Titel: Ueber Stahl-Legierungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. XXXIV./Miszelle 1 (S. 252–253)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/mi008034_1

Ueber Stahl-Legierungen.

Am 14. und 21. März wurde bei der Royal Society zu London ein Aufsaz der HHn. J. Stodart, Esqu. F. R. S. und Faraday über Stahl-Legierungen vorgelesen, als dessen Resultat in den Annals of Philosophy. April 1822. S. 312. Folgendes angegeben wird.

„Nachdem die Versuche im Kleinen sehr glüklich ausfielen100), wiederholte man dieselben endlich im Großen zum technischen Behufe, und fand auch hier die gehegten Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen.

Die Metalle, welche die beßten Stahl-Legierungen gewähren, sind: Silber, Platinna, Rhodium, Iridium, Osmium und Palladium. Als das beßte Verhältniß dieser Metalle zum Stahle fand man, mit Ausnahme des Silbers, ungefähr ein Hundertel; von Silber nur ein Fünfhundertel: wenn man mehr nimmt, so findet nur eine mechanische Mischung statt. Wo man immer guten Stahl haben und anwenden will, kann man sich dieser Legierungen mit Vortheil bedienen; schade nur, daß die Kostbarkeit und Seltenheit dieser Metalle der allgemeinen Einführung dieser Legierungen im Wege steht.

Die Gegenwart des legierenden Metalles wurde in dem legierten Stahle jedesmal durch chemische Prüfung erwiesen, und, in Hinsicht auf gleichförmige Vertheilung des ersteren in dem lezteren, wurde aus diesem ein Stab geschmiedet, und die vorher polierte Oberfläche desselben mit verdünnter Säure behandelt.

Man bediente sich solcher Verfahrungsweisen bei der Analyse, welche man zugleich als nüzlich für den Fabrikanten erachtete; man ließ verdünnte Schwefelsäure einwirken, brannte die Kohle etc. an dem Rükstande ab, und untersuchte den weiteren Rükstand auf die bei jedem Metalle besonders nöthige und eigene Weise. In Hinsicht der Schnelligkeit der Einwirkung der Säuren auf einige dieser Legierungen zeigte sich eine merkwürdige Erscheinung; mit Platinna und mit einigen anderen Metallen legierter Stahl wurde nämlich weit schneller von Säuren angegriffen, als unlegierter Stahl.

Die Rükstände, welche nach Einwirkung der Säuren aus weichen und auf harten Stahl zurükblieben, waren an diesen beiden Stahlarten, sehr verschieden; bei hartem Stahle ließen die Säuren ein schwarzes kohlenartiges Pulver zurük; bei weichem Stahle hingegen und bei weichen Legierungen ein reißbleiartiges, und dieses zugleich in weit größerer Menge.

Wenn die Legierungen mit verdünnter Schwefelsäure behandelt wurden, der Rükstand in der Säure gekocht, und das Pulver mit Salpetersäure behandelt wurde, so verpuffte oder verbrannte dieses Pulver unter heftigem Geprassel jedesmal, so oft die Legierung aus einem Metalle bestand, welches in Salpetersäure unauflösbar ist; wenn diese Legierung aber in Salpetersäure auflösbar war, wurde das Pulver vollkommen aufgelöset, und es hatte kein Verpuffen statt.

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Man hat bemerkt, daß Platinna und Rhodium sich mit Stahle in jedem Verhältniße verbinden lassen, und in höheren Verhältnißen mit demselben sehr schöne Kompositionen geben, die, ihrer Farbe nach, sehr gut zu Metallspiegeln taugen, die zugleich den Vortheil gewähren, an der Luft nicht matt zu werden.“

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Diese interessanten Versuche sind im 3ten Bd. S. 91. u. f. des polyt. Journals ausführlich beschrieben. D.

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