Titel: Reguin's Holzbereitung zu Paris. Raingo's Spiel-Uhren. Dollé's d. Sohnes Leinen-Damast-Fabrik zu St. Quentin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. XVI./Miszelle 5 (S. 125–126)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/mi008016_5

Reguin's Holzbereitung zu Paris. Raingo's Spiel-Uhren. Dollé's d. Sohnes Leinen-Damast-Fabrik zu St. Quentin.

Das Bulletin de la Société d'Encouragement pour l'industrie nationale, Nr. 211, Jäner 1822 enthält einige Berichte über neu gegründete Établissements in Frankreich, worauf wir diejenigen unserer Leser, welche daran besonderes Interesse finden könnten, aufmerksam machen zu müssen glauben. Das erstere dieser Etablissements, wovon hier die (S. 1.) Rede ist, ist das große Sägewerk des Hn. Roguin, welches, nach Art des englischen des Hn. Brunel, von einer Dampf-Maschine getrieben, die die Kraft von 12 Pferden äußert, alles Holzwerk für Gallantrie-Tischler, und Ebenisten, Schreiner, Zimmerleute, Wagner etc. zur weitern Verarbeitung fertig herrichtet.

In einer Stunde können auf diesem Sägewerke mittelst der geraden Längen-Sägen ungefähr 90 Quadrat-Fuß Holz gesägt werden, während die beßten Säger in dieser Zeit nur 10 Fuß zu liefern vermögen: der Mechanismus den Hr. Roguin anwendet, leistet demnach hier eben so |126| viel, als 18 Arbeiter kaum hervorzubringen im Stande sind. Seine Rundsägen von 12–18 Zoll im Durchmesser drehen sich 700 mal in einer Minute, die größern, von 18–30 Fuß, 500 mal, in 40 Sekunden ist ein Stük Holz von 9 Fuß Länge, und 4 1/2 Zoll Breite durchschnitten. Eben so unbegreiflich schnell wird das Holz hier gehobelt und gefalzt: in 3 Minuten salzt man 36 Fuß hohl, und in 4 Minuten eben so viel erhaben. Hr. Reguin hat zugleich bei seinem Maschin-Werke eine große Troken-Anstalt für das zu bearbeitende Holz erbaut; das Holz wird daselbst in ein, mit warmem Wasser gefälltes Bassin eingeweicht, und nachdem dadurch die gummiartigen Bestandtheile desselben aufgelöset und ausgezogen wurden, wird es in einer Darrstube getroknet. Ein auf diese Weise getroknetes Holz wirft sich nie, und wird nicht von Würmern angegangen. Die Commissäre der Société d'Encouragement nennen diese Anstatt des Hrn. Roguin die erste und die einzige, und sie mag es auch seyn; Hr. Brunel hatte eine ähnliche noch weit größere in England schon vor vielen Jahren gegründet: die Admiralität belohnte Hn. Brunel aber mit einer Gratifikation von 7,000 Pfund Sterl.; Hr. Roguin muß in Frankreich sich mit einer goldenen Medaille begnügen, auf welche die Commissäre antrugen.

Das zweite (S. 9.) ist die Fabrik von Uhren, Tabatieren etc. mit sogenannter Musik, von Hn. Raingo, horloger mécanicien, rue St. Sebastien, Nr. 46, zu Paris. Die Commissäre der Société d'Encouragement, die Hn. Francoeur und Bréguet liefern, nachdem sie einer Uhr, in welcher Hr. Raingo die tägliche Bewegung der Erde um die Sonne und des Mondes um die Erde darstellt, alles Lob ertheilen, und mit Recht wünschten, daß solche Uhren (etwas wohlfeiler als diese, die 1,500 Franken kostet) für Schulhäuser zum öffentlichen Unterrichte beigeschafft würden, eine kurze historische Uebersicht dieser Bijersterien mir sogenannter Musik, die zuerst zu Genf und la Chaux de Fond verfertiget wurden, und bemerken, daß Hr. Raingo, freilich nur mit Hülfe seiner zahlreichen Familie, diese Waare jezt weit wohlfeiler und besser zu Paris verfertigt, als sie von Genf oder Chaux-de-fond her eingeschwärzt werden können.

Der dritte Bericht (S. 13) betrifft die Leinen-Damast Fabrik des Hn. Dollé, Sohn, zu St. Quentin, Dptt. de l'Aisne welche Tischtücher und Servietten liefert, die, wie der Bericht erstattende Commissär der Société d'Encouragement Hr. Pasot Descharmes sich ausdrükt, „mit den sächsischen und schlesischen verglichen, nur wenig zu wünschen übrig lassen.“ „Es ist nicht zu zweifeln“ fährt er fort „daß Hn. Dollés Fabrik bald mit den sachsischen wetteifern, und die schlesischen übertreffen werde, sobald nämlich die Leztern nicht mehr frei eingeführt werden dürfen, sondern mit den gehörigen Zolle belastet werden. Dieses wird die französische Fabrikation dieser Damaste beleben, und der schwere Zoll auf ausländischen Leinen-Damast wird eine eben so hohe Prämie für unsere inländischen Leinen-Damastfabriken werden.“ Wenn diese Bemerkung des Herrn Pajot-Descharmes so sonnenklar wahr und richtig ist; wenn alle Staaten Europens: Frankreich, England, Oestreich, Preussen, Rußland ihren Fabrikaten durch Einfuhr-Verboth und Erschwerung ausländischer, und vorzüglich deutscher Erzeugnisse aufzuhelfen suchen, wie können die Regierungen mancher deutschen Staaten, oder vielmehr, wie können die Schreiber in den Büreaux, die als Finanziers gelten wollen, so einfältig seyn, und ihre wenigen noch übrig gebliebenen Fabriken durch freie Einfuhr ausländischer Fabrikate vollends zu Grunde richten. Doch auf unserer beßten Welt ist alles möglich, und das Dümste geschieht gewöhnlich zuerst, und am häufigsten. Sero sapiunt Phryges.

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