Titel: Fortschritte der Industrie in Italien.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. LXXXIII. (S. 484–487)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/ar009083

LXXXIII. Fortschritte der Industrie in Italien.

Bei der am 4. October l. J. zu Mailand gehaltenen Sizung des I. R. Instituto de Scienze, Littere, ed Arti wurden folgende Preise an Techniker vertheilt:

Die goldene Medaille erhielten: Herr Franz Viande aus Wich, im Cant. de Vaud, für Vergrößerung seiner Marroquin-Fabrik, in welcher Marroquins von allen Farben, und auch cochenillrothe, verfertigt werden. – Herr Wilh. Charansonney, aus Paris, für gefärbte und glasirte Häute von allen Farben. – Hr. Hippolyt Richard, aus Lyon, für Einführung der Maschinen à la Jacquard 166), zur Verfertigung von Bändern und geblümten Zeugen. – Hr. Joach. Alberti, aus Mailand, für eine astronomische Pendel-Uhr mit neuer freien Hemmung. – Hr. Peter Borragiola, aus Como, für Einführung und Verbreitung der Seidenzeug-Fabrikation à la Jacquard in Como.

Die silberne Medaille erhielten: Hr. Felix Biffi, von Monza, für Lilas und andere auf neue Art auf Baumwolle haltbar gemachte Farben. – Hr. Jos. Muller, aus Marseille, für Erzeugung von Pappendekel von ungewöhnlicher Größe ohne Walke. – Hr. Felix Bosis, aus Treviso, für Neze und andere Verbesserungen an Perrüken und Loken von Seide. – Hr. Paul Uboldi, zu Mailand, für Ringe nach französischer Art auf einem neuen Stuhle. – Hr. Jos. Maria Bertini, aus Pavia, für eine neue Maschine zum Schöpfen des Wassers aus Sümpfen. – Hr. Fried. Reichmann, aus Wirtemberg, für Einführung und Errichtung einer Sparküche im Großen. – Hr. Ludw. de Cristofori, in Mailand, für eine neue Methode geistige, in Flaschen eingeschlossene, Flüßigkeiten zu prüfen. – Hr. Joh. Baptist |485| Guyon, aus Lyon, für eine Pendel-Uhr die halbe Secunden schlägt, mit Correction. – Hr. Ludw. de' Conti, aus Mailand, für Karten aus Metall und eine goldene Drukerfarbe auf gefirnißtes Papier. – Hr. Jos. Maderna, aus Mailand, Priester, für Färbung des Flachses, Hanfes und der Baumwolle mittelst einer gemeinen inländischen Pflanze. – Hr. Philiph Durbach, k. k. Beamter an der Mailänder Tabak-Fabrik, für einen Goldfirniß auf Messing und Bronze. – Hr. Phil. Giussani, in Mailand, Firmaträger der fratelli Giussani, für Kupfer-Drahtzüge. – Hr. Jos. Martini, aus Mailand, für erhabene Goldstikerei. – Herr Franz Fornara, aus Mailand, für eine wohlfeile und der Gesundheit unschädliche Methode Auripigment zu verfertigen. – Hr. Joh. Merlini, Ingenieur zu Monza, für eine neue Feuerleiter. – Frau Ludov. Volpe, geb. Remondini, aus Mailand, für ein gestriktes Gemählde, den Kopf des heil. Joh. Baptist nach Domenichino darstellend, auf beiden Seiten recht, mit doppeltem gestikten Rahmen. – Hr. Jos. Vismar, aus Mailand, Prof. der Physik am Lyceum zu Cremona, für lobenswerthe Versuche in Bereitung des Cäment-Stahles. – Hr. Dav. Weber, Swayer's Erbe in Venedig, für Verfertigung eines Lakes aus Cochenille, der starken Reagentien wiedersieht. – Hr. Karl Fayolle, aus Romans im Dauphins Firmaträger von Borde u. Comp. aus Mailand, für einen verbesserten Seidenzeug-Stuhl mit feststehenden Ringen. – Hr. Joh. Bapt. Rasario, aus Valduggia, in Mailand, für verschiedene plattirte Blecharbeiten und Errichtung einer neuen Leuchte. – Hr. Franz Taccani, aus Mailand, für ein dreifaches Perspektiv-Lineal und eine neue Rastrir-Maschine. – Herr Stephan Dufours, aus Revers, für das Modell einer Dampf-Maschine zum Tabakmachen in Venedig. – Hr. Dom. Barigozzi, aus Villafranca im Veronesischen, für ein neues Verfahren, falsch tönenden Gloken wieder ihren ursprünglichen reinen Klang zu verschaffen. (Man hat für ihn, wie bei den beiden folgenden, auf die goldene Medaille angetragen.)167) Hr. Cant. Rosina, aus Trecate, für Thongeschirre und Schmelztiegel. – Die Firma Jan. Pizzagalli und Karl de' Gaspari, in Mailand, für ihre Sammlung von Obstsorten in Wachs-Abgüssen. – Hr. Pet. Laforge, aus Lyon, für einen Bindzeug von Veterinär-Instrumenten. – Die Gebrüder |486| Andreoli di Giovanni, aus Tuscolano, für Papier von jeder beliebigen Größe. (Man hat auf die goldene Medaille angetragen.) – Hr. Andr. Vernay, aus St. Etienne, für Vergrößerung seiner Seidenzeug-Fabrik á la Jacquard, und andere Verbesserungen. – Hr. Bern. Bellini, Professor d. schönen Wissenschaften, und Hyac. Zambruni, Assistent am Physik. Kabinette zu Cremona, für eine neue ökonomische Stereotyp-Methode. (Man hat auf die goldene Medaille angetragen.) – Herr Ignaz Cattarossi, aus Udine, für eine Maschine Röhren in Steine zu bohren. – Hr. Johann Callinetti, aus Valsesia, für eine Dresch-Maschine, welche mit einer Flachs-Breche verbunden ist. – Hr. Jak. Fioroni, aus Mailand, für neue Vorrichtungen an elastischen Binden. – Hr. Jos. Ronchetti und Söhne aus Menaggio, für Errichtung einer neuen Fabrik von Stahl, Blattern zum Weben von Seiden- und Baumwollen-Zeugen. – Hr. Ambros Seregni, aus Mailand, für Anwendung eines neuen Seidenstoffes zur Fabrikation der Hüte. – Hr. Jos. Lazzaretti, genannt Lazzarini di Bassano, für Abdrüke, welche Oelgemählde darstellen. – Hr. Ant. Torri, aus Mailand, für Pendel-Uhren mit voller Repetition. – Hr. Hyac. Negrato, aus Treviso, für ein Nivellir-Instrument mit Perspectiv in horizontaler Bewegung zur Bestimmung der Seitenwinkel.

Ehrenvolle Erwähnung verdienten: Herr Joseph Sacco, aus Cinisello, für eine Flachsverfeinerungs-Maschine. – Hr. Mich. Daserio, für eine versuchte Verbesserung der Sense. – Hr. Graf Dominic Gambogi, aus Lucca, für verfeinertes Zinn. – Frau Joh. Bonomi, für drei gestikte Gemählde. – Hr. Ludw. Savaré, von S. Angelo im Lodigiano, für eine neue sichere und leichte Methode, musikalische Noten zu schreiben und zu lesen. – Hr. Ludw. Ripamonti, aus Mailand, für eingelegte und andere Arbeit aus inländischem polirten Eschenholze. – Herr Cajet. Melada, auf eine Vorrichtung, das siedende Wasser aus den Braukesseln zu heben. – Hr. Fz. Cattaneo, Canonicus aus Edolo, für Versuche mit einem Kupfererze aus Cortenedolo, – Hr. Angelo Belluschi, aus Monza, für verbesserte Drukerschwärze. – Hr. Jak. Rivolta, aus Oleggio, für eine Violine und eine Viola von neuem Baue in Form eines Stradivario. – Frau Rosa Stroppa Pesatori, aus Lodi, für drei gestikte Bilder. – Hr. Joh. Prina, zu Mailand, für eine Lampe und eine Kaffee-Maschine. – Hr. Fz. de Valmaggini, aus Mailand, für einen Pantographen von neuer Einrichtung für Zeichner. – Hr. Sigmund |487| Brandolin, aus Venedig, zu Treviso, für schöne Seiden-Muster aus seiner im valle di Marino-Bezirk von Serravalle, errichteten Seidenspinnerei. – Hr. Ludw. Cattaneo, aus Mailand, für einen Wagen nach neuer Bauart, um Ziehkraft zu ersparen. – Hr. Joh. Mascheroni, ans Mailand, für eingelegte Arbeit mit verschieden gefärbtem leime. – Hr. Bened. Bergonzi, aus Cremona, für Anwendung von Klappen am Waldhorns. (Man hat ihm einen höheren Preis zugedacht.) Hr. Jos. Solera, Arzt und Wundarzt zu Mantua, und Hr. Hippolyt Ruberti, auch aus Mantua, für chirurgische Instrumente, die elfterer erfand, lezterer verfertigte. – Hr. Joh. Grossoni, aus Mailand, für Muster von Marroquin- und marmorirtem Papier. – Hr. Eugen Locatelli, aus Mailand, für Stiefel mit Rahmnaht auf deutsche Art etc. – Hr. Jul. Vaghi, aus Cusano, für eine Maschine zum Brechen des Flachses und Hanfes nach der Röstung. – Hr. Steph. Minesso, aus Venedig, für Pappendekel aus der Fabrik Galvani zu Pordenone, die er cylindrirte und firnißte. – Hr. Archangelo Moltmi, aus Mailand, für erhabene Gold-Stikerei. – Hr. Jos. und Joh. Bertini, Vater und Sohn aus Mailand, für ökonomische Probir-Oefen aus inländischem Thone. – Hr. Joh. Beptini aus Mailand, für Email-Gemählde und Email-Kalligraphie. – Hr. Paul Barbieri, aus Mantua, für ein Herbarium. – Hr. Joh. Catlinetti, aus Valsesia, für eine verbesserte Schnellwage. – Hr. Paul Moschini, aus Cremona, für eingelegte Arbeit aus poliertem und wie Schildkröte lakirtem Ulmenholze. (Vergl. Giornale di Fisica etc. Dec. II. V. 6. Bimestre. 1822. S. 388.)

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Möchte es doch unserer Regierung oder einem wohlhabenden Vaterlands-Freunde gefallen, diese Jacquard'sche Webemaschinerie, von der uns Hr. Prof. Bernoulli im 7. B. S. 52. des polytechn. Journals eine Beschreibung gab, in Baiern einzuführen. D.

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Se. Heiligkeit hat Hrn. Barigozzi für diese wichtige Erfindung den Oxiden des goldenen Spornes verliehen.

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