Titel: Ueber das Pfropfen der gefüllten Georginen oder Dahlien auf die Knollen der einfachen. Von Hrn. Thomas Blake, Gärtner bei James Vere, Esqu. F. H. S. zu Kensington Yore.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XI./Miszelle 47 (S. 137–138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009011_47

Ueber das Pfropfen der gefüllten Georginen oder Dahlien auf die Knollen der einfachen. Von Hrn. Thomas Blake, Gärtner bei James Vere, Esqu. F. H. S. zu Kensington Yore.

Mein Verfahren, gefüllte Georginen oder Dahlien auf den Wurzeln oder Knollen der einfachen fortzupflanzen, (auf welches mich die Roth brachte, da ich keine gefüllten zu kaufen bekommen konnte) besteht in Folgendem:

So frühe, als es die Jahreszeit nur immer erlaubt, verschaffe ich mir einen starken kurzgegliederten Schößling mit zwei oder mehreren Gliedern oder Knospen einer gefüllten Georgine, und propfe denselben auf einen guten Knollen einer einfachen, welcher jedoch keine Augen haben darf. Ich schneide in dieser Hinsicht mit einem sehr scharfen Messer (denn ein stumpfes würde das Fleisch des Knollens quetschen und zerreißen und so einer vollkommenen Anheftung desselben hinderlich seyn) ein Schnittchen von dem oberen Theile der Wurzel weg, und bilde, auf dem Boden des so geschnittenen Theiles, ein hervorstehendes Lager, auf welchen das Pfropf-Schößchen zu ruhen kommt. Dieß wird darum nöthig, weil man hier das Pfrof-Schößchen nicht so, wie ein holziges Pfropfreis, zungenförmig zuschneiden kann, das Lager aber das Pfropf-Schoßchen, während man dasselbe bindet, festhalten hilft; man schneidet hierauf das Pfropf-Schößchen schief und verloren, damit es paßt, und so zu, daß eine Knospe desselben unten zu stehen und auf dem oberwähnten Lager zu ruhen kommt. Man kann zwar auch ohne Lager eine Verbindung zwischen dem Knollen und dem Pfropf-Schößchen zu Stande bringen, vorausgesezt, daß lezteres auf ersterem gehörig befestigt werden kann: allem diese Arbeit sieht nicht so nett aus. Es ist vortheilhaft, jedoch nicht durchaus nothwendig, |138| daß eine Knospe am Ende des Pfropf-Schößchens zu stehen kommt, in dem dieses Schößchen zuweilen aus der unteren Knospe Wurzeln treibt: die obere Knospe bildet den Stamm. Ich suche daher aus den Schößchen solche Schnittlinge zu bekommen, an welchen die zwei unteren Knospen so nahe als möglich an einander liegen. Nachdem das Pfropf-Schößchen angebunden wurde, muß man etwas feine Thonerde, so wie es bei dem gewöhnlichen Pfropfen geschieht, um dasselbe legen, und die Wurzel in einem mit guter feiner Erde gefüllten Topfe so einsezen, daß das Pfropf-Schößchen zur Hälfte unter der Erde zu stehen kommt: der Topf selbst wird etwas warm gestellt, z.B. vorne an ein Gurken- oder Melonen-Bett, wenn man ein solches gerade im Gange hat: ich stelle den Topf lieber vorne an, weil man daselbst leichter Schatten geben und begießen kann, was nothwendig ist. Man. kann, wie man will, einen Glassturz darüber sezen oder nicht. Nach ungefähr 3 Wochen muß die Wurzel in einen größeren Topf versezt werden, wenn es allenfalls noch zu frühe wäre, dieselbe alsogleich in den Grund zu verpflanzen, was meistens der Fall seyn wird: denn, wenn man im März pfropft, so wird man die Pflanze erst bis Ende Mays in den Grund sezen können; es wird also das Versezen der Pflanze in einem anderen Topf höchst nöthig werden, um ihr Wachsthum bis zur gehörigen Verpflanzung-Zeit in den Grund soviel möglich zu fördern.

Die Exemplare, die ich der Gesellschaft zur Ansicht übersandte, werden zeigen, wie vollkommen die neue Pflanze gebildet, und mit der alten Wurzel vereint ist; man wird bemerken, daß die Augen, aus welchen die Schößchen für das nächste Jahr kommen sollen, nur an dem dem Pfropf-Schößchen zunächst gelegenen Theile sich befinden, während der alte Knollen nur übrig bleibt, um den jungen Pflanzen durch die Wurzeln, welche aus seinem unteren Theile entstehen, Nahrung zu schenken21). (Aus dem IV. Bd. der Londoner Horticultural Society Transactions. In Gill's technical Repository. April 1822. S. 254).

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Das Pfropfen in die Wurzel, nicht nur bei Bäumen, bei welchen, wie es uns dünkt, dasselbe nur zu sehr vernachläßigt wird, sondern auch bei krautartigen Gewächsen ist nicht neu; wenigstens wurde es an dem über der Erde stehenden Wurzelstoke in Deutschland schon vor gar vielen Jahren an den sogenannten Kohlrabis prakticirt, und dadurch Stüke von mehreren Pfunden, freilich nur aus langer Weile des Gärtners, erzeugt. Hr. Blake verdient indessen allen Dank, daß er eine alte Erfahrung, (die vielleicht für seine Individualität Erfindung seyn kann) wieder in das Leben rief, und den Gartenfreunden einen sicheren und angenehmen Weg zeigte, wie sie Seltenheiten vermehren können. Denn es ist nicht zu zweifeln, daß bei den meisten, wo nicht bei allen übrigen Knollengewächsen eben das gelten wird, was bei den Knollen der Georginen gilt; und vielleicht gilt es auch bei vielen bloß ausdauernden Wurzeln, vielleicht sogar bei jährigen. A. d. Ueb.

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