Titel: Ueber Türkisse
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. XLVIII./Miszelle 9 (S. 380–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/mi008048_9

Ueber Türkisse

hat Herr Professor G. Fischer in Moskau schon vor 10 Jahren in den Mémoires de la Société imp. des Naturalistes de Moscou einen sehr interessanten Aufsaz geschrieben, aus welchem sich nach einer im Jahr 1818 erschienenen neuen Auflage ein von Hrn. B. de V. verfaßter Auszug in den Annales de Chimie et de Physique April 1822 S. 427 befindet, und aus welchem erhellt, daß die Juweliere allerdings sehr recht hatten, wenn sie die persischen Türkisse für ganz verschieden von den französischen erklärten. Sie sind verläßig keine gefärbten Fossilenknochen, wie man allgemein glaubte. Herr Fischer nennt die persischen Türkisse (die turguoises orientales ou de vicille roche der französischen Juweliere) Calait, und behält nur für die französische Türkisse (die turguoises occidentales ou de nouvelle roche der Juweliere) die alte Benennung: Türkisse. Er unterscheidet drei Abarten an seinem Calait: 1) den eigentlichen Calait, der schön lichthimmelblau nierenförmig und geträuft, zuweilen in Massen von 4–5 Unzen vorkömmt, und vollkommen undurchsichtig ist. Seine spezifische Schwere ist 2,860. Er kommt in einem aufgeschwemmten Lager um Nischabur in Khorasan vor. Hieher scheint Herrn Professor Fischer jener Türkiß zu gehören, den Herr Professor John analisirte. 2. den Agaphit oder muschelförmige Calait, (welchen Herr Agaphi, auch bei Nischabur, in Lagern von erhärtetem Thoneisenstein und Adern von kaum 5 Linien Dike fand), mehr oder minder hell himmelblau, undurchsichtig, die Splitter der dunkleren Stüke an den Kanten durchscheinend. Spezif. Schwere = 3,250. Hr. Prof. Fischer vermuthet, daß der Türkiß, den Hr. John analisirte, und der von arseniksaurem Eisen gefärbt ist, hieher gehört. 3. den Johnit, oder quarzartigen, glasigen, schuppigen Calait, er kommt zerstreut oder in sehr dünnen Lagen in schwarzem Kieselschiefer vor, ist hell himmelblau in's Grüne ziehend. Er ist härter, als die beiden vorigen, und rizt das Glas stark, ohne am Stahle Funken zu geben. Spezif. Schwere Analise, und Fundort unbekannt. Bucharey? Daß Berzelius phosphorsaure Thonerde, und phosphorsauren Kalk und Kieselerde, und kohlensaurem Kupfer und Kupferhydrat gefärbt in den persischen Türkissen fand, konnte |381| Herr Prof. Fischer, der nur John's mangelhafte Analise (?) kannte, nicht wissen. Die französischen Türkisse (Turquoise odontolithe), die viel weicher, blättrig wie Elfenbein sind, sich in destilirtem Essige entfärben, und in Säuren auflösen lassen, sind allerdings gefärbte Zähne von Thieren, die der Vorwelt angehörten, und die nach Bouillon-Lagrange ihre Farbe von 2 p. C. phosphorsaurem Eisen erhielten.

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