Titel: Lemare über einen neuen Heizer.
Autor: Fourier,
Thenard,
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. LI. (S. 335–339)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/ar009051

LI. Ueber einen neuen Heizer (Calefacteur) des Herrn Lemare. Bericht der HHn. Fourier und Thenard an die Academie des Sciences. dd. 26. August 1822.

Aus den Annales Chimie et de Physique. August 1822. S. 390.78)

Herr Lemare hat vor einiger Zeit der Academie einen Heizungs-Apparat vorgelegt, den er Heizer (Calefacterur) nennt. Beauftragt denselben, zugleich mit Hrn. Fourier, zu prüfen, haben wir ihn um so genauer untersucht, als er nicht bloß zum Kochen der Nahrungs-Mittel überhaupt, sondern selbst zur Dampfbildung bestimmt ist.

Um sich eine Idee von diesem Heizer zu machen, denke man sich einen Feuerherd, dessen erwärmte Luft zwischen den |336| Wänden eines walzenförmigen Gefäßes und eines kreisförmigen Gefäßes, welches das erstere von der Seite in einer Entfernung von ungefähr 10–12 Millimetres umgibt, hinzieht. Es ist offenbar, daß, wenn man in beide Gefäße Wasser bringt, dasselbe sich in beiden zugleich erhizen wird, und, wenn es einmal erhizt ist, dasjenige Wasser, welches sich innenwendig befindet, und von dem äußeren umgeben ist, sich nur langsam abkühlen wird, so bald keine kalte Luft in den inneren Raum eindringt.

Unter der durchlöcherten Herdplatte ist ein Register angebracht, wodurch man die Verbrennung der Kohlen mäßigen oder gar löschen kann.

Das innere Gefäß lehnt sich mit seinen Rändern an jene des äußeren, so daß man den Luftzug nach Belieben sperren oder frei lassen kann. Dieses Gefäß, das eine Art von Topf ist, wird mit einem Dekel geschlossen79).

Das äußere Gefäß hat nur drei kleine Oeffnungen: eine obere, durch welche das Wasser hineingegossen wird, eine untere mit einem Hahne versehene, durch welche dasselbe abgezogen wird, und eine dritte, welche durch die erste ersezt werden kann, in dem sie bloß zur Aufnahme einer gekrümmten Röhre dient, die den Dampf nach Außen leitet. Das äußere Gefäß ist so hoch, wie das innere, steigt aber nach Unten tiefer hinab, so daß es mit seiner Basis den Rost des Herdes berührt. Es ist gut, wenn es mit Ouatte bedekt wird.

Der erste Versuch bestand darin, zu bestimmen: wie viel Wasser man in einem solchen Heizer mit einer gegebene Menge Kohlen hizen und verdampfen kann.

Man goß 13 1/2 Litres Wasser von 22° am hundertgrädigen Thermometer in das äußere, und 15 1/2 Litres von derselben |337| Temperatur in das innere Gefäß: in allem 29 Litres; und verbrannte darunter ein Kilogramm Kohlen. Nach 3 und 3/4 Stunden schloß man den Versuch, und löschte das Feuer. Man fand noch 82 Gramme Kohlen; es waren folglich 918 verbrannt. Nachdem das Wasser auf seine ursprüngliche Temperatur zurük geführt wurde, enthielt

das innere Gefäß 13 Lit. 69,80)
das äußere – 9 – 00,
––––– –––––
22, 69.
Es verdampften demnach 6, 31.

In diesem Versuche hat folglich 1 Theil Kohle 6,89 Theile von 22° verdampft, und überdieß 28 Lit. 69 zum Sieden gebracht, oder auf 100°. Derselbe Theil Kohle würde demnach 9,42 Theile Wasser in der Temperatur von 0 verdampft haben. Da nun die Kohle, theoretisch gesprochen, 10,8 mal ihres Gewichtes Wasser von 0 Grad verdampft, so erhellt, daß, nach Abschlag der erhöhten Temperatur der Gefäße, die beiläufig 6 Kilogramme wogen, nur ungefähr 1/10 Wärme verloren geht, was gewiß wenig ist.

Da nun hier wenig Wärme verloren geht, versuchten wir diesen Heizer zum Kochen der Speisen, vorzüglich der Suppe. Um eine gute Suppe zu erhalten, darf das Wasser, bekanntlich, auch mit dem beßten Fleische nur sehr wenig kochen: starkes und langes Kochen gibt eine schlechte Suppe. Ein Apparat, der Lezteres vermiede, würde schon an und für sich sehr schäzenswerth seyn. Wenn er nun noch überdieß beinahe keine Aufmerksamkeit, wenig Feuerungs-Materials foderte, und wenig kostete, so verdiente er allen übrigen vorgezogen zu werden. Wir haben uns desselben 3 Wochen lang bedient, und wir werden uns desselben fortan immer bedienen.

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Wir haben ungefähr 3 Kilogramm Fleisch mit 4 Lit. 5 Wasser und den übrigen Ingredienzen in das innere Gefäß gethan. 280 Gramme Kohlen wurden unangezündet mit 20 Grammen glühenden Kohlen auf den Herd geschüttet81). Das Register wurde geöffnet, und das obere Gefäß so gehoben, daß ein vollkommener Luftzug Statt hatte. Die Kohlen fingen bald an sich zu entzünden, und binnen 36–40 Minuten war das äußere Wasser, und beinahe auch das innere bis zum Sieden erhizt. Man schäumte die Suppe ab, schloß das Register, und ließ das innere Gefäß herab. Auf diese Weise wurde der Luftzug gesperrt, das Sieden hörte auf (was zur Bereitung einer schmakhaften Suppe so nöthig ist), und von diesem Augenblike an hatte man sich um den Apparat nicht weiter zu kümmern. Die Suppe war fertig, und das Fleisch 6 Stunden darauf gar. Wir müßen jedoch bemerken, daß, bei dem lezten Drittel der Operation, es uns geeignet zu seyn scheint, die Flüßigkeit wieder auf einen Augenblik, durch neues Anzünden der übrig gebliebenen Kohlen, in den Sud zu bringen: jedoch nur auf einen Augenblik. Das Fleisch war stets kostbar, und die Suppe besser als bei dem gewöhnlichen Verfahren. Die Menge der verbrauchten Kohle überstieg, im Durchschnitte, nie 280 Gramme. Man könnte also mit 55 Kilogrammen Kohle 200 Fleisch-Töpfe, jeden mit 6 Pfund Fleisch, in den Sud bringen. Es wird demnach Zeit und Brenn-Materiale erspart, und die Suppe und das Fleisch wird besser, und kann nicht schlecht werden.

Zu diesen Vortheilen kommt noch, daß man immer 5–6 Litres sehr heißes Wasser in dem äußeren Gefäße bei der Hand hat, dessen man sich zum Abspülen bedienen kann.

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Die Suppe und das Fleisch können in dem inneren Gefäße, nachdem sie bereits fertig geworden sind, mehrere Stünden lang warm erhalten werden; man kann in demselben Topfe auch ein halbes Pfund Fleisch und noch weniger kochen; man kann die Suppe auch bei der Nacht für Kranke schnell bereiten; ein Arbeiter kann am Morgen sein Fleisch in den Topf thun, und Mittags bei seiner Wiederkehr seine Mahlzeit warm und fertig finden; man kann in diesem Apparate eben so gut sein Gemüse als sein Fleisch bereiten. Wir haben daher dem Hrn. Lemare vorgeschlagen, die inneren Gefäße zum Wechsel einzurichten, und mit mehreren Fächern zu versehen, so daß man für kleinere Haushaltungen mehrere Gerichts auf einmal in denselben bereiten kann.

Ueberdieß scheint uns dieser Apparat in dem Haushalte kleiner Familien aus der weniger bemittelten Klasse noch zu vielen anderen Zweken höchst brauchbar. Zur Dampf-Erzeugung scheint er uns jedoch nicht dienen zu können. Wie empfehlen ihn daher in obiger Rüksicht dem Beifalle der Akademie.

Wegen der Vortheile, die dieser Heizer dem Publicum gewähren muß, fügen wir hier folgenden Preis-Courant, den wir von Hrn. Lemare, place du Pont neuf erhielten, hier bei:

Nr. 1 auf 1 Pfund Fleisch aus Eisenblech 15 Franken.
Nr. 2 2 18 Franken.
Nr. 3 3 22 Franken.
Nr. 4 4 27 Franken.
Nr. 5 6 32 Franken.

Man rechnet auf 1 Pfund Fleisch 2 Pfund Wasser82).

Die HHn. Berichterstatter finden diesen Heizer sehr bequem und vorteilhaft eingerichtet, berufen sich aber, statt eine Zeichnung zu geben, auf das der Academie vorgelegte Modell. A. d. Ueb.

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Dieser Heizer kommt, der Theorie nach, mit Gordon's Mantel-Topfe, überein A. d. Ueb.

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Es fand sich also nach dem Versuche mehr Wasser, als hineingegossen würde. A. d. Ueb.

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1 Litre ist beiläufig 0,7 Wien. Maß. Ein Kilogramme = 1 Pfd. 25 Loth 34 Gr. 1 Gramme ist 13,7 Gran. A. d. Ueb.

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Da die HHn. Bericht-Erstatter und die HHn Redactoren der Annales keine Abbildungen von diesem Calefacteur gaben, so wenden wir einen von Hrn. Lemare kommen lassen, und eine Abbildung nach demselben unseren Lesern mittheilen. A. d. Ueb.

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