Titel: Ueber den Weinbau bei den alten Griechen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. LXI./Miszelle 2 (S. 503–504)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/mi008061_2
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Ueber den Weinbau bei den alten Griechen.

Im Mai-Hefte der Biblioteca italiana S. 265 findet sich ein sehr lehrreicher Aufsaz des Hrn. L. Reynier zu Lausanne über den Weinbau bei den alten Griechen, auf welchen wir die Einwohner jener Länder in welchen trinkbarer Wein, und genießbare Trauben wachsen, (was leider mit Ausnahme Wirtembergs in dem übrigen Deutschland nicht der Fall ist) aufmerksam machen zu müßen glauben. Merkwürdig ist das allgemeine Resultat der historisch-antiquarischen Untersuchungen des Herrn Verfassers, welchen zu Folge alle griechischen Schriftsteller nur von niedrig gehaltenen Reben, die römischen hingegen nur von hochgezogenen sprechen, so daß man zu der Vermuthung gezwungen wird, daß die Kultur der hochgezogenen Reben den Griechen eben so unbekannt war, als den Römern die Kultur der niedrig gehaltenen. Wirklich ist auch noch heute zu Tage kein Weingarten mit hohen Reben in ganz Griechenland, und in ganz Italien windet sich noch heute zu Tage, von den Alpen bis in das südliche Neapolitanische hinab (das ehemalige Groß-Griechenland, wo wieder nur niedrige Reben vorkommen) die Rebe, wie bei den alten Römern um die Ulme. Um Marseille, einer ursprünglich griechischen Colonie, werden die Reben niedrig gehalten; während in dem übrigen Frankreich, wo die Römer die Reben hinbrachten, vorzüglich unter den ehemaligen Allobrogen bis Genf hin, die Reben als sogenannte hautains hoch gezogen werden. Man kann also aus der Weise, wie die Rebe heute zu Tage in gewißen Gegenden gezogen wird, so ziemlich auf die unmittelbare oder mittelbare griechische oder römische Abkunft derselben schließen. Die Weise, wie die alten Griechen der Rebe pflegen, hat der Hr. Verf. hier aus den Quellen, aus den alten griechischen Schriftstellern selbst, die er überall genau, anführte, mitgetheilt, und mancher vor mehr dann einem Jahrtausende gegebene gute Rath ließe sich noch heute zu Tage gut benüzen. Wo man nichts Neues lernen will, sollte man doch wenigstens das Alte nicht vergessen, sonst verkrüppelt alles noch mehr als selbst die –

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