Titel: v. Kurrer über das Bleichen der vegetabilischen und animalischen Substanzen.
Autor: Kurrer, Wilhelm Heinrich
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. LIX. (S. 488–501)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/ar008059

LIX. Ueber das Bleichen der vegetabilischen und animalischen Substanzen. Von Wilhelm Heinrich von Kurrer.

(Fortsezung.)

Ueber das Bleichen der leinenen Lumpen (Hadern) zur weißen Papier-Fabrikation176).

Die Kunst Papier zu bleichen erregte erst in der neuen Zeit die Aufmerksamkeit mehrerer ausgezeichneten Chemiker. Die erste Veranlassung dazu gab eigentlich die Entdekung der Chlorine (oxidirten Salzsäure), durch welche Graf Berthollet den Weg bezeichnete, den später die Hrn. Chaptal, O'Rreilly, Loysel, Pajot, Teuner u.a.m. mit einigem Erfolg betraten, indem sie diesen höchst wichtigen Gegenstand zur Vervollkommnung der Papier-Fabrikation anwenden |489| lehrten. Loysel legte in den Annales de Chimie T. XXXIX. S. 137 etc. ein Verfahren nieder, Papierzeug durch Chlorine und deren Verbindungen zu bleichen; auch gibt das Repertory of arts. New series einige Verfahrungsarten an, für welche die Erfinder Patente ausgewirkt haben. Campet und Cunningham in England bemühten sich die färbenden Theile der Hadern durch Bleichen vermittelst Pottasche, Kalk und Chlorine zu zerstören. In der Schrift „Anleitung vermittelst der dephlogistisirten Salzsäure zu jeder Zeit schnell und schön weiß zu bleichen, Leipzig 1793“ zeigt Tenner S. 235 etc. wie man Lumpen durch abwechselnde Behandlung in alkalischer Lauge und Chlorine an Wasser gebunden bleichen könne. Loschge, Papier-Fabrikant zu Burgthan bei Nürnberg, suchte dieß bei grauen leinenen Lumpen durch kaustische Kali-Lauge zu bewirken.

Aber fast alle diese Verfahrungsarten sind mehr oder weniger mit Schwierigkeiten bei der Ausführung im Großen verbunden. Es wird daher dem deutschen Papier-Fabrikanten sehr vortheilhaft, und dem Vaterlands-Freunde eben so erfreulich seyn, wenn ich hier die möglichst vollkommene Produktion des genannten Industriezweiges bekannt mache, wodurch bei rühmlichem Wetteifer unsere Papier-Fabrikanten die Einfuhr der holländischen, englischen, französischen und Basler Papiere sich vermindern, und mit der Zeit ganz entbehrlich |490| seyn wird. Noch fehlt uns in Deutschland die zwekmäßige Bleiche zur Herstellung absolut weißgebleichten Papiers, und noch bleiben wir deßwegen dem Auslands in dieser Hinsicht zinsbar. Dieser Gegenstand ist also von großer Wichtigkeit, auch in staatsökonomischem Betracht, und er gehört zu den Bedingungen des National-Wohlstandes. So ergreife ich mit Vergnügen die Feder, um meinen deutschen Brüdern in einer systematischen Reibenfolge die Verfahrungsarten hier darzulegen, durch welche leinene Lumpen (Hadern) jeder Gattung und Farbe für die weiße Papier-Fabrikation geschikt gemacht werden.

In unseren Papiermühlen pflegte man bis jezt damit zu beginnen, daß man die verschiedenen leinenen Lumpen einer lange dauernden Fermentation durch Einweichen in Wasser aussezte, wodurch die Waare den faulen Grad der Gährung anhaltend zu bestehen hatte. Dieses sogenannte Faulen der Lumpen hat, wenn die Fäulniß einen zu hohen Grad erreicht, zwei schädliche Wirkungen; 1tens, daß die miasmatische Ausdünstung nachtheilig auf die Gesundheit der Arbeiter einwirkt; 2tens, daß die Pflanzenfaser (Faden der Lumpen) durch die allzugroße Fäulniß angegriffen, und dadurch ein weniger dauerhaftes Papier gewonnen wird. Am öftesten kann dieß in den warmen Jahreszeiten sich ereignen, weil in unsern Papiermühlen die Lumpen 5 bis 6 Wochen in Wasser geweicht bleiben. Nach der Fäulung unterzieht man in diesen Anstalten grobe und gefärbte Lumpen der Behandlung mit Kalkwasser, um einen Theil der Farbe zu zerstören, was aber in den meisten Fällen der Erwartung nicht genügend entspricht.

Das Verfahren, die Lumpen fermiren zu lassen, trift man in allen Papier-Fabriken von England, Holland, Frankreich, wie in dem übrigen Europa an; ich glaube aber, daß man in den drei genannten Ländern eine größere Sorgfalt darauf verwende, als bei uns. Es scheint mir auch außer Zweifel zu seyn, daß in Großbritanien die Hadern vor der Anwendung zu weißem Papier in den meisten Fällen künstlich gebleicht werden, wodurch die eigentliche Faulung wegfällt. Die früheren Vorschläge, gestampfte Papiermaße (Papierteig) zu bleichen, verdienen ihrer Unzulänglichkeit wegen, gar keiner Erwähnung177). Wir kommen nun zu den |491| zwekmäßigsten Verfahrungsarten, leinene Hadern jeder Qualität und Farbe für die Benuzung auf weißes Papier zu bleichen.

Sortiren und Zertrennen der Hadern (Lumpen).

Die erste Arbeit beim Bleichen besteht in dem sorgfältigen Sortiren der leinenen Hadern. Es geschieht dieses in der gewöhnlichen Papier-Fabrikation durch Ausscheidung der a) ganz feinen; b) feinen; c) mittel feinen; d) ordinären; e) gröbern; f) ganz groben. Sie werden dann wieder gesondert, a) in gebleichte; b) halbgebleichte; c) ungebleichte, und d) gefärbte von jeder Art der Farbe. Diejenigen Lumpen oder Abfälle der leinenen Fasern, die für das Bleichen bestimmt sind, werden strenge sortirt, und alle schafwollene und thierische Theile davon getrennt. Bevor das Bleichgeschäft beginnt, müßen alle starke und übereinander gehäufte Näthen, Puffen und Pauschen weggenommen werden, weil sonst, die inneren Theile der Lumpen nicht vollständig gebleicht würden, und daher in den Stampfen und der holländischen Maschine (Holländer) ein desto farbiger Papierteig zum Vorscheine käme je dichter und übereinandergehäufter jene zusammengenäht wären. Dieß war zum Theil die Ursache, warum aus der verweißen Papier-Fabrikation kein vollkommen günstiges Resultat hervorging. Bei geringern Sorten des weißen Papiers schaden Anhängsel von baumwollenen Geweben weniger; sie werden jedoch durch dieses Bleichverfahren eher weißgebleicht, als leinene Stoffe.

Bleichen der weißen Lumpen (Hadern).

Wir verstehen unter weißen Hadern solche, welche in den Papiermühlen sortirt wurden, und von früher gebleichten Dingen des häuslichen Gebrauches, Kleidungsstüken u.s.w. herrühren. Dergleichen Lumpen sind, wenn sie vom Schmuz durch Wasser gereiniget worden, mehr oder weniger weiß von Farbe, behalten aber öfters Fleken, die sie durch Zufall angenommen haben; sehr häufig findet man an ihnen sogenannte Rost- oder Eisenfleken. Alle solche farbige Erscheinungen, so wie der festsizende Schweiß, den eine gewöhnliche Wasche nicht wegzuschaffen vermag, verhindern die Verfertigung eines ganz weißen Papiers; es wird aber hierauf in sehr vielen unsern deutschen Papier-Fabriken noch zu wenig Rüksicht genommen. Um dergleichen Lumpen schön weiß, und daraus ein vollständiges Reusit zu erhalten, verrichte man das Bleichen derselben auf folgende Art:

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  • a) Eine große geräumige Bütte fülle man bis 3/4 mit etwas eingedrükten Hadern an, gieße kochendes Flußwasser auf, und beschwere sodann die Lumpen mit einem durchlöcherten Dekel, so daß die Flüßigkeit einige Zoll hoch darüber stehe. Nach 48 Stunden lasse man die Flüßigkeit durch den unten an der Bütte befindlichen Hahn ablaufen, bringe die Hadern in nicht zu enge geschlossenen Weidenkörben in Bach- oder Flußwasser, und wasche sie so lange vermittelst hölzerner Steken, bis die ablaufende Flüßigkeit ganz klar erscheint.
  • b) Ist dieses geschehen, so übergieße man sie in einer andern Bütte mit einer kochenden 1/4° nach Beks Areometer starken kaustisch-alkalischen Lauge, lasse sie bis zur gänzlichen Erkaltung darin liegen, bringe sie in den Körben wieder an den Fluß, und nach dem Auswaschen
  • c) in ein schwaches kaltes Chlorinbad. Hiezu kann man sich in den Bleichanstalten für baumwollene oder leinene Gewebe der schon mehrmals benuzten Bleichbäder bedienen. In einem solchen Bade werden die Lumpen alle zwei Stunden einmal aufgerührt, damit alle Theile derselben der Chlorin-Kalkauflösung dargeboten werden, worauf man sie nach 24 Stunden herausnimmt, in den Körben am Fluß gut wascht, und
  • d) in ein schwaches ebenfalls schon gebrauchtes schwefelsaures Bad einlegt178), und darin gerade so, wie in dem Chlorin-Kalkbade behandelt. Nach sorgfältigem Auswaschen und Abtroknen an der Sonne, erscheinen die Hadern blendend weiß in allen ihren Theilen, und das daraus verfertigte Papier läßt hinsichtlich der Weiße nichts zu wünschen übrig.

Das Einweichen und das Uebergießen mit kochendem Wasser löst den Schmuz, die alkalische Lauge, den Schweiß und andere Unreinigkeiten auf. Die Chlorin-Kalkauflösung, zerstört alle vorhandenen farbige Erscheinungen wogegen das schwefelsaure Bad die zurükgebliebenen metallischen Oxide wegnimmt.

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Wenn das aus den gebleichten Hadern zu verfertigende weiße Papier einen rein bläulichen Schein, gegen das Licht gehalten, bekommen soll, so rathe ich, der Papiermaße von den im 8ten Bande dieses Journals, Seite 94, Anmerkung 42 beschriebenen blauen Indigoniederschlag in angemeßener Dosis zuzusezen.

Bleichen der halbgebleichten Hadern (Lumpen).

Wir verstehen unter halb gebleichten Hadern solche, welche früher als halbgebleichte Leinwand für den häuslichen Gebrauch verwendet, und dann als zerrißene Stüke der Papier-Fabrikation zu Theil werden. Um halbgebleichte Lumpen jeder Qualität vollkommen weiß zu bleichen, ist es nöthig die feine, mittelfeine, ordinaire und ganz grobe Waare, jede Gattung seperat der Bleiche zu unterwerfen.

Den Anfang macht eine saure Gährung, wobei man also verfährt:

„In eine geräumige Gährungs-Bütte werden die Lumpen unter stetem Zugießen von warmen Flußwasser eingetreten, bis erstere damit ganz angefüllt ist, und das Wasser einige Zoll hoch über der Oberfläche der Waare steht. Um die Fermentation zu beschleunigen, seze man dem Wasser einige Hände voll Kleien zu. Man applicire nun den durchlöcherten Dekel, und beschwere denselben, damit die gährende Maße sich nicht in die Höhe werfe. In diesem Zustande lasse man das Ganze im Sommer 6 bis 8 Tage ruhig stehen; im Winter oder bei feuchter und kalter Witterung wird dazu ein Lokal erfodert, dem man die Temperatur von 10–12° Reaum. geben kann. Nach Verlauf dieser Zeit läßt man das Wasser durch den unten an der Bütte angebrachten Hahn ablaufen, nimmt die Lumpen heraus, wascht sie in Weidenkörben am Fluß oder Bach179), und disponirt sie für die erste kaustisch-alkalische Lauge.

Das Auskochen in der kaustisch-alkalischen Lauge kann |494| entweder in kupfernen Kesseln verrichtet werden, oder im dampfartigen Laugen-Apparate. Lezterer faßt gegen 10 Centner Lumpen, die zusammen ausgelaugt werden. Die Stärke der kaustisch-alkalischen Lauge richtet sich nach der Farbe der zu bleichenden Waare, und steigt von 1 bis auf 4° nach Beks Areometer. Im Kessel bleiben die Lumpen 6 bis 8 Stunden, während welcher Zeit die verdampfte Flüßigkeit durch frische Wasserzuspeisung ersezt wird; im Apparat aber 10 Stunden, kockend. Im Lezteren läßt man sie so lange in der Lauge liegen, bis diese auf 25–30° abgekühlt ist, zapft sodann die Flüssigkeit ab, nimmt die Lumpen heraus, wascht sie am Fluß oder Bach in Weidenkörben gut aus, und bringt sie von da in ein Chlorin- oder Chlorin-Verbindungsbad.

Ich ziehe der Wohlfeile wegen den andern Chlorin-Verbindungsbädern das Chlorin-Kalkbad vor, in welchem die Lumpen alle zwei Stunden einmal gut aufgerührt, und im Ganzen 24 Stunden lang darinen gelassen werden. Nun werden sie herausgenommen, gewaschen und in ein schwefelsaures Bad 20–24 Stunden lang eingelegt. So wird mit dem Laugen in kaustischer Kalilauge, Durchnehmen im Chlorin- und schwefelsauren Bade abwechselnd fortgefahren, bis die Lumpen in allen Theilen vollkommen weiß gebleicht erscheinen. Hat man in den Bleichanstalten einen geräumigen Wiesenplaz, so können die Lumpen darauf nach dem ersten schwefelsauren Bade, und Auswaschen in Wasser, einige Tage ausgelegt, und nach dem zweiten schwefelsauren Bade das Auslegen wiederholt werden, wodurch man etwas Bleichmaterial erspart.

Bleichen der rohen (ungebleichten) Hadern.

Rohe (ungebleichte) Hadern, von einer Leinwand, wie sie der Weber vom Stuhle abliefert, sind, nach dem vorangegangenen Sortiren viel schwerer zu bleichen; auch erfordern sie öftere abwechselnde Behandlung in den verschiedenen Bleichbädern.

Das Erste und Nothwendigste dabei ist eine kräftige Fermentation, die aber nie den faulen Grad der Gährung erreichen darf. Sie geschieht in den Gährungs-Bütten auf die oben angezeigte Art, nur daß man wegen der vorhandenen Mehlschlichte keine Kleie nöthig hat. Von der sorgfältig geleiteten Gährung der ungebleichten Hadern oder Abfälle leinener Stoffe hängt der gute Erfolg des übrigen Bleichprozesses ab. Rohe Hadern müßen zweimal gähren, das erstemal 6–8 Tage lang, worauf die Flüßigkeit abgelassen, |495| und wieder frisches warmes Wasser aufgegossen wird, das man nach 8–10 tägigem ruhigen Stehen ablaufen läßt. Die Hadern werden aus der Gährungs-Bütte zum Auswaschen an den Fluß gebracht, und dadurch zur ersten kaustisch-alkalischen Lauge vorgerichtet.

In dieser ersten 1 1/2° nach Beks Areometer starken Lauge, kocht man sie in dem dampfartigen Laugen-Apparate 10–12 Stunden lang aus, bringt sie nach Ablaufen der Flüßigkeit an den Fluß oder Bach, wascht sie aus, und unterwirft sie unmittelbar darauf einer zweiten Auskochung in dem Apparate nur einer 2° starken Lauge. Nach dem Waschen werden die Hadern 12–14 Stunden lang in ein Chlorin-Kalkbad eingelegt, wieder ausgewaschen und in ein schwefelsaures Bad gebracht, von da aber nach dem Auswaschen in einer 2 1/2° starken Lauge 10–12 Stunden lang gekocht, wieder gewaschen, in das Chlorin-Kalkbad, und nach dem Auswaschen in das schwefelsaure Bad eingelegt. Auf diese Weise wird so lange abwechselnd fortgefahren, bis sämtliche Hadern eine ziemlich weiße Farbe zu zeigen beginnen; nun wird die kaustisch-alkalische Lauge im Fortgange der Bleichoperation stets verschwächter an alkalischem Salze angewendet, wie bei der Leinwand-Bleiche gelehrt worden. Bei großen Quantitäten zum Bleichen thut man wohl, wenn man nach jedesmaliger Passage durch das alkalische Bad die Lumpen sammt der anhänden Lauge einige Tage auf die Bleichwiese ausstreut, und bei heißer Witterung täglich einigemale mit Wasser begießet, wodurch in dem Grade an Bleichmaterial erspart wird, in welchem die Luft- oder Rasenbleiche von der farbigen Materie zerstört.

Es würde für unsere Papier-Fabriken in ökonomischer Hinsicht von der höchsten Wichtigkeit seyn, wenn im Verhältniß zu diesen Etablissementen gut eingerichtete Baumwollen- oder Leinwand-Bleichen nach wissenschaftlichen Prinzipien (wie wir sie bei der Baumwollen- und Leinen-Bleiche abgehandelt haben,) vorhanden wären, um alle Hadern, sowohl weiße und halbgebleichte, als rohe und gefärbte in dergleichen Anstalten, nebenbei für einen billigen Lohn, bleichen zu können. In solchen Bleichanstalten kann man das Material für die weiße Papier-Fabrikation mit sehr geringen Auslage-Kosten vollkommen weiß gebleicht darstellen, durch Anwendung der für die Baumwollen- und Leinen-Bleiche genüzten alkalischen Lauge der Chlorin- und schwefelsauren Bäder, die bis jezt als unbrauchbar weggeworfen zu werden pflegen180).

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Das Bleichen geht zwar bei der Anwendung solcher Bleichabfälle wegen verminderter Kraft derselben etwas langsamer von statten; es wird aber der Zeitverlust dadurch reichlich vergütet, daß außer der frisch gebrannten Kalkerde, und dem Brennmaterial beim Auskochen in der kaustisch-alkalischen Lauge nur noch der Arbeitslohn in die Kostenberechnung kommt, nachdem die nöthigen Geräthschaften einmal angeschaft worden sind.

Die für die Baumwollen- und Leinen-Bleiche untauglich gewordene alkalische Lauge wird zur Papier-Bleiche mit frisch gebrannten Kalk wieder äzend gemacht, wodurch der in dem Fluidum aufgelöste Färbestoff, und andere Unreinigkeiten größtentheils niedergeschlagen, und die Kohlensäure an die Kalkerde gebunden werden. Eine auf solche Art regenerirte kaustisch-alkalische Lauge qualificirt sich für das Bleichen der Hadern vollkommen gut.

Die für Baumwollen- oder Leinengewebe benuzten Chlorin- und schwefelsauren Bäder leisten bei dem Bleichen der Lumpen noch wesentliche Dienste, wenn sie in derjenigen Beschaffenheit in Anwendung kommen, die wir früher bei der Baumwollen- und Leinen-Bleiche, als für den fernern Gebrauch untauglich bezeichnet haben. Sollte es zuweilen geschehen, daß das eine oder andere dieser Bäder zu sehr an bleichender Kraft erschöpft ist, so kann man durch einen geringen Zusaz von etwas frischem Material ohne große Auslagskosten schnell nachhelfen181).

Es ist nicht zu verkennen, daß die Ausführung dieses |497| Vorschlages im Großen für die Papier-Fabrikation höchst wichtig sey. Die überaus großen Vortheile, welche daraus erwachsen, bestehen in Folgendem:

  • a) man kann der wohlfeilen Bleiche wegen die Kultur der weißen Papier-Fabrikation auf den höchsten Gipfel der Vollkommenheit bringen, und ohne große Kosten selbst die ordinaire Schreibe- und Druk-Papiere in der gelungensten Weiße darstellen;
  • b) es zeigen sich, bei einem sorgfältigen Sortiren, mittlere und gröbere Hadern in weiß gebleichtem Zustande für die Darstellung feiner Papiersorten viel besser, als bei dem bisherigen Verfahren;
  • c) man erspart beim Bleichen des Papiermaterials gänzlich das alkalische Salz, dessen Bedarf in ganz Deutschland eine große Quantität ausmacht, und bei Errichtung isolirter Papier-Bleichen die Kosten der Bleiche erhöht;
  • d) eben so wird die so nüzlich beim Bleichen wirkende Chlorine und ihre Verbindungen, und
  • e) Schwefelsäure erspart.

Wenn wir den gegenwärtigen Straßburger- und Basler-Papierhandel in's Auge fassen, durch welchen bloß die Leipziger Buchhandlungen fast in jeder Messe hundert und mehrere Ballen Drukpapier mit Aufopferung der Fracht und Spesen schöner, qualitätsreicher und billiger beziehen, als von uns; so leuchtet das Unzureichende unserer vielen, durch ganz Deutschland verbreiteten Papiermühlen klar und deutlich ein. Möchte man doch einmal diesen Gegenstand beherzigen, um mit andern Nationen in die Schranken zu treten, ja diese noch an Güte der Waare zu überbieten! Wir haben dieß in unserem deutschen Vaterlande, (dem vorzüglichsten Leinwandlande der Welt) ganz in unserer Gewalt; denn es kommt hauptsächlich darauf an, daß

  • a) von Seiten der Papier-Fabrikanten das Bleichgeschäft besser beachtet, und
  • b) unsere Regierungen die Ausfuhr aller leinenen Hadern bei strenger Ahndung verbieten.

Die durch den fortschreitenden Geist der Zeit auf das Bleichwesen aufmerksam gemachten Fabrikanten, werden unter solchen Prämissen nicht allein die Konkurrenz mit den fremden Nationen herstellen, sondern selbst bei so natürlich vorwaltenden günstigen Verhältnissen das Ausland noch zu übertreffen suchen. Gehen nur erst einige sachkenntnißvolle Männer mit ihrem Beispiele voran, so werden Andere ihnen nachfolgen müßen, und zulezt alle Papier-Fabrikanten Deutschlands sich ihrer Selbsterhaltung wegen, genöthigt sehen, den |498| alten Schlendrian zu verlassen, und sich dem neuen Verfahren anzuschließen.

Bleichen der gefärbten Hadern.

In der Papier-Fabrikation versteht man unter gefärbten Hadern solche, welche früher für Kleidungsstüke aller Art ein- oder mehrfarbig bedrukt worden. Um sie in den Papiermühlen auf Papier zu verwenden, pflegt man sie gewöhnlich in den Faulungs-Kasten zu bringen, und von da mit Kalkwasser zu behandlen. Beim Weißbleichen derselben ist, außer der Ausscheidung der feinen, mittlern und ordinairen Lumpen, der Eigenthümlichkeit der Farben wegen ein zweites Sortiren nöthig; denn diejenigen, welche Eisen als Grundlage ihrer Farben enthalten, müßen im Bleichen anders behandelt werden, als jene, deren Farben an erdige Basen gebunden sind.

In die Klasse der eisenhaltigen zählen wir die schwarze, graue, oliven und braungefärbten Hadern, welche am schnellsten und beßten auf folgende Weise gebleicht werden.

„Nachdem alle Näthe, Puffen und Pauschen aufgetrennt worden, werfe man sie in ein hölzernes Faß, welches unten am Boden mir einem Hahnen versehen ist, und fülle das Faß mit kochendem Wasser an. Einige Stunden hernach zapfe man die schmuzige Flüßigkeit ab, und gieße so lange kochendes Wasser nach, bis die Flüßigkeit nicht mehr trübe abläuft. Durch dieses Verfahren werden die mechanisch-anhängenden Unreinigkeiten, so wie der Staub von den Hadern abgewaschen. Man gieße nun eine kochende 1/2° starke kaustische Kalilauge auf, lasse sie mit den Hadern bis zur gänzlichen Erkaltung stehen, zapfe die Flüßigkeit ab, und schaffe die Waare an den Fluß oder Bach zum Auswaschen. Die kaustisch-alkalische Lauge löst den Schweiß nebst allen fetten und erdigen Unreinigkeiten auf, und wirkt zugleich auf die gefärbte Materie. Die Lumpen kommen jezt in ein Chlorin- und dann in ein schwefelsaures Bad, womit man so lange abwechselnd fortfährt, bis die Lumpen eine gelblichweiße Farbe zu zeigen anfangen. Nun erst tritt der Gebrauch der kaustisch-alkalischen Lauge ein, welche im Wechsel mit dem chlorinkalk- und schwefelsauren Bade so lange angewendet wird, (wie beim Bleichen der rohen Hadern gezeigt wurde,) bis die Waare vollkommen gebleicht erscheint. Nach dem jedesmaligen Herausnehmen derselben aus dem Chlorinkalk, schwefelsauren oder alkalischen Bade geschieht das Waschen am Fluß oder Bach.“

Diese abgeänderte Bleichmethode hat ihren Grund in der Natur der gefärbten Lumpen. Chlorine zerstört nämlich |499| das mit dem Eisen verbundene Pflanzen-Pigment; die Schwefelsäure löst die Eisenbasis auf; und das später in Anwendung gebrachte Kali disponirt alle Schmuztheile und Unreinigkeiten zur Lösung, worauf dieselben in den Chlorin- und schwefelsauren Bädern ganz hinweggeschaft werden.

Die Klasse der Hadern mit erdigen Grundlagen umfaßt alle rothen, gelben, grünen und mit Indigo blau gefärbten, beim Bleichen derselben verfahre man also:

„Nach dem Auswaschen der Lumpen in kochendem Wasser, nach der schwachen Alkalisirung und dem Chlorin- und schwefelsauren Bade, welche leztere jedoch nur zweimal nöthig sind, um die gefärbte oder aufgedrukte Farbe zu zerstören, werden sie in der kaustischen Lauge ausgekocht, und wechselsweise in die Chlorin- und schwefelsauren Bäder, so wie in die alkalische Lauge gebracht, bis sie dem Auge vollkommen weiß erscheinen. Die vorlezte Operation ist auch hier das Chlorinbad, die Allerlezte aber das schwefelsaure Bad; das Waschen am Fluß oder Bach versteht sich von selbst.“

Die hiebei in's Spiel tretenden Agentien bewirken das Bleichen folgendergestalt: a) die Chlorine zerstört das an die Basis gebundene Pigment; b) die Schwefelsäure thut dieß bei den gelben, rothen und unächten grünen Farben, ohne jedoch auf die Farbe des Indigos zu wirken; sie löst auch die erdigen und metallischen Grundlagen auf, wenn das Pigment zuvor durch die Chlorine zerstört ist. Das alkalische Salz wirkt wie bei dem Bleichen der eisengrundhaltigen Hadern.

Eisenblau gefärbte leinene Hadern kommen sehr selten, desto öfter hingegen baumwollene mit eisenblauer Farbe in die Papiermühlen. Dergleichen blau gefärbte Hadern von jeder Gattung der Pflanzenfaser lassen sich am leichtesten nach dem Auswaschen in kochenden Wasser dadurch weiß bleichen, daß man sie in einer kaustisch-alkalischen Lauge auskocht, welche den eisenblaufärbenden Stoff hinwegnimmt, und das Eisenoxid kalihaltig zurükläßt. Lezteres wird durch die Schwefelsäure in dem schwefelsauren Bade hinweggeschafft, wenn die Lumpen einigemale in dasselbe eingelegt werden. Um alle Eisentheile ganz zu beseitigen, und jeden Nachtheil für ein absolut weißes Papier zu verhüten, gibt man am Ende der Operation noch eine schwache alkalische Lauge, und bringt die Waare so lange in ein schwefelsaures Bad, bis ein Tropfen eisenblausaure Kali oder Kalkauflösung auf einen ausgewaschenen Hader gebracht, denselben nicht mehr blau färbt.

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Chamois und rostgelb mit Eisensalzen gefärbte Hadern, werden durch schwefelsaure Bäder am wohlfeilsten gebleicht, aber auch durch Weinstein-Auflösung vollkommen weiß gemacht, wenn man der Weinstein-Auflösung so lange Schwefelsäure zusezt, bis das Kali des Weinsteins an die Schwefelsäure gebunden, und die Säure des Weinsteins (Weinsteinsäure) in dem Fluidum aufgelöst enthält. In einem solchen Bade kann auch Schwefelsäure prädominiren.

Um mich in Ansehung der bleichenden Wirkung auf gefärbte Hadern zu überzeugen, daß eigentlich nur die Oberfläche und diejenigen Theile, welche auseinander getrennt sind, wirklich gebleicht werden, erbat ich mir von Herrn Sieber, Papier-Fabrikanten in Augsburg, einen Zentner der allergröbsten Bauernlumpen. Ich erhielt theils ganze, halbe und viertels Kleidungsstüke, theils Fragmente, nämlich Westen, Hosen, Strümpfe, Mieder, Jaken, Kammaschen etc. mir sehr stark übereinander genähten Einschlägen, Puffen, doppelt und dreifach aufeinander genahten Fleken, in schwarzer, grauer, grüner, brauner und roher Leinenstoff-Farbe. Der größte Theil dieser Farben war auf rohen ungebleichten Hanf- oder Werg-Grund gesezt.

Die erste Operation, die ich damit vornehmen ließ, bestund in einer zwölftägigen Gährung in Wasser; die zweite in einem kochenden Aufguße von einer schon für Baumwollen-Waare gebrauchten alkalischen Lauge, ohne zuvor den Farbestoff durch äzenden Kalk niederzuschlagen, und die Lauge kaustisch zu machen. In dieser Lauge ließ ich die Lumpen, wegen Mangel an Zeit, 5 Tage liegen, alsdann auswaschen, und 12 Stunden lang in ein ebenfalls ausgebrauchtes Chlorin-Kalkbad einlegen, und nun nach dem Auswaschen in ein benuztes schwefelsaures Bad, auf 18 Stunden, bringen. Die zweite Operation mit der alkalischen Lauge wurde wiederholt, die Lumpen blieben aber nicht länger als 12 Stunden darin liegen, und wurden wechselsweise viermal in dem Kali-Chlorinkalk und schwefelsauren Bade behandelt. Sie befanden sich jezt in dem Zustand einer unvollständigen Bleiche, indem zwar diejenigen Theile, die nicht aufeinander genähet waren, durchaus entfärbt erschienen, jene hingegen, die Pauschen, Puffen, übereinander genähte Fleken und Umschläge hatten, nur äußerlich gebleicht, innerlich aber noch sehr gefärbt sich darstellten.

Dieser Versuch bestätigte die Vermuthung, daß, um Lumpen jeder Gattung und Farbe für die weiße Papier-Fabrikation zu bleichen, alle Näthe etc. auseinander getrennt werden müßen, weil sonst aus der Stampfmühle oder der holländischen |501| Maschine ein Papierteig zum Vorschein kommt, der in einer zum Theil farbigen Mischung besteht.

Bleichen der Drukmakulatur und des beschriebenen Makulatur-Papiers.

Die überhand genommene Ausfuhr der guten leinenen Hadern, und der dadurch erzeugte Mangel an hinreichender guter Papiermaße veranlaßte Claproth in Göttingen, untern deutschen Papier-Fabrikanten den Vorschlag zu machen, Drukmakulatur zu bleichen, und aus der gebleichten Maße neues Papier zu fertigen. Er gab folgendes Verfahren hiezu an:

„Das bedrukte Papier soll in heißes Wasser eingeweicht, hernach mit etwas Walkererde und Terpentinöl in's Papier-Geschirr gebracht, wie halbes Zeug verarbeitet, und sodann in der holländischen Maschine wie ganzes Zeug zugerichtet werden. Man gewinnt aber durch diese Behandlung nur ein Papier von grauer oder gelblicher Farbe. Um Drukmakulatur vollkommen weiß zu bleichen, muß man die Papiermaße nach der Behandlung mit Walkererde und Terpentinöl, in kaustisch-alkalischer Lauge, damit der noch vorhandene Oelfirniß der Drukerschwärze weggetilgt werde, auskochen, hierauf in ein schwefelsaures Bad, und von da erst in die holländische Maschine bringen. Ist die Makulatur durch das Alter stark gelb gefärbt, so wird vor dem schwefelsauren Bade das Durchnehmen durch ein Chlorinbad nöthig, um ein rein weißes Produkt zu erhalten.

Soll beschriebene Maculatur gebleicht, und in eine weiße Maße für die Papier-Fabrikation verwandelt werden, so hat man zuerst den Leim durch Einweichen in heißem Wasser aufzulösen; worauf man die Farbe der Tinte durch Chlorine zerstört, und das zurükgebliebene gelbe Eisenoxid mittelst schwefelsaurer Bäder hinwegnimmt.

Es verdient jedoch solche Anwendung von bedrukter oder beschriebener Makulatur zu weißem Papier nur in der höchsten Noth die Aufmerksamkeit unserer Papier-Fabrikanten, weil eine zu große Menge Makulatur erfodert wird, und diese, wegen anderwärtiger starker Nachfrage, theurer als gute leinene Lumpen im Preise zu stehen kommt; überdieß auch die Kosten des Bleich-Prozesses nicht unbedeutend sind.

Ich bemerke noch, daß Strohpapier in der Bleiche andere Agentien bedingt, als baumwollen oder leinene Stoffe. Um weißes Strohpapier darzustellen, wird das Stroh zuvor vermittelst schweflichsaurer Dämpfe oder der liquiden schweflichen Säure gebleicht; doch dieß soll bei dem Artikel der Strohbleiche näher auseinander gesezt werden.

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Der Name Papier stammt ursprünglich von dem egyptischen Schilfrohr Papyrus, das auch unter dem Namen Byblos (Βυβλος) bekannt war, her, aus dessen innern Lagen die Egyptier Schreibpapier verfertigten.

Die Kunst Papier zu machen, wurde aus dem Morgenlande zu uns gebracht. Im 9ten oder 10ten Jahrhundert bereitete man daselbst Papier aus Baumwolle. Auf diese Papier-Bereitung gründet sich ohne Zweifel die Erfindung des Papiers aus leinenen Lumpen (Hadern), nachdem die Kreuzfahrer das baumwollne Papier dort hatten kennen lernen.

Die älteste Papiermühle in Europa, welche urkundlich angegeben |489| werden kann, ist die bei dem Dorfe Fabriano in der Mark Ancona, deren Bartolus um's Jahr 1340 Erwähnung thut a). Zu Nürnberg wurde durch den Senator Ulmann Stromer im Jahr 1390 die Erste in Deutschland errichtet b). Ein halbes Jahrhundert später entstand durch die Werkmeister Michael und Antonius aus Gallizien in Spanien eine Papiermühle zu Basel, als die Erste in der Schweiz c). Hanns Schönberger hatte 1482 eine eigene Papiermühle zu Augsburg.

England hatte die erste Papiermühle einem Deutschen, Namens Spilmann zu verdanken; er legte sie unter der Regierung der Königin Elisabeth im Jahr 1588 zu Dartfort an, und wurde dafür von dieser Königin zum Ritter gemacht d). Auch Rußland erhielt die erste Fabrik dieser Art durch einen Deutschen, Pfeifer, zu Moskowa, zur Zeit des Czaars Peter, welcher im Jahr 1712 auch Eigenthümer der Schuchartischen Papiermühle zu Dresden war e). Gegenwärtig mag sich die Zahl der deutschen Papiermühlen, gegen 500 belaufen. A. d. V.

a) Bekmann Anleit. zur Technol. Göttingen 1787. S. 118. Wehrs vom Papier 1789. S. 298. b) Kleine Chronik der Reichsstadt Nürnberg, Altdorf 1790. S. 24. Von Murr Journal für Kunstgeschichte und allgem. Literatur 5 Thl. S. 136–145. c) Joh. Jac. Hoffmanni Lex. univers. Basil. 1777. Fol. T. I. p. 557. d) Wehrs vom Papier S. 293. e) Wehrs S. 229.

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Wenn die Lumpen zu Teig gemacht sind, so ist der Zusammenhang dieses Teiges von der Art, daß er sich zusammendrükt, weßwegen die alkalische Lauge, die Chlorine, und das mit vielem Wasser verschwächte schwefelsaure Bad nicht in alle Theile des Teiges eindringen kann, es entstehen dadurch in dem Papier Adern und verschiedene Abstufungen der Farbe, wie auch früher schon Loysel in seiner Abhandlung a. a. O. bemerkte. A. d. V.

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In gut eingerichteten Bleichen, wo man sich des Chlorin-Kalks oder anderer Chlorin-Verbindungen beim Bleichen bedient, lassen sich die weißen und gefärbten Hadern wohlfeil bleichen. Dieß gilt auch von der Anwendung der schwefelsauren Bäder, weil man zum Bleichen der leinenen Lumpen diese bei der Baumwollen- und Leinen-Bleiche bereits benuzten Flüßigkeiten, die man alsdann als unbrauchbar bisher wegwirft, noch mit großem Vortheil verwenden kann. A. d. V.

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Wenn man sich in gut eingerichteten Leinwand- oder Baumwollen-Bleichen jährlich auf eine große Parthie Hadern zu bleichen Rechnung machen kann, so lohnt es sich der Mühe, statt der Weidenkörbe, durchlöcherte hölzerne Kasten, gleich den Fischkasten, an dem Fluß oder Bach in den Bleich-Etablissement anbringen zu lassen. Solche Kasten müßen aber an den drei das Wasser berührenden Wänden viele Löcher haben, damit das unreine Wasser beim Auswaschen schnell ablaufen, und sich durch frischen Zugang stets ersezen könne. In diesen Kasten werden die Hadern vermittelst hölzerner Stößel ausgestossen, und gut gewaschen. Auf solche Weise kann eine beträchtliche Quantität Hadern mit einem Male und schnell ausgewaschen werden. A. d. V.

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Es ist zu bedauren, daß die bei weitem größere Zahl unserer deutschen Baumwollen- und Leinwand-Bleichen bis jezt noch ihren alten |496| herkömmlichen Schlendrian fortmachen; es wird daher auch noch lange dauern, bis der Wunsch, die Papier-Bleiche mit einer Leinwand- oder Baumwollen-Bleiche zu verbinden, sich in Wirklichkeit verwandeln wird. Nur durch eine Totalreform unserer mangelhaften Bleichen, oder besser noch dadurch, daß ein sachkundiger, dem Bleichgeschäft in seinem ganzen Umfange völlig gewachsener Mann an der Spize einer solchen Unternehmung tritt, kann die Papier-Bleiche nach jener Forderung in's Daseyn gelangen. Dieses wäre dann ein mehrfacher Gewinn, indem dadurch Konkurrenz herbeigeführt, und der träge hinter dem Geist der Zeit zurükbleibende Bleichinhaber durch den Drang der Selbsterhaltung gezwungen würde, gleichen Schnitt mit dem Zeitgeist zu thun. A. d. V.

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Bei dem Chlorin-Kalkbade, wenn dasselbe durch den Gebrauch noch eine Verbindung von unzersezter Chlorine und Kalkerde ausmacht, bewirkt ein verhältnißmäßiger Zusaz von schwefelsaurem Wasser eine Zerlegung und Freiwerdung von Chlorine, wodurch die Wirkung auf das Bleichen der Hadern verstärkt wird. Es ist dann unnöthig, frisch bereitete Chlorinkalk-Auflösung hinzu zu fügen, da eine hinzugerührte Portion des schon gebrauchten schwefelsauren Bades die gehörige Bleichkraft wieder herzustellen vermag. A. d. V.

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