Titel: Thompson über Verbesserung bei Bereitung des Stahles zu Wagen-Federn.
Autor: Thompson, John
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XV. (S. 162–165)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/ar009015

XV. Ueber eine gewiße Verbesserung bei der Bildung und Bereitung des Stahles zu Wagen-Federn, vorzüglich aber zu Kutschen-Federn, worauf John Tompson, in Regent-street, Westmünster, und bei den Londoner-Stahlwerken dd. 2. März. 1822. ein Patent erhielt.

Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture, Sept. 1822. S. 194.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Durch diese Verbesserung wird nicht bloß eine bedeutende Menge von Arbeit erspart, sondern der Stahl zugleich auch besser, und die Feder wohlfeiler.

Abgesehen von der großen Mannigfaltigkeit von Formen, welche man den Wagen und Kutschen-Federn bisher gegeben hat, so werden doch die Bestandtheile derselben allgemein als Stangen oder Platten verfertigt, welche in ihrer Dike die Form eines Keiles oder eines Doppel-Keiles besizen, und die für die Federn-Schmide gefertigten Stahlstüke sind beinahe durchaus, sowohl ihrer Breite als Dike nach, parallele Stangen, welche in der Folge mittelst des Hammers ihre gehörige Gestalt erhalten. Diese Arbeit macht viele Mühe, Auslagen und gibt noch unsichere Waare. Hr. Thompson gibt nun den zu Federn bestimmten Stahl-Stangen ihre nöthige keilförmige Form statt mit dem Hammer mittelst Strekwalzen.

Fig. 21 stellt ein Paar dieser Spiz-Walzen (pointing rollers) dar. Diese Walzen müßen mit einer hinlänglichen |163| Menge flacher Stellen an ihrer äußeren Fläche versehen seyn, und diese flachen Stellen müßen an jeder Walze einander gegen über stehen, so wie die gekrümmten oder zusammendrükenden Theile derselben. Der Zwek, den man bei diesen Walzen beabsichtigt, ist, die Spizen oder Enden der zu Federn bestimmten Stahl-Stangen zu verdünnen, damit sie leichter zwischen die abnehmenden Walzen eingeschoben werden können: und dieß geschieht durch die gekrümmten oder zusammendrükenden Theile der Walzen auf ihrer Peripherie, die nur zwei Zoll lang sind. Nachdem die Spize der Stange auf diese Weise ihrer Dike nach verdünnt wurde, so kann sie, in dem die flachen Theile der Walze alle einander gegenüber stehen, leicht aus den Walzen herausgezogen werden.

Fig. 22. zeigt ein Paar abnehmende Walzen mit excentrischen Furchen längs der unteren Walze. Diese Walzen müßen, ihrem Umfange nach, so groß seyn, daß dieser nicht nur der Länge der zu einer Feder zu verdünnenden Stange gleich ist, sondern sie müßen auch, in Hinsicht auf Druk, als eine flache oder schlafende Walze wirken, damit man die Stange, sobald sie hinlänglich verdünnt ist, zwischen denselben herausziehen kann.

GG ist eine Walze mit irgend einer schiklichen Zahl von Furchen, welche der Breite und Dike der zu Federn bestimmten Stangen oder Platten angemessen sind. BB sind die Hälse dieser Walzen. AA ist eine flache cylinderische Walze. DD sind die Säulen, welche die Walzen tragen. EE sind die Bind- oder Stoß-Schrauben, welche die Walzen zusammenhalten, um die Dike irgend einer zu verdünnenden Stange oder Plane, nicht aber das Verhältniß der Verdünnung sowohl der Substanz als der Länge nach zu bestimmen: dieses wird lediglich durch die Dimensionen der Furchen in der Walze CC gegeben, FF sind die Zahn-Räder, welche die der Walze CC mitgetheilte Bewegung auf die obere |164| Walze AA übertragen. G ist die Verbindungs-Büchse, welche die Walze C mit der treibenden Kraft verbindet.

Die gefurchte Walze kann Ueber oder unter der flachen cylindrischen Walze angebracht und mit Zahnrädern zur Bewegung dieser Walzen verbunden seyn. Man kann auch, wie in Fig. 3, zwei gefurchte Walzen anwenden. Die zugespizte Stange oder Platte kommt dann in die erfoderliche Furche, und zwar entweder an jenem Theile der Furche, welcher von dem Mittelpunkte am meisten entfernt ist, oder an dem flachen Theile der Walze.

Die Walzen werden während ihrer Bewegung durch diese excentrischen oder ungleich vertieften Furchen eine Stange oder Platte von verschiedener Dike, nach der Excentricität dieser Furchen bilden, und keilförmig verdünnen. Die Stangen oder Platten zu Federn müßen, wie es bei Stahl-Stangen gewöhnlich geschieht, roth glühend gewälzt werden; Herr Thompson fand es aber höchst vorteilhaft, dieselben nach her kalt zu rollen, wodurch sie mehr gehärtet, glatter, und von den Schuppen an der Oberfläche gereinigt werden. Er bedient sich auch flacher Walzen, deren äußerste Oberfläche excentrisch gegen ihre Zapfen oder Hälse ist, deren von dem Mittelpunkte am weitesten entfernt stehende Theile aber, bei gleichem Durchmesser der Walzen, einander gegenüber stehen. Er hat die Umdrehung der Walzen so eingerichtet, daß ihre Oberflächen sich gleichmäßig von einander entfernen, wenn sie von dem nächsten Berührungspunkte aus einander fahren, bis sie in die weiteste Entfernung gelangen, wodurch dann nothwendig die gegen die Spize hin sich verdünnende keilförmige oder doppelt keilförmige Form entsteht.

Die Anwendung dieser Walzen fodert bedeutende Aufmerksamkeit und Geschiklichkeit von Seite des Arbeiters, um die Stahl-Stange zwischen solche Theile der Walzen zu bringen, die einander am nächsten kommen. Doch wird ein geschikter |165| und der Arbeit bei einem Strekwerke kundiger Mann sich bald die nöthige Geschiklichkeit bei diesen Walzen verschaffen, und den Stangen die beliebige Abdachung (nip) geben können, je nachdem er sie durch diese oder jene Furche oder flache Walzen laufen läßt.

Hr. Thompson kann bei seiner Strek-Maschine die Stangen oder Platten von der Mitte gegen die beiden Enden hin, oder von den Enden gegen die Mitte hin verdünnen, und die übrigen Theile als Parallelopipede unberührt lassen, und mittelst dieser Walzen alles leisten, was bisher durch den Hammer geschah.

Die punktirten Linien in den Durchschnitten der Walzen zeigen den Lauf der excentrischen Furchen in Fig. 22 und 23.

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