Titel: Leim-Abdrüke von Gemmen statt Siegel von Siegellak oder Oblaten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XI./Miszelle 23 (S. 128–129)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009011_23
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Leim-Abdrüke von Gemmen statt Siegel von Siegellak oder Oblaten.

Matt bedient sich dieses höchst zierlichen Surrogates für Siegel jezt häufig, und nimmt dazu Abdrüke von Gemmen, Siegeln, oder Tassie's Abdrüken auf folgende Weise: Man bereitet eine Auflösung von Salisbury Leim (dem beßten englischen, beinahe farblosen, Leime) in Wasser, welches man vorher mit Bresil- oder Campeche-Holz oder mit Curcuma roth, purpurfarben oder gelb gefärbt hat, und befeuchtet die Höhlungen der Gemme mit etwas schwachem Gummi-Wasser, das man mit einem Weißen oder gefärbten undurchsichtigen Pulver gemengt hat, oder mit Gummi-Wasser allem, streut das gefärbte Pulver darauf, wischt aber alles Pulver von den flachen Theilen weg, so daß es nur in den Höhlungen liegen bleibt. Man gießt dann so viel von dem aufgelösten Leime auf die Gemme, als darauf liegen bleiben kann, und läßt den Leim bei gelinder Wärme troknen, wo er so dünn wie ein Blatt Papier werden wird: er geht leicht von der Gemme ab, zumal wenn man einen guten Abguß davon hat. Um nun eine Schrift oder einen Brief damit zu siegeln, befeuchtet man das Papier an der Stelle, wo diese Leim-Oblate, (wenn man sie so nennen darf) darauf kommen soll, und legt die Leim-Oblate auf den befeuchteten Theil, wo sie von selbst bald ankleben, und ein sehr elegantes Siegel bilden wird. Dieß ist übrigens nur ein Wieder-Aufleben einer alten wohlbekannten Methode, deren man sich einst bediente, um Abdrüke von Münzen, Medaillen etc. zu erhalten, in dem man Hausenblase in Weingeist auflöste, abseihte, und über eine Medaille goß19). Die Hausenblase zieht sich bei dem Troknen zusammen, und geht leicht von der Oberfläche der Medaille ab: man kann, wo man sie nicht in ihrem durchsichtigen Zustande lassen will, sie anhauchen, und dann mit einem Gold- oder Silberblättchen überziehen, wo sie hierauf aussehen wirb, wie Metall.

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Auf diese Art werden in Deutschland die sogenannten Hornbilder, wozu man sich des Pergament Leims bedient, bereitet. D. 9 (a)

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