Titel: Ueber die Bereitung der Firniße.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XI./Miszelle 3 (S. 121–122)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009011_3

Ueber die Bereitung der Firniße.

Hr. Marcel de Serres verlangt, daß der Firniß aus dem reinsten durchscheinenden Shell-Lak bereitet werde, den man in noch einmal so viel wohl rectificirtem Weingeiste in einer mit einer Vorlage versehenen Retorte unter einer Temperatur von 120° Fahrenh.16) auflöst: die Mischung wird alle 3 Stunden geschüttelt, bis sie dick genug zum Gebrauche ist. Durch zugesezten Alkohol kann sie wieder verdünnt werden, so wie man sie durch neu angesezten Shell-Lack wieder verdiken kann. Dieser Firniß |122| enthält weder Terpentin, noch irgend einen anderen Körper, durch welchen er zum Abspringen geneigt werden könnte.

Hr. Marcel de Serres sagt ferner, daß, wenn das Holz eine lichte Farbe behalten soll, Copal-Gummi statt des Shell-Lakes genommen, und etwas Kampfer oder Aether beigesezt werden soll, und daß, einige Firniß-Fabrikanten zu Wien den Copal-Gummi dadurch auflösen, daß sie denselben der Einwirkung der Alkohol-Dämpfe aussehen, und zuweilen auch mit irgend einer beliebigen Farbe färben, daß, wenn der Firniß auf große, weit ausgebreitete, Oberflächen aufgetragen werden soll, derselbe verdünnt werden muß; daß, wenn derselbe auf Holz aufgetragen wird, er sich mit dem Korne desselben so innig verbindet, daß Sprünge beinahe unmöglich werden; und daß selbst dann, wenn er von einem scharfen Instrumente gerizt wird, wenn dasselbe nicht tief eingegriffen hat, die Politur durch bloßes festes Reiben mit feiner Leinwand wieder hergestellt werden kann; Vortheile, welche die klebrigen Firnisse nie besizen, in dem sie nie so tief in die Substanz des Holzes eingreifen, und jeder Riz dieselben so wegnimmt, daß kein Reiben die Politur mehr herzustellen vermag.

Gin anderer Firniß, der zwar vorzüglich aus Shell-Lak besteht, durch Beimischung anderer Substanzen aber lichter gefärbet ist, besteht aus:

Drei Theilen Shell-Lak, einem Theile Sandarach,
einem Theile Mastix-Gummi, vierzig Theilen Alkohol.

Das Mastix-Gummi und der Sandarach müßen zuerst im Alkohole aufgelöst, und dann erst darf das Shell-Lak zugesezt werden, und zwar entweder in einer leicht verstopften Flasche, die man in ein Gefäß mit Wasser sezt, welches etwas unter den Siedepunkt des Alkohols so lang erhizt wird, bis die Auflösung erfolgt, oder in einer Florentiner-Oel-Flasche, deren Hals zum Theile mit einem Korke verschlossen ist, der mit einem schmalen Langen-Einschnitte versehen ist, und die dann über einer Weingeist-Lampe gehizt wird.

Der Alkohol, welcher während des Auflösens entweicht,(was jedoch, wie wir oben bemerkten, vermieden werden kann, wenn die Auflösung in einer Retorte mit Vorlage geschieht) muß, nach dieser Operation, in gleicher Menge wieder zugesezt werden; und es ist sehr zu wünschen, daß der Firniß, wenn er die gehörige Wirkung hervorbringen soll, genau in den angegebenen Verhältnissen fortbesteht. Diese Auflösung kann, wenn einige Unreinigkeiten zurükbleiben sollten, von denselben abgegossen werden; sie darf aber nicht filtrirt werden, in dem dadurch das Lak einige seiner brauchbarsten Bestandtheile verlieren würde.

Ein anderer gefärbter Firniß durch welchen die Farbe der damit übergezogenen Geräthe z.B. Ladstöke etc., dunkler werden soll, wird auf folgende Weise bereitet:

Man nehme Benzoe-Gummi, eine Unze; Shell-Lak, zwei Unzen, und löse beide in einer Pinte Alkohol auf die oben angegebene Weise auf.

Einige Büchsenmacher sezen noch Drachenblut dem Shell-Lake in gleicher Absicht zu.

Wo eine größere Härte des Firnißes die Hauptsache, die Farbe aber nur Nebensache ist, kann man sich seinen Firniß aus einem Theile Shell-Lak, und aus Acht Theilen Alkohol bereiten.

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Dieß wäre nun ungefähr 42° Reaumur. A. d. Ueb.

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