Titel: Gill über Straßen-Lampen.
Autor: Gill, Thomas
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XXXVI. (S. 282–286)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/ar009036

XXXVI. Ueber die Straßen-Lampen und Reflectoren zu Genf. Von Hrn. Gill.

Aus dessen technical Repository. September 1822. S. 151.

Mit Abbildungen auf Tab. V.63)

Seit dem Jahre 1816 werden, nach Hrn. Bruguier, die Straßen zu Genf mit den hier im halben Maßstabe vorgestellten Lampen beleuchtet.

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Fig. 4 Tab. V. zeigt die Lampe und den Reflector im Perspektive, und Fig. 5 ist ein Durchschnitt des Oelbehälters, der Klappe und der Luftröhre und des Füllloches zum Nachgießen des Oeles, in demselben Maßstabe, wie Fig. 4, aber von der Seite, und in verkehrter Lage. Dieselben Buchstaben bezeichnen in beiden Figuren dieselben Gegenstände aa, ist der ringförmige Oelbehälter, 5 1/3 Zoll im Durchmesser, und 1 Zoll 5 Lin. tief, mit einer Oeffnung von 3 Zoll im Mittelpunkte. – b, die Röhre, durch welche das Oel hinab steigt. Diese Röhre muß innenwendig 3 1/2 Linie (franz. Maßes) im Durchmesser halten, und lang genug seyn um abwärts etwas über die punktirte Linie cc, oder über das Niveau des Oeles, in dem Brenner hinabzureichen. – dd, ist die Luftröhre, um die Luft in dem Verhältnisse, als das Oel hinabsteigt, zuzuführen. Diese Röhre muß innenwendig anderthalb Linien im Durchmesser halten, und um eine Linie kürzer seyn, als die Röhre b, vom Boden des Behälters an, so daß sie nämlich genau bis an die punktirte Linie cc reicht: oben reicht sie aber etwas über die obere Fläche des Oelbehälters empor, und ist mit einer kugelförmigen Kappe bedekt, die dicht auf diese Fläche aufgelöthet ist, wie e in Fig. 5 zeigt. – f ist ein kegelförmiger Zapfen, der das Loch in dem Füllapparate schließt, durch welches, wenn der Behälter umgekehrt wird, das Oel zur Füllung eingegossen wird. Dieser |284| Zapfen wird mittelst eines Dekels, welcher außen an dem Füllapparate sich anschraubt, in seiner Lage erhalten. – g, ist eine kegelförmige Klappe, deren Stamm sich in Leitungs-Löchern bewegt, und dessen unteres Ende in Berührung mit dem Bügel h in dem Körper der Lampe kommt, (siehe Fig. 4) so bald er an seinem Orte befestigt ist, und die Klappe öffnet, um dem Oele freien Fluß zu gestatten. – ii, ist ein kreisförmiger Ring, welcher oben auf dem tellerförmigen Reflector kk ruht, und ringsumher mit einem Ranfte umgeben ist, damit der Behälter bb darauf ruhen kann. – l ist eine kreisförmige Oeffnung in der Mitte des tellerförmigen Reflectors k, k. – m, m, Haken, welche an dem Reflector befestigt sind, um denselben sammt der Lampe in der Laterne aufzuhängen. – n, n, Stifte, welche durch Augen laufen, die an dem Körper der Lampe o, o, angebracht sind, und wodurch dieser mit dem Reflektor k, k, verbunden wird. – o, o, der Körper der Lampe, mit zwei hohlen Seiten oder Flügeln, und einem kegelförmigen Brenner p in der Mitte derselben, in dessen Mittelpunkte eine walzenförmige Luftröhre q angebracht ist, welche 6 Linien im Durchmesser hält, und durch den Boden des Brenners läuft. Auf dieser Luftröhre und zwischen einer anderen Röhre schiebt sich der walzenförmige Dochthälter r, welcher mittelst einer Handhabe s bewegt wird, auf und nieder, und dieser Dochthälter, so wie die äußere Röhre, ist so gebaut, daß das Oel leicht zu dem Dochte gelangen kann. – t ist eine Eisenstange, die auf dem Körper der Lampe aufgelöthet ist, und oben bei u einen Ring, und unten bei h einen Haken führt, um die Glasröhre, ww, in gehöriger Lage zu halten, damit das Oel vollkommen verbrennen kann. Diese Glasröhre muß 1 1/3 Zoll im Durchmesser halten, und beinahe 5 1/2 Zoll lang seyn.

Fig. 6 zeigt den ringförmigen Behälter, a, a, im Grundrisse und im Viertel seiner wirklichen Größe. Fig. 7 ist ein |285| Grundriß des Körpers der Lampe in demselben Maßstabe. Fig. 3 ein Aufriß der Lampe und des Reflectors in der Laterne, x, und y ist der Ring, wovon diese Lampe in dem Mittelpunkte eines quer über die Straße gespannten Seiles aufgehängt wird.

Man sieht aus dieser Beschreibung, daß diese Lampe eine Argand'sche Lampe, oder eine Lampe mit walzenförmigem Dochte, und mit doppeltem Luftzuge ist, in welcher gemeines Oel gebrannt wird; daß sie mit einem kreis- oder tellerförmigen Reflector versehen ist, welcher das Licht nach allen Seiten umher zurükwirft, und genau nach den von Herrn Nikol. Paul in seinen Patent-Lampen und Reflectoren (siehe polytechn. Journ. VIII. B. S. 263) gebaut ist, und wirklich auch jener in Fig. 7 sehr nahe kommt. Diese Lampe ist, was besonders auffallen muß, beinahe ganz nach dem Plane gebaut, den Dr. Alexander Tilloch im Jahr 1803 für Herrn Paul entwarf, nur mit dem Unterschiede, daß Dr. Tilloch's Plan auf einen Brenner des Hrn. Paul mit flachem Dochte und einem Luftzuge zu jeder Seite angewendet wurde, während er hier auf einen walzenförmigen Docht angepaßt wird. Statt des kegelförmigen Füllapparates f, um den ringförmigen Behälter mit Oel zu füllen, und statt der Klappe g war dort ein Sperrhahn und ein Trichter über dem Behälter mit einer herabsteigenden Röhre und einem zweiten daselbst zu demselben Zweke angebrachten Sperrhahne, und die Luftröhre war auf der entgegengesehen Seite des Behälters. Ja was noch merkwürdiger ist, ein Lampen-Fabrikant hat neulich bei uns in der Hauptstadt (London), ohne daß er etwas von dieser Verbesserung wußte, eine Argand'sche Lampe mit einem ringförmigen Oelbehälter, mit einer Röhre mit zwei Sperr-Hähnen auf einer Seite, und mit einer Luftröhre auf der anderen Seite als Tafel-Lampe verfertigt, die sich sehr |286| zierlich arbeiten läßt, und allgemein eingeführt zu werden verdient.

Man wird, wenn man auf Fig. 4 sieht, bemerken, daß der äußere Luftzug durch die spizig zulaufende oder kegelförmige Form, die der äußere Brenner p besizt, gegen die Mitte der Flamme hin unterhalten wird, was eine bedeutende Verbesserung an dieser Lampe bildet. Es ist ferner noch nöthig bei z in dem kreisförmigen Reflector eine Oeffnung anzubringen, damit die Oel- und Luftröhren daselbst durchlaufen, und in den Körper der Lampe gelangen können.

Man muß ferner noch bemerken, daß, wenn der Behälter mit Oel gefüllt, und der Dekel des kegelförmigen Zapfens gehörig niedergeschraubt ist, ehe man denselben umkehrt, um ihn in die Lampe zu bringen, die kegelförmige Klappe, um dem Entweichen des Oeles vorzubeugen, noch ehe der Stamm der Klappe mit seinem Bügel h im Körper der Lampe in Berührung kommt, und die Klappe dadurch geöffnet wird, zurük in ihre Lage gebracht werden muß.

Es verdient auch noch bemerkt zu werden, daß die beßten Gas-Brenner nach Argand'schen Grundsäzen, die wir kennen gelernt haben, mit Kegeln um den kreisförmigen Ring von Löchern versehen sind, durch welche das Gas läuft, und zwar gerade unter demselben. Dadurch wird, ohne Zweifel, die äußere Luft auf die Flammen geleitet, gerade so wie hier an der Genfer-Lampe durch den kegelförmigen Körper.

Es steht mit unserer Straßen-Beleuchtung sowohl in der Haupt-Stadt als in den Provincial-Städten, um ein gelindes Wort zu gebrauchen, schlecht. So sehr dieß übrigens der Nation-Ehre macht, daß man unter ihr auch im Dunklen sicher wandelt, (was unter vielen anderen Völkern nicht der Fall ist) so große Schande ist dieß für die Lampen-Macher dieser Nation, die nicht einmal Lampen löthen, viel weniger machen können. Im Hoftheater zu M–n regnet das Oel auf der Bühne zuweilen wie ein Wolkenbruch auf die Honkünstler. Dieß zur Entschuldigung, daß wir so viel über Lampen mittheilen. Am Ende wird man doch auch bei uns, wenn nicht sehen, doch wenigstens Lampen machen lernen. A. d. Ueb.

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