Titel: Ueber französischen Firniß oder über die französische Politur. Von Hrn. Thom. Gill.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XI./Miszelle 2 (S. 120–121)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009011_2
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Ueber französischen14) Firniß oder über die französische Politur. Von Hrn. Thom. Gill.

Die schöne Kunst der Politur wird bei uns (in England) erst seit wenigen Jahren auf die Meubeln angewendet, obschon sie auf andere Zweige der Manufacturen, wie z.B. auf musikalische Instrumente, seit undenklichen Zeiten immer benüzt wurde.

Der Verfasser war nicht wenig erstaunt, als er vor vielen Jahren einen Geigenbogen-Macher, der seinen Bogen firnißte, ehe derselbe den Firniß auftrug, einen Leinen-Lappen vorher in Baum-Oel, statt in Weingeist Firniß tauchen sah; und noch mehr erstaunte er, als er die schöne Politur sah, welche er dem Bogen durch bloßes Reiben mit Oel und dem darauf angebrachten Firniß geben sah.

Der erste Aufsaz über diese nüzliche Kunst, der bei uns dem Publikum mitgetheilt wurde, befindet sich in dem Repertory of Arts im Julius Hefte 1815, unter der Aufschrift: Deutsche Methode, dem Holze Politur zu geben; von Hrn. Marcel de Serres. Er ist eine Uebersezung aus den Annales des Ars et Manufactures. Allem, entweder ist die Uebersezung fehlerhaft oder das Original selbst mangelhaft; denn es kommen eine Menge von Unrichtigkeiten in diesem Aufsaze sowohl in Hinsicht auf das Auftragen des Firnisses, als in Hinsicht der Temperatur vor, unter welcher das Shell-Lak im Alkohol aufgelöst werden soll. Es heißt, diese Auflösung soll bei 50° Fahrenh. oder unter der gewöhnlichen Temperatur der Atmosphäre geschehen, wo offenbar eine Verwechslung der Fahrenheitschen-Scala mit der Rèaumur'schen Statt hat; denn es muß offenbar 50° Rèaumur, oder ungefähr 124° Fahrenh. heißen.15)) Es heißt ferner: der Firniß soll mit Oel im Verhältniße von 2 Theilen Firniß auf einen Theil Oel gemengt und mittelst eines Läppchens von feiner Leinwand aufgetragen werden.

Diese Unrichtigkeiten machten, daß dieser Aufsaz für unser Land ohne allen Nuzen bleiben mußte, und erst im Jahr 1818 hat der Verfasser die wahre Methode, den Firniß anzuwenden, in zwei Aufsäzen in Thomson's Annals of Philosophy bekannt gemacht.

Zu dieser Zeit wurde dieser Firniß von dem seel. Hrn. Georg Bullock (wahrscheinlich mit Beihülfe französischer Arbeiter) bei seinen kostbaren Galanterie-Tischler-Arbeiten angewendet, und fing dann an, sich allmählich auch unter anderen Künstlern zu verbreiten, und wurde, sobald das Verfahren mit demselben bekannt ward, unter den Gallanterie-Tischlern, Büchsenmachern, der Hauptstadt, so wie er es verdiente, allgemein.

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Es wird aus dieser Abhandlung erhellen, daß es eigentlich deutschen Firniß heißen sollte. A. d. Ueb.

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Hier scheint ein Drukfehler zu seyn: denn 50° Rèaum. sind 145 Fahrenh. A. d. Ueb.

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