Titel: Ueber Luftverdünnung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. XLVIII./Miszelle 11 (S. 381–383)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/mi008048_11

Ueber Luftverdünnung.

Die Herren Welter und Gay Lussac beschäftigten sich gegenwärtig mit Untersuchung der Wärme, welche entwikelt wird, wenn man verschiedenen Druk auf dieselbe anbringt. Sie werden die Resultate der Akademie mittheilen. Ein Phänomen haben sie bereits zur Kenntniß derselben gebracht. Bekanntlich erzeugt sich bei Verdünnung der Luft, oder einer jeden anderen elastischen Flüßigkeit, Kälte. Die Herren Welter und Gay Lussac fanden indessen, daß „die Luft die aus einem Gefäße durch eine Oeffnung unter was immer für einem Druke ausgeblasen wird, ihre Temperatur nicht ändert, obschon sie bei dem Austritte aus dem Gefäße sich verdünnt.“ Es scheint also, daß in dem Luftstrome selbst sich Wärme erzeugt, und zwar in solchem Maaße, daß dadurch die, durch die Verdünnung erzeugte Kälte, aufgehoben wird. (Annales de Chimie) April 1822 S. 436.

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Vergleichung der Menge entbundenen Wärmestoffes, wenn ein Gran Sauerstoff mit verschiedenen Substanzen brennt.

(Diese Menge ward nach der Anzahl der Grammen136) Wassers bestimmt, welche sie um 10 erwärmen kann.137)

Textabbildung Bd. 8, S. 382

Die Daten zu dieser Tabelle, welche verschiedenen Physikern angehören, werden aus Rumford entlehnt. Man nimmt heute zu Tage an, daß wenn verschiedene zusammengesezte Körper dieselben Bestandtheile enthalten, und man von jedem derselben ein solches Gewicht wegnimmt, daß der Sauerstoff (oder irgend ein anderer Bestandtheil) bei allen in gleicher Menge vorhanden ist, auch jeder andere Bestandtheil sich in solcher Menge in denselben finden wird, daß ein sehr einfaches Verhältniß zwischen ihnen statt hat.

Ein Blik auf die dritte Spalte dieser Tabelle sollte uns glauben lassen, daß man dieser Annahme noch mehr Ausdehnung geben, und noch |383| hinzusezen könnte, daß, wenn man das Gewicht nimmt, welches 1 Gramm Sauerstoff zu verbrennen vermag, irgend ein Bestandtheil, er mag einfach oder zusammengesezt seyn, in den verschiedenen Brennstoffen in solchen Mengen vorkommen wird, welche untereinander in sehr einfachen Verhältnissen stehen.

So ist auf diese Weise, die Kohle (als Bestandtheil betrachtet) im Aether, im Alkohole, im Oele und im Wachse zu der Kohle im Holze wie 2 : 3.

Der Bestandtheil Wasser (als Bestandtheil betrachtet) im Aether, im Alkohole, im Holze, verhältnißmäßig wie 1 : 2 : 4.

Der überschüßige Wasserstoff (als Bestandtheil betrachtet) fehlt im Holze und findet sich in gleichen Mengen in den übrigen zusammengesezten Brennstoffen. Diese Menge verhalt sich zu jener des Wasserstoffes, als Brennstoff betrachtet, wie 1 : 3.

Ja, was das Merkwürdigste ist, es scheint, nach der vierten Spalte, als ob die Mengen des Wärmestoffes sich nach demselben Geseze richten wollten; die Zahlen, welche sie ausdrüken, sind beinahe gleich, und die des Phosphors ist beinahe das Doppelte derselben.

Die der Kohle macht eine Ausnahme; allein das vollkommene Verbrennen der Kohle in Kohlensäure scheint sehr schwierig. Rumford war mit seinen Resultaten so wenig zufrieden, daß er darauf verzichtete, und Herrn Crawford's und der Herren Lavoisier und Laplace annahm, welche sich wie 4 : 5 verhalten.

Ich habe hier nur deßwegen einen behauptenden Ton angenommen, um mich kurz fassen zu können. Ich bin weit entfernnt, diese Annäherungen in den angeführten Zahlen für hinreichend zu erklären, oder zu glauben, daß die Erfahrungen zahlreich genug wären, um zur Annahme eines solchen Gesezes zu berechtigen. Ich lege also diese Bemerkung nur als einen Annährungs-Versuch dar, der vielleicht die Aufmerksamkeit der Physiker erregen könnte.

J. J. Welter.

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Ein Gramm ist = 13,714 Wiener Apotheker-Granen.

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Aus den Annales de Chimie et de Physique. April 1822. S. 425.

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