäßig berühre. Ist die Waare vollkommen gebleicht, so wird sie am Bach recht rein gewaschen, gewalkt, aufgehangen und getroknet.

Zum Bleichen bunter feiner Weißzize wählt man gern eine reine und heitere Witterung. Es ist auch nicht wohlgethan, diese Zeuge bei heftigem Gewitterregen und Schneeflokenwetter auszulegen, weil der weiße Grund dadurch leicht einen Stich in's Gelbliche annimmt.

Bei der Buntbleiche kann man sich der Kleie des Weizens, |176| Dinkels, Fesens und Roggens bedienen. Die Kleie ist um so wirksamer, wenn sie nicht ganz ausgemahlen ist, und noch mehligte Theile enthält, welche ihre Güte entscheiden. Die Hauptwirkung der Kleie gründet sich auf eine vorangegangene säuerliche Fermentation, denn sie eignet sich am beßten für das Bleichen. Um die Kleie für den Fabrik-Bedarf bei beträchtlichen Quantitäten derselben gut zu erhalten, bringt man sie auf lüftige trokene Böden, häuft sie nicht zu dik aufeinander, und sticht sie wöchentlich, wie das Getreide, mit der Schaufel einigemale um, damit sie nicht durch Erhizung und faule Gährung sich verschlechtere. Hr. Dr. Dingler schlägt vor, die frische Kleie bei der Anwendung mit Sauerteig zu säuern; indem man 25 Pfund Kleien mit warmen Wasser einteigt, diesem Teige ein halb Pfund Sauerteig zusezt, und das hölzerne Gefäß mit einem Tuche bedekt. Die Masse wird in eine leichte Gährung übergehen, und am andern Tage sich in demjenigen Zustande befinden, in welchem sie sich für das Weißmachen gefärbter Waare am wirksamsten zeigt. Ich habe diese Versuche öfters im Großen angestellt, und Hrn. Dr. Dinglers Rath vollkommen bestätigt gefunden.

B) Von dem gesäuerten Erbsenbade.

Den Gebrauch des gesäuerten Erbsenmehls, welches noch wirksamer als die gesäuerte Kleie ist, verdanke ich meinem Freunde Hrn. Dr. Dingler. Die Erbsen werden wie Getreide gemahlen, und eben so wie die Kleie in Fermentation gesezt. Zwar sind die Erbsen im Ankaufe viel theurer, als die Kleie, aber sie geben desto mehr aus, so daß man davon kaum den vierten Theil gegen das nöthige Quantum an Kleie bedarf, und man bringt damit nicht nur eine gleiche, sondern in mehreren Fällen eine noch vorzüglichere Wirkung hervor.

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C) Von dem Lerchenschwammbade.

Noch wirkungsvoller, als die Kleie und das gesäuerte Erbsenmehl, ist die reinigende Eigenschaft des Lerchenschwamms (Agaricus albus). Die in einem solchen Bade behandelte, gefärbte Waare nimmt eine vorzüglich schöne Weiße an. Bereitet wird dieses Bad, wenn der Lerchenschwamm fein gestoßen in das Bad kommt, und man mit der Vorrichtung der Waare und Manipulation, wie bei dem Reinigen mit Kleien verfährt.

Den beßten Lerchenschwamm liefert Aleppo und Trient. Er ist ein ungestielter Lerchenschwamm, faustgroß, und zuweilen noch größer. Je größer, um so besser ist er. Im frischen Zustande bedekt ihn eine glatte, farbige, abwechselnd weiße, gelb und braun geringelte Haut, und unten ist er durchlöchert; getroknet hingegen hat er eine schöne weiße Farbe, und ist leicht, zart und zerreibbar, jedoch zäh und geruchlos. Sein Geschmak ist anfangs süße, nachher aber ekelhaft, zusammenziehend, scharf und bitter.

Eine geringere Sorte, welche aus der Levante kommt, wird in Marseille unter dem Namen Cocumulo verkauft. Der in Tirol wachsende ist von geringer Güte. Der italienische wird in Agarico fino und Mezzano eingetheilt; Rasura dell Agarico sind bloße Abschnizlinge, womit man den in Handel vorkommenden Lerchenschwamm häufig zu verfälschen pflegt.

D) Kuhmistbad.

Das Kuhmistbad wird in der Buntbleiche mit großem Vortheil bei feinen Zizen, welche viele Abstufungen von rothen, braunen, violetten und lilas Farben zeigen, angewendet. Es wirkt nicht angreifend auf die Farben selbst, sondern disponirt sie, wenn sie der Luft, dem Licht und Wasser auf der Bleichwiese ausgesezt sind, sich lebhaft und mit vielem |178| Feuer abzuschönen, während dadurch der weiße Grund rein hergestellt wird.

Man bereitet das Kuhmistbad auf folgende Weise: Es werden die frischen Exkremente mit heißen Wasser in einem Kübel angerührt, worauf man von denselben durch ein Sieb dem kochenden Wasserbade so viel gibt, daß lezteres eine grüne Farbe annimmt. In diesem Bade kocht man die Waaren 8. 12 bis 30 Minuten lang, je nach der Gattung der Fabrikate, spühlt sie nach dem Herausnehmen am Fluß ab, und legt sie, ohne sie auszuwalken, auf die Bleichwiese aus.

Ich muß hier noch bemerken, daß selbst das reine Wasserbad eine wirkende Kraft auf die Farben äußert. Gefärbte Waaren, welche durch laue Behandlung im Färben mit den verschiedenen Pigmenten erzeugt werden, sind in der Regel nie so dauerhaft, als wenn die Temperatur des Bades stufenweise erhöht wird. Dergleichen zarte Farben können durch kochende Wasserbäder, ohne dadurch an Lebhaftigkeit und Intensität zu verlieren, mehr befestigt werden, bei solchen Fabrikaten reicht das kochende Wasserbad in den meisten Fällen auch hin, einen vollkommen weißen Grund hervorzubringen.

E) Seifenwurzelbad.

Die im Handel vorkommende Seifenwurzel stellt im fein gepulverten Zustande ein wirkendes Agens für die Buntbleiche dar. Das Seifenwurzelbad nimmt die verunreinigenden Theile hinweg, ohne auf die Farben einzuwirken. Es wird bald für sich, bald in Gesellschaft mit der Kleie zum Weißmachen der gefärbten Waaren angewendet. Die Manipulation ist wie bei dem Kleienbade.

F) Chlorinkalibad.

Das Chlorinkali (oxidirt salzsaure Kali) mit vielen Wasser geschwächt gibt eine Bleichflüssigkeit, welche zum Bleichen der bunten Waare geeignet ist.

|179|

Die gefärbte Baumwollen- und Leinenzeuge werden, bevor man dieselben in das Chlorinkalibad bringt, recht gut gewaschen und gewalkt, um alle anhängenden Theile, welche sich in dem Farbenbade angesezt hatten, hinwegzuschaffen. So vorgerichtet kommt die Waare in die kalte Bleichflüßigkeit, worin man sie nach Gutbefinden längere oder kürzere Zeit liegen läßt. Sie wird sodann am Fluße gewaschen, gewalkt und über Nacht auf die Bleiche ausgelegt. Durch diese Behandlung werden die verunreinigt gewesenen Stellen, die weiß bleiben sollen, ganz entfärbt.

Es fodert aber die Buntbleiche mit dem Chlorinkali viele Behutsamkeit und einen geübten Arbeiter, weil das geringste Versehen den Verlust der Lebhaftigkeit der Farbe nach sich zieht. Wird das Chlorinkali nicht mit vielem Wasser geschwächt in Anwendung gebracht, so läuft man Gefahr, daß die durch die erdigen und metallischen Basen gebundene Farben von der sich in Freiheit sezende Chlorine angegriffen werden, und nach dem Auswaschen in Wasser und Abtroknen mager und fahl erscheinen. Eine ähnliche unangenehme Wirkung kann auch durch ein zu langes Verweilen in einem mit vielen Wasser verdünten Bade erfolgen.

Bei der Buntbleiche ist Chlorinkalk-Auflösung nicht zu empfehlen, weil sich durch die Zersezung dieser Verbindung immer etwas Kalkerde in die innersten Fasern der vegetabilischen Gewebe absezt; und da eine nach dieser Methode gebleichte Waare zur Bildung der verschiedenen Muster noch andere erdig- oder metallische Basen nöthig hat, die zum Theil aufgedrukt und wieder gefärbt werden, so sezt sich das Pigment um so mehr beim zweiten Färben in dem weißen Grunde ab, und ist um so schwerer daraus hinwegzuschaffen, weil es an eine Basis fixiert, und nicht mehr mechanisch auf der Faser abgeschieden erscheint. Ein Gegenstand von der höchsten Wichtigkeit beim Bleichen bunter Waaren.

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G) Chlorinnatronbad.

Beim Bleichen der bunten Waare ist dem Chlorinkalibade das Chlorinnatronbad vorzuziehen, und es wird in den berühmtesten Kalicodrukereien Englands und Schottlands angewendet, scheint aber in den deutschen Manufakturen noch nicht in seiner Wirkung bekannt zu seyn.

Diese neue Entdekung macht sich dadurch wichtig, daß man zu allen Jahreszeiten das langsame Ausbleichen auf der Wiese ganz entbehren, und die gefärbten Stoffe sehr schnell mit geringen Kosten weiß bleichen kann. Die Anwendung der Chlorinnatron-Auflösung erfodert aber so wie die des Chlorinkali große Behutsamkeit und erfahrne Arbeiter, welche mit den Gesezen der Chemie vertraut sind. Um mit diesem Agens Waare von dem in den weißen Grund geschlagenen Pigment vollkommen zu reinigen, muß man folgendergestalt verfahren:

„Man wasche und walke die Waare gleich nach dem Ausfärben so lange, bis das Wasser farbenlos davon abläuft. In eine große Menge heißes Flußwasser, das eine Temperatur von 60 bis 70° Reaum. hat, bringe man von der bleichenden Flüßigkeit nur so viel, daß auf 10 Pfund Wasser nicht mehr als 2, 4 bis 6 Loth Chlorinnatron-Auflösung kommen, hasple dann in diesem Bade die Waare, breit auseinandergehalten, mittelst der Winde so lange hin und wieder, bis die weißen Stellen vollkommen hergestellt sind. Die Waare wird nun schnell herausgenommen, gewaschen, gewalkt, übernacht auf die Bleichwiese ausgelegt, wieder gewaschen und an der Luft abgetroknet.

Es läßt sich übrigens bei dieser Art zu bleichen, das quantitative Verhältniß der bleichenden Flüßigkeit zum Wasser so wenig, wie die Temperatur derselben, für die verschiedenen Fabrikate genau bestimmen. Man muß sich dabei nach der Schwäche oder Starke des eingesalbten Grundes und nach |181| der Intensität der Farben richten, wozu viele Uebung gehört. Es ist höchst wichtig, die Konzentration der Bleichflüßigkeit vor der Anwendung sorgfältig durch Indigpräzipat zu prüfen, und sie bei mehr freier Chlorine in der Verbindung eher zu schwach, als zu stark anzuwenden, weil sonst die Farben nach dem Auswaschen, Walken und Abtroknen fahl, mager und ohne Lüster zum Vorschein kommen, ein Uebel, welches an der nassen Waare weit schwerer, als an der trokenen zu erkennen ist. Sehr häufig findet man diese durch fehlerhafte Manipulation entstandene Eigenschaft an den großbritannischen Calico-Mustern im weißen Grunde mit rothen Dessein.

Bei einer sachgemäßen, genauen und sorgfältigen Behandlung nehmen die rothen mit Krapp gefärbten Waaren in dem Chlorinnatronbade einen besondern das Auge ansprechenden Farbenton an, welcher den meisten englischen und schottischen rothen weißboden Calicos eigen ist, und darin besteht, daß sich die Farbe ohne sonderlichen Glanz in's Rosafarbige neigt, wodurch sich der Karakter der eigentlichen Krappfarbe verläugnet. Dieser Umstand veranlaßte in Deutschland viele und mancherlei Versuche, um sich jene Nuancen zu verschaffen, aber die Resultate entsprachen nie der Erwartung. Die Ursache des Mißlingens war der falsche Weg, auf welchem man das Gesuchte zu finden glaubte. Man glaubte, daß die Britten sich anderer Bindungsmittel für den Druk bedienten, oder durch Melange verschiedener rothfärbender Pigmente ihren Zwek erreichten, und da man von dieser Meinung bei den Versuchen ausgieng, so mußte man sich in dem Erfolge getäuscht sehen. Durch die Anwendung des Chlorinnatron beim Bleichen der krapprothen Farben enthüllte sich mir das Geheimniß der englischen und schottischen Manufakturen, indem ich dieselben Resultate erhielt.

Das Chlorinnatron bereite ich mir also:

|182|

„Zur Entwiklung der Chlorine beschike ich den Entwiklungs-Ballon mit

10 Pfund trokenem Kochsalz,
4 1/2 Pfund Braunstein,
7 Pfund französischer Schwefelsäure,
7 Pfund Wasser.

Zur kaustischen Natronlauge nehme ich 10 Pfund fein gepulverte Soda, die so lange mit kochendem Wasser ausgelaugt wird, bis die ablaufende Flüßigkeit keinen alkalischen Geschmak mehr erzeugt. In dieser Sodalauge lasse ich 6 Pfund frisch gebrannten Kalks löschen, das Ganze wohl untereinander rühren, in den Laugenapparat gießen, und die helle kaustische Sodalauge, welche 24 Maaß (á 2 Pfd. Flüßigkeit) beträgt, in den Vorlage-Ballon bringen. Wenn die Entwiklungsröhre in die Vorlage auf einen halben Zoll vom Boden eingestekt, und von der Vorlage aus eine andere Röhre in einen steinernen mit Kalkhidrat angefüllten Hafen eingefügt ist, lutire ich das Ganze, und gieße in den Entwiklungs-Ballon auf das Gemenge von Braunstein und Kochsalz die mit Wasser geschwächte Schwefelsäure in zwei gleichen Portionen ein. Die Entwiklung der Chlorine wird 24 Stunden kalt unterhalten, und hernach Feuer gegeben, so lange, bis keine Chlorine mehr übergebt. Nun lasse ich den Apparat auseinander legen, und es zeigt sich nur die Flüßigkeit in der Vorlage als Chlorinnatron (chlorsaure Soda). Den Kalkhafen kann man noch einigemale, um das Kalkhidrat vollkommen mit Chorine zu sättigen, bei der nächstfolgenden Operationen vorsezen, und das gesättigte Produkt als Chlorinkalk benuzen.

H) Seifenbad zur Belebung der krapprothen Farben.

Zur Belebung und angenehmen Abänderung der krapprothen Farben in den Kattundrukereien und Färbereien eignet sich kein Agens besser, als die Seife, sowohl Oel- als Fettseife. Man pflegt damit folgendergestalt zu verfahren:

|183|

„Wenn die gefärbte Waare mittelst eines der Bäder A) B) C) D) oder E) und des Ausliegens auf der Bleichwiese, von dem in den weißen Grund abgesezten Pigment vollkommen befreit ist, so, daß sie ganz als Kaufmannsgut zu betrachten ist, werden zu 16 Stüken 5/4 breiter und 46 Ellen langer Waare 2 Pfund gewöhnlicher Seife klein geschnitten in einen großen glasurten Topf gethan, kochendes Wasser darüber gegossen, und mit einem Quirl so lange gedreht, bis die Seife vollkommen zergangen ist, und mit dem Wasser eine homogene Flüßigkeit bildet. Man richtet nun den Kessel mit dem erfoderlichen Wasser vor, so, daß die Flüßigkeit eine Temperatur von 70–78° Reaum. erreicht, schüttet die Hälfte der Seifenlösung hinzu, rührt das Fluidum gut um, und bringt 8 Stüke über den Haspel in das Bad. Hier wird die Waare 3, 4, 5, 6 bis 8 mal hin und wieder getrieben, je nachdem die rothe Farbe weniger oder mehr in's Bräunliche sich neigt, alsdann herausgenommen, und in Flußwasser von dem anklebenden Seifenwasser gut gereiniget. Man bringt nun in den Kessel die andere Hälfte der Seifenlösung und verfährt mit den übrigen Stüken eben so.

Soll das Weiß gegen das Licht gehalten einen bläulichen Schein erhalten, so gebraucht man hiezu ein indigo-blaugefärbtes Wasser, wie S. 42. Anm. 94. angegeben wurde.

Die Modifikation der krapprothen Farbe durch das Seifenbad gründet sich auf die Einwirkung des alkalischen Salzes in der Seife. Leztere wird zum Theil zersezt, und das alkalische, in Berührung mit den farbigen Theilen gekommene Salz bewirkt die erwähnte Veränderung.

Eine ähnliche Erscheinung findet bei der türkisch rothgefärbten Waare durch die Avivage und Rosage statt, wo die Oelseife und die Salze des Zinns eine so wichtige Rolle spielen.

(Die Fortsezung, welche die Leinwand-Bleiche behandelt etc. folgt im nächsten Hefte.)

|155|

Chaptal, la chimie appliquée aux arts, V. III.

|155|

Es ist eine unrichtige Vorstellung, welche Graf Chaptal, Bosc, Bourlier und alle brittische Manufakturisten mit einander gemein haben, daß die alkalische Lauge im Dampfkessel bei erhöhter Temperatur sich verflüchtige, und die Faser der vegetabilischen Stoffe penetrire. Die elastischen Dämpfe, welche bei einer Temperatur von höchstens 230 Grad Fahrenheit oder 88 Grad Reaumur bei dergleichen Dampfapparaten in den verschlossenen Kasten aufsteigen, sind reine Wasserdämpfe, welche die mit dem Stoffe impregnirte alkalisch-salzige Theile disponiren, die Faser aufzulokern, den Extraktivstoff so wie andere Unreinigkeiten auflösen, und sich bei Anhäufung und Kondensation der Dämpfe in tropfbare Flüssigkeit hinwegwaschen. Aus dieser Ursache kommt es bei dem Prozeß des Bleichens mittelst verdichteter Wasserdämpfe auf folgende Umstände an:

|156|
  • 1) Daß die Waare, bevor man sie in dem Bleichkasten der Einwirkung der Dämpfe aussezt, durch Fermentation von der Schlichte und einem Antheil des Extraktivstoffes möglichst befreit werde;
  • 2) Daß man zum Impregniren derselben eine kaustische Kali- oder Natronlauge, bei Baumwollen Stoffen von 2 Grad, bei leinener Waare hingegen von 6 Grab nach Becks Areometer, anwende, weil die Wasserdämpfe durch Verdichtung und Bildung tropfbarerer Flüßigkeit, die alkalische Lauge bald verdünnt, und in kurzer Zeit mit dem aufgelösten färbigen Stoff abgespühlt wird;
  • 3) Daß eine Wiederholung mit kaustischer Lauge von derselben Stärke erfolge;
  • 4) Daß durch abwechselndes Auslegen auf die Bleichwiese und Behandeln im Dampfbade die Waare so lange manipulirt werde, bis sie den absoluten Grad der möglichsten Weiße erreicht habe. Bei Substituirung der Chlorine oder der Verbindung dieser Säure mit Kali, Natron oder Kalkerde wird die Luftbleiche entbehrlich dagegen aber schwefelsaure Bäder nöthig.
  • 5) Die Zeit, welche die Waare im Dampfkasten zuzubringen hat, richtet sich nach der Stärke der alkalischen Lauge, womit sie vorher impregnirt wird; zwei bis drei Stunden sind bei dem angezeigten Grade derselben hinreichend, um durch die sich tropfbar bildende Flüßigkeit der Wasserdämpfe vollkommen mit dem ausgezogenen Farbestoff abzuspühlen. Soll die Operation fortgesetzt werden, so wird die Waare nach Verlauf dieser Zeit wieder mit frischer Lauge getränkt. Das französische und englische Verfahren mit schwachen alkalischen Laugen zu impregniren ist, und bleibt mangelhaft. Eben so unzureichend ist das zu lange Verweilen der Waaren im Dampfkessel; denn wenn die mit dem aufgelösten Extraktivstoff verbundene Lauge abgespühlt ist, und kein alkalisches Salz mehr |157| vorwaltet, gehen die Dämpfe nuz- und wirkungslos verloren, da die elastische Wasserdämpfe an und für sich keine bleichende Wirkung besizen, und durch zu langes Dämpfen der Faden in seiner Dauerhaftigkeit leidet. Es entsteht derselbe Nachtheil, wenn die mit Kali penetrirte Leinwand der Wirkung elastischer Wasserdämpfe, ohne leztere bald tropfbar flüßig zu erhalten, dargeboten wird. Man hat Beyspiele, daß Leinwand mit reinen Kalien getränkt und der Wirkung kochender Wasserdämpfe 6–8 Stunden hindurch ausgesezt, ihre Dauerhaftigkeit gänzlich verlieren. Chaptal scheint selbst in der lezten Zeit diese Ueberzeugung gewonnen zu haben, da er die Abänderung des Herrn Bardel genehmigte, durch welche die Wirkung der heißen Dämpfe beseitiget wird. Die Vorrichtung Bardel's besteht darin, daß die alkalische Lauge in einem verschlossenen Kessel vermittelst einer Röhre in die zugedekte Bleichbütte übergeleitet wird, und eine zweite Röhre den Kessel wieder von selbst speiset. Diese Vorrichtung gleicht unserem dampfartigen Laugenapparate. –

Es ist dennoch ganz überflüßig, den Dampfkessel mit alkalischer Lauge vorzurichten; reines Flußwasser macht denselben Effekt, leztere wird durch das abgespühlte alkalische Salz, womit die Waare penetrirt worden, alkalisirt. Anmerk. d. Verf.

|157|

Wir Deutsche möchten diese französische Behauptung nur relativ für einzelne Fälle im Druk- und Färben anerkennen, und Herr Bawens dürfte in der Folge auf Schwierigkeiten gerathen, die ihn auf's Neue auf eine andere Ueberzeugung leiten. Ohne Auslegen auf die Bleichwiese oder Passage durch Chlorin- oder Chlorinverbindungsbäder und nachherigem schwefelsauern Bade ist wohl schwerlich nach Bawens Verfahren ganz gebleichte Waare für den Krappkessel zu erhalten. Anmerk. d. Verf.

|158|

Ohne Zweifel war diese Leinwand nicht mehr im rohen ungebleichten Zustande, sondern früher schon weiß gebleicht, und nur durch den Gebrauch schmuzig geworden; aber ein solches Wegschaffen des Schmuzes ist kein eigentliches Bleichen, sondern ein Waschen. Anmerk. d. Verf.

|158|

Dieses Verfahren möchte nicht überall ausreichen. Die Zerstörung aller gefährlichen Krankheitsstoffe, womit die baumwollene und leinene Wasche infizirt ist, erfolgt um so sicherer, wenn man die Kleidungsstüke der Kranken oder Verstorbenen nach dem Dampfbade in ein Chlorinbad, und von da in ein schwefelsaures Bad einlegt. Nur nach einer solchen Behandlung kann man sie mit gutem Gewissen, und ohne alle Gefahr dem Lazarethe wieder zurükgeben. A. d. V.

|158|

O'Reilly. Essai sur le Blanchiment.

|159|

Man wird immer mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wenn man Parthien von 3–4 bis 500 Schok Leinwand nach dieser neuen Methode durchaus schön und gleichförmig weiß bleichen will. Die gleiche Einwirkung und Berührung der verdichteten Wasserdämpfe auf die Waare, was absolute Bedingung zur Realisirung eines guten Bleichprozesses ist, läßt sich bei so ansehenlichen Parthien selbst durch Auf- und Abrollen über die Winden, so schwer bewirken, daß ich geneigt bin, in Bleichanstalten, wo jährlich 10,000 bis 20,000 Stüke Leinwand gebleicht werden, den andern vortheilhaft bekannten Bleichmethoden den Vorzug einzuräumen. In Frankreich und England ist auch gar wenig mehr von der Dampfbleiche die Rede. Anders verhält es sich bei Fabriken für Müzen, Strümpfe, Garne u. d. m., welche in der Dampfkammer ohne viele Mühe parthienweise neben einander aufgehängt werden, wo die Wasserdämpfe die mit alkalischen Laugen penetrirte Waaren überall durchziehen können, und eine gleichförmige Einwirkung statt findet. A. d. V.

|159|

Vergleiche Anmerkung 63 Seite 155.

|160|

Man vermißt hier den kräftig einwirkenden Gährungsprozeß, der den alkalischen Laugen vorausgeht. Es scheint, es sey derselbe den Franzosen zu der Zeit, als Bosc und Chaptal schrieben, der Wirkung nach noch wenig bekannt gewesen. A. d. V.

|160|

Natürlicher Extraktivstoff mit fetten und öligen Substanzen, welch' leztere beim Spinnen und Verarbeiten der Garne hiezu gebraucht werden. Anmerk. d. Verf.

|161|

Vergleiche das Bleichen der Müzen, Strümpfe etc. durch saponifizirte kaustische Kalilauge S. 94 des vorhergehenden Heftes dieser Abhandlung.

|162|

Wenn die Waare nach dem schwefelsauern Bade sorgfältig gewaschen wird, so ist eben so wenig Nachtheil für die Dauerhaftigkeit |163| der Farbe, als bei der javell'schen Lauge, zu befürchten. Im flüßigen Zustande wirkt die mit vielem Wasser verschwächte Schwefelsäure gar nicht schädlich auf die Pflanzenfaser. A. d. V.

|163|

Ich würde stets bei der lezten Operation im Bleichen der Schwefelsäure den Vorzug vor der javell'schen Bleichlauge zugestehen, weil leztere immer etwas Geruch nach Chlorine zurük läßt, und die Waare im Magazin mehr Disposition zeigt, einen gelblichen Schimmer anzunehmen. A. d. V.

|164|

Vergleiche Anmerkung 63 S. 155.

|164|

Klares Flußwasser thut dieselben Dienste. A. d. V.

|166|

Hiebei bedienen sich die Engländer keiner Chlorine oder Chlorine-Verbindung als Substituirung, um den Bleichprozeß zu befördern. A. d. V.

|166|

Bald nach Bekanntmachung des Bleichens mittelst elastischer Wasserdämpfe, wurden zu Troyes in Frankreich auch in einer Münzfabrik Versuche gemacht, um die Münzen hell und klar zu bekommen. Man legte sie über Rahmen, welche mit Kanavas bedekt und vier Zoll von einander entfernet waren. So brachte man sie in die Dämpfe, welche beim Aussteigen aus dem Kessel, von allen Seiten sie berühren, den grauen färbenden Stoff zerstören, und sie vollkommen bleichen konnten. A. d. V.

|167|

Hermbstädts Magazin für Färber etc. B. 2. S. 25 und 33. Hermbstädts Grundriß der Färbekunst etc. 2te durchaus verbesserte und vermehrte Auflage, 2ter Band S. 25, 1807.

|169|

Die Buntbleiche habe ich schon vor mehreren Jahren in einer Abhandlung ziemlich deutlich auseinander gesezt. Diese Abhandlung befindet sich in Schweigger's Journal der Chemie und Physik. B. 8. 1813. und in Dinglers neuem Journal für die Druk-, Färbe- und Bleichkunst. B. 1. S. 271–281.

|171|

Das Pigment des Krapps schlägt sich bei einer gut gebleichten Waare gar nicht in den weißen Grund ab, wenn der Krapp einen Tag vor dem Färben, mit etwas Kleien eingeteigt, einer gelinden Fermentation unterworfen wird. Es geschieht dieses am beßten in einem hölzernen Gefäße. Das hiebei anzuwendende laue Wasser darf nicht über 35° Reaum. erwärmt seyn. A. d. V.

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