Titel: Gill über das Glänzen der Flintenläufe.
Autor: Gill, Thomas
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. LIV. (S. 347–349)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/ar009054

LIV. Ueber das Glänzen oder Bräunen (Brüniren) der Flintenläufe. Von Hrn. Gill.

Aus dessen technical Repository. VII. 1822. S. 35.

Nachdem wir in der vorigen Nummer93) verschiedene verbesserte Methoden angegeben haben, geflochtene Flinten-Läufe zu verfertigen, müßen wir auch das Verfahren beschreiben, wodurch die schönen auf solche Weise an ihrer Oberfläche erzeugten Adern in ihrem vollsten Glänze dargestellt werden können; und dieß geschieht auf folgende Weise.

Zu diesem Ende muß eine Mischung von Eisen- und Kupfer-Oxid auf der Oberfläche des zu bearbeitenden Flintenlaufes befestiget werden. Man hat hiezu eine Menge Recepte, wovon jeder Büchsenmacher sein eigenes für das beßte hält: wir wollen indessen hier nur die Puncte andeuten, auf welche es wesentlich ankommt, und überlassen es der Erfahrung und Beurtheilung einzelner Individuen, dasjenige hievon anzuwenden, was die verlangte Wirkung hervorbringt.

Zuvörderst muß der kauf, nachdem er vollendet und mit der Feile gehörig geebnet wurde, von allem Fette vollkommen |348| kommen befreit werden, und dieß geschieht mittelst gepülverten ungelöschten Kalkes und Wassers, womit man den Lauf abreibt; den Kalk läßt man darauf troken werden, bürstet ihn ab, und wiederholt dieses Verfahren, bis der Lauf ganz rein wird. Man paßt dann hölzerne Zapfen in jedes Ende des Laufes, so daß sie als Handhabe dienen, bei welchen man sie halten kann, und zugleich jeder Flüßigkeit, mit welcher man den Lauf in der Folge beizt, den Eingang in das Innere desselben, und folglich das Rosten im Laufe, unmöglich machen.

Hierauf wird schwefelsaures Kupfer (Kupfer- oder blauer Vitriol) in Wasser aufgelöst, und etwas von dieser Auflösung mittelst einer kleinen in dieselbe eingetauchten Leine gleichförmig über die Oberfläche des Laufes hingerieben. Diese Kupfer Auflösung muß so lang auf dem Laufe bleiben, bis ihre Wirkung sichtbar wird, und verschiedene grüne und gelbe Fleken sich an der Oberfläche des Laufes zeigen, welche zugleich die Formen der Verflechtungen und die Wirkung der Verbindung des harten und weichen Eisens andeuten, woraus der Lauf besteht. Die durch die Einwirkung des schwefelsauren Kupfers erzeugte Rauhheit muß von Zeit zu Zeit mit einer steifen Bürste und mit etwas Wasser abgerieben werden, worauf dasselbe dann noch weiter darauf belassen werden muß, damit die Adern noch deutlicher zum Vorscheine kommen. Dieses Verfahren muß so lang wiederholt werden, bis man glaubt, daß der Lauf zum Bräunen reif ist. Sollte die Oxidation indessen zu stark gewesen seyn, oder zu lang angehalten haben, ohne daß man gebürstet hatte, und der Rost bereits zu hart geworden seyn, um mit einer Bürste weggeschafft werden zu können; so muß man zu einer Krazbürste aus Eisendraht seine Zuflucht nehmen, und denselben mit dieser abkrazen. Wäre die Auflösung zu schwach gewesen, so müßte sie öfters aufgetragen werden.

Composition zum Bräunen (Brüniren).

In Hinsicht auf diese weichen die Büchsenmacher gar sehr von einander ab, und so lang die chemischen Präparate, aus welchen sie besteht, in Hinsicht auf Stärke so sehr verschieden im Handel vorkommen, wäre es vergebene Mühe, die Verhältniße derselben mit Bestimmtheit angeben zu wollen: man muß sich mit einer beiläufigen Idee begnügen.

Man nimmt schwefelsaures Kupfer, 2 Unzen, Avoir du poids-Gewicht.

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Chlorsaures Queksilber (Sublimat) 60 Grane, Troy-Gewicht94).

Süßen Salpetergeist (unreinen Salpeter-Aether, 1 1/2 Unzen (dem Maße nach95)).

Stahl-Tinctur, eine Unze (dem Maße nach).

Das schwefelsaure Kupfer muß in 4 Wein-Quart96)) Wasser aufgelöset, und der Sublimat mit dem versüßten Salpeter-Geiste und der Stahl-Tinctur abgerieben werden.

Einige Büchsenmacher lassen den Sublimat gänzlich weg, welcher auch wirklich erst in neueren Zeiten dieser Composition zugesezt wurde, obschon derselbe sehr stark auf den Lauf wirkt.

Diese Composition, oder eine ähnliche, wird auf die Oberfläche des Laufes mittelst einer keine ausgestrichen, und öfters wiederholt; man wendet bald die Bürste bald die Kraz-Bürste an, bis die verlangte Wirkung erscheint, und der Lauf schön licht- und dunkelbraun geadert, oder mit schwarzen Fielen oder Streifen gezeichnet, erscheint, und doch ganz frei von allem Roste ist. Dann muß der Wirkung dieser Composition dadurch Einhalt geschehen, daß man in bedeutender Menge siedend heißes Wasser auf den Lauf gießt, und, während derselbe noch heiß ist, ihn mit Bienenwachs auf der gebräunten Oberfläche gehörig reibt: noch besser dient in dieser Absicht Shelllak-Weingeistfirniß.

Man hat bemerkt, daß das Gelingen dieses Processes sehr viel von der Trokenheit und Feuchtigkeit der Luft, und von der Wärme derselben während der Arbeit abhängt. Feuchtes weder zu kaltes noch zu warmes Wetter dient am beßten dazu. Da indessen diese Operation zu jeder Jahreszeit vorgenommen werden muß, so gehört viele Geschiklichkeit und Ueberlegung und viele Erfahrung und Uebung dazu, wenn sie gehörig gelingen soll97).

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Vergl. dieses polyt. Journal S. 106. D.

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Nach dem Avoir du poides-Gewichte hat das Pfund 32 Loth; nach dem Troy-Gewichte 24 Loth. Elfteres verhalt sich zu Lezterem wie 17: 14. A. d. Ueb.

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Liquid ounces. Es scheinen hier Unzengläser gemeint zu seyn. A. d. Ueb.

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Ein Wein-Quart ist 0,663 Wiener Maß. A. d. Ueb.

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In Deutschland wendet man zum Bräunen der Gewehre chlorsaures Spiesglanz (dike Spiesglanzbutter) an. D.

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