Titel: Untersuchungen über die Zeichnungen oder über das Wasser des damascirten Stahles.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 8, Nr. LXI./Miszelle 4 (S. 504–505)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj008/mi008061_4

Untersuchungen über die Zeichnungen oder über das Wasser des damascirten Stahles.

Unter dieser Aufschrift liefert Hr. Héricart de Thury im Bulletin de Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale. |505| N. CCXIII. S. 84. einen, für die Geschichte der Stahlbereitung allerdings sehr interessanten, Aufsaz, welchen zugleich ein sehr schön gearbeiteter Kupferstich, die verschiedenen Arten von Damascirung vorstellend, begleitet. Er beschreibt darin die bisher in Europa, oder vielmehr in Frankreich, gewöhnlichen Arten den Stahl zu damasciren. Wenn auch diese Verfahrungsweisen unseren Stahl-Arbeitern noch nicht bekannt wären, so verliert doch selbst die Bekanntmachung derselben dadurch allen technischen Werth, daß, wie dasselbe Bulletin, in welchem Hr. Héricart de Thury seine allerdings lehrreichen Untersuchungen mittheilt, gleichzeitig aussagt: Hr. Bréant so eben die Methode erfunden hat, echten Damascener Stahl zu verfertigen, und eben dieser Bulletin, den Beschluß der Franzosen verkündet: daß Bréant's Erfindung dem Auslande nicht mitgetheilt werden soll, nicht öffentlich bekannt gemacht werden darf.“ Wenn man in einem in Europa gelegenen Lande verbiethet, Erfindungen auszuführen, und Ochsen einzuführen, so wird man bald auch ein europäisches China entstehen sehen, dem bis zur Stunde noch nichts fehlt, als eine chinesische Mauer. Wenn Frankreich, dasselbe Frankreich, über welches Heinrich IV. u. Ludwig XIV. herrschte, verbiethen kann, gemeinnüzige Ideen dem Auslande mitzutheilen, so wird Niemand in allen 5 Welttheilen diejenigen Ideen für gemeinnüzig halten, welchen Frankreich den Uebergang über den Rhein, über den Kanal oder über die Pyrenäen gestattet: denn, wird man sagen, wäre etwas an diesen Ideen, und könnten die Franzosen dieselben für sich gebrauchen, so würden sie ihnen das Transito über ihre Gränzen nicht gestattet haben, da sie auf alle Ausfuhr brauchbarer Ideen am 3. April 1822 – ein merkwürdiger Tag in der Geschichte der Kultur der Menschheit –!!! Verboth legten. Sollte nicht jeder Nicht-Franzose in allen Ländern und Welttheilen alle vom 3. April 1822 an im technischen Fache in Frankreich erscheinenden Werke den französischen Buchhändlern mit Hinweisung auf den Beschluß der Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale vom 3. April remittiren? Wenn ihr Herren jenseits des Rheines dasjenige, was im Technischen gut und brauchbar ist, für Euch behält, so müßen wir, wenn wir Euch Verstand zutrauen wollen, voraussezen, daß Ihr uns nur dasjenige mittheilt, und mittheilen läßt, was Ihr selbst nicht brauchen könnt. Wäret Ihr klug gewesen, so hättet ihr einstweilen von Bréant's Entdekung geschwiegen: allein Ihr wolltet Renomée haben! Ihr macht es, wie schlimme Wirthe, die den guten Wein, den sie bloß zu kosten geben, selbst trinken, und den schlechten den Gästen vorsezen. Das Ende solcher Wirthe ist bekannt. Sie trinken ihren Wein so lang, bis sie keine Gäste mehr haben.

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