Titel: Ueber den Nuzen des Salzes bei dem Akerbaue.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. LV. (S. 350–375)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/ar009055

LV. Ueber den Nuzen des Salzes bei dem Akerbaue.

Aus der Bibliotheca italiana. May 1822. S. 240.98)

Mangel an Dünger und schlecht verstandener Gebrauch desselben sind die Hauptursachen der Unfruchtbarkeit eines |351| Landes. „Vergebens“ sagt Parmentier 99), „gibt man sich alle Mühe, neue Methoden des Akerbaues zu entdeken, die alten zu verbessern, und die Akergeräthe zu vervollkommnen; so lang man die erste Quelle aller Fruchtbarkeit vernachläßigt, werden die Ernten, auch bei der beßten Witterung, immer nur mittelmäßig und ungewiß seyn.“

Durch Erfahrung überzeugt von diesen Wahrheiten haben die gebildetesten Völker ihre Aufmerksamkeit vorzüglich dahin gerichtet, sich jene Stoffe zu verschaffen, welche am tauglichsten schienen, die verschiedenen Arten von Boden zu bereichern, oder die auf irgend eine Weise dazu beitragen konnten, das Gedeihen der Gewächse auf denselben zu begünstigen.

Die Engländer, die mehr als andere Völker alles beachten, was auf Akerbau Bezug hat, riefen, um diesen einträglichen |352| Zwek desto sicherer zu erreichen, die Chemie zu Hülfe, überzeugt, daß sie dem Landwirthe, der die breit getretene Bahn des alten Herkommens im Akerbaue glüklich überschreiten will, eben so großen Vortheil gewähren muß, als die Mathematik dem Mechaniker gewährt.

Mit Hülfe dieser Wissenschaft konnten sie die Kräfte der verschiedenen Dünger-Arten ermessen, die beßte Bereitungs-Methode derselben bestimmen, und mit Genauigkeit die Menge angeben, die davon aufgeführt werden muß, so wie die Art derselben, die für gewiße Boden taugt. Es mußte ihnen auffallen, daß, unter den Produkten, welche die Natur erzeugt, noch heute zu Tage sich einige finden, welche als die herrlichsten Dünger angewendet werden könnten, und theils aus Unwissenheit, theils aus eingewurzeltem Vorurtheile unbenüzt blieben. Unter diese gehört vorzüglich das Salz.

Diese, zur Würze der Speisen für den Menschen so unentbehrliche Substanz ist es nicht minder in vielen anderen Zweigen der Landwirthschaft, vorzüglich aber als Dünger; denn schon in den ältesten Zeiten war das Salz als eines der kräftigsten Förderungs-Mittel des Wachsthumes und Gedeihens der Gewächse geachtet100).

Eine aufgeklärte Regierung, die überzeugt seyn muß, daß jede Entdekung, die den Akerbau fördert, auch das Glük und den Wohlstand ihres Staates befestigt, wird es nie versäumen dürfen, alle Mittel anzuwenden, dieselbe allgemein zu verbreiten.

In Erwägung dieser Wahrheit hat auch die englische Regierung, sobald sie sich durch unwidersprechliche Beweise überzeugte, daß die Anwendung des Kochsalzes dem Aker-Baue ersprießlich ist, und vorzüglich als Dünger den Ertrag der Felder vermehrt, alsogleich befohlen, daß der Preis des, zu diesem Gebrauche bestimmten Salzes, herabgesezt werde, damit jeder Güterbesizer, Edelmann und Bauer, dieses durch so viele Versuche erwiesenen Vortheiles gemessen möge.

Die geringste Aufmerksamkeit muß jeden verständigen Landwirth in jedem Lande überzeugen, daß alles, was auf Dünger Bezug hat, von der höchsten Wichtigkeit ist. In dieser Hinsicht glaube auch ich nicht, etwas dem Wohle meines |353| Vaterlandes ganz Gleichgültiges zu unternehmen, wenn ich das Sendschreiben des Hrn. Professors der Chemie, Parkes, an die englische Landwirthe 101), in welchem er die Vortheile, die die Anwendung des Salzes bei dem Akerbaue gewährt, und zugleich auch die Menge, deren die verschiedenen Zweige des Feldaues hievon bedürfen, mit Genauigkeit entwikelt, meinen Landsleuten in einer getreuen Uebersezung mittheile.

Man findet in diesem Sendschreiben die Urkunden aufgeführt, welche von einer Special-Commission des Handlungs-Rathes, die einzig und allein zur Untersuchung der Frage bestimmt wurde: ob die Anwendung des Salzes den Akerbau wirklich fördert? aufgenommen worden sind. Diese Urkunden bewiesen die Vortheile der Anwendung des Salzes auf eine so auffallende Weise, daß Se. großbritannische Majestät sich bewogen fand, die Abgaben auf das Salz, welches zum Akerbaue bestimmt ist, auf der Stelle so sehr herabzusezen, daß dasselbe zu diesem heilsamen Zweke verwendet werden konnte.

Wenn dieses Beispiel der englischen Regierung auch in unserem Lande nachgeahmt würde, konnte nicht auch unser Adel und unser Landmann denselben Vortheil genießen? oder haben wir vielleicht Ueberflüß an Dünger, vorzüglich auf den Hügeln und in bergigen Gegenden, und rührt es vielleicht von diesem Ueberfluße an Dünger her, daß so viele Gründe jezt unbebaut da liegen, oder daß die bebauten Gründe nicht so viel ertragen, als sie ertragen könnten, wenn sie gehörig gedüngt wären? Könnte die ungeheure Streke unserer öden Gründe, die die Aufmerksamkeit der Regierung mit allem Reckte auf sich zog, durch Anwendung des Salzes nicht tragbar gemacht werden? Sollte die Regierung nicht selbst wenigstens Versuche hierüber anstellen lassen?

Es würde mich nicht befremden, wenn der Rath, Salz als Dünger anzuwenden, bei uns allgemeinen Widerspruch fände, da von den ältesten Zeiten her das Vorurtheil eingewurzelt ist, daß Salz alle Fruchtbarkeit des Bodens zerstört.

Es ist mir auch nicht unbekannt, daß Hr. Giobert in seiner Abhandlung: chemische und agronomische |354| Versuche über die Dünger-Arten 102), die von der k. Akerbaugesellschaft zu Turin den Preis erhielt, glaubte chemisch beweisen zu können, daß die Salze das Wachsthum der Pflanzen nicht nur nicht fördern, sondern daß sie sogar für die Pflanzen verderblich sind. „Dieß war auch“ sagt er „die Ursache, warum auf die Güter derjenigen, welche des Verbrechens der beleidigten Majestät schuldig befunden wurden, Salz gestreut wurde; – auch Attila hatte, als er Salz im Paduanischen, und Friedrich der Rothbart, als er Salz über das Mailändische streuen ließ, keinen anderen Grund, als diese Länder dadurch wirklich unfruchtbar zu machen.“

Mag nun Herr Giobert bei seinen chemischen Untersuchungen sich geirrt, oder bei seinen agronomischen Versuchen etwas versehen haben, so bleibt es immer Thatsache, daß viele Völker schon seit langer Zeit sich des Salzes als Dünger bedienen, und daß vorzüglich in England der Gebrauch des Salzes in den lezteren Jahren beinahe allgemein wurde, weil Erfahrung bewiesen hat, daß Salz auf eine beinahe unglaubliche Weise den Ertrag des Akerbaues fördert.

Diese über allen Zweifel erhabene Thatsachen beweisen allerdings die Richtigkeit und Wahrheit des von Herrn Giobert aufgestellten Grundsazes: daß Erfahrung allein in der Welt nicht der Sclave der Meinung ist.“

Wenn es auch wahr wäre, daß Attila und Friederich, der Rothbart, Salz streuen ließen103), und zwar nicht aus bloßer Formalität, und nach damaliger Sitte, |355| sondern um die Felder im Paduanischen und Mailändischen wirklich unfruchtbar zu machen, wie Hr. Giobert zum Beweise seiner Behauptung anführt, so würde dieß höchstens beweisen, daß man eine unermeßliche Menge Salzes hätte ausstreuen müssen, um den Boden dadurch unfruchtbar zu machen, da Salz nur allein im Uebermaße schädlich ist. Und wer weiß nicht, daß selbst in der Medicin viele Arzneien Gifte werden, sobald man dieselben in zu großer Gabe dem Kranken darreicht? Und wird nicht derselbe Dünger, der anerkannt von allen Oekonomen für den beßten gehalten wird, ein Vertilgungsmittel für alle Pflanzen, wenn man desselben zuviel auf Wiesen und Aeker führt? „Pflanzen bedürfen nicht bloß Nahrung, sondern diese muß denselben auch gehörig gereicht werden. Zuviel ist ihnen eben so schädlich, als gar nichts104).“

Eben dieß gilt auch vom Salze, welches, in eben dem Verhältniße, als es äußerst kräftig auf die Vegetation wirkt, nur mit aller Aufmerksamkeit den Verschiedenheiten des Bodens angepaßt werden kann, wozu wiederholte Versuche nöthig sind.

Es wäre Zeitverlust, sich hierüber weiter verbreiten zu wollen: der Aufsaz des Hrn. Parkes, dessen treue Uebersezung ich hier liefere, umfaßt in jeder Hinsicht das kleinlichste Detail mit solcher Genauigkeit, daß dem Landmanne schwerlich hierüber noch eine Frage übrig bleiben kann.

Sendschreiben an alle diejenigen, welche in Groß-Britannien Akerbau oder Viehzucht treiben, worin der Nuzen der Anwendung des Salzes auf verschiedene Zweige des Akerbaues und der Viehzucht auf einem Gute des Samuel Parkes erwiesen wird.

London den 15. Febr. 1819.

In Folge des neuerlich von der großbritannischen Regierung zu eueren Gunsten erlassenen Gesezes, und des Antheiles, welchen ich vorläufig an der Veranlassung dieses Gesezes genommen habe, halte ich es für meine Pflicht, euere Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand zu lenken, und euch hiemit öffentlich folgende Beobachtungen mitzutheilen.

Die Thatsachen, welche ich euch hier vorlegen werde, sind für euer Interesse von solcher Wichtigkeit, und |356| die öffentliche Bekanntmachung derselben ist so sehr geeignet, das Wohl des ganzen Königreiches zu fördern, daß ich von meiner Seite es für ein Vergehen halten zu müßen glaubte, wenn ich es unterließe, denselben alle mögliche Oeffentlichkeit zu geben, oder vernachläßigte, dieselben jenes Licht zu stellen, dessen Klarheit euch in den Stand sezen kann, dieselben zu schäzen und zu würdigen.

Die Vortheile, welche ihr genießen werbet, wenn ihr euere Wiesen und Aeker mit Salz düngt, euren Pferden und Rindern und übrigen Hausthieren dieses eben so kräftige als wohlthätige Mittel als Würze zu ihrem Futter gebet, um sie dadurch gesund und stark zu erhalten, werden den Haupt-Inhalt dieser Blätter bilden: ich wünsche nichts sehnlicher, als daß ihr denselben für die Zukunft bei euerer Wirthschaft beherzigen möget.

Ich bin überzeugt, daß wenn ihr dieses Schreiben aufmerksam und ohne vorgefaßte Meinung gelesen, und die im Anhange aufgeführten unwiderlegbaren Beweise mit Genauigkeit werdet geprüft haben, auch ihr auf eueren Besizungen und Gründen und mit eueren Hauschieren jene Versuche anstellen werdet, welche euch von den Vortheilen der Anwendung des Salzes bei euerer Wirtschaft überzeugen, und zu derselben bestimmen werden.

Der unsterbliche Sully, einer der größten Männer, die Frankreich jemals hervorgebracht hat, wiederholte es so oft, daß die erste Grundmaxime einer guten Staats-Verwaltung die seyn müße: den Akerbau vor dem Manufacturwesen zu fördern, und lezterem immer nur den zweiten Rang in der Staatswirthschaft zu gönnen. Colbert im Gegentheile, der gleichfalls ein großer Minister war, wies dem Manufacturwesen den ersten Rang in der Staatswirthschaft während seiner Verwaltung an, und schenkte den Künsten alle mögliche Aufmunterung, in dem er überzeugt war, daß nur dort, wo Manufacturen blühen, dasjenige, was der Boden erzeugt, gehörig verwendet und benüzt werden kann105). Wahrscheinlich hat dieser berühmte |357| Staatsmann die Künste nicht auf Kosten des Akerbaues begünstigt, in dem er selbst bemerkte, daß in jedem Lande der Hauptvortheil, den die Manufacturen dem Staate gewähren aus dem Werthe ihrer Erzeugniße und aus der Leichtigkeit des Absazes der Produkte des Akerbaues hervorgeht.

Der große Sully pflegte, zur Behauptung seiner obigen Meinung, immer zu sagen, er ziehe den Akerbau aus dem einfachen Grunde vor, weil die Aeker sich bei jenen Ereignissen, auf welche, obschon sie immer Eifersucht und Rachsucht nähren, die meisten Regierungen der Staaten so sehr erpicht sind, sich nicht so leicht aus dem Lande schleppen lassen. „Großer und immer steigender Ertrag des Bodens eines Landes sichert“ sagt er „die Freiheit des Volkes, welches dasselbe bewohnt, während er zugleich die übrigen benachbarten Völker in eine Art von Abhängigkeit von diesem Volke versezt: fehlt es aber an Getreide, als dem ersten Bedürfnisse des Lebens, so wird das Volk, dem es daran fehlt, von dem Auslande abhängig, und dieses kann demselben seinen Bedarf zukommen lassen oder verweigern.“ „Das Ausland,“ fährt er fort, „kann die Erzeugnisse des Bodens eines Landes nicht verzehren, ohne daß die Einwohner dieses Landes Vortheil davon hätten, d.h. ohne den Absaz des Getreides vorteilhafter als den Besiz desselben zu machen; während, im Gegentheile, die Erzeugniße der Künste und Manufacturen durch jene eines benachbarten rivalisirenden Volkes übertreffen werden können, und der Handel mit denselben nach allen Welttheilen an dieses benachbarte Volk sehr leicht ausschließlich für eine lange Zeit übergehen kann.“ Wenn diese Ansichten, wie ich glaube, gleich wahr und richtig sind, so muß jede Verbesserung im Akerbaue und in der Landwirthschaft in England als bedeutender Gewinn für das Wohl des britischen Volkes betrachtet werden, und man wird mich entschuldigen, wenn ich dort keiner Apologie nöthig zu haben glaube, wo ich euere Aufmerksamkeit auf eine Verfahrungsweise lenke, die in England wenig gekannt zu seyn scheint, in anderen Ländern aber stets mit entschiedenem Erfolge angewendet wird.

Der Nuzen, welchen das Kochsalz in der Landwirthschaft gewährt, ist schon seit langer Zeit in Deutschland, Pohlen106), Holland, Flandern und in allen Staaten der |358| vereinigten Provinzen Amerika's bekannt. Es ist daher sehr zu bedauern, daß die bestehenden starken Salz-Auflagen in England107) die Bewohner dieses Landes der mannigfaltigen Vortheile beraubten, welche sie von diesem kostbaren inländischen Mittel hätten erhalten können. Salz ist in England im Ueberfluße, und es war ein bloßer Fehler in der Politik, daß wir dasselbe bisher dem Auslande verkauften, während so viele tausend Morgen Landes, welche durch reichlichen Gebrauch des Salzes tragbar und ergiebig hätten gemacht werden können, in unserem eigenen Lande so sehr herabgekommen sind, daß sie kaum mehr die Bebauungs-Kosten tragen.

Da nun die Regierung so nachsichtig war, und die Salz-Abgaben für jenes Salz, welches zum Feldbaue und zur Viehzucht bestimmt ist, um ein Bedeutendes verminderte,108) und alles davon abhängt, wie dieses kostbare Geschenk im Lande aufgenommen wird, so war es sehr zu wünschen, daß dieser Parlaments-Acte die höchste Oeffentlichkeit gegeben würde, damit nicht nur kein Landwirth, sondern selbst kein Gärtner über die Bedingungen in Unwissenheit bleiben konnte, unter welchen er sich gegenwärtig ein so treffliches Düngungs-Mittel, wie das Salz, verschaffen kann.

Niemand wird mich irgend einer Privat-Absicht beschuldigen können, wenn ich eine einfache Darstellung meiner Ansichten über diesen Gegenstand hier vorlege, um so weniger, als ich bei der allgemeinen Annahme oder Nicht-Annahme des von mir vorgeschlagenen Verfahrens keinen persönlichen Vortheil ziehen kann. Es scheint mir daher vielmehr nothwendig, zu bemerken, daß meine Ansicht über diesen Gegenstand auf genauer Prüfung, auf einer großen Anzahl von vergleichenden Versuchen, und auf einem Vortrage beruht, welcher, als Inbegriff aller Beweise für diese Sache, im Jahre 1817 vor den Lords des geheimen Rathes Sr. Majestät im Handels-Departement, gehalten, und dann im Frühjahre des folgenden Jahres vor einen Ausschuß des |359| Hauses der Gemeinen gebracht wurde, welcher sich vom 16. März bis zum 15. Mai mit der Prüfung der Zeugnisse beschäftigte, und seine Anträge über diesen so wichtigen Gegenstand abfaßte.

Nach aufmerksamer, Prüfung aller dieser Belege, und nach unpartheilicher Erwägung aller Thatsachen, welche ich über einen so wichtigen Gegenstand sammeln konnte, bin ich nun entschieden der Meinung, daß das Salz, nachdem die Abgabe desselben auf 5 Pfund Sterling für jede Tonne herabgesezt wurde109), ohne allen Zweifel der wohlfeilste, der kräftigste und der bequemste Dünger, sowohl für Aeker als für Wiesen ist.

Schon vor mehr als hundert und fünfzig Jahren hat Hr. Hugo Platt, ein ausgezeichneter Schriftsteller der damaligen Zeit, sehr entschieden von den Vortheilen gesprochen, welche man dadurch erhält, daß man Salz aus die Aeker streut, und diese Art zu düngen, nennt er die gesündeste, die wohlfeilste, die philosophischste unter allen Düngerarten. Er erzählt einen Fall, wo einem Manne, der am Strande des Meeres über eine Brüke ging, ein Sak mit Saat-Korn, den er auf den Schultern trug, in das Wasser fiel, und den dieser Mann so lang im Wasser liegen lassen mußte, bis die Ebbe eintrat. Der arme Mann vermochte nicht, neues Saat-Korn zu kaufen, und mußte sich desjenigen bedienen, das so lang in Salzwasser gelegen war. Als die Ernte herankam, fand er, daß er weit mehr erntete, als alle seine Nachbarn. Hr. Platt bemerkt, daß man damals schon glaubte, daß diese Saat nimmermehr so ergiebig gewesen seyn würde, wenn sie nicht zufälliger Weise in das Meer-Wasser gefallen wäre; und doch hat weder dieser Mann noch irgend einer seiner Nachbarn in der Folge mehr vom Einweichen der Saat in Salzwasser Gebrauch gemacht110).

Derselbe Schriftsteller erwähnt eines Mannes, „der vorlanger Zeit ein Bushel Salz111) auf eine kleine Streke |360| unfruchtbaren Landes zu Clopham Common streute, und der noch heutigen Tages“ (zur Zeit nämlich wo Hr. Platt schrieb) „frischer und schöner grünte, als irgend ein anderer Flek in der Nachbarschaft umher.“

Der berühmte Doctor Brownrigg, welcher um das Jahr 1743 schrieb, sagt, wo er vom Kochsalze spricht: „es findet sich in der ganzen Natur verbreitet; es liegt verborgen im Schooße der Erde, wie in den Tiefen des Oceans; es fällt mit dem Regen hernieder auf die Erde, und befruchtet den Boden; es durchdringt die Pflanzen und gelangt mittelst dieser in die Körper der Thiere, so daß man dasselbe als die allgemeine Würze der Natur betrachten kann, welche wohlthätig auf alle lebendige Wesen, auf Thiere sowohl, wie auf Pflanzen wirkt.“

In einigen Gegenden Englands, vorzüglich in der Nähe der Salzgruben, kennt man den Nuzen des Salzes als Düngungsmittel nur zu gut, und hält demselben die gebührende Lobrede. Es wurde auch neulich in dem Hause der Gemeinen von einem hochberühmten Mitglieds desselben bis zur Evidenz erwiesen, daß die Landwirthe in Cornwallis sosehr von dem Ruzen des Salzes, als Dünger, überzeugt sind112), daß, wenn das Salz zum Einsalzen der Fische verkauft wird, immer ein heftiger Streit zwischen den Landwirthen und den Fischern entsteht, und jeder mehr Salz haben will. Dasselbe verehrliche Mitglied bemerkte dem Hause, daß auf jenen Feldern, auf welche Salz gestreut, und dann Weizen oder auch nur jene Rübenart, die man Turnips nennt, gesäet wurde, elfterer jedesmal vom Roste frei blieb, wenn gleich der Weizen auf allen benachbarten, unmittelbar anstehenden Ackern davon bedekt war.

Die Kraft, mit welcher das Salz alles verderbliche Unkraut113) zerstört, und die Maulwurfsgrillen, die Würmer, |361| die Fliegen und die schädlichen Insecten überhaupt vertreibt, ist in vielen Gegenden sehr wohl bekannt: wer hieran zweifelt, der kann sich leicht durch directe Versuche hievon überzeugen. Nimmt man z.B. nur einige Erdwürmer aus dem Felde und bestreut sie mit Salz, so wird man sehen, daß sie einige Minuten lang sich winden, und dann sterben114). Das Salz bringt also, wenn man so sagen darf, zwei Würfe mit einem Steine hervor: während es das Ungeziefer und das Unkraut auf dem leeren Aker zerstört, bereitet es den Boden zur Aufnahme des Samenkornes oder der dahin versezten Pflanzen kräftig vor, und erhöht den Ertrag der Ernte. Abgesehen von diesem doppelten Vortheile müßte schon der üppige Wuchs allein und die herrliche grüne Farbe, welche das Salz, wo es gehörig angewendet wurde, den Gewachsen ertheilt, den Landwirth, der sich desselben bedient, so wie seine Nachbarn von der Kraft des Salzes überzeugen: wenn nur ein oder der andere größere Güterbesizer in jedem Districte auch nur mit kleinen Versuchen anfangen wollte, so müßte, ich bin hievon überzeugt, diese Art zu düngen115) sehr bald die Aufmerksamkeit aller Landleute, und selbst derjenigen auf sich ziehen, die nur ein kleines Gärtchen zu bestellen haben.

Nach den augenscheinlichen Beweisen, welche man über diesen Gegenstand bereits eingezogen hat, ist es offenbar, daß ein großer Theil der Gründe dieses Königreiches beinahe |362| doppelten Ertrag an Heu und an Getreide liefern würde, wenn die Wiesen und Felder gehörig mit Salz bestellt würden. Wie viel unsere Manufacturen, und das Land überhaupt, auch in anderer Hinsicht dabei gewinnen würden, das darf ich wohl nicht weiter hier entwikeln. Außer dem, daß der Boden durch eine hinlängliche Menge Salzes Stärke erhalt, wirb auch die Ernte dadurch noch früher zur Reife bebracht116); ein Umstand, der für die nördlichen Gegenden unserer Insel von bedeutender Wichtigkeit ist, in dem daselbst ein großer Theil der Getreide-Ernte durch die herbstlichen Regen zu Grunde geht, und weder durch die Sonne noch durch die Winde mehr so getroknet werden kann, daß man sein Getreide mit Sicherheit in Garben binden könnte. Wenn der Landwirth bei der Heu-Ernte gezwungen ist, wegen der Unsicherheit der Witterung sein Heu zu frühe einzuführen, so wird etwas Salz auf jeden Heuschober gestreut, diesen gegen den sogenannten Schober-Brand (mow-burned) zu schüzen, und dieses so mit Salz bestellte Heu wird, wenn man es den Pferden und übrigen Hausthieren aufstekt, jedem in der beßten Jahreszeit eingefahrenen, aber nicht mit Salz gewürzten Heue vorgezogen werden.

Auch die Reinlichkeit, welche dem Salze als Düngungs-Mittel eigen ist, ist ein beachtenswerther Vortheil, und in manchen Fällen, vorzüglich dort, wo man Mastvieh hält, von hoher Wichtigkeit. Man hat nur zu oft schon bemerkt, daß, wenn eine Wiese alsogleich nach dem Mähen mit dem gewöhnlichen Dünger bestellt wird, die Rinder das Gras nicht fressen mögen, welches auf einer solchen Wiese wächst. Wenn man statt dieses Düngers, gleich nach dem Mähen, die Wiese mit ein paar Bushel Salz bestreuen würde, so würde diesem Nachtheile und Verluste dadurch vorgebeugt, und man würde gleich eine reichliche Ernte von so süßem Grummet erhalten, daß Pferde wie Rinder dasselbe mit der größten Gierde fressen werden.

Die Landwirthe pflegen in einigen Gegenden ihr Saat-Körn in Kalkwasser einzuweichen, und dieses Verfahren hat ohne Zweifel seinen Nuzen; ich bin aber festiglich der Meinung, |363| daß eine starke Salzlache aus einer Auflösung von Kochsalz in Wasser noch unendlich kräftiger seyn würde. Beinahe die Hälfte des Welzens, den man erntet, befindet sich in einem Zustande von Krankheit, den man Brand oder Rost117) (smut or rust) nennt, und welchem diese Art von Getreide sehr unterworfen ist; wenn aber das Saatkorn gehörig mit Salz zubereitet ist, kann dieser Unfall an demselben nimmermehr entstehen. Mehrere, an dem allgemeinen Wohle theilnehmende, Landwirthe haben es bereits durch Versuche erwiesen, daß man nie an jenen Kartoffeln den Krebs (scab) wahrnimmt, welche in einem Boden gebaut werden, den man mit Salz gedüngt hat.

In mehreren Gegenden Flanderns, vorzüglich aber um Lille, pflegt man den Harn derjenigen Hausthiere, welche ihr Futter mit Salz bestreut genießen, besonders, in eigenen Behältern, aufzubewahren, und wenn man diesen Harn sodann über gewiße Gründe, welche die Erfahrung ihnen als hiezu geeignet Fennen lehrte, aussprizt, so erhält man, ohne allen anderen Dünger, nicht bloß eine bedeutende, sondern in der That unglaubliche Wirkung von demselben.

So viel mag einstweilen hinreichen, um Euch zu überzeugen, daß ihr ähnliche genügende Resultate erhalten werdet, wo ihr euere Wiesen und Aeker mit Salz düngt: in dem Anhange werdet ihr ein Verzeichniß derjenigen Herren und Güterbesizer finden, welche das Salz als Dünger anwendeten, und die treffliche Wirkung desselben bezeugten, unter anderen auch ein Zeugniß eines Herren, der schon seit vielen Jahren sich des Salzes in dieser Hinsicht auf seinem Gute bediente, und der zugleich versichert, daß man in seiner Gegend seit mehr als 40 Jahren mit dem beßten Erfolge Salzlache auf die Felder sprizt. Er kam aus einer entfernten Grafschaft nach London, bloß um dem Wunsche des Ausschusses des Hauses der Gemeinen zu entsprechen, und demselben das Resultat seiner, während einer so langen Zeit gemachten, Erfahrungen vorzulegen. Ihr werdet daselbst auch die Vorschläge des Akerbau-Rathes zu London, und der Gesellschaft der schottischen Hochländer finden, deren Anweisungen euch hinlänglich von den Vortheilen der Anwendung des Salzes bei dem Feldbaue überzeugen werden: sie haben überdieß noch |364| Preise für jeden ausgeschrieben, der eine Reihe von auserlesenen Versuchen über die Anwendung dieses kostbaren Mittels auf verschiedene Zweige des Akerbaues derselben vorlegen wird118).

Wir wollen nun zu dem zweiten Theile unseres Gegenstandes, zur Anwendung des Salzes bei der Fütterung der Rinder und Pferde, und bei der Mastung der Hausthiere überhaupt Übergehen. Ich werde hier nur der mannigfaltigen Vortheile erwähnen, die aus der Erfahrung selbst hervorgingen, und bin zum Voraus von der Wirkung überzeugt, welche die Ansicht der vielen in dem Anhange aufgeführten Beweise hervorbringen muß.

Um die Menge des Salzes, die auf jeder verschiedenen Art von Boden nöthig ist, mit Genauigkeit zu bestimmen, und die Vortheile genau zu ermessen, welche aus der Anwendung desselben in allen verschiedenen, bei uns gewöhnlichen Arten des Feldbaues hervorgehen, ist eine lange Reihe von Erfahrung nöthig, wie selbst einige dem Ausschusse des Hauses der Gemeinen vorgelegte Zeugnisse beweisen, die nicht genügend und widersprechend gewesen sind. Die Vortheile jedoch, welche man dadurch erhalt, daß man seinen Rindern und Hausthieren Salz reicht, sind so entschieden und für sich klar, daß kein Landwirth einen Augenblik anstehen kann, dieselben zu benüzen.

Es ist allgemein bekannt, daß Salz die Verdauung bei den Pferden und Haupthieren fördert, und in denselben eine Anlage zum schnellen Fettwerden erzeugt119). Es ist ferner bekannt, daß, wenn man die Pferde mit geschnittenem Strohe oder mit Häkerling füttert, man denselben von diesem wohlfeilen Futter mehr, als unter jeder anderen Bedingung, reichen darf, so bald es mit Salz bestreut ist; und da es bei einem Thiere, das man mästen will, gar sehr darauf ankommt, daß man demselben seinen Magen voll füllt, so kann dieß, so bald es mit einer hinlänglichen Menge von Salz geschieht, sowohl zum Masten als zum gesunden Futter für das Thier mit bloßem Strohe in der reichlichsten Menge mit dem größten Vortheile geleistet werden. So weiß auch jeder, |365| der nur einige Erfahrung in der Viehmast besizt, daß eine gehörige Menge des gemeinsten Futters, wenn sie von dem Thiere mit Appetit genossen wird, dasselbe, wenn man nur noch etwas weniges von einer nahrhafteren Kost zusezt, schneller fett machen wird, als das beßte Futter, das man nur in mäßiger Quantität dem Thiele vorlegt. Es gibt in der That kaum irgend ein Nahrungs-Mittel für die Hausthiere, welches, gehörig mit Salz gemengt, nicht den Appetit derselben erhöhte, und sie mit größerem Wohlgeschmake fressen machte: es muß daher auch für jeden, der sich mit Viehmast beschäftigt, interessant seyn, zu wissen, wie er dieses so nüzliche Salz auf die wohlfeilste und leichteste Art anwenden kann.

Es wurde im vorigen Jahre vor dem Ausschüsse des Hauses der Gemeinen unwiderlegbar bewiesen, daß 14 Pfunde Stroh, welches bei vollkommener Reife der Körner geschnitten (also für sich nur von geringem Werthe) dann eingeweicht, abgebrüht und mit vier Loch Salz gemengt wurde, 40 Pfunde Rüben bei der Mastung ersezen. Diese Thatsache ist doch wahrlich für jeden Landwirth wichtig, und sollte es möglich seyn, daß sie irgend einem Landwirthe unbekannt bleiben könnte?

Einer meiner Freunde reiste im Jahr 1812 in den vereinigten nordamerikanischen Staaten von Massachusets nach dem Missisippe. Er sah, daß man auf dieser ganzen weiten Streke die Heubünde salzte, oder auch nur gerade hin das Heu mit Salz bestreute, und zwar in dem Verhältnisse von 14 Pfund Satz auf eine Tonne Heu. Er sagt, daß man in diesem Lande allgemein dem Hornviehs und den Schafen Salz gibt, und daß er sehr oft sah, wie die Herde eine Meile weit und noch weiter einem Hirtenjungen folgte, der ein Stük Salz in der Hand hielt, und der bloß dadurch, daß er den Thieren das Salz zeigte, dieselben ihm nachlaufen machte120). Derselbe Freund versicherte mich, daß er seit seiner Rükkehr nach England dasselbe Verfahren auch auf seinen Gütern anwendet, und auf seine Heubünde und in das Gesott, das er den Pferden gibt, mit dem beßten Erfolge Salz streuen läßt.

Schon die Begierde, mit welcher Pferde, Rinder und |366| Schafe in allen Lindern, wo man diesen Thieren Salz reichen kann, auf dasselbe erpicht sind, hätte uns darauf aufmerksam machen können, daß das Salz ihnen höchst zuträglich seyn müße. Daß dieses wirklich der Fall ist, hierüber wird man in dem Anhange unwiderlegbare Beweise finden, wo auch viele von einem sehr achtbaren Mitglieds des Hauses der Gemeinen, vorgetragene, auffallende Thatsachen vorkommen, welche den wohlthätigen Einfluß des Salzes auf die Gesundheit dieser Thiere beweisen.

Niemand wird also zweifeln können, daß das Salz, wenn es den Thieren gehörig dargereicht wird, die Verdauungskräfte derselben stärkt, dieselben vor Krankheiten bewahrt, und ihren Zustand verbessert. Man wird aus den unten angeführten Beweisen ersehen, daß die Kühe, welchen man Salz gegeben hat, nicht bloß weit reichlicher Milch und Butter dafür zurük geben, sondern daß die Milch derselben auch jenen Rüben-Geruch nicht mehr hat, den sie sowohl, als auch die aus derselben bereitete Butter bei jenen Kühen, welche ihre Rüben ohne Salz erhielten, stets bei sich führt. Eben so ist es erwiesen, daß das Salz ein sicheres Mittel gegen die Würmer bei den Pferden, und ein Specificum gegen die Lungenfäulniß (Rot) bei den Rindern ist, so wie es gleichfalls gewiß ist, daß die Wolle bei jenen Schafen, welche mit Salz gefüttert werden, sich wesentlich verbessert.

Es ist, wie ich glaube, unmöglich, die Menge von Beweisen, welche von dem ehrenwerthen Handlungs-Rathe, wie vor dem Ausschusse des Hauses der Gemeinen vorgelegt wurden, durchzublättern, ohne sich von der Größe und von der Wichtigkeit der Vortheile zu überzeugen, welche die Anwendung des Salzes, sowohl bei der Mastung als bei dem Akerbau gewährt. Vorzüglich merkwürdig ist das Zeugniß des Joh. Christian Curwen, des Repräsentanten der Stadt Carlisle im Parlamente, der selbst Akerbau treibt, und der vor dem Ausschusse versicherte, daß auf einem Gute, welches jährlich 1000 Pfund Sterling Rente trägt, der jährlich aus reichlicher Anwendung des Salzes hervorgehende Gewinn nie weniger als 300 Pfund betragen kann.

Wenn der Nuzen und Gewinn bei der reichlicheren Anwendung des Salzes in allen Zweigen der Landwirtschaft bisher so vielseitig und so bedeutend war, wie kommt es, wird man fragen können, daß der Gebrauch einer so nüzlichen Sache noch bis zur Stunde im ganzen Königreich nicht allgemein geworden ist? Daran können verschiedene Ursachen Antheil haben. Wir wollen hier unter anderen nur auf die |367| Schwierigkeit aufmerksam machen, die überall unter den Landwirthen vorzüglich unter jenen der unteren Klasse, sich findet, den alten von den lieben Voreltern breit getretenen Pfad zu verlassen; auf den Mangel an Unterricht, wie man das Salz zu den verschiedenen landwirthschaftlichen Zweken gehörig benüzen müße; auf die ungeheueren Abgaben, die auf das Salz gelegt sind; und vielleicht verdienen die Schwierigkeiten und Formalitäten, die man ehe bekämpfen und besiegen mußte, als man irgend eine Verminderung dieser Abgaben erhalten konnte, unsere Aufmerksamkeit noch mehr, als diese Abgaben selbst.

Wir wollen nur einen Fall als Beispiel dieser lästigen Schwierigkeiten hier anführen. In Folge eines Parlaments-Beschlusses, der im 57ten Jahre der Regierung Georg III. gefaßt wurde, sollte der Landwirth, um den Rindern und Schafen Salz unter ihr Futter streuen zu können, das Salz um 5 Shilling im Bushel wohlfeiler, als nach der gewöhnlichen Taxe, erhalten können, d.h. den Zentner zu 100 Pfund, das Pfund zu 32 Loch, um 10 Shilling121) wohlfeiler. Dieses Salz mußte aber einzig und allein zum Viehfutter, und zu nichts anderem verwendet werden. Ehe man aber irgend eine Portion Salz erhalten konnte, mußte man vorläufig eine schriftliche Caution leisten, und eine den Salz-Beamten gefällige Bürgschaft stellen, unter Strafe, sechsmal so viel zu bezahlen, als das Salz, seinem gewöhnlichen Preise nach, werth ist. Nie konnte man neues Salz erhalten, und wenn das Vieh, das sich seit langer Zeit daran gewöhnte, auch noch weit mehr gebraucht hätte, bis man nicht vorher seine Obliegenheiten, zu welchen man sich zu der Zeit, als man das Salz erhielt, schriftlich verbunden hat, erfüllte. Denn es wurde noch überdieß verordnet, daß, ehe man förmlich von seinen Verbindlichkeiten losgesprochen werden konnte, man ein Zeugniß vorlegen mußte, aus welchem erhellte, daß die ganze Menge Salzes wirklich zum Bestreuen des Futters für die Rinder und Schafe verbraucht und aufgezehrt, und zu keinem anderen Zweke verwendet wurde; und auch dieses Zeugniß konnte nicht von der geleisteten Bürgschaft befreien, bis nicht der Salzsteuer-Einnehmer sich von der Wahrheit desselben selbst überzeugt, und dieses Zeugniß eigenhändig unterzeichnet hatte.

Die Parliaments-Acte befahl ferner noch, daß, wenn ein solches Zeugniß nicht binnen 13 Monaten von der geleisteten |368| steten Bürgschaft an dem Salzsteuer-Einnehmer vorgelegt, und von demselben unterzeichnet, oder in was immer für einer Rüksicht falsch befunden wurde, oder wenn irgend ein Portionchen Salz auf eine andere Weise, außer zur Fütterung der Rinder und Schafe, verbraucht wurde, die ganze als Bürgschaft stipulirte Summe verfallen seyn sollte.

Unter der Androhung solcher Strafen, und unter solchen Verantwortlichkeiten ist es nicht zu verwundern, wenn das Salz in der Landwirthschaft nicht häufiger angewendet wurde; und um so weniger, wenn man noch bedenkt, daß, bei allen diesen Nachtheilen, der Landwirth auch nicht ein einziges Bushel Salz zur Aufbewahrung seines Heues, zum Einweichen seines Saatkornes, oder zum Düngen seiner Felder verwenden konnte, und durfte, außer er wollte noch überdies die ungeheure Abgabe von 30 Pfund Sterl. für die Tonne Salz bezahlen: eine Abgabe, die wahrlich eben so viel als ein Verbot hieß.

Mit desto größerem Vergnügen kann ich Euch nun dazu Glük wünschen, daß am 5. Juni des vorigen Jahres eine Parliaments-Acte durch die beiden Kammern ging, durch welche die lästigsten Beschränkungen in dieser Hinsicht aufgehoben, und die Abgaben auf jenes Salz herabgesezt wurden, welches in Zukunft sowohl für den Akerbau, als zum Futter für Rinder und Schafe verwendet werden soll.

In Folge dieser Parliaments-Acte wird nun in Zukunft das Salz um den herabgesezten Preis von 2 Shill. 6 Pence den Bushel, oder um 5 Shill. den Zentner zu 100 Pfund122) zu jedem folgenden Bedarfs zu haben seyn: nämlich zur Beimischung zum Futter der Rinder und Hausthiere; zum Einweichen des Saatkornes; zum Aufbewahren des Heues und zum Düngen. Caution-Leistung oder irgend eine andere Sicherstellung, daß das Salz treulich zu diesen Zweken verwendet wurde, ist nun nicht mehr nöthig. Und wenn auch der Landwirth ein Zeugnis) ausstellen muß, daß er das Salz auf obige in der Parliaments-Acte bestimmte Weise verwendet hat, |369| so ist der Zeitverlust, der ehevor dadurch entstand, daß der Salzsteuer-Einnehmer die nöthigen Untersuchungen über die Wahrheit der in dem Zeugnisse gemachten Angaben anstellen mußte, nun nicht mehr nöthig, sondern der Salzsteuer-Einnehmer muß jezt dieses Zeugniß ohne weiters annehmen, so bald ihm dasselbe vorgelegt wird, und der Landwirth hat das Recht alsogleich eine neue Menge Salzes zu fodern und zu empfangen.

Diese wichtige Parliaments-Acte erlaubt zugleich den Landwirthen irgend eine Menge dieses Salzes auf ein anderes Gut zu übertragen, und auch einem Nachbar zu gleicher Absicht zu verkaufen, und obschon ein betrügerischer Verbrauch dieses Salzes in dieser Acte mit 40 Shill. vom Bushel verpönt ist, ja selbst, bei gewißen Personen, mit 100 Pfund Sterl., so enthält die Acte doch noch den Zusaz, daß dieses Strafgeld von dem Friedensrichter auf ein Viertel der obigen Summe herabgesezt werden kann.

Dieß sind die Abänderungen, welche die Geseze in Hinsicht der Anwendung des Salzes auf den Akerbau erlitten haben, und es scheint mir, daß jeder Landwirth, der im Stande ist, sich Salz zu verschaffen, sich desselben alsogleich bedienen, und auf seinen Feldern und mit seinen Hausthieren jene Versuche anstellen sollte, die ihm am meisten geeignet scheinen, die Menge und den Werth seiner Erzeugnisse zu erhöhen. Ich wünschte sehr, daß eine große Menge von Landwirthen sich alsogleich hiezu anschikte, in dem, wie es mir scheint, diese Abänderung in den Salz-Gesezen eine der höchsten Begünstigungen ist, die die Regierung jemals zum Vortheile der Landwirthschaft in England erließ, und alle diejenigen, welche durch diese Begünstigung verlieren, und folglich Feinde dieser Neuerung und der Aufhebung der alten Salz-Geseze sind, wo sie sahen, daß die Güterbesizer, selbst bei der außerordentlichen Anstrengung, welche der Ausschuß der Kammer der Gemeinen zu ihren Gunsten machte, gleichgültig gegen dieses Geschenk oder wohl gar abgeneigt gegen dasselbe sich zeigen würden sich dieses Umstandes als eines Beweises gegen diejenigen bedienen würden, welche diese Neuerung herbeiführten und begünstigten, wodurch dann die alten Salz-Geseze bald wieder in ihrer vorigen und ursprünglichen Harte und Strenge hergestellt werden könnten. Wenn aber im Gegentheile allgemein im ganzen Königreiche Versuche angestellt werden, so zweifle ich keinen Augenblik, daß die Landwirthe sich vollkommen von dem Nuzen der Anwendung des Salzes in den verschiedenen Zweigen der Landwirthschaft überzeugen müßen, und dann ein allgemeines Ansuchen |370| um gänzliche Aufhebung aller Salz-Geseze an das Parliament werden gelangen lassen. Dann werden die Landwirthe und die Manufacturisten berechtigt seyn, das Kochsalz eben st aus der Erde zu graben, wie sie jezt Sand und Steinkohlen graben, und die Vortheile, welche die englische Nation hiedurch erhalten wird, werden größer und zahlreicher seyn, als man gegenwärtig vielleicht glauben dürfte123).

Da ich wider meine Erwartung weitläuftiger geworden bin, als ich es vermuthete, so muß ich mich nur noch auf einige Vorsichtsregeln und Anweisungen für jene meiner Leser beschranken, welche sich zu dem im Eingange dieses Sendschreibens empfohlenen Verfahren entschließen könnten.

Zuerst muß ich bemerken, daß man keinen Boden für tragbar halten kann, der alles Kohlenstoffes gänzlich beraubt ist. Wenn es möglich wäre, daß irgend ein Boden durch wiederholte Ernten so sehr erschöpft seyn könnte, daß er entweder wenig oder gar keinen Kohlenstoff mehr enthielte, könnte dann nicht wahrscheinlicher Weise das Salz allein seine unsprüngliche Fruchtbarkeit ersezen? Um so mehr müßte also, wie ich glaube, ein Boden, der noch viel Kohlenstoff enthält, durch Anwendung des Salzes auf denselben gewinnen. Die sicherste Weise jedoch, die ein Landwirth bei Anwendung des Salzes befolgen kann, ist diese, so wohl bei einem Boden der ersten Art, als bei jedem Boden, das Salz nur mäßig anzuwenden, und in jedem Falle ein kleines Stük dieses Bodens ganz ohne Salz zu belassen, damit man die durch dasselbe hervorgebrachte Wirkung jedesmal vergleichen, und sich von dem offenbaren und handgreiflichen Erfolge überzeugen kann.

Jeder Landwirth, der sein Feld nicht leer sehen will, muß durchaus ehe zu wenig als zu viel Salz auf dasselbe streuen; denn zu viel Salz, als Dünger angewendet, würde den Boden, wenigstens für ein Jahr, vollkommen unfruchtbar machen. Wir lesen in der Bibel von dem Salzthale, in welchem David die Syrer schlug; wahrscheinlich war dies |371| irgend eine Niederung, welche durch Einwirkung des Salzwassers unfruchtbar geworden war. In einem der ersten Bände der philosophical Transactions ist von einem ähnlichen Thale in der Nachbarschaft von Haleppo die Rede, wo der seel. Dr. Brownrigg von einer großen Wüste an der (ehemaligen) Gränze Rußlands gegen die krimsche Tatarey hin spricht, welche, wegen Ueberflusses an Salz, so durchaus unfruchtbar geworden ist, daß viele Meilen weit keine Pflanze wachsen, kein Kraut auf derselben grünen kann.

Dieß erinnert mich an einen Umstand, der für alle diejenigen wichtig seyn muß, welche ihr Salz nach den Anordnungen der lezten Parliaments-Acte beziehen. Diese Acte schreibt vor, daß das Salz in großen Stüken von 20 Pfunden und darüber abgegeben werden soll; es muß folglich, ehe dasselbe mit Vortheil angewendet werden kann, zerkleint werden: denn wo immer ein gröberes Stük Salz hinfällt, da zerstört es unvermeidlich jede Pflanze, auf welche es zu liegen kommt. Wenn daher irgend ein Landmann unachtsam ist, und das Salz ausstreut, ohne es vorher gehörig zerkleint zu haben, so kann er dadurch, mag dieß auf dem Aker oder auf Wiesen geschehen, nichts anderes als doppelten Schaden dabei haben. Ich rathe daher jedem Güterbesizer, der sein Salz von Northwich bezieht, dasselbe, ehe er es auf seine Gründe streuen läßt, zerstoßen und so sein pülvern und sieben zu lassen, daß es so sein wie Tafelsalz wird. Das Steinsalz ist nicht sehr hart, und es kann so sein gepulvert werden, als man es eben nöthig hat.

Was übrigens die Menge des Salzes betrifft, die bei verschiedenen Feldfrüchten und auf Gründen von verschiedener Güte angewendet werden muß, so wird alles dieses aus den Angaben in den verschiedenen Zeugnissen und Urkunden, welche sich in dem Anhange befinden, deutlich erhellen. Das beßte Mittel, hierüber ganz in's Reine zu kommen, ist indessen dieses, daß jeder Landwirth auf seinen Gründen selbst Versuche anstellt, und die Resultate hievon genau beachtet. Um zu diesem Zweke zu gelangen, würde ich ihm rathen, mit jeder einzelnen Art von Feldfrucht, die er baut, so wie auch auf seinen Wiesen, Reihen von Versuchen anzustellen124) und |372| alle, auch die kleinsten Umstände, die bei jedem dieser Versuche Statt haben, genau aufzuzeichnen.

Ein großer Garten in der Nähe des Wohnhauses würde der schiklichste Plaz zu solchen Versuchen seyn125). Da dieser stets mehr unter der unmittelbaren Aufsicht des Besizers ist, und hier die Versuche nur im Kleinen angestellt werden, so würden diese Versuche hier wenig oder gar nichts kosten. Der Umstand, daß der Landwirth jezt das Salz, welches er erhalten hat, unter seinen Nachbarn, welche er zu ähnlichen Versuchen geneigt und geschikt glaubt, vertheilen kann, kommt bei solchen theilweisen Versuchen sehr wohl zu Statten, und muß für diejenigen sehr erwünscht seyn, welche sich von dem Nuzen des Salzes selbst überzeugen, und doch nicht also, gleich eine große Menge Salzes zu ihrem eigenen Gebrauche wollen kommen lassen. Und da die lezte Parliaments-Acte das Salz sowohl auf dem Felde als im Stalle zu verbrauchen gestattet, so ist dadurch für den Absaz desselben ein weites Feld geöffnet.

Nach den bereits auf einem Gute mit den Hausthieren angestellten Versuchen scheint die hier unten angegebene Menge denselben mit vollkommener Sicherheit dargereicht werden zu können.

Den Ochsen und Kühen täglich 4 Unzen (Lothe) Salz mit Stroh oder anderem Futter, jedesmal aber im warmen Wasser geweicht: die Hälfte davon am Morgen, die andere Hälfte den übrigen Tag über.

Den Pferden vier Unzen, wie oben angegeben wurde.

Dem Jungviehs zwei Unzen, wie oben, auf zweimal.

Den Kälbern eine Unze den Tag über in zwei Portionen.

Den Schafen jedem wöchentlich zwei Unzen nur einmal. Das Salz muß sehr dünn auf Steine oder auf Balken auf den Feldern, wo die Schafe weiden, gestreut werden.

Ich schmeichle mir mit der Hoffnung, daß wenige Landwirthe, sie mögen Feldbau oder Viehzucht treiben, diese Blätter und den Anhang ohne den Wunsch lesen werden, ihre Grundstüke zu verbessern, und den Werth ihrer Thiere zu erhöhen: und sollte es wirklich einige geben, welche durchaus keinen Sinn für irgend eine Verbesserung besizen, so bin ich überzeugt, daß sich auf der anderen Seite mehrere auf dem Lande wohnende Güterbesizer und mehrere aufgeklärte |373| Landwirthe finden werden, welche jede Gelegenheit ergreifen, um das National-Wohl von Großbritanien zu fördern, und die diesen Gegenstand vielleicht bloß aus reinem Patriotismus betreiben.

Aristoteles war der Meinung: „daß Cultur des Bodens die Freiheit begünstigt.“ Ein Schriftsteller neuerer Zeit bemerkt: „daß wohl geordnete Monarchien meistens nur in fruchtbaren Ländern zu finden sind.“ Es war ein Sprichwort in den älteren Zeiten: „daß Felder, mit Kornähren bedekt, die Wiegen des Sieges sind.“ „Die Bewohner Sardiniens“ sagt Montesquieu „waren einst die reichsten Leute, und Aristeus, den seine Vorliebe für den Verbau so berühmt machte, war ihr Gesezgeber.“ Als aber die Karthaginenser ihre Herren wurden, zerstörten diese alles, was den Menschen zu ernähren vermochte, und verbothen den Feldbau bei Todesstrafe. Auf diese Weise mußte dieser Staat zu Grunde gehen. und Jahrhunderte lang die Beute verschiedener Eroberer werden: und noch heute zu Tage ist der größte Theil der Insel Sardinien wüstes unbebautes Heideland. Welchen auffallenden Contrast mit diesem bejammernswerthen Zustande Sardiniens liefert nicht das heutige China!

Die ältesten Beherrscher von China, sagt Montesquieu, waren keine Eroberer. Das Erste, was sie für ihre Vergrößerung unternahmen, war zugleich der schönste Beweis ihrer Weisheit. Sie entrissen dem Meere zwei ihrer schönsten Provinzen. Diese Länder verdanken ihr Daseyn dem Arme des Menschen, und die unglaubliche Fruchtbarkeit tiefer beiden Provinzen ist es, die uns Europäern unsere Ideen von der Glükseligkeit dieses ungeheuren Landes gab. Nach dem einstimmigen Zeugnisse aller Reisenden ist jeder Theil dieses Reiches so gut bebaut und unterhalten, als die Umstände es nur immer erlauben, während in England und im Fürstenthume Galles mehr als sieben Millionen Acres Heideland seit Jahrhunderten wüst und unbebaut da liegen, und der Nation wenig oder gar keinen Nuzen gewähren.

Das größte Hinderniß bei der Urbarmachung dieser Länder ist der Mangel an Dünger, in dem es an diesem selbst für jene Gründe noch gar sehr gebricht, die bereits mit Zäunen umgeben sind. Nur dann, wenn die Anwendung des Salzes als Dünger allgemein wird, kann diesem Mangel, wenigstens größten Theiles, abgeholfen werden. Jeder wohlhabende Güterbesizer wird dann die Mittel in seinem Bereiche finden, sein ganzes Gut auf den möglich höchsten Ertrag zu bringen, und es wird eine Schande für einen |374| Landwirth seyn, auch nur eine Ruthe Landes, das ihm angehört, unbebaut liegen zu lassen. Dieß wird auch die Bahn zur Urbarmachung der ungeheuren Gemeinde-Gründe öffnen, die wir in jedem Winkel des Königreiches treffen, und die neue Gestalt, die das ganze Land dadurch erhalten muß, abgesehen von der Vermehrung seiner Bewohner, läßt sich leichter denken, als beschreiben.

Wenn unsere Voreltern auf die Verbesserung des Akerbaues unaufmerksam geblieben wären, so würde noch jezt der größte Theil Großbritaniens mit Wäldern bedekt seyn, und eben so würden, wäre man nicht auf das Fortschreiten der Cultur und auf immer steigende Verbesserung bedacht gewesen, die schönsten Provinzen Frankreichs und Deutschlands noch immer von dem hercynischen Walde beschattet seyn, der zu Cäsars Zeiten von den Gränzen Elsasses und der Schweiz über den größten Theil von Deutschland, Ungern und Siebenbirgen sich hinzog, und, wie man sagte, 60 Tagreisen lang, und neun breit war.

Akerbau, sagt der wakere Hr. Hollinshead ist die sicherste Quelle des Reichthumes eines Landes und einer Familie. Wo man diesen in einem Lande vernachlässigt, wird Armuth und Elend in dem Inneren desselben brüten, und wenn man das Gold in Scheffeln aus dem Auslande hereintrüge. Wandelbar war und ist das Loos des Fabrikanten und des Handelsmannes, und wird es ewig bleiben: wo heute Tausende von Individuen in voller Thätigkeit sind, können Morgen eben diese Tausende im Elende schmachten. Aehnliches Schiksal kann dem den Akerbau treibenden Landmanne nie begegnen: er wird immer die Früchte seines Schweißes genießen, und, wo er fleißig ist, stets so viel erhalten, als er zu seinem Unterhalte braucht.

Die Epoche, in welcher wir gegenwärtig leben, ist, diese Bemerkungen mögen übrigens wahr seyn, oder nicht, jedem Fortschreiten in Künsten und Wissenschaften wie in allem Uebrigen, Gott sey Dank! günstig. In Hinsicht auf die Fortschritte der Künste, und den im ganzen Lande aufgeregten Untersuchungs-Geist glaube ich, daß mehr dann Ein verständiger Landwirth auf die wichtigen Puncte aufmerksam werden wird, über welche ich hier gesprochen habe.

Man erlaube mir nur noch beizufügen, daß ich es für ausgemacht erachte, daß diejenigen, weichen der hier behandelte Gegenstand nicht ganz gleichgültig ist, ihr eigenes Wohl, so wie jenes des Publicums, nicht besser zu Rathe halten können, als wenn sie sich sogleich der Anstellung solcher Versuche unterziehen, die für die respective Lage und das |375| Interesse eines jeden derselben am meisten geeignet sind: die Resultate hievon, sie mögen ausfallen, wie sie wollen, werden stets zu ihrem Vortheile und zum Vortheile der Nation gereichen. Ich bin etc.

Samuel Parkes.

Wir haben bereits in diesem Journale Bd. 4. S. 181. eine Abhandlung über die Anwendung des gemeinen Salzes im Gartens-Baue von Hrn. Samuel Parkes mitgetheilt, und glauben auch diesen Aufsaz um so mehr einer deutschen Uebersezung werth, als nicht bloß unsere lieben Landsleute dadurch ein neues Mittel zur Erhöhung des Ertrages ihrer Akergründe kennen lernen werden, sondern selbst unserer Regierung eine Quelle geöffnet wird, wodurch der jährlich sinkende Ertrag ihrer Salinen, der durch die neu entdekten Satzlager und Salzquellen der benachbarten Staaten noch Mehr bedroht wird, gehoben werden kann, ohne dadurch den Bürger und Landmann mit neuen Steuern zu belasten. Es ist offenbar, daß, wenn, z.B. die Regierung um 10,000 Ztr. Salz zu einem Preise = A jährlich weniger absezt als ehemals, sie, wenn sie 10,000 Ztr. jährlich zu einem Preise = A/10 absezen kann, eben so viel gewinnt, als wenn sie jene 10,000 Ztr. zu dem Preise A abgesezt hätte. Die Wahrheit dieses im Fabrikwesen wie im Handel allgemein gültigen Sazes kann höchstens durch faule, an den alten Schlendrian gewohnte, Salinen-Beamte des stritten werden, die nicht begreifen können, daß ein Netto Gewinn von J. fl., der zehnmal des Jahres wieder kehrt, eben so viel ist, als ein Netto Gewinn von 10 fl., der nur einmal im Jahre Statt hat, und die bloß deßwegen einer so anerkannten Wahrheit widerstreben, weil sie dabei des Jahres neunmal öfter in ihr schwarzes Meer, in ihr Dintenfaß, zu tauchen haben, um Buch zu halten, oder weil sie zehnmal 1 statt 10 schreiben müßen. Würde die Regierung das zum Akerbaue bestimmte Salz um das Zehntel des Preises des zur Würze bestimmten Salzes geben, so würde sie nothwendig zehnmal so viel davon absezen, als sie jezt nimmermehr absezen kann, und folglich eben soviel daran gewinnen, als sie an dem zehnfachen Preise des zur Würze bestimmten Salzes gewinnt. Dem Einwurfe, daß die Regierung bei diesem Handel durch Nebenverwendung des Salzes beeinträchtiget werden würde, glauben wir um so welliger begegnen zu dürfen, als diejenigen, die einen solchen Einwurf machen zu können glaubten, durch den Handel, den die Regierung mit dem sogenannten Salzsteine, der zur Leke für das Vieh bestimmt ist, zu ihrem und zu des armen Landmannes Vortheile wirklich (acto) treibt, bereits thatsächlich (facto) widerlegt sind. Das, zum Düngen der Felder bestimmte Salz, könnte noch weit leichter vor jeder Nebenverwendung gesichert werden, wenn es, an gewissen in Städten und Märkten vertheilten kgl. Lagerstätten so mit Erde, und allenfalls auch mit Nebenbestandtheilen, z.B. Harn, Ofenruß u.s.w. vermischt würde, daß selbst ein chemischer Fabrikant keinen Vortheil dabei haben könnte, dasselbe auszulaugen, und wenn noch überdieß zur höchsten Sicherheit, nur Grundbesizern, und auch diesen nur soviel, als sie für ihre Gründe brauchen könnten, Erdsalz auf den k. Lagerstätten verkauft werden dürfte. Diese Dünger-Salzfabrication würde die ganze gegenwärtige Salz-Manipulation, wie man sie zu nennen pflegt, durchaus unberührt lassen, nicht das Mindeste in derselben andern; die Salinen könnten das Salz so rein oder unrein, wie gegenwärtig, liefern; denn erst auf den k. Lagerstätten würde das Salz mit einer gewißen Menge Erde und mit einigen das Auslaugen unmöglich machenden und nichts kostenden ekelhaften oder färbenden Bestandtheilen gemengt, und unter obigen Sicherheits-Maßregeln verkauft werden. Wir hoffen, daß das Publicum eben so wenig, als die Regierung, uns zu den Feinden des gegenwärtigen hohen Salzpreises rechnen wird; wir finden ihn, bei aller Höhe, noch sehr billig, wenn wir ihn mit jenen Preisen vergleichen, um welche ehevor, die Regierung den Salzhandel an sich zog, die Bischöfe von Salzburg, die Bischöfe von Passau, und sogar die kleinen Pröpste von Berchtesgaden uns Baiern für eine Hand voll Salz die Haut abzogen.1) Unsere edlen Churfürsten, die uns vor diesen Raubvögeln unter den väterlichen Schuz ihrer Hermeline nahmen, verdienten in vollem Maße diesen kleinen Dank, so wie die noch weit wohlthätigere Regierung des Vaters seines Volkes, Max Joseph's, jede Anstrengung seiner Söhne verdient, den Schatz derselben zum wahren Wohle des Vaterlandes zu mehren. A. d. deutsch. Uebers.

Vergl. Hrn. R. Gemeiner's Geschichte des Salzhandels, Schultes Reise nach dem Glockner, Briefe über das Salzkammergut, und dessen Donaureise.

|351|

Sur la nature et la maniére d'agir des engrais. Mem. d.i. Soc. Roy. d'Agricult. Trimestre du Print. 1791. A. d. D.

|352|

Plinius sagt in seiner Hist. Nat. Lib. XIX. 59. von dem Salze: Peculiaris Medicina raphano, betae, rutae, cunilae in salsis aquis, quae et alioqui plurimum suavitati et fertilitati afferunt.

|353|

Dieses Sendschreiben befindet sich in dem Philosophical Magazine et Journal des Hrn. Tilloch; der Anhang hiezu, welcher die, auf Kosten der Regierung gedrukten, Urkunden enthält, mußte, als einem anderen Buchhändler zugehörig, in Tilloch's Journale weggelassen werden. A. d. ital. Uebers. Unsere deutschen Journalisten sind nicht so genau, und plündern unser Journal, ohne es zu nennen. A. d. deutsch. Uebers.

|354|

Vergl. Memorie della r. Società agraria di Torino. Vol. V. Part. I. Ricerche fisico-chimische sopra la vegetazione e la causa della fertilità delle terre. A. d. ital. Uebers.

|354|

Noch bis auf den heutigen Tag erhielt sich, selbst in der gebildeten Welt, das Mährchen, daß Friedrich der Rothbart (Barbarossa) Salz auf die Ruinen unserer Stadt habe streuen lassen. Graf Giulini widerlegt in seinen Memorie della città e campagna di Milano ne' secoli bassi, wo er auf diesen Umstand zu sprechen kommt, die hierüber von Meibom und Flamma verbreiteten Unwahrheiten umständlich, und bemerkt, „daß weder Morena, noch Sir Raul, noch irgend ein anderer gleichzeitiger und wohlunterrichteter Schriftsteller von dieser Sonderbarkeit auch nur die leiseste Erwähnung thaten.“ (Vergl. Parte VI. a. a. D.) Pietro Verri spricht in seiner Storia di Milano wie Graf Giulini. Man vergleiche auch die Vicende di Milano durante la querra con Federico I. imperadore illustrate colle pergameni di que' tempi, compilate dai Monaci Cisterciensi §. XX. A. d. ital. Uebers.

|355|

Memoire de Kirwan sur les engrais. Man vergleiche auch Olivier de Serres in einer Anmerkung im Traité des engrais, tirè de différens rapports faits au département d'agriculture d'Angleterre. A. d. ital. Ueb.

|356|

Es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn der große Sully zu Colbert's Zeiten gelebt hatte, er eben so sehr für Förderung, der Manufacturen gewesen seyn müßte, als Colbert, hätte dieser zu Sully's Zeiten gelebt, den Akerbau eben so sehr, wie Sully, gefördert haben würde: denn nothwendig muß der Akerbau ehe vorhanden seyn, als man an Manufakturen denken kann. Wenn man aber in einem Lande, wo man bereits im Getreide erstikt, den Akerbau noch immer auf Kosten der Manufacturen fördert, so scheint der Finanz-Minister dieses Landes nicht zu wissen, daß man in seinem eigenen Fette erstiken könne. A. d. deutsch. Ueb.

|357|

In Deutschland, leider! so wie vieles andere Gute, nur auf dem Papiere. S. Abhandlungen der Kurbaierischen Akademie der Wissenschaften. 1 B., S. 138. u. f. In Pohlen, wo der arme Bauer |358| nicht Salz hat, sein Brod zu salzen, nicht einmal auf dem Papiere, weil dort nur wenige Landwirthe lesen und schreiben können. A. d. deutsch. Ueb.

|358|

Die Vortheile, welche die Anwendung des Kochsalzes, als Düngungs-Mittel gewahrt, waren in England mehreren Individuen schon seit mehr als hundert Jahren bekannt; allein die starken Abgaben auf das Salz und andere Hindernisse machten die allgemeine Anwendung desselben unmöglich. A. d. D.

|358|

Den neuesten Nachrichten aus England zu Folge soll die Salzsteuer gänzlich für die Zukunft aufgehoben werden. A. d. deutsch. Ueb.

|359|

Ein Pfund Sterling ist 24 Lire italiane und eine Tonne hält 33 Kubik-Fuß, 1188 Kubik-Zoll italianischen Maßes. A. d. ital. Ueb. Eine Tonne ist 2000 Pfund und ein Pfund Sterl. 6 Rthlr. 4 Grosch. sächs. Man sieht hieraus, daß Salz, auch nach diesem Nachlasse, noch um vieles theurer in England als bei uns ist. A. d. deutsch. Uebers.

|359|

Vernünftige deutsche Landwirthe bedienen sich des Kochsalzes zum Einquellen der unfruchtbaren Saamenkörner, um sie zu beleben, und gegen den Kornwurm bei dem Saat-Getreide. A. d. deutsch. Ueb.

|359|

Ein Buschel ist 1 Kubikfuß 450 Kubik-Zoll. A. d. ital. Ueb.

|360|

Man hat in Cornwallis auch noch eine andere Methode, die Felder zu düngen, nämlich mit See-Sand, und dieß zwar wegen des Salzes, welches dieser Sand bei sich führt. Man hat diese Art zu düngen so vorteilhaft gefunden, daß ein Schriftsteller, der schon vor 90 Jahren schrieb, die jährlichen Kosten der bloßen Herbeischaffung des See-Sandes in der ganzen vereinigten Grafschaft auf 32,000 Pfund Sterling berechnete, und diese Methode hat in den lezteren Jahren sich so sehr verbreitet, daß Dr. Paris versichert, die jährlichen Auslagen für bloßen Landtransport des zum Düngen gebrauchten Sandes betrügen in Cornwallis allein wenigstens 30,000 Pfund Sterl. A. d. D.

|360|

Dieß ist etwas zu viel behauptet; denn es gibt auch Unkraut, welchem das Salz eben so gut bekommt, wie dem Weizen. A. d. deutsch. Ueb.

|361|

Diese Kraft des Salzes, die Erdwürmer zu vertilgen, verdiente besonders von den Landwirthen, welche in den Umgebungen von Mailand, vorzüglich vor der Porta orientale und vor der Porte Tosa Wiesengründe besizen, fleißig beachtet zu werden: schon seit mehreren Jahren haben diese Insekten die schönsten Wiesen verheert, ohne daß es möglich gewesen wäre, ein Mittel gegen die Verheerungen derselben aufzufinden. A. d. ital. Ueb. Unsere Ueber in Baiern leiden jeden Herbst mehr oder minder von der Akerschneke, welche am sichersten mit Salz getödtet werden könnte. A. d. deutsch. Ueb.

|361|

Ich finde es für nothwendig hier zu bemerken, daß man zum Düngen der künstlichen Wiesen weit weniger Salz bedarf, als zum Düngen der Aeker, welche mit Getreide bestellt werden sollen. Sechs Bushels oder 336 Pfund sein gepulverten Salzes sind regelmäßig über das Gras hingestreut, hinreichend um ein Acre2) kunstliches Wiesenland gehörig mit Salz zu düngen, während man 16–20 Bushels auf eben so viel Brachfeld braucht, um dasselbe vom Unkraute zu reinigen, und zur Aufnahme der Saat vorzubereiten. Auf Wiesen können zwei bis drei Bushels gestampften Salzes auf jedes Acre unmittelbar nach der Heuernte gesäet werden, was vorzüglich in heißen und trokenen Jahren sehr nüzlich ist. A. d. D.

|361|

Ein Acre ist 43560 Engl. □ Fuß, oder 1056 französ. □ Toisen. A. d. ital. Ueb.

|362|

Der seel. Dr. Darwin sagt, wo er vom Salze als Dünger spricht, „daß dasselbe, in dem es ein Reizmittel ist, welches die Tätigkeit der einsaugenden Gefäße der Pflanzen auf eine ungewöhnliche Weise erhöht, auch in einem gewißen Maße das Wachsthum derselben vermehren, und sie in den Stand sezen kann, während einer gegebenen Zeit mehr Nahrung zu sich zu nehmen, und ihren Kreislauf und ihre Absonderungen zu beschleunigen.“ A. d. D.

|363|

Ich empfehle hierüber einen vortrefflichen Aufsaz des Hrn. Joh. Sinclair über die Weise dem Roste im Weizen mittelst des Salzes vorzubeugen,“ welchen der Akerbau-Rath unentgeldlich vertheilen ließ. Der Gegenstand ist zu wichtig, als daß er nicht entscheidende Versuche verdiente. A. d. D. Man vergleiche die 110 Anmerk. S. 359. A. d. d. Ueb.

|364|

Es ist uns aufgefallen, daß Hr. Parkes nicht auch die allgemein bekannte Fruchtbarkeit Ungerns, Pohlens, Meklenburgs als Beweis für die befruchtende Kraft des Salzes anführt. Alle diese Länder gehören zu denjenigen, deren Oberfläche auf dem festen Lande von Europa am spätesten vom Meere entblößt wurde, und deren Boden, zumal in Unstern, sehr salzig ist. A. d. deutsch. Ueb.

|364|

Dieß ist übrigens keine Empfehlung für das Salz in einem Pferdstalle. A. d. deutsch. Ueb.

|365|

Eben dieß kann jeder Europäer auf den baierischen und österreichischen Alpen sehen, wo die Ziegen bloß durch Salz zusammengehalten werden können. Und wie kirrt der Jäger die Hirsche anders, als durch die Leke? Doch die Hirsche gehören ja unter die edlen Thiere, und haben das Privilegium, allein Salz zu fressen. A. d. deutsch. Ueb.

|367|

Ungefähr 5 fl. U. d. deutsch. Ueb.

|368|

An den Salinen zu Northwich kostet die Tonne Salzes nicht mehr als 8–10 Shill., und wird von da auf dem Kanale um fünf Shill. die Tonne verfahren. Wer unter den durch die Parliaments-Acte bestimmten Bedingungen irgend eine beliebige Menge Salzes zu erhalten wünscht, darf nur an Hrn. Wilh. Horne, Kaufmann zu Liverpool, sich wenden. Hr. Horne ist ein sehr achtbarer, an dem Wohle des Landes thätigen Antheil nehmender Mann. Er wurde wegen des Eifers, mit welchem er sich um die Anwendung des Salzes auf den Akerbau annahm, zum Mitglieds des Akerbau-Rathes zu London ernannt. A. d. D.

|370|

Vorausgesezt, daß sie nicht in die Hände von Monopolisten fallen, wie die Salinen in Deutschland in die Hände der Bischöfe zu Salzburg, und der Pröpste zu Berchtesgaden gefallen sind, die den größten Theil des südlichen Deutschlandes im Mittelalter in Hinsicht auf Salz gröber mißhandelten, als jemals ein Volk durch irgend eine Salzsteuer mißhandelt wurde. Der Handel mit Salz darf so wenig, als die Gewinnung des Salzes, jemals frei gegeben werden, sondern muß jedesmal bei der Staats-Verwaltung als Eigenthum des Staates bleiben. Man lese, wenn man zweifeln könnte, nur die Geschichte des Salzhandels.u. d. deutsch. Ueb.

|371|

Der ehrenwerthe Baronet Joh. Sinclair hat neuerlich eine Reihe von 16 verschiedenen Versuchen bekannt gemacht, welche er von den Landwirthen angestellt zu sehen wünscht, um den Nuzen des Salzes dei dem Akerbaue mit größerer Sicherheit bestimmen zu können. Er hat diese kleine Schrift gratis vertheilt, sie ist bei dem Akerbau-Rathe zu haben, und verdient die Aufmerksamkeit aller praktischen Landwirthe.

|372|

Unter der Voraussezung, daß der Boden desselben von gleicher Beschaffenheit mit jenem der Felder ist. A. d. deutsch. Ueb.

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