Titel: Voit über die atmosphärische Luft, als Mittel zum Leben.
Autor: Voit, Richard Jakob August
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. XXVII. (S. 197–218)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/ar008027

XXVII. Ueber die atmosphärische Luft, als Mittel zum Leben; nebst der Untersuchung verschiedener Ursachen ihrer Verunreinigung, wodurch Häuser, Dörfer, Städte und ganze Gegenden ungesund werden, und über einige Mittel zu ihrer Verbesserung, welche vorzüglich Baumeister anwenden können und sollen. Von dem königl. Kreis-Bauinspektor Voit.

Die atmosphärische Luft, welche unsern Erdkörper allenthalben umgibt, wirkt auf die Bewohner desselben wohlthätig oder nachtheilig, je nachdem sie rein, oder mit schädlichen Dünsten angefüllt ist.

Die Basis der atmosphärischen Luft besteht aus Sauerstoff- und Stikstoff-Gas, welche in einem solchen Verhältniße mit einander verbunden sind, daß 100 Theile atmosphärischer Luft 79 Theile Stikstoffgas und 21 Theile Sauerstoffgas oder Lebensluft enthalten. Außer diesen Bestandtheilen befinden sich in der atmosphärischen Luft, bald in größerer bald in geringerer Menge, noch viele andere Substanzen, welche sie verunreinigen, die sich aber auch unter gehörigen Umständen wieder davon abscheiden.

Das Sauerstoffgas ist die einzige respirable Luft. In ihr zeigt sich das Thier noch viel lebendiger, als in der atmosphärischen Luft, und nur von ihr allein hängt das Brennen der Körper ab. Ueberhaupt hat das Athmen mit dem Brennen viele Aehnlichkeit. Der brennende, wie der |198| athmende Körper zieht den Sauerstoff in sich ein; jener erlischt, wenn er keinen Sauerstoff mehr einzuschluken, und dieser stirbt, sobald er keinen mehr einzuathmen hat; doch vermag weder ein brennender noch ein athmender Körper, in einem eingeschlossenen Raume, das Sauerstoffgas in der atmosphärischen Luft ganz zu verzehren, und die Flamme erlischt und der lebende Körper stirbt ohngeachtet noch Sauerstoffgas in derselben sich befindet. Um also eine Flamme, oder einen lebenden Körper zu unterhalten, muß die sie umgebene Luftschichte, aus welcher der brennende oder athmende Körper den Sauerstoff aufgenommen haben, und die nun viel Stikstoff enthält, weggenommen, und durch eine andere ersezt werden, welche aus atmosphärischer Luft besteht. –

Hieraus kann man einsehen, daß das Brennen ungemein verstärkt und befördert wird, wenn durch einen Luftzug oder ein Gebläse, dem brennenden Körper immer frische atmosphärische Luft zugeführt wird. Dieß ist auch beim Athmen der Fall.

So wie der Mensch ohne Sauerstoff gar nicht leben kann, so würde er in reinem Sauerstoffgas zu schnell leben. In derjenigen Luft, welche Sauerstoffgas und Stikstoffgas in oben angegebenem Verhältniß enthält, lebt er wohl am längsten und am gesündesten.

Obgleich dieses Verhältniß, nach den neuern mit Genauigkeit angestellten Versuchen in allen Jahren und Jahreszeiten, bei allen Winden und Witterungen in allen Höhen und Tiefen, in allen Gegenden der Erde auf dem Festlande und über der Meeresfläche, in Spitälern und Schauspielhäusern wie im Freien, immer unveränderlich zu bleiben scheint, so kann die Luft doch durch andere Stoffe, welche sich damit vermischen, schädlich und unathembar werden, gleichwie das Wasser, obgleich es in seinen Bestandtheilen unveränderlich ist, durch aufgelöste Dinge zum Gifttrank werden kann. Diese fremdartigen Stoffe, welche sich mit der atmosphärischen Luft vermischen, sind theils Wasserdämpfe, theils Kohlensäure durch Ausdünstungen aus der Erdoberfläche und vorzüglich in Städten durch Verbrennung und überhäuftes Zusammenseyn lebender Geschöpfe, durch Gährungen, Respirationen u.s.w. theils Ammoniakgas (durch Fäulniß thierischer Körper erzeugt), theils Kohlen-Schwefel- und Phosphor-Wasserstoffgas (Sumpfluft) und theils noch unbekannte animalische Dünste (Miasmen).

Bei einem Spaziergange auf das Land fühlt man den Unterschied der Luft. Entfernt von der Stadt ist die Luft |199| rein und leicht; drükend und unrein in engen, niedrig liegenden oder stark bevölkerten Städten.

Schon durch das Ausathmen so vieler Menschen, die in Städten beisamen leben, und einer so großen Menge Thiere, die sich der Mensch oft nur zum Vergnügen und aus Luxus beigesellt, wird die Luft verdorben; denn dieser Prozeß absorbirt nicht nur die Lebensluft, und scheidet aus der athmosphärischen Luft das Stikstoffgas, worin weder ein Geschöpf leben, noch ein Körper brennen kann, sondern er erzeugt überdieß noch viel kohlensaures Gas, welches ebenfalls irrespirabel ist.

Nach Th. v. Saussures Versuchen ist die Menge dieses Gases in der atmosphärischen Luft, im Sommer größer, als im Winter; denn im Winter enthalten 10000 Th. atmosphärischer Luft 4,79 Theile, im Sommer aber 7,13 Theile88). Da sich in der atmosphärischen Luft Sauerstoff, Kohlensäure und Wasserdünste befinden, so übt sie auf viele Stoffe eine nachtheilige Wirkung aus, und bringt Veränderungen an ihnen hervor. Diese Veränderungen nennt man Anlaufen, Rosten, Verwittern u.s.w.

Die Luft, welche die lebenden Geschöpfe umgibt, soll demnach nicht eingeschlossen seyn, sondern wenn die untere Luftschichte durch das Ein- und Ausathmen, durch Verbrennen, Gährungen, u.s.w. zum Leben untauglich wird, soll sie fortgeschaft, und durch eine neue Schichte atmosphärischen Luft ersezt werden können.

Zuerst will ich einige Ursachen angeben, wodurch hauptsächlich die uns umgebende atmosphärische Luft verdorben wird. Man hat die Bemerkung gemacht, daß nicht alle Städte, nicht alle Landesstreken gleich gesunde Wohnorte sind. Manche zeichnen sich so nachtheilig aus, daß sie gewisse einheimische Krankheiten haben, welche beständig, oder nur zu gewissen Jahrszeiten herrschen; allein es ist hier der Ort nicht, die geographische Lage solcher Orte anzugeben, und die örtlichen Ursachen so nachtheiliger Erscheinungen aufzuzählen, denn eine solche Untersuchung würde zu weit von dem vorgesezten Ziele abführen. –

Ungesunde Städte, Dörfer oder einzelne Wohnungen, |200| sind gewöhnlich auf einen sumpfigen Boden gebaut, oder sie haben in der Nähe Moräste oder stehende Gewässer, welche die Luft verderben. Von solchen einzelnen Pläzen will ich hier nicht besonders sprechen, sondern nur im Allgemeinen die Ursachen angeben, wodurch die Luft verdorben wird, Ursachen, welche wir täglich wahrnehmen können, und die beinahe alle Städte und Gegenden aufzuweisen haben.

Die atmosphärische Luft wird verdorben:

  • 1) Durch stehende Gewässer, durch Moräste und Sümpfe, durch Graben, welche nicht hinlängliches Gefälle haben, und nicht reinlich genug gehalten werden. Dergleichen versumpfte Gräben findet man vorzüglich auf dem platten Lande, aber auch in der Nähe von Städten, und in Städten selbst.
  • 2) Wenn in einem Dorfe die Dunglager nicht zwekmäßig eingerichtet sind, und wenn bei Regengüssen die Mistjauche in Gräben und leichte Vertiefungen geführt wird, wo sie verdünsten muß.
  • 3) Durch schlecht unterhaltene Wege und Strassen, wenn das Wasser in den Vertiefungen stehen bleibt, und verdünsten muß. Dieses Uebel trift man nicht nur in Dörfern, sondern leider! auch in Städten an.
  • 4) Wenn Kanäle durch Dörfer oder Städte fließen, welche wenig Gefall haben, und im Sommer beinahe austroknen.
  • 5) Werden durch feuchtes Mauerwerk die Wohnungen äußerst ungesund, und zwar um so mehr, wenn, wie es in Städten oft der Fall ist, die Hofräume beschränkt, von hohen Gebäuden eingeschlossen, und die Strassen selbst enge sind.
  • 6) Gebäude, welche im Verhältnis zur Breite der Straffe, in der sie stehen, zu hoch sind, halten den Luftzug ab, welcher zur Reinigung der untern Luftschichte nothwendig ist.
  • 7) Bewirken hohe Stadtmauern dasselbe Uebel, und wenn, wie dieß häufig der Fall ist, zwischen den Mauern und den Häusern sich nur ein schmaler Raum befindet, der gewöhnlich nicht reinlich gehalten wird, so erzeugen sich ungesunde Dünste, welche die Luft zum Einathmen untauglich machen.
  • 8) Wenn in Städten solche Professionisten zusammengedrängt leben, deren Abfälle leicht in faule Gährung gerathen, wie z.B. bei Gerbern, Pergamentern u.s.w., da entstehen die ungesunden Dünste am häufigsten, zumal |201| im Sommer und überhaupt, wenn nicht durchgängig die erwünschte Reinlichkeit beobachtet wird.
  • 9) Eben so verpesten schlecht angelegte und übel verwahrte Abtritte die Luft. Sind diese noch überdieß in enge Höfe eingeschlossen, und ist die Bevölkerung der Häuser, in denen sie angebracht sind, groß, so ist der Gestank um so größer. Fällt in die Kloake oder Abtritte Wasser von der Dachtraufe, oder wird es dahin geleitet, so vermehrt sich der üble Geruch, wenn es regnet.
  • 10) Je mehr Geschöpfe in einem engen Raume beisammen wohnen, desto mehr wird die Luft verdorben, und zum Leben untauglich gemacht. Daher sollen in stark bevölkerten Städten, so wenig Ställe als möglich geduldet werden, vorzüglich keine Schwein- und Schafställe. Wenn in einem Gebäude, in welches Ställe kommen sollen, kein schiklicher Plaz für das dazu erfoderliche Mistlager vorhanden ist, so sollten auch die Ställe nicht erlaubt seyn.
  • 11) Wenn große öffentliche Gebäude, in welchen die Mezger feil haben (Fleischbänke) oder öffentliche Schlacht-Häuser, (worin das Vieh geschlagen und aufgebrochen wird) nicht auf freien Pläzen stehen, sondern von Häusern eingeschlossen sind, weßhalb die mit Dünsten angefüllte Luft, nicht gehörig gereiniget werden kann; so entsteht in ihnen, und um sie ein unausstehlicher Gestank, zumal im Sommer, und überhaupt, wenn im Innern solcher Gebäude nicht alles reinlich genug gehalten wird, wie es leider oft der Fall ist. –
  • 12) Sind Lazarete und Krankenhäuser in Städten, und stehen diese nicht frei genug, so, daß sich die sie umgebende Luft nicht beständig erneuern kann, so können sie für die Stadt selbst gefährlich werden.
  • 13) Kasernen, Arbeitshäuser, überhaupt Gebäude, in welchen viele Menschen leben, oder sich zu gewißen Zeiten darin versammeln, sollen freie Umgebungen haben. Das Innere solcher Gebäude darf durchaus nicht feucht seyn, und man soll vorzüglich darauf sehen, daß die Abtritte und Kloaken verwahrt und zwekmäßig angelegt werden.
  • 14) Selbst Kirchen verdienen in Hinsicht der medizinischen Polizei eine besondere Aufmerksamkeit. Die Mauern einer Kirche sollen im Innern nicht schwizen, denn dadurch wird der innere Raum mit ungesunder Luft angefüllt.
  • 15) Begräbniß-Pläze sind weder in Städten noch in Dörfern zu gestatten, und sie sind außerhalb auf geeigneten |202| Pläzen anzulegen. Aber auch außer den Ortschaften, darf man sie nicht zu nahe an Landstrassen bringen, weil diese Pläze an einer stillen und ruhigen Lage seyn sollen.
  • 16) In mehreren Städten unsers Königreichs hat man die Gewohnheit, sogenannte Versenkgruben anzulegen. Dergleichen Gruben schließen einen großen Raum ein, und haben eine beträchtliche Tiefe, damit sie nicht so oft gelert werden müßen. In diesen Gruben nun sammeln sich die Excremente aus den Abtritten, Brunnenabfälle, zur Regenzeit das Wasser aus den Dachrinnen, die Ausgüsse aus den Küchen u.s.w. Solche Gruben kann man nur in sandigen oder kiesigen Boden anlegen, weil sich das Wasser darin versenken muß. In einem lehm- oder thonartigen Boden, würde das Wasser nicht durchsikern. Nicht selten hat man in der Nähe solcher Versenkgruben gegrabene Brunnen, und es muß sich nothwendig das unreine Wasser durch die Kies- oder Sandschichte in die Brunnen ziehen. Das Wasser dieser Brunnen nimmt dann einen faulenden Geruch und Geschmak an. Daher sind schon viele Fälle vorgekommen, daß wegen neu angelegter Versenkgruben in der Nähe von Brunnen, Streit zwischen den Nachbarn entstanden ist. Wenn solche Versenkgruben nicht bloß Regenwasser, sondern auch Kloaken und Abtritte aufnehmen, so müßen sie in gewissen Zeiträumen gelert werden, denn nur die Flüßigkeit kann in den Boden sikern; was mehr Konsistenz hat, muß durch Menschenhände ausgeräumt und weiter geschaft werden. Man weiß, wie nachtheilig eine solche Arbeit der menschlichen Gesundheit ist, und welcher Gestank die Luft dabei erfüllt.
  • 17) Auf dem platten Lande soll man darauf sehen, daß Fallhütten und Wasenmeistereien auf entfernte Pläze zu liegen kommen, und nicht, wie man Fälle anführen könnte, unmittelbar an Landstrassen, wo sie der Gesundheit sehr gefährlich sind.
  • 18) Niedere Wohnungen sind ungesund, und solche trift man gewöhnlich auf dem Lande an. Dabei haben die Wohnstuben der Bauern kleine Fenster, welche nur selten geöffnet werden89). Die Gewohnheit die Stuben-Oefen |203| auch im Sommer zu beizen, um darin zu kochen und zu braten, ist in jeder Rüksicht zu mißbilligen.
  • 19) Die meisten Ställe auf dem Lande sind nieder, und haben nur wenig Licht und Oeffnungen zur Reinigung der Luft. Sie sind daher so ungesund, wie die Wohnstuben.

Das, was bisher vorgetragen wurde, kann mit Beispielen ohne Zahl aus dem Leben belegt werden, und wir sehen daraus, wie oft wir in Gefahr sind, unserer Gesundheit zu schaden. Vorzüglich aber haben die fleißigen Arbeiter in vielen Werkstätten und Fabriken das traurige Loos, in eingeschlossenen Räumen, voll verdorbener Luft, den größten Theil ihres Lebens zuzubringen, wodurch nothwendig ihre Gesundheit nach und nach zerstört werden muß. Zwar gewöhnt sich die menschliche Natur an viel, und kann viel ertragen, so, daß es beinahe unglaublich scheint, was man uns von der Dauerhaftigkeit unsers Körpers erzählt. Aber sollen wir darum nichts zu einer Abhilfe vornehmen, wenn wir in Gefahr sind, unsere Gesundheit zu verlieren? Gewiß! Jeder trage bei, was er vermag, und daher werde ich hier kürzlich entwikeln, was in dieser wichtigen Sache der Baumeister leisten kann und soll. –

Das Meiste und Wichtigste muß freilich Aerzten und Physikern überlassen bleiben, und wenn der Baumeister mit diesen zusammen zu wirken Gelegenheit hat, so kann manche gute Anordnung, manche zwekmäßige Einrichtung getroffen werden. Der Gegenstand betrift unser höchstes irdisches Gut, nämlich die Erhaltung unserer Gesundheit, und daher sollen wir kein Mittel unversucht lassen, und kein Opfer zu groß finden. Wie manche Summe wird zu weit minder wichtigen Zweken verschwendet, wie manche ganz zweklos vergeudet.

Vor Allem haben wir uns zu bemühen, die Mittel kennen zu lernen, wodurch das Uebel gehoben, oder vermindert werden kann. Die Ausführung manches Vorschlages wird freilich viele Kosten, Zeit und Kraft erfodern; aber mit Ausdauer werden wir zum Ziele gelangen, und vielen unsern Mitmenschen eine bessere Lage verschaffen. So lange das Uebel nicht ganz ergründet und erkennt wird, so lange ist keine Abhülfe denkbar.

Zur Abwendung der oben angegebenen Ursachen, welche die atmosphärische Luft verderben, und zum Athmen ungesund machen, kann der Baumeister allenfalls folgende Verbesserungs-Vorschläge machen.

Zu 1) Um Vorschläge zur Austroknung stehender Gewässer, |204| Moräste und Sümpfe machen zu können, muß zuerst die örtliche Lage in Erwägung gezogen werden. Dem Vorhaben können sich viele und große Schwierigkeiten entgegenstellen; aber selten werden sie unüberwindlich seyn.

Im Gebiete der Hydraulik und Mechanik liegen viele zu Gebote stehende Mittel, welche mit Gewißheit angewendet werden können. Wenigstens in unserm Vaterlande, und bei den hier zusammentreffenden örtlichen Verhältnissen, wird ein Unternehmen der Art nicht ohne Erfolg bleiben. Wenn es in unserer Gegend auch keine ausgedehnten Sümpfe und Moräste gibt, so finden sich doch Moorgründe, welche selten austroknen, und wenig landwirthschaftlichen Ertrag gewähren. Schon solche Streken sind hinreichend, die atmosphärische Luft für die nächsten Umgebungen ungesund zu machen. In deren Nähe liegen oft Dörfer und Höfe, und die Bewohner derselben leiden durch die schädlichen Ausdünstungen. Es ist gewiß der Mühe werth, dergleichen Streken in den Zustand der Kultur zu versezen, und der Ertrag derselben, würde die darauf verwendeten Kosten bald reichlich wieder geben. Nur sollte bei solchen Unternehmungen ein gemeinsames Zusammenwirken aller Besizer so versumpfter Streken statt haben, weil jeder im Verhältnisse dabei gewinnt, und das Ganze sollte wissenschaftlich, und nach richtigen Grundsäzen behandelt werden, damit keine Fehler entstehen, wodurch die Vollendung des Ganzen unterbrochen, und das Uebel nur zur Hälfte gehoben wird. –

Die Bewohner flach liegender Landstreken sollten die Abzugsröhren in ihren Wiesgründen nicht versumpfen lassen, sondern sie beständig rein halten, damit das Wasser gehörig abziehen kann. Man sollte glauben, daß die Landleute ihres Nuzens wegen bedacht wären, dergleichen Arbeiten rechtzeitig vorzunehmen; aber man kann sich täglich vom Gegentheil überzeugen. In den meisten Orten fehlen Dorfs- und Fluhr-Ordnungen entweder ganz, oder sie sind sehr mangelhaft. Billig sollten diese einen Artikel über das Reinigen der Gräben, und über die Behandlung nasser Stellen in den Feldern, enthalten. Eine in mehr als einer Hinsicht so wichtige Arbeit sollte durch ein Gesez zur unerläßlichen Pflicht gemacht werden.

Auch um und in den Städten hat man Beispiele, daß sich durch vernachläßigtes Ausräumen versumpfter Gräben unausstehlicher Gestank verbreitet, wodurch die in der Nähe gelegenen, übrigens angenehmen Spaziergänge, ungenießbar werden.

Ein solcher Graben von dem ich hier spreche, befindet sich wirklich |205| in einem troknen Fortifikationsgraben, blos in die Erde gestochen, ohne Seitenwand und ohne gelagertes Beet. Das Gefälle desselben ist gering, und überdieß muß er noch einige Kloaken aufnehmen. Natürlich ist es, daß dadurch eine schädliche, den Einwohnern beschwerliche Ausdünstung entsteht. Diesem Uebel könnte auf folgende Art abgeholfen werden: Die Kloaken können von dem Graben durch anzulegende Dunglager, welche von Zeit zu Zeit ausgelert werden werden müßen, und wozu der nöthige Raum vorhanden ist, abgehalten werden. Dann hat der Graben blos Regenwasser und einige Brunnen-Abfälle aufzunehmen. Durch eine Nachhülfe bei der Ausmündung des Grabens, kann man das Gefäll etwas vermehren, und legt man dann ein hölzernes Gerinne ein, so hat das Wasser schnellen Abzug, und dann entsteht kein Sumpf und Moder mehr, der die Luft verpestet. Wollte man aber die Kosten auf eine hölzerne Einwendung des Grabens ersparen, so könnte man diesen, wo er zu tief ist mit Schutt ausfüllen, und dann eine gewöhnliche Flosse herauspflastern. Auf diese Art wäre ebenfalls abgeholfen.

Zu 2.) Ich kenne ein Dorf, in welchem der gerügte Uebelstand buchstäblich eintraf, und der nun glüklich gehoben ist. Es wurden nämlich alle Mistlager des Dorfes zwekmäßig eingerichtet, und jedes mit einer besondern Jauchengrube versehen. Bei Regengüssen kann nun das Wasser keine Unreinigkeit mehr fortschwemmen. Uebrigens wurde ein großer Abzugsgraben zur schnellen Abführung des Regenwasser ausgehoben, und aus der Vertiefung, in der sonst das Wasser stehen blieb, hat man Seitengräben in den Hauptgraben gezogen. Die Bewohner des Dorfes gewinnen nun dadurch, daß sie mehr und bessern Dünger bereiten, und auf ihre Wiesen Mistjauche bringen können. Die üble der Gesundheit nachtheilige Ausdünstung, welche besonders im Sommer fühlbar war, hört nun gänzlich auf, und die verwendeten wenigen Kosten, werden sich in kurzer Zeit reichlich bezahlen.

Zu 3.) In unsern Dörfern sind gewöhnlich die Wege am schlechtesten, und man trift Stellen an, welche während des ganzen Jahres nicht austroknen. Nothwendig muß dieß der Gesundheit nachtheilig seyn, und man sollte ernstlich darauf denken, so stehende Sümpfe in den Dörfern auszutroknen. Oft ist es möglich, eine solche Arbeit in kurzer Zeit und mit wenigen Kosten herzustellen. Gewöhnlich fehlt es dazu an einer gründlichen Belehrung der Landleute und an einer richtigen Anweisung zur Arbeit, welche sie sich immer größer vorstellen, als sie wirklich ist.

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Zu 4.) Wenn Bäche oder Kanäle durch Dörfer oder Städte fließen, welche reines Wasser führen, so sind sie nicht im Geringsten nachtheilig; vielmehr tragen sie zur Reinigung der Luft bei. Troknen sie aber im Sommer beinahe ein, so können sie schädlich werden. Kanäle werden in Städten hauptsächlich deßwegen gegraben, um das Wasser aus den Kellern oder in solche zu leiten, und daß sie die Brunenabfälle aufnehmen. Gewöhnlich sind diese überwölbt, und dann tragen sie zur Trokenhaltung der Gebäude und zur Reinlichkeit des Pflasters viel bei, denn auch die Flossen und Wasserrinnen, können sich in solche ergießen. Dergleichen Kanäle sind daher sehr nüzlich. Sind sie aber nicht bedekt, und haben sie wenig Gefäll, so verbreiten sie üble Dünste und sind, wie gesagt, schädlich. Dann muß man sie überwölben oder sonst auf eine Art bedeken. Bei hölzernen Bedekungen ist Vorsicht anzurathen, weil das Holzwerk bald verfault, und dann leicht ein Unglük geschehen kann, wenn schweres Fuhrwerk darauf kommt. Ich kenne Städte, welche durch die Ueberwölbung solcher Kanäle sehr verschönert worden sind, und auch dadurch gewonnen haben, daß der Verpestung der Luft vorgebeugt wurde.

Zu 5) Durch feuchtes Mauerwerk werden Wohnungen und Ställe äußerst ungesund. Auf diesen Umstand werden denkende Baumeister um so aufmerksamer seyn, da wir noch kein allgemein bewährtes Mittel gegen feuchte Mauern haben. Es würde hier zu weitläufig werden, alle die schon vorgeschlagenen Mittel und Vorrichtungen, welche dem Uebel theils weniger, theils mehr abgeholfen haben, anzuführen, und ich begnüge mich, das Wichtigste über diesen Gegenstand kürzlich vorzutragen.

Zuerst wollen wir die vorzüglichsten Ursachen kennen lernen, wodurch Feuchtigkeit in den Gebäuden entsteht, und dann einige Mittel dagegen anführen.

Feuchtigkeit in den Gebäuden entsteht:

  • a) Wenn Gebäude auf einem sumpfigen Boden stehen, von dem Erddünste aufsteigen.
  • b) Wenn das Erdreich außen höher, als der Fußboden des Gemaches im Innern ist.
  • c) Wenn zwischen zwei Gebäuden ein schmaler Raum von 3–4 Fuß sich befindet, in dem sich Feuchtigkeit erzeugt.
  • d) Wenn Gebäude eingeschlossen sind, so, daß sie keine freie Umgebung haben.
  • e) Wenn das Gemäuer aus solchen Steinen besteht, welche |207| Feuchtigkeit und Kohlensäure aus der Luft anziehen.
  • f) Wenn ein Gemach eingeschlossen liegt, und zu wenig Oeffnung hat, so daß nie ein Luftzug erregt werden kann.
  • g) Wenn Dächer an ein Haus stoßen, worauf der Schnee liegen bleibt, oder wenn Dachrinnen so angebracht sind, daß sie dem Mauerwerk oder den Deken Feuchtigkeit mittheilen. Eben so können Abtritt-Röhren Feuchtigkeit erzeugen.

Dieß sind die hauptsächlichsten Ursachen der Feuchtigkeit in den Gebäuden, und dagegen habe ich schon folgende Mittel angewendet:

Wenn ein Gebäude auf einem Boden steht, von dem Erddünste aufsteigen, so wird die Feuchtigkeit vermindert, wenn man Keller unter die Gemächer zur ebenen Erde anbringt. Ist dieß aber nicht möglich, so muß der Boden ein Erdgeschoß 1 bis 1 1/2 Fuß tief ausgegraben, dieser Raum mit troknem Mauerschutt, und mit einer dünnen Schichte Kohlen aufgefüllt, dann auf diese Lage gebrertert werden. Der Mauerschutt und der Kohlenstaub schluken die aufsteigende Feuchtigkeit ein, so, daß sie sich nicht mehr in's Gemäuer ziehen kann. In Ermanglung des Mauerschutts, soll man sehr troknen Sand nehmen, oder was weit besser ist, Eisenschlaken dazu anwenden.

Wenn das Erdreich außen höher als der Fußboden im Innern des Gemaches ist, so kann man außen einen breiten Graben ziehen, damit das Erdreich nicht mehr am Gemäuer liegt, wodurch diesem die Feuchtigkeit mitgetheilt wird. In den meisten Fällen wird aber dieses Mittel nicht anwendbar seyn, und auch dem Fehler nicht vollkommen abhelfen. Man muß daher der Mauer einen Ueberzug geben, durch welchen die Feuchtigkeit nicht mehr dringen kann. Davon wird weiter unten etwas vorkommen.

Durch doppelte Mauern, zwischen denen sich ein leerer Raum befindet, und wenn er auch nur 3 bis 4 Zoll betragen sollte, wird ein Gemach vollkommen troken gehalten. Dieses Mittel haben die Alten schon angewendet, und ihren Zwek damit erreicht.

Wenn Gewölbe zu Waarenlagern dienen sollen, und diese nicht vollkommen troken sind, so kann man sie durch doppelte Mauern gegen alle Feuchtigkeit sichern. Die innere Mauer kann allenfalls nur 1/2 Stein stark aufgeführt werden, und dann darf man keine hartgebrannten Steine zu dieser Arbeit wählen. Zwar geht nach diesem Vorschlage etwas Raum im Gewölbe |208| verloren; allein ohne diese Einrichtung wäre es vielleicht gar nicht brauchbar.

Das Mauerwerk solcher Gebäude, welche in engen Räumen stehen, ist meistentheils zum Schwizen geneigt.

Wenn zwei Häuser einen Raum von einigen Fuß zwischen sich haben, so stehen die Giebelseiten gewöhnlich gegen die Straffe, und die Dachtraufe fällt in den engen Raum (Winkel, Reihe etc. genannt).

Wenn die Dachtraufe auch durch Rinnen aufgefangen und abgeleitet wird, so verursacht der Zwischenraum dennoch viele Feuchtigkeit. Nur wenn die beiden Häuser, oder vielleicht auch nur eines davon neu aufgeführt wird, kann es möglich seyn, den unbenuzten schädlichen Raum zu den Gebäuden zu nehmen, und denselben zu überbauen. Dadurch wird freilich am beßten geholfen, und der ungesunden Feuchtigkeit am nachdrüklichsten vorgebeugt.

Verschiedene Steinarten, worunter diejenigen gehören, welche kalkhaltig sind, ziehen Feuchtigkeiten aus der Luft und Kohlensäure an. Von solchen Steinen aufgeführte Mauern schwizen, wenn die Luft feucht wird, also bei jeder Wetter-Veränderung. Auch hartgebrannte Baksteine haben öfters diese üble Eigenschaft. Bei neu aufzuführenden Wohngebäuden soll man daher sehr sorgfältig in der Auswahl der Steine seyn.

Zur Trokenmachung feuchter Mauern haben mir nachstehende Mittel schon einigemal gute Dienste geleistet, und ich nehme keinen Anstand, mein Verfahren dabei mitzutheilen.

So weit sich die Feuchtigkeit erstrekt, lasse ich den Vorwurf abnehmen, und dann die Mauer mit eitlem stumpfen Besen abkehren, damit sie vom Mörtel möglichst gereiniget werde. Hierauf lasse ich Leinöl mit Bleiglätte kochen und seze zu 3 Theilen Oel, 1 Theil Ther, den 20ten Theil des Ganzen Terpentinöl, und rühre alles warm durcheinander. Diese Mischung wird dann ein - bis zweimal mit dem Pinsel auf das Gemäuer getragen. Es hat nichts zu sagen, wenn die Steine noch ganz feucht sind; aber dann muß der Anstrich ein paarmal öfter wiederholt werden. Auf diesen noch nicht troknen Anstrich, wird dann der Verwurf auf die gewöhliche Art gemacht. Dabei ist es sehr gut, wenn man unter den Mörtel zum Anwurf etwas Rindviehmist mischt. Wenn ich merke, daß die Feuchtigkeit größtentheils vom Boden aufsteigt, so lasse ich unten am Fußboden des Gemachs eine Horizontale Rinne von 6'' hoch und 4'' tief in die Mauer einbauen. Durch das Einhauen einer solchen Rinne, wird eine sonst gute und noch hinlänglich starke Mauer nicht beschädiget. |209| Um aber diese Rinne im Gemache wieder zu bedeken, lasse ich einen Dachziegel anpassen. Dadurch entsteht in der Mauer ein leerer Raum 6 Zoll hoch, und 2 Zoll tief. Auch die Rinne wird innen und außen mit oben beschriebener Masse angestrichen, und dann die ganze Fläche verpuzt.

Schon einigemal habe ich feuchte Mauern mit Brettern bekleiden lassen. Um diese Bretter mit Nägeln befestigen zu können, müßen hölzerne Riegel in die Mauer eingelassen werden. Es ist gut, wenn man die Bretter, ehe man sie annagelt, auf der hintern Seite mit Tischlerleim, in welchen etwas Rindviehmist gerührt wird, anstreichen läßt. Es ist nicht nöthig, die Bretter zu hobeln, denn wenn die Verschalung fertig ist, so werden Reife oder Rohre aufgenagelt, und sie so behandelt, wie eine Stukatordeke.

Ausgemalte Zimmer werden verdorben, wenn die Mauern nur etwas schwizen. Wenn es hier zu viel Umstände macht, den Verwurf abzuhauen, die Steine mit oben beschriebener Mischung zu bestreichen, und den Verwurf wieder antragen zu lassen, so kann man bloß die Mauer mit einer Farbe, welche aus abgesottenem Oel (Firniß) und abgeriebener Kreide besteht, ein paarmal anstreichen lassen. Auf den noch feuchten Anstrich wird fein durchgesiebte Asche angeworfen, und wenn alles vollkommen troken ist, mit Wasserfarbe darauf gemalt.

Ich habe aus Erfahrung, daß sonst feucht gewesene Zimmer, auf diese Art behandelt und gemalt, seit 6 Jahren nicht die geringste Feuchtigkeit mehr wahrnehmen ließen.

Kammern und Zimmer, welche verstekt und eingeschlossen liegen, und keine gehörigen Fensteröffnungen haben, sind gewöhnlich dumpf und feucht. Ist es nicht möglich, solchen Piecen Fenster gegen die Aussenseite zu geben, so ist es doch wohl möglich, Zugluft in blechernen oder hölzernen Röhren herbei zu schaffen, und so dergleichen Kammern brauchbar zu machen.

Wenn durch angelehnte Dächer, oder durch übel angebrachte Dachrinnen Feuchtigkeit in Zimmern entsteht, so kann freilich nur durch Beseitigung der Gegenstände geholfen werden, welche das Uebel verursachen. Dasselbe gilt auch von Abtritten und Abtrittröhren. Nicht immer, sondern nur manchmal kann durch eine kluge Anordnung dem Uebel abgeholfen, und der Zerstörung des Gebäudes vorgebeugt werden. Gewöhnlich ligt hier eine fehlerhafte Disposition, bei der ersten Anlage des Gebäudes zum Grunde, und daher ist es so schwer abzuhelfen. Dergleichen Fehler in der Anlage ziehen oft verwikelte Streitigkeiten zwischen Nachbarn |210| nach sich, und hier kann das strengste Recht, in technischer Hinsicht nachtheilig werden. –

Viele Stallungen sind dumpf und feucht, und sind es meist deßwegen, weil die sich darin entwikelnden Dünste nicht gehörig abgeführt werden. Dergleichen Stallungen muß man daher mit Dampflöchern und Dampfschlöthen versehen. Die erstern kommen unmittelbar unter der Deke durch die Mauern, die lezten gehen senkrecht durch die Deke zum Dach hinaus, und können von Holz oder von Baksteinen gemacht werden. Ueberhaupt muß man in Wohnungen und Ställen für Luftreinigung sorgen.

Zu 6) Die Höhe der Gebäude soll zur Breite der Strasse, in welcher sie stehen, ein Verhältniß haben. Strassen, welche von sehr hohen Gebäuden eingeschlossen werden, sind immer dumpf und feucht; sie können nicht gehörig austroknen, und müßen ungesund seyn, denn es fehlt der Luftzug, welcher die untere Luftschichte reinigen soll.

In südlichen Ländern, z.B. in Italien und Spanien, hat man enge Gassen gerne, weil sie viel Schatten gewähren, und die Wohnungen kühl halten. Bei uns aber verhält sich's anders; wir sollen die Sonnenstrahlen nicht abhalten, unsere Strassen sollen austroknen können, damit sie nicht ungesund werden. In Städten nach alter Art, besonders in solchen, welche Festungen waren, und heut zu Tag noch so etwas vorstellen sollen, sind die Wohnhäuser sehr nahe aneinander gedrängt, weil man in vorigen Zeiten auch den kleinsten Raum zu einem Bauplaze benuzen wollte. In solchen Städten ist gewöhnlich die Giebelseite der Häuser gegen die Hauptstrasse gerichtet. Werden nun dergleichen Häuser modernisirt und dekorirt, so wollen die spizigen, unverhätnißmäßig hohen Giebel nicht passen, und man sucht sie auf alle Weise zu maskiren. Die Giebelmauern werden nun auf beiden Seiten, so hoch als es sich immer thun läßt aufgeführt, um dem Gebäude scheinbar noch ein oder zwei Stokwerke zu geben, und so entstehen Häuser, deren Höhe im Mißverhältniß mit der Strassenbreite ist.

In der Regel baut jeder auf seinen Grund und Boden so hoch er will; da es aber von großer allgemeiner Wichtigkeit ist, den Luftzug in den Strassen nicht zu versperren, so sollte eine solche Willkühr gesezlich untersagt werden können, besonders wenn nicht wahres Bedürfniß des Bauenden, sondern nur eine zufällige Dekoration die Veranlassung zur Erhöhung des Gebäudes ist. Alle mir bisher zu Gesicht gekommenen Bauordnungen geben hierüber |211| keine Bestimmung, und doch hat manche Stadt, in dieser Hinsicht bestimmte, und bestimmende Geseze äußerst nothwendig.

Zu 7) Im Mittelalter war es nothwendig, die Städte mit hohen Mauern einzuschließen. Seitdem sich die Fortifikation geändert hat, sind dergleichen Mauern meistentheils entbehrlich, und an vielen Orten hat man schon angefangen, sie abzutragen. Daß dergleichen Mauern sehr schädlich sind, ist evident, denn sie halten einen wohlthätigen Luftstrom ab, der die mit ungesunden Dünsten angefüllte untere Luftschichte reinigen soll. Da nun solche Mauern heut zu Tag weit mehr schaden als nüzen, so ist es zwekmäßig, sie ganz, oder bis auf einen gewissen Theil abzutragen. Das Abtragen dergleichen Mauern kann aber nicht unbedingt in allen Städten geschehen, und es können Hindernisse eintreten, welche wenigstens Theilweise den Abbruch unmöglich machen. Z.B. Es können sich Wohnhäuser und andere öffentliche Gebäude an die alte Mauer anlehnen, und der Einsturz jener kann durch den Abbruch dieser herbei geführt werden.

Gewöhnlich sind die gegen die alten Stadtmauern gekehrten Außenseiten der Häuser von sehr schlechter Beschaffenheit, und werden die Mauern niedergerissen, so hat die Stadt ein häßliches Ansehen. Daher kann man mit dem Abbruch alter Stadtmauern nicht verfahren, wie man will, sondern man muß sich nach eintretenden Umständen richten, und vorher beseitigen, was zu beseitigen ist. Da aber auf jeden Fall nicht nur die ganze Stadt, sondern auch die zunächst an der alten Mauer stehenden Häuser, durch eine freie Aussicht und durch frischen Luftzug gewinnen, so soll man nach und nach alle Schwierigkeiten zu überwinden trachten. Indessen soll man den Abbruch alter Fortifikations-Mauern damit beginnen, daß man da wo es möglich ist, schikliche Oeffnungen macht, und zwar an solchen Stellen, welche die Richtung auf Strassen haben, die des Luftzuges am meisten bedürfen.

Es können aber auch Umstände vorkommen, unter welchen es wenigstens für den Augenblik unmöglich ist, die Wälle und Mauern einer Stadt abtragen zu dürfen, so wünschenswerth es auch immerhin seyn möchte. Dann bleibt freilich nichts anders übrig, als daß die Polizei ihre Aufmerksamkeit auf die Strassenreinigung, vorzüglich in den engen Gassen und Winkeln verdoppelt.

Wenn sich zwischen der Stadtmauer und den Häusern |212| nur eine enge Gasse hinzieht, so soll diese vorzüglich rein gehalten, und alle in der Stadtmauer angebrachten Vertiefungen und Einschnitte zu ekelhaften, die Luft verderbenden Mistlagern, auch andere Unfläthreien abgeschaft, und beseitiget werden. Man denke nicht, daß die Unreinlichkeit in engen Gassen wenig zu bedeuten habe, weil sie nur wenig begangen werden. Dergleichen Schmuzwinkel sind doch immer der ganzen Stadt nachtheilig.

Das Pflaster so enger Gassen soll beständig gut seyn, und keine Vertiefungen haben, in denen das Wasser stehen bleibt, wodurch Schmuz und Unreinigkeit entsteht.

Zu 6) In volkreichen, gewerbtreibenden Städten befinden sich viele Professionisten, z.B. Gerber, Pergamenter u.s.w. deren Abfälle leicht in faule Gährung übergehen können. Da zu solchen Gewerben fliessendes Wasser nöthig ist, so siedeln sie sich auch daselbst an, und daher wohnen oft viele dergleichen Professionisten auf einer geringen Fläche beieinander. Das Beisammenwohnen ist keineswegs zu tadeln; vielmehr soll die Polizei dahin wirken, daß es geschehe. Aber wenn die Werkstätten dumpf und feucht, die Höfe enge und von hohen Mauern, Wänden und Gebäuden eingeschlossen sind, dann findet der nöthige Luftzug nicht statt und es müssen sich üble Ausdünstungen anhäufen. Dabei ist es dann noch ein Glük, wenn fliessendes Wasser vorhanden ist, denn außer dem wäre das Uebel noch ärger. Unter solchen Umständen ist es sehr schwer, Hülfe zu verschaffen. Nur nach und nach, und bei beständiger Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand, sind Verbesserungen, ohne Eingriffe in Eigenthumsrechte thun zu müßen, möglich. Indessen ist Reinlichkeit und Ordnung in solchen Häusern zu empfehlen.

Zu 9) Rüksichtlich der Abtritte ist alles das zu empfehlen, was in diesem Journal Band 2. Heft 3. S. 306 vorgetragen worden ist. Auch bei uns sollte man Versuche mit beweglichen Abtritten machen, und ich bin überzeugt, daß sie in jeder volkreichen Stadt von großem Nuzen sind. So wie man bewegliche Abtritte hat, das heißt geschlossene Fässer in denen die Excremente gesammelt werden, so könnte man auch bewegliche Miststätte haben, nämlich Fässer90), worin Abfälle und Unrath gesammelt und verschlossen wird, bis man sie weiter schaffen kann. Wenn dergleichen Abfälle, die bereits in Gährung sind, in offenen Karren abgefahren |213| werden, so verbreitet sich ein häßlicher Geruch, was nicht geschehen könnte, wenn sie in Fässer eingeschlossen wären.

Hier in Augsburg fließen mehrere Arme des Lechs theils offen, theils bedekt durch verschiedene Gassen der Stadt. Gewöhnlich sind an der einen Seite der Kanäle Fahr- und Fußwege, auf der andern Seite stehen die Häuser dicht am Wasser. Aus diesen gehen nun Abtrittröhren, welche außerhalb der Mauern liegen, in den Kanal, und endigen sich ein paar Fuß ober dem Wasserspiegel. Diese Abtrittröhren beleidigen das Auge derjenigen, die durch die Gassen gehen, und sind immer Ekel erregend. Dergleichen Röhren sollten in die Gebände selbst verlegt, und unter dem niedersten Wasserspiegel in den Kanal gehen.

Zu 10) In stark bevölkerten Städten sollten keine Schwein- und Schafställe geduldet werden. Hier z.B. ist die löbliche Einrichtung, daß die Schweine der Bäker außerhalb der Stadt in großen Ställen von verschiedenen Abtheilungen untergebracht werden. Eine ähnliche Einrichtung könnte auch rüksichtlich der Schafe statt finden.

Schweizereien in Städten, deren Besizer ein Gewerbe davon machen, sollten auch nicht in engen Häusern mit kleinen eingeschlossenen Höfen geduldet werden. Nicht nur, weil sie die Stadt unrein machen, sondern auch deßwegen, weil sie die engen, oft hölzernen Häuser und Ställe in kleinen eingeschlossenen Höfen, mit Heu und Stroh überfüllen, wodurch sie äußerst feuergefährlich werden.

Zu 11) Unter einem Fleischhause (Mezge, Fleischbank) verstehe ich ein öffentliches Gebäude, worin die Mezger feil haben und Fleisch aushauen. In einem Schlachthaus wird das Vieh geschlachtet, und dieses kann mit jenem vereiniget, oder auch davon getrennt seyn.

Wenn ich freie Wahl hätte, so würde ich bei Entwerfung eines Planes zu einem Fleischhause Folgendes beobachten.

Der Plaz dazu müßte von allen, oder wenigstens von drei Seiten frei seyn, und von dem neuen Gebäude, bis zu den übrigen Häusern, eine Gasse von 60 bis 70 Fuß Breite bleiben. Die lange Seite sollte gegen Mitternacht gehen, und in dieser sollten sich die Eingänge befinden. Die Größe dieses Gebäudes richtet sich nach dem Bedürfniß der Stadt. Ist es sehr groß, so kann die Hauptseite drei Eingänge haben; auch können gegen Morgen und Abend Thüren angebracht werden.

Unter dem Gebäude müßten sich kühle Keller befinden, welche zu verschiedenem Gebrauch für die Mezger dienen. Ueber diesen ist die eigentliche Fleischbank, nämlich hier sind |214| die Fleischstöke und Tische angebracht, worauf das Fleisch feil gehalten wird. Das ganze Geschoß hat keine innern Wände, und die Deke wird von eichenen Säulen getragen. Daß die Abtheilungen für die Tische zwischen den Säulen regelmäßig angebracht seyn müßen, versteht sich wohl von selbst. Das Gebäude soll weder zu viel noch zu wenig Fenster haben. Hat es zu viel, so wird es im Sommer zu warm. Daher sollen an der Mittagseite nur wenige, oder keine Oeffnungen seyn, und die wenigen müßen so eingerichtet werden, daß man sie mit paffenden Läden verschließen kann. Sind im Ganzen zu wenig Fenster vorhanden, so erhält man nicht genug Luftzug. Um aber die obere Luftschlichte zu reinigen, würde ich unmittelbar unter der Deke viele gegeneinander über liegende Zugöffnungen anbringen. Auch müßten sogenannte Dampfschlöthe, das heißt, senkrechte Zugöffnungen, welche durch das Dach hinaus geführt sind, hergestellt werden.

An den schmalen Seiten müßten sich einander gegenüber zwei stark fließende Röhrbrunnen befinden, und deren Wasser würde ich in offenen Gerinnen durch die ganze Länge des Gebäudes führen, um dadurch die Luft abzukühlen und zu reinigen. Bei dieser Einrichtung würde ich von den Mezgern und ihren Leuten, welche feil haben, den höchst möglichsten Grad der Reinlichkeit beobachten lassen, und in diesem Hause sollte man keine Verrichtungen vornehmen lassen, die auf das übrige Mezgergewerbe Bezug haben. Alle Arbeiten, welche Anlaß zur Verunreinigung geben, gehören in's Schlachthaus. –

Das Schlachthaus sollte in der Nähe des Fleischhauses auf einem Plaze liegen, der ein oblonges Vierek bildet. An der schmalen Seite, dem Hauptthor gegenüber, wäre das eigentliche Schlachthaus, mit verschiedenen Abtheilungen, worin das Vieh geschlachtet wird, und an den beiden langen Seiten würde ich breite bedekte Gänge anbringen, unter denen die Mezger arbeiten können. Auf diese Art entstünde vor dem Schlachthaus ein oblonger Hof, und es wird nöthig seyn, demselben eine ansehnliche Breite zu geben, denn längs durch die Mitte desselben müßte ein offener Kanal mit ziemlich raschem Gefälle fließen. Der Hof und alle Fußböden, die gepflastert seyn müßen, haben Neigung gegen diesen Kanal, damit alles Unreine in denselben geschwemmt werden kann. Der Kanal aber sollte mit einem starken Geländer eingefaßt werden. In der Mitte des Hofes wäre auf dem Kanal ein kleines, niedliches Gebäude mit einer sogenannten Wasserkunst, welches das Wasser des Kanals treibt, anzubringen. Auf diese Art könnte man mit Schläuchen, |215| wie sie an Feuerlösch-Maschinen gewöhnlich sind, den Hof, die Fußböden und auch die Wände besprizen und abwaschen. Wie viel durch ein solche Maschine zur Reinigung und Abkühlung der Luft in dem Hofe beigetragen werden kann, ist leicht einzusehen; übrigens aber wird die Reinhaltung der Höfe ungemein dadurch befördet. –

So viel kürzlich von dem Plane zu einem neuen Fleisch- und Schlachthause.

Wenn aber solche Gebäude schon stehen, und ihre Umgebungen nicht erweitert werden können, so kann man nur wenig Mittel anwenden, um den Gestank, der gewöhnlich darin herrscht, zu vermindern. Indessen würde ich dazu Folgendes rathen:

Man bringe unmittelbar unter der Deke einander gegen über liegende Zugöffnungen durch die Mauern an. Dadurch wird die obere Luftschichte im Gebäude gereiniget, und wenn die Zugöffnungen in gehöriger Menge vorhanden sind, so wird die Absicht gewiß nicht verfehlt. Dergleichen Oeffnungen aber müßen mit Schubläden nach Belieben geschlossen und geöffnet werden können.

Ferner bringe man sogenannte Dampfschlöthe an, welche von der Deke durch das Dach hinaus gehen. Diese können entweder nur von Brettern, oder aufgemauert seyn. Gemauert müßen solche Dampfschlöthe werden, wenn über dem Fleischhaus noch ein Stokwerk zu einem andern Gebrauch angebracht ist. Ist dieß der Fall, so verursachen dergleichen Dampfschlöthe einige Schwierigkeiten mehr, welche sich jedoch auch heben lassen werden.

Nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter müßen Zuglöcher und Dampfschlöthe geöffnet werden, denn auch bei kalter Witterung ist in dergleichen Gebäuden ein übler Geruch wahrzunehmen, wenn sie nicht auf freien Pläzen liegen. Während der Nacht sollten alle Schubläden offen bleiben. Es ist bekannt, daß ein solches Gebäude durch fließendes Wasser sehr erfrischt werden kann, und wenn man sonst wenig Mittel zur Erreichung seines Zwekes hat, so sollte man doch dieses in Anwendung zu bringen suchen. Ein paar laufende Brunnen wird man in einer Stadt, welche ohnehin Röhrenwasser hat, zu einem so gemeinnüzigen Zwek wohl noch geben können, und die wenigen Kosten darauf sollte man nicht scheuen.

Zu 12) Lazarete und Krankenhäuser sollten außer den Städten angebracht werden. Sind diese aber schon vorhanden, und ihre Verlegung nicht mehr möglich, so hat man darauf zu sehen, daß wenn die innern Mauern der Gemächer |216| feucht sind, solche verbessert, daß die Abtritte wohl verwahrt, und daß die Säle durch vorsichtig angebrachte Zugöffnungen und durch anzubringende Apparate gereiniget werden.

Zu 13) Was eben angeführt wurde, ist auch bei Kasernen, Arbeitshäusern u. d. gl. zu beobachten.

Zu 14) Unsere Kirchen, vorzüglich die im gothischen Styl, haben sehr wenig Licht. Mehrentheils sind die Mauern derselben von unten auf feucht und ungesund. Oft ist noch das Innere der Kirche tiefer als der äußere Boden, so, daß man Treppen hinunter, statt hinauf gehen muß. Wenn so viele Uebel zusammentreffen, so muß man sich auf mehr als eine Art zu helfen suchen. In der Beschreibung der vorhergehenden Nummern liegt schon viel, was hier in Anwendung gebracht werden kann, und deßhalb nur noch Einiges. –

Unsere Kirchenfenster können gewöhnlich nicht geöffnet werden, und haben nur ganz kleine Flügel oder einzelne Scheiben zum Aufmachen. Man bringe daher mehr dergleichen Flügel an, und lasse sie von Zeit zu Zeit, vorzüglich bei guter Witterung öffnen, und die Luft durch das Gebäude streichen.

Wenn es möglich ist, so erhöhe man den Fußboden einer Kirche, welche innen niederer als außen ist. In so tiefliegenden alten Kirchen verfault der hölzerne Rost und die Stühle in kurzer Zeit. Daher wird man viel ersparen, wenn man auf irgend eine Art Hülfe verschafft, und dadurch einen doppelten Zwek erreichen. Ferner bringe man Dachrinnen an, wenn der Trauffall Feuchtigkeit verursacht, und endlich lege man außen ein gutes Pflaster an, wodurch das Wasser vom Gebäude abgehalten wird.

Oft sieht man in Dörfern und auch in Landstädten Mauern um die Kirchen, welche sonst Einfassungen der ehemaligen Begräbnißpläze waren. Wenn dergleichen Mauern nicht mehr nöthig sind, so soll man sie niederreissen, weil sie nur die Kirchengebäude feucht und ungesund machen.

Zu 15) Daß Begräbnißpläze in Dörfern nachtheilig sind, ist eine bekannte Sache, und man bemüht sich allenthalben, sie in's Freie zu verlegen. An öffentlichen Landstrassen sind sie auch nicht schiklich, und man soll dafür stille, ruhige Pläze auswählen. Man muß, wenn man einen Plaz für den Gottesaker eines Ortes außerhalb auswählen will, die herrschenden Winde der Gegend beobachten, und dann soll der Begräbnißplaz so gelegt werden, daß die Winde die aufsteigenden Dünste nicht gegen die Stadt oder das Dorf führen. |217| Wenn man freie Wahl hat, soll man diese Vorsichtsmaßregel immer beobachten. Uebrigens aber soll man jeden Begräbnißplaz mit Gesträuchen und Bäumen bepflanzen.

Bei herrschenden, anstekenden Krankheiten sind Leichenhäuser Bedürfnis für eine Stadt. Auf gut eingerichteten Kirchhöfen sollen dergleichen Gebäude stehen, und alles das enthalten, was die medezinische Polizei als zwekmäßig und nothwendig anordnet.

Wenn Begräbnißpläze im Verhältniß zur Bevölkerung eines Ortes zu klein sind, so können sie sehr nachtheilig werden, vorzüglich, wenn durch einreißende Krankheiten, eine ungewöhnlich große Sterblichkeit eintritt.

Bei neuanzulegenden Kirchhöfen muß man daher die Größe derselben nach der Bevölkerung berechnen, und der gefundenen Fläche auf außerordentliche Fälle etwas zugeben. Die Fläche muß auf jeden Fall so groß angenommen werden, daß in einem Zeitraume, der nach Beschaffenheit des Bodens zur gänzlichen Verwesung eines Körpers nöthig ist, kein Grab geöffnet werden darf.

Durch eine zwekmäßige Umwandlung und Einrichtung eines schon bestehenden Kirchhofes kann manchmal an Raum gewonnen werden.

Zu 16) Da es erwiesen ist, daß Versenkgruben in der Nähe gegrabener Brunnen schädlich sind, so sollte man, wenn es nicht möglich ist, auf dergleichen Gruben zu verzichten, sie wasserdicht anlegen. Der Boden der Gruben muß daher 1 1/2 Fuß hoch mit Thon ausgeschlagen, und eben so hinter dem Gemäuer eine Verdammung von diesem Materiale gemacht werden. Wenn eine so wasserdichte Grube einen Abzugsdohl in einen unterirdischen Kanal hat, so kann man sich ohne Bedenken anbringen, und sie werden die nahe gelegenen Brunnen nicht verunreinigen. Wenn man dann Gassenkehrig und von Zeit zu Zeit etwas frischen Kalk in solche Gruben wirft, so ist das Ausräumen derselben auch nicht so ekelhaft und ungesund. Dann aber wird es räthlich, alles Dachwasser, Brunnenabfälle u.s.w. von der Grube möglichst abzuhalten. Je trokner man sie halten kann, desto leichter sind sie auszuleeren, und die Unreinigkeit weiter zu schaffen.

Zu 17) Fallpläze und Wasenmeistereien sollen auf entfernte, wenig besuchte Pläze kommen, und es ist auch schädlich, wenn sie an Viehweiden anstoßen, vorzüglich bei Seuchen, und anstekenden Krankheiten. Man muß sich daher wundern, wenn man dergleichen Pläze unmittelbar an Landstrassen und von aller Bedekung mit Bäumen und Gesträuchen entblößt antrifft.

|218|

Zu 18) Niedere Wohnungen sind sehr ungesund, und man kann nicht begreifen, wie es Menschen darin aushalten können. Niedere Wohnungen sind gut heizen, sagen die Landleute; aber man berechnet nicht, wie ungesund sie sind. Baugeseze sollten die geringste Höhe für eine Wohnstube festsezen. –

Zu 19) Niedere, schlecht eingerichtete und finstere Ställe sind dem Vieh nachtheilig. Wenn es dem Landmann nicht erlaubt ist, feuergefährlich zu bauen, warum soll es ihm nicht untersagt werden, ungesund zu bauen? – Leidet durch eine einreissende Seuche nicht auch ein ganzes Dorf, wie es durch einen Brand leidet? – Gewiß! ich kenne nichts Gerechters, als gute Vorschriften zur Herstellung eines Gebäudes zu geben, und darüber zu wachen, daß sie beobachtet werden.

Dieß wäre dann das Wichtigste, was ein Baumeister zur Reinigung und Reinhaltung der Luft, welche uns umgibt, beitragen kann, damit wir gesund leben und mit Heiterkeit das Leben genießen können.

Ueber neuanzulegende Städte und Dörfer wäre freilich noch so manches zu bemerken, was hier nicht in Anregung gebracht werden konnte. Da aber dergleichen Fälle so äußerst selten vorkommen, so mag das bisher Vorgetragene genügen, und es wäre schon unendlich viel für die Menschheit gewonnen, wenn dieß Wenige beherzigt, und in Anwendung gebracht würde.

|199|

Diese Verschiedenheit läßt sich leicht erklären. Im Sommer wird die Menge der Kohlensäure nicht nur durch die Vegetation, sondern auch durch Gährungen aller Art, welche die warme Luft beschleuniget, sehr vermehrt, im Winter hingegen versiegen nicht nur diese Quellen der Kohlensäure großentheils, sondern das kältere Wasser absorbirt dieß Gas in größerer Menge, und reinigt so die Luft.

|202|

Ein Glük ist es noch, daß die Oefen dieser Wohnungen gewöhnlich in der Stube selbst geheizt werden, und somit eine beständige Luft-Erneuerung veranlassen, indem die mit schädlichen Dünsten erfüllte Stubenluft beständig durch die Ofenthüre abgezogen, und die reine Luft von Außen durch die Rizen der Thüren und Fenster nachzuströmmen veranlaßt wird. A. e. L.

|212|

In Lindau, und in den meisten Orten in der Schweiz gibt es deren, und sie werden Oelfässer genannt. A. e. L.

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