Titel: Ueber Oel, und dessen Anwendung auf Uhrwerke und andere feinere Maschinen zur Verminderung der Reibung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. XLVIII./Miszelle 22 (S. 387)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/mi008048_22

Ueber Oel, und dessen Anwendung auf Uhrwerke und andere feinere Maschinen zur Verminderung der Reibung.

Hr. Maury zu Air in Provence sandte Baumöl an die Gesellschaft, welches er zu obigem Zweke zubereitete, und Hr. Cadet de Gassicourt untersuchte. Die spezifische Schwere dieses Oeles war geringer, als jene des gewöhnlichen guten Baumöles. Eine Stunde lang in aufthauendes Eis gestellt, verlor es nur wenig an Durchscheinbarkeit, weil nur so wenig Stearin sich ausschied, daß man dasselbe kaum vom Elain scheiden konnte. Das Oel blieb flüßig. Mit ungefähr 2 Hunderttheilen seines Gewichtes Schwefelsäure gemengt, und geschüttelt mit zweimal so viel Wasser dem Volumen nach, ward es etwas trübe, ohne jedoch einen Niederschlag zu geben. Dieses Oel enthielt folglich keinen Schleim. Man fand auch keine Spur von Säure in demselben. Es ist also für Uhrmacher sehr brauchbar, indem es weder durch Kälte erstarrt, noch das Metall durch Säure, welche sich beim Ranzigwerden desselben erzeugt, angreift.

Hr. Cadet de Gassicourt schloß seinen Bericht mit einer für alle Uhrmacher sehr interessanten Bemerkung. Es scheint ihm nämlich, daß reines Elain allen jenen Foderungen entspricht, welche Uhrmacher an ein für sie brauchbares Oel stellen können, und dieses Elain erhält man aus jedem feineren Oele, und selbst aus thierischem Fette auf folgende einfache und leichte, von Hrn. Chevreul angegebene, Weise. Man behandelt das Oel in einer Retorte mit 7–8 mal so viel (dem Gewichte nach) beinahe siedenden Alkohols, gießt die Flüßigkeit ab, und läßt sie erkalten. Das Stearin scheidet sich als kristallinischer Niederschlag aus. Die Auflösung im Alkohol wird hierauf bis auf ein Fünftel ihres Umfanges abgeraucht, und hiedurch das Elain erhalten. Dieses muß farbelos, geschmaklos seyn, darf nur wenig Geruch haben, auf Lakmus keine Wirkung äußern, muß die Konsistenz von weißem Oliven-Oele besizen, und darf nicht leicht stoken. Die Uhrmacher brauchen so wenig Oel, daß diese Bereitung des Elain ihnen nur wenig Auslage verursachen würde, und sie auf diese Weise sicher seyn könnten, immer dieselbe reine Substanz zu erhalten141). (Im Auszuge aus Hrn. Cadet de Gassicourt's Aufsaze im Bulletin de la Société d' Encouragement aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. N. CCXXXVII. Febr. 1822. S. 178.)

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Unsere Uhrmacher begnügen sich, unseres Wissens, mit der rohen Ausscheidung des Elain durch gelinde Stokung des gemeinen Oeles, von welchem sie die, nur zu oft schon zu ranzig gewordene, Flüßigkeit abgießen, und zum Gebrauche aufbewahren.

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