Titel: Ueber die Gewerbschule oder das technische Institut in Preußen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. LVII. (S. 381–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/ar009057

LVII. Ueber die Gewerbschule oder das technische Institut in Preußen.

Aus den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. Fünfte Lieferung 1822. S. 133.

Bericht des Geh. Ober-Finanzrathes Beuth an den Herrn Minister für Handel und Gewerbe, über die auf dessen Befehl zur Ausbildung der Gewerbtreibenden getroffenen Einrichtungen133).

Die besondere Ausbildung der Gewerbtreibenden für ihr Fach sollte eigentlich nur eine höhere seyn, und sich an die Elementarbildung der Nation anschließen. Wenn indeß die Vorkenntnisse, deren der Gewerbtreibende bedarf, großenteils kein Gegenstand der Elementarbildung sind, so verdient derjenige immer den Dank des Gewerbstandes, der ihm Gelegenheit gibt, sich diese Kenntnisse in besonderen Lehranstalten zu erwerben.

Bis auf wenige rühmliche Ausnahmen fehlt es uns an Bürgerschulen, aus welchen der Gewerbtreibende mit den nöthigen Kenntnissen der Mathematik, des Zeichnens hervorginge, selbst nur um den Federungen zu genügen, welche der Staat an ihn macht, insofern sein Gewerbe zu denen gehört, die er nur auf den Grund einer Prüfung betreiben darf. Jene Wissenschaften, so wie die unentbehrliche Physik und Chemie, werden entweder gar nicht, oder nur zum Theil in den höhern Klassen der Gymnasien gelehrt, welche eine Kenntniß der alten Sprachen voraussezen, auf welche der Gewerbstand, als zu zeitraubend und kostbar, verzichten muß, wenn er auch nicht wie Agesilaos denkt, der, als man ihn fragte, was die Kinder lernen sollten, sehr vernünftig antwortete: „was sie einst brauchen, wenn sie Männer werden,“ – oder wenn er glaubt, daß es Unzufriedenheit mit dem Stande, worin man lebt, und Staben nach andern Dingen erzeuge, wenn man seine Jugend mit dem Lernen von Gegenständen zubringt, von denen man nur in einem andern Stande Gebrauch machen kann. Diese Betrachtungen |382| scheinen schon früher die Stiftung der Kunst- und Baugewerkschulen veranlaßt zu haben, um Künstler und Bauhandwerker zu ziehen. Unter der Leitung der Akademie der Künste beschränken sie sich auf Unterricht im Zeichnen und Modelliren; Geometrie wird nur in einigen betrieben. Solche Schulen bestehen nur an wenigen Orten. Noch wird für einzelne Zweige der Technik in folgenden Anstalten Unterricht ertheilt: in der hiesigen Bauakademie, unter besonderer Kuratel der Akademie der Künste, und in dem Haupt-Bergwerksinstitute, unter Oberaufsicht der Ober-Berghauptmannschaft.

Für die Verbesserung der chemischen Gewerbskunde geschahen schon unter dem Ministerio des Herrn von Struensee bedeutende Schritte. Es ward auf Befehl Sr. Majestät, des jezt regierenden Königs, im Jahre 1801 hier ein Gebäude aufgeführt, welches Laboratorien, Hörsäle und eine Wohnung für den Chemiker des Fabrikendepartements enthielt, und worin dieser, Herr Geheimerath Hermbstädt, sich so wesentliche Verdienste um den Gewerbstand durch seine Vorlesungen erworben hat, daß es hinreicht, seinen Namen zu nennen.

So viel auch diese Maßregeln für die Ausbildung von Fabrikanten und Handwerkern gefruchtet haben, so waren sie doch theils an sich unzureichend, theils hatten sie nicht den Erfolg, dessen sie sich unter andern Umständen hätten erfreuen können. Die Baugewerksschule suchte nur Bauhandwerker theilweis auszubilden; der besondere technologische Unterricht in Berlin beschränkte sich aber auf die chemische Technologie, und umfaßte nicht die mechanische; dann aber mußten die Zuhörer der praktischen Vorlesungen mehrentheils zugleich in den theoretischen Vorkenntnissen unterrichtet werden. Es fehlte an einer gründlichen Schule der nöthigen Vorkenntnisse, es fehlte mitbin bei dem auf akademische Weise eingeleiteten. Unterrichte für die Gewerbtreibens den die Basis desselben. Denn so thörigt man es finden würde, in der Philologie die Schule zu verbannen, und durch Unterricht, nach Art des akademischen, sich Philologen zu ziehen: so verkehrt scheint es mir (abgesehen davon, daß die Schule Fleiß und Ordnung zur Gewohnheit macht, ohne die kein Gewerbtreibender bestehen kann), eine tüchtige Schule der Naturwissenschaften als überflüßig für das gründliche Studium derjenigen anzusehen, welche diese weitumfassenden Wissenschaften täglich brauchen, und sich mit akademischen Vorlesungen zu begnügen. Bis dahin also, daß bei uns Bürgerschulen verbreitet sind, die nach dem einfachen |383| Grundsaze des Agesilaos eingerichtet sind, worin der Gewerbtreibende lernt, was er braucht, hat es Ew. Excellenz nöthig geschienen, in dem Hauptorte eines jeden Regierungsbezirks eine besondere Gewerbschule zu errichten, auf welche ich unten zurükkommen werde, in Berlin aber nicht allein eine solche Schule zu begründen, sondern derselben auch überdieß eine höhere Klasse zu geben.

Unter den Mitteln, Kenntniße unter dem Gewerbstande zu verbreiten, muß ich ferner die technische Deputation des Ministeriums für Gewerbe und Handel erwähnen, da sie bestimmt ist, wissenschaftliche und praktisch-technische Kenntnisse zu sammeln und zum Beßten der Gewerbsamkeit zu verbreiten. Diesen Zwek zu erreichen hatte diese Behörde stets eine Bibliothek, Modellsammlung und ein Waarenkabinet. Theils aber war nie darauf hingearbeitet worden, durch jene Sammlungen eine vollständige Uebersicht des neusten und beßten Zustandes der Haupt-Zweige der Fabrikation zu gewahren, theils aber war von 1806 bis 1819 für deren Vervollständigung nichts geschehen, und hatte zum Theil nichts geschehen können. Große entscheidende Versuche anzustellen fehlte es an Raum, und selbst das im Eingange erwähnte, vom Herrn etc. Hermbstädt bewohnte, Gebäude reichte für große technisch-chemische Versuche nicht aus, theils seiner Einrichtung nach, theils wegen der Frequenz der Zuhörer. Belehrung durch die Deputation über einzelne Zweige der Fabrikation, durch den Druk oder bildliche Darstellung, fand nicht Statt.

Der fühlbarste Mangel bei dem Streben zum Bessern war der eines Raums, und diesem ward von des Königs Majestät, auf Ew. Excellenz Antrag, im vorigen Jahre durch Genehmigung zum Ankauf des gräflich von Haalschen Hauses abgeholfen, dessen jezige Inschrift: Friederich Wilhelm III. dem Gewerbfleisse seinen Zwek ausspricht.

Ich glaube, diesem Berichte keine einfachere Folge geben zu können, als in dem ich die Darstellung dessen, was neuerdings zur Beförderung des Gewerbfleißes geschehen ist, mit der Beschreibung, dieses neuen Dienstlokals der technischen Deputation verbinde, wie es theils vollendet dasteht, theils in wenigen Wochen vollendet da stehen wird.

Dieses Gebäude enthält, außer einem Zimmer für die Sizungen,

  • 1) die Bibliothek und eine Sammlung von Zeichnungen und Kupferstichen;
  • 2) die Modellsammlung;
  • 3) die Maschinensammlung;
  • 4) die Produkten- und Fabrikatensammlung;
  • 5) große und kleine Laboratorien, einen physikalischen und chemischen Apparat;
  • 6) die Modellwerkstatt;
  • 7) die Kupferstecherei;
  • 8) das Gewerbinstitut;
  • 9) den Raum zur Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes;
  • 10) die Wohnung des Aufsehers über das Ganze und für einen Hausknecht;
  • 11) haben die zu 1, 2, 3, 4, 9, erwähnten Räume, während der dießjährigen Ausstellung vaterländischer Fabrikate, welche am 1. September begonnen hat, eine andere Bestimmung erhalten, und sind für diese benuzt worden.

1) Was die Bibliothek betrifft, so war sie früher sehr unvollständig. Was seit vier Jahren dafür geschehen ist, ergibt das gedrukte Verzeichniß derselben, worin die neu angeschafften Bücher mit einem Sterne verzeichnet worden. Bei Beurtheilung der Ankäufe ist zu berüksichtigen: daß für das Bauwesen eine besondere Bibliothek der Königl. Ober-Baudeputation aus den Fonds Ew. Excellenz Ministerii unterhalten wird; daß ein anderer Zweig der Technologie, das Berg- und Hüttenwesen, nicht zum Ressort der technischen Gewerbedeputation gehört, weßhalb von den besonders dahin einschlagenden Schriften, so wie von bloß wissenschaftlichen über Naturlehre etc. nur so viel angekauft worden, als der Unterricht in dem Gewerbinstitute nöthig macht. – Dieß vorausgeschikt, dürfte die Bibliothek für alles; was chemische und mechanische Technologie betrifft, in Schriften des In- und Auslandes, einen ziemlichen Grad von Vollständigkeit erreich: haben. Die Bibliothek hat ein Lesezimmer, und sieht an bestimmten Wochentagen zur öffentlichen Benuzung offen.

Seit Reorganisation der technischen Deputation ist das Realrepertorium über alle zur Kenntniß der technischen Deputation kommenden Gegenstände durch Herrn Fabriken-Kommissionsrath Servin mit ausgezeichneter Sorgfalt geführt worden, und erleichtert die Benuzung der Bibliothek für den Gewerbstand.

2) Die Modellsammlung. Eine Modellsammlung wie das Conservatoire des Arts et des Métiers fehlt in Berlin.

Es ist zu wünschen, daß das Brauchbare, in den Sammlungen verschiedener Behörden zerstreute, wie neuerdings |385| in Baiern geschehen, in einem Lokale zur öffentlichen Benuzung vereinigt werde. Die Modellsammlung der technischen Deputation bestand vor zwei Jahren in demjenigen, was sich im Laufe der Zeit gesammelt hatte, wie der Geschäftsgang Eins oder das Andre herbeiführte. Es war aber nie darauf hingearbeitet worden, einzelne Hauptzweige der Fabrikation, nach den neusten und beßten Methoden in ihrem ganzen Zusammenhange, in genau nach einem bestimmten Maßstabe gearbeiteten und selbst arbeitenden Modellen darzustellen. Die neuerdings angefertigten Modelle haben in der Regel 1/3 der natürlichen Größe; alle Theile sind in demselben Materiale ausgeführt, wie das Original; auf die Ausführung ist die möglichste Sorgfalt verwendet, damit sie auch in dieser Hinsicht als Muster dienen können.

Bei der planmäßigen Fertigung sind zunächst diejenigen Fabrikzweige in's Auge gefaßt worden, welche für den preuß. Staat die wichtigsten sind, die Zeug- und Metallfabrikation. Unter der Zeugfabrikation ist wiederum mit der Wollenfabrikation der Anfang gemacht. In einem Zeiträume von zwei Jahren sind vollständig dargestellt worden:

Ein vollständiges Tappertsches Spinnassortiment für Streichwolle, in der Werkstatt des Herrn Tappert gefertigt;

Ein vollständiges Cokerillsches Spinnassortiment für Streichwolle, größtenteils aus der eigenen Modell, Werkstatt der Deputation;

Eine Hoppensche Spinnvorrichtung, von Hoppe; Verbesserte Tuchwebestühle von Herrn Frank und Cokerill;

Eine Rauhmaschine vom Herrn Weber, gefertigt durch den Mechanikus Biram;

Eine Cokerillsche Scheermaschine, die Scheere mit aufgeschrobenen Blättern, aus der eigenen Werkstatt der Deputation;

Eine Cylinder-Scheermaschine von Davis, gefertigt durch den Mechanikus Hummel;

Eine Tuchwaschmaschine von Davis, gefertigt durch den Mechanikus Egells;

Ein Modell der engl. in der Grafschaft York üblichen Walke, im Großen ausgeführt bei Herrn Tappert, durch den Mechanikus Biram.

Größtentheils fertig sind in der eigenen Werkstatt: das Modell der engl. Tuchwalke von Davis, die bei Herrn Tappert ausgeführt worden; Modell der neuen niederländischen Walke in Cottbus.

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Für die Wollenfabrikation sind ferner vorhanden: Zeugstühle, die Vorrichtungen zum Appretiren mit der Hand; für die Weberei überhaupt: Leinen-, Seidenstühle, Bandstühle etc. Ein, vom Seidenwirker Queva gefertigtes, vorzüglich gearbeitetes Modell eines mit einer Vorziehmaschine versehenen, selbst webenden, Jacquardschen Stuhls ist angeschaft.

Noch wurden gefertigt: durch den Faktor der hiesigen Königl. Eisengießerei Schmahel ein Modell einer Dampf-Maschine mit 2 zölligem Cylinder; durch den Mechanikus Egells eines einer Dampfmaschine von seiner eigenen patentirten Erfindung mit 1 1/2 zölligen Cylinder; von dem Mechanikus Foster eine rotirende kleine Dampfmaschine.

Modelle von Rammen, Krahnen, von einer Bramahschen Feuersprize, von einer Sprize mit doppelt wirkendem Cylinder, von engl. Flachs-Spinnmaschinen, von Maschinen das Leder zu spalten und dünn zu schaben, von Gußöfen, Kuppelöfen, von einem Brennaparte des Herrn Pistorius (ein Geschenk), von einer nordamerikanischen Ziegelstreichmaschine u.s.w. sind theils fertig, theils in Arbeit.

3) Diejenigen Maschinen werden in der Maschinensammlung aufgestellt, welche hier gefertigt, oder aus dem Auslande von Ew. Excellenz bezogen werden, um ihre Anwendbarkeit zu prüfen, sie demnächst, wenn sie sich bewähren, nachbilden zu lassen und an Gewerbtreibende, als Auszeichnung, und zur Verbreitung besserer Methoden, unentgeldlich zu vertheilen. Bewährte Maschinen, die nachgebaut werden, werden modellirt, unbewährte der Nachricht wegen gezeichnet. Zu beiden Fallen ist daher die Aufstellung nur vorübergehend, da die Originale verschenkt, oder zur Raum-Ersparung auseinander genommen werden.

Im Bestande sind eine Sammlung aller bekannt gewordenen Maschinen, um den ungerösteten Flachs zu brechen, zu kämmen etc., womit Versuche im Großen angestellt wurden; so wie ein Assortiment der Flachsspinnmaschine der Fabrik der Gebrüder Alberti in Waldenburg; eine Maschine das Tuch in die Länge zu scheeren; eine von dem Schmidt Leyes erbaute Häksel-Schneidemaschine; eine Maschine eine Weberriethe einzutheilen; eine Maschine dem Tuche Glanz ohne Pressen zu geben.

4) Die Sammlung der Produkte und Fabrikate ist vorläufig unverändert in ihrem alten Zustande geblieben. Sie wird durch die Allerhöchste Bestimmung, daß derselben Proben derjenigen Fabrikate einverleibt werden, die in diesem Jahre einen Preis bei der Ausstellung gewinnen, |387| eine Uebersicht des jezigen Zustandes unserer Fabrikation gewähren.

5) Laboratorien etc. Um die Deputation in den Stand zu sezen, kleinere und größere Versuche anzustellen, und um zugleich die nöthigen Hülfsmittel für den Unterricht zu gewähren, sind folgende Einrichtungen getroffen: An die für den Unterricht bestimmten Räume stoßt ein kleines vollständig mit allen Bedürfnissen eingerichtetes Laboratorium, und mit diesem stehen die Zimmer in Verbindung, welche einen vollständigen, in großem Maßstabe neu angefertigten, physikalischen Apparat enthalten, größtentheils aus der Werkstatt des Herrn Geheimerath Pistor.

Außerdem sind vorhanden: ein Raum mit einer großen hydraulischen Presse, zwei große und hohe gewölbte Laboratorien, mit drei hohen innerlich von feuerfesten Chamotte-Steinen aufgeführten Schornsteinen, eingerichtet, um darin große Versuche über Glasfabrikation, Stahlschmelzen u.a.m. anstellen zu können, auch zu Hörsälen brauchar.

6) Die Modellwerkstatt ist zunächst, wie oben erwähnt, bestimmt, die Modelle der neusten und beßten Maschinen planmäßig zu fertigen, dann aber solchen Schülern des Gewerbeinstituts, die das Zeugniß der Reife erhalten haben, Gelegenheit zu geben, sich praktisch mit dem Gebrauche der neusten und beßten Werkzeuge bekannt zu machen; wovon unten mehr. Diese Werkstatt enthält in hellen gewölbten Kellerräumen eine Schmiede, eine Tiegelgießerei, den Kessel einer Dampfmaschine von zwei Pferden Kraft, einen Oelgasapparat von Deville in London, darüber die Werkstatt für Tischler, Dreher, Feiler. In der Werkstatt steht die Dampfmaschine, deren Kessel vorher erwähnt worden, von Herrn etc. Schottelius nach eigener Angabe und eigenhändig ausgeführt; sie hat einen Dampfersparungshahn, und ist so eingerichtet, daß die Dämpfe nach Belieben mit oder ohne Einsprizwasser condensirt werden können. Diese Dampfmaschine treibt, wie es das Bedürfniß mit sich bringt, eine vertikale Ziehbank mit Gestell von Gußeisen, eine horizontale Ziehbank mit Gestell von Gußeisen und Stahlkette ohne Ende, mit den Vorrichtungen der engl. Münze, um Bändern von Metall eine gleiche Starke zu geben; eine Stokscheere, eine Kreisscheere, zwei kleine Walzwerke, die Drehbänke, eine Kreissägen-Maschine zur Fertigung von Tischlerarbeiten. Sie kann auch im oberen Stokwerke die Kraft und Bewegung zu Versuchen hergeben. Die Werkstatt hat vier Drehbänke, wovon drei von ausgezeichneter Konstruktion mit mechanischen Vorlagen und durchaus von Metall, |388| deren eine von Rich in London, die anderen in Berlin (eine von dem Mechanikus Hummel, die dritte von dem Mechanikus Staedler, mit Zugrundlegung der Einrichtung engl. Drehbänke von Hague und Tobham und Maudsley) erbaut sind. Sie hat ferner die erwähnte Sagemaschine von Alexander Galloway in London. Stoßwerke mit Schrauben und nach dem Prinzip der kombinirten Hebel von dem Mechanikus Uhlhorn; eine schöne vertikale Bohrmaschine vom Mechanikus Hummel, Kreissägen, Theilscheiben, wovon eine ein Geschenk des Herrn Fabrikanten Cokerill, die andere in der Werkstatt gefertigt, Kluppen von jeder Größe, Gewinde aller Art, kurz, was zu einer vollständigen Werkstatt und zur Belehrung gehört, dürfte größtenteils darin vorhanden seyn. – Vier Arbeiter sind darin fortdauernd beschäftigt, und durch Geschiklichkeit geeignet, Andere zu unterrichten.

7) Die Kupferstecherei. In dieser werden die Blätter zu den Werken gestochen, mit deren Herausgabe sich die Deputation beschäftigt, insofern der Stich mit Zuhülfenahme von Maschinen und mit Diamanten geschieht. Zwei Maschinen sind zu dem Ende in Bewegung, deren eine in England, die andere hier nach demselben Prinzips gebaut worden.

Die Deputation ist mit Herausgabe folgender Werke beschäftigt:

  • a) Um theils in denjenigen Gewerbschulen, die von dem Hansdelsministerio abhängen, auf die Ausbildung des Geschmaks zu wirken, theils einzelne Fabrikanten, die sich in ihren Produkten durch Geschmak hervorthun, auszuzeichnen und zu Fortschritten aufzumuntern, haben Ew. Excellenz unter dem Titel: Vorbilder für Fabrikanten und Handwerker,“ ein Werk heraus geben lassen, dessen erste Lieferung erschienen ist. (Vergl. Goethe über Kunst und Alterthum, Band 3. S. 176.) Dieß Werk zerfällt in drei Abtheilungen; die erste enthält architektonische und andere Verzierungen, die zweite Geräthe und Gefäße, die dritte Vorbilder für die Wirkerei. Die Platten sind 1 1/2 Fuß lang, 1 Fuß breit. Die Zeichnungen sind nach den ausgezeichnetsten Vorbildern der Antike von dem Kondukteur Mauch gezeichnet; die Anwendung der aus der Antike geschöpften Grundsäze auf die Fertigung jezt gebräuchlicher Geräthe und Gefäße hat der Geh. Ober-Baurath Schinkel durch mehrere Zeichnungen erläutert. Die Blätter haben bei der Unterstüzung, welche Ew. Excellenz dem Werke haben angedeihen lassen, mit der größten Sorgfalt theils hier, theils von berühmten Künstlern in England, |389| Frankreich und Italien gestochen werden können, und der hiesige Kupferdruker Prêtre, ein Schweizer, der seine Kunst in Paris lernte, und von dem Ministers hergezogen wurde, hat sie auf eine ausgezeichnete Weise gedrukt.
    Das Werk konnte nicht in den Buchhandel kommen, weil einmal das, was zu kaufen ist, nicht zugleich eine Auszeichnung seyn kann, weil ferner manche der Platten nur wenig gute Abdrüke aushalten, und weil das Werk, so wie es ausgeführt ist, nicht aufhören wird, klassisch zu seyn und nüzliche Dienste zu leisten.
    Diejenigen Blätter dieses Werks, die von den Herren Funke, Mauch und Berger hier mit Hülfe der Parallelmaschine gefertigt sind, geben, wie es mir scheint, den Englischen, z.B. in den Arabian Antiquities of Spain von Murphy, sowohl in Rüksicht auf die Richtigkeit der Theilung, als des seidenartigen Tons, nichts nach. Ich hoffe im Stande zu seyn, Ew. Excellenz in diesem Jahre eine zweite Lieferung dieses Werks vorlegen zu können.
  • b) Sind zwei Mitglieder der Deputation beschäftigt, sowohl für Zimmerleute und andere Bauhandwerker, als für Maschinenbauer, Vorbilder für die verschiedenen Constructionen der Maschinentheile herauszugeben, die in gleicher Art gestochen werden, und zum Gebrauche der Gewerbschulen im Linearzeichnen bestimmt sind, außerdem aber zu nüzlichen Preisen für die beßeren Schüler.
  • c) Endlich ist die Deputation mit der Herausgabe von Abhandlungen über verschiedene Gegenstände der Gewerbsamkeit, zur Verbreitung nüzlicher Kenntnisse und erprobter besserer Fabrikationsmethoden, beschäftigt. Der erste Theil dieser Abhandlungen wird einen Aufsaz über die Dampfmaschinen, ihre Geschichte, genaue Beschreibung einzelner Maschinen nach eigenen Aufnahmen, und ihre Theorie enthalten, und hat Herrn Fabr. Kommissionsrath Severin zum Verfasser. Anderweitige überhäufte Dienst-Geschäfte des Leztern, so wie die Menge der Kupfer und die Sorgfalt bei ihrer Ausführung, haben die Herausgabe verzögert. Der Text ist indeß größtentheils vollendet, auch sind vollendet und abgedrukt: Achtzehn Platten in groß Quart, zwei Platten 13 Zoll lang 19 Zoll breit, vier Platten 27 Zoll lang 19 Zoll hoch, die zu diesem Aufsaze gehören, so wie die Platten zur Erläuterung von Rauh-Maschinen, Scheermaschinen, Webestühlen, die in anderen Aufsäzen beschrieben werden. Ein großer Theil der Blätter ist ganz ausgeführt, und alle sind mit den mechanischen Hülfsmitteln gestochen, deren früher erwähnt |390| worden, ein einziges ausgenommen. Sie werden an Eleganz zu erreichen suchen, was man in den engl. Blättern zu sehen gewohnt ist und für den Unterricht der Gewerbe schulen brauchbaren Stoff liefern; den Nuzen abgerechnet, den Ew. Excellenz durch unentgeldliche Vertheilung dieses Werks an die Fabrikanten des Inlandes beabsichtigen.

8) Die Gewerbeschule oder das technische Institut. Bereits oben ist der Einrichtung der Gewerbschulen in den Provinzen gedacht, und derselbe Plan liegt der untern Klasse des seit einem Jahre hier bestehenden Gewerbinstituts zum Grunde.

Untere, oder zweite Klasse. Erfordernisse zur Aufnahme sind: Ein Alter von wenigstens 14 Jahren, inländische Geburt, eine gute Handschrift, die Fähigkeit sich in der deutschen Sprache richtig und fehlerfrei auszubrüten, um dem mündlichen Unterrichte zu folgen, Kenntniß des Rechnens bis zu den sogenannten vier Species. Die Absicht ist, den Schülern, welche diese Fähigkeiten haben, die Mittel an die Hand zu geben, die übrigen Kenntnisse sich zu erwerben, welche man von Rechtswegen von einem tüchtigen Gewerbtreibenden für den gewöhnlichen Gewerbsbetrieb zu fodern berechtigt ist, und dabei als Maßstab die Foderungen zu nehmen, welche der Staat gesezlich an seine Baushandwerker macht.

Gelehrt wird während eines einjährigen Lehrganges:

Geometrie (Planimetrie und Stereometrie) ohne Beweise, wöchentlich in vier Stunden.

Rechnen. Die gemeine Arithmetik, Proportionalrechnungen, Decimal- und gemeine Brüche, Gebrauch der gemeinen Logarithmen; wöchentlich in vier Stunden.

Naturkunde. Physik und Chemie, jedes in einem halbjährigen Lehrcurs, erstere in besonderer Beziehung auf die mechanischen Wissenschaften, leztere mit Rüksicht auf Technologie; wöchentlich in vier Stunden.

Zeichnen, täglich vier Stunden, von 3 bis 12 Uhr, abwechselnd an einem Tage Linear-, am andern freies Handzeichnen. Beides wird nur so lange nach in der Ebene entworfenen Mustern getrieben, als erfoderlich ist, um die Hand in dem Gebrauche der Werkzeuge zu üben, und die angemessenste Behandlung des Zeichnens zu lehren. Es wird sodann je eher je lieber zu dem Zeichnen nach aufgestellten Körpern, dem Aufnehmen von Maschinen, geometrisch, ohne Theorie der Perspektive, geschritten, und auch Schattenconstruction nach Maßgabe der Fortschritte gelehrt. Beim Linearzeichnen machen die Modelle der Holzverbindungen den Anfang, und |391| es wird zu dem Schwerem vorwärts geschritten, so daß nach der bisherigen Erfahrung ein Drittheil der Schüler, die früher nie gezeichnet hatten, einfachere Werkzeuge, z.B. Fallwerke, Drehbänke, Kunstrammen u. dergl. nach 4 bis 6 monatlichem Unterrichte aufnehmen, und zum Theil sorgfaltig austuschen können. Eben so geschieht das freie Handzeichnen sehr bald nach Abgüssen antiker Verzierungen, in der Absicht, die Schüler zu üben, genau zu sehen, und das Gesehene genau zu Papier zu bringen.

Durch die Wahl der Lehrer, die nicht bloße Zeichnenlehrer sind, sondern sich als ausführende Baumeister und Mechaniker ausgezeichnet haben, ist dafür gesorgt, daß dem Schüler die Construction und der Gebrauch dessen, was er zeichnet, vollständig erläutert werde, und daß Schüler, welche besondere Anlagen für das Zeichnen haben, nicht aufgehalten werden, sondern schon in der zweiten Klasse über die für die erste Klasse vorbehaltenen Gegenstande des Zeichnenunterrichts belehrt werden. Außer den bestimmten Lehrstunden sind die Schüler gehalten, das Gelernte schriftlich auszuarbeiten, und diese Arbeiten werden regelmäßig geprüft.

Noch gelten folgende allgemeine Bestimmungen:

Mehr als dreißig Schüler werden nicht zugleich unterrichtet. Der Unterricht wird kostenfrei ertheilt. Die Disciplin ist streng; nachlässige Schüler, oder solche, die dem Unterrichte nicht folgen können, werden in den ersten Monaten entlassen, damit sie die Lehrer nicht ermüden und Andern kein schlechtes Beispiel geben. Ueber denselben Wissenschaftlichen Gegenstand wird in zwei aufeinander folgenden Stunden gelehrt; in der einen werden die Schüler über das in der vorigen Stunde Gelernte geprüft, in der andern wird mit dem Unterrichte fortgefahren. Geübte Schüler sollen Vorschäler (Repetitoren unter Aufsicht des Lehrers) seyn.

Jeder Schüler ist verpflichtet, dem Unterrichte über alle Gegenstände beizuwohnen, ohne Rüksicht auf seine künftige Bestimmung; denn bei dem jezigen Zustande der Gewerbsamkeit ist das, was gelehrt wird, jedem Gewerbtreibenden ohne Ausnahme nüzlich. Bei dem Eintreten in die Schule befreit erworbene Fähigkeit in einzelnen Zweigen des Unterrichts nicht von dem Besuche der betreffenden Stunden, sondern begründet einen Anspruch auf die Stellung als Vorschüler für diesen Zweig. Das Wiederholen des einjährigen Lehrkurses findet nur ausnahmsweise bei solchen Schülern Statt, die sich in den meisten Zweigen des Unterrichts sehr ausgezeichnet haben, und alle Eigenschaften besizen, Vorschüler darin zu seyn.

Am Schluße des Lehrjahrs findet eine Preisbewerbung |392| um eine eherne, zu dem Ende gestiftete, Denkmünze Statt. Sie stellt auf der einen Seite den Kopf der Minerva, nach einer griechischen Kamee, vor, auf der anderen einen Eichen-Kranz, und oben in diesem eine Biene. Der Name des Empfängers, die Veranlassung, die Jahrzahl werden in den Kranz gestochen. In jeder einzelnen Disciplin des Unterrichts ist für die beßte Bearbeitung der Aufgaben ein Preis ausgesezt.

Diejenigen Schüler, welche es verdienen, erhalten ein Zeugniß der Reife nach Ablauf des Lehrkurses, oder, wenn sie es verlangen, ein Zeugniß, daß sie die Schule besucht haben, aber ohne jenes Zeugniß entlassen wurden. Schüler, welche das Zeugniß der Reife erhalten haben, können sich in der Werkstatt oder im Laboratorium in praktischen Arbeiten für ihr Fach ausbilden. Bei der Aufnahme in die Werkstatt wird besonders auf Schüler aus den Provinzen Rüksicht genommen, und bei ihrer Beschäftigung dahin gesehen werden, daß die Schüler sich gemeinschaftlich bei der Fertigung von Werkzeugen helfen, von denen sie zu Hause Gebrauch machen können, und deren Anwendung eine Verbesserung des Gewerb-Betriebes ihres Wohnorts herbeiführt.

Höhere, oder erste Klasse. Die Disciplin ist dieselbe, und die Schulform wird auch hier streng beobachtet. Diese Klasse wird vorzugsweise aus den vorzüglichsten Schülern der unteren Klasse des hiesigen Instituts oder der Provinzial-Gewerbschulen gebildet, und wenn diese fehlen, ist Andern, nach vorgängiger strenger Prüfung ihrer Kenntnisse, der Zutritt gestattet, so lange die Zahl der dreißig Schüler nicht überschritten wird.

Gegenstände des Unterrichts sind:

Mathematische Wissenschaften. Im ersten halben Jahre Arithmetik und Algebra, bis zu den Gleichungen des zweiten Grades einschließlich, wöchentlich in sechs Stunden. Geometrie mit Beweisen (Stereometrie), in sechs Stunden; Perspektive ohne Rechnung mit den Vorkenntnissen der Geometrie der zweiten Klasse, verbunden mit dem Zeichnen-Unterrichte. Im zweiten halben Jahre Trigonometrie, in zwei Stunden; Statik und Mechanik, praktische Maschinenlehre ohne Beweise, verbunden mit den dahin einschlagenden Theilen der Technologie, (auf die Gewerbe angewendete Mechanik, Waarenkunde der dadurch erzeugten Fabrikate), in zehn Stunden.

Naturwissenschaften. Im ersten halben Jahre Wiederholung des physikalischen Unterrichts der untern Klasse, als Examinatorium, mit Zusäzen und Erläuterungen; wöchentlich in sechs Stunden.

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Naturgeschichte mit vorzüglicher Berüksichtigung der Produkte, die von Interesse für den Technologen sind, und deren Waarenkunde; wöchentlich in zwei Stunden.

Im zweiten halben Jahre theoretische Chemie. Examinatorium über das in der untern Klasse Gelernte, erweitert durch Zugaben. Anwendung auf Gegenstände unsers Bedürfnisses und der einzelnen Gewerbe; Kostbarkeit der verschiedenen Darstellungsarten, Waarenkunde chemischer Fabrikate, in Verbindung mit Anleitung zu den praktischen Arbeiten in den Laboratorien des Instituts; wöchentlich in sechs Stunden.

Zeichnen. Das Maschinenzeichnen und das Handzeichnen geht hier, mit Rüksicht auf den oben erwähnten Unterricht in der Perspektive, in erweitertem Maße fort. Für das Zeichnen nach Gips, in dieser Klasse, sind Abgüsse von den vorzüglichsten Verzierungen, Kandelabern etc. des Vatikans gefertigt, und werden erwartet; die Logen des Raphael und ähnliche Werke sind theils schwarz, theils illuminirt vorhanden, so wie ein Theil der auf Ew. Excellenz Befehl herausgegebenen „Vorbilder“ sich besonders zum Nachzeichnen für die höhere Klasse eignet. Einzelne werden auch im Aezen geübt werden, in sofern ihr künftiges Gewerbe diese Uebung nöthig macht.

Modelliren. Das Modelliren von Gegenständen in Thon wird sich jedoch lediglich auf Verzierungen erstreken, und ausnahmsweise auf einzelne Schüler.

Die als Preis für diese Klasse ausgeprägte Denkmünze ist von Silber.

An diesen Unterricht reihen sich die Vorlesungen an, welche Herr etc. Hermbstädt und der Chemiker Herr Accum aus London, den Se. Majestät zum Professor am Gewerbinstitute zu ernennen geruht haben, über einzelne Gegenstände der technischen Chemie halten; auch werden brauchbare Schüler bei den Versuchen, welche die technische Deputation macht, zugezogen werden.

Nach meiner Einsicht wird ein Gewerbtreibender so viel lernen, als er braucht, und für denjenigen, der mehr lernen will, bleibt der Besuch der Universität, oder der Bauakademie für die mathematischen Wissenschaften oder einzelne Felder der Technik.

Ew. Excellenz haben durch die Verfügung, daß fähige Subjekte aus dem Gewerbstande, eins aus jedem Regierungs-Bezirke, einberufen werden, und neben dem freien Unterrichte in dem Institute eine Unterstüzung genießen, die zu ihrem Unterhalte ausreicht, dem Gewerbstande ein Mittel zur Vervollkommnung gegeben, das derselbe gewiß dankbar anerkennen wird, wenn es gleich hin und wieder unbenuzt geblieben ist.

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9) Der Verein für Gewerbfleiß hat von Ew. Excellenz die Erlaubniß erhalten, sich in einem Saale des oftgedachten Dienstgebäudes zu versammeln. Es ist diese Begünstigung von demselben um so dankbarer anerkannt worden, als die Mitbenuzung der bereits vom Staate aufgestellten Hülfsmittel ihn in den Stand sezt, seinen Zwek leichter zu erreichen, seine Geldmittel weniger zu versplittern, und diese um so kräftiger auf einzelne Zweige seiner Thätigkeit zu verwenden.

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Wir glauben den Lesern des polyt. Journals durch die Mittheilung dieses umfassenden Berichtes einen wesentlichen Dienst zu erweisen, da die Entwikelung des für andere Staaten nachahmungswerthen Gegenstandes ganz mit unsern Zweken und unserm Streben in der innigsten Verbindung steht. D.

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