Titel: Amerikanische Eis-Keller.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XI./Miszelle 48 (S. 138–139)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009011_48

Amerikanische Eis-Keller.

In den vereinigten Staaten von Amerika hat beinahe jede Familie ihren Eis-Keller, um Milch, Butter, Fleisch etc. während des Sommers immer frisch zu erhalten22). Diese Eis-Keller sind auf folgende Weise |139| gebaut. Man nimmt zwei große hölzerne Verschlage, wovon der eine kleinere so in den größeren paßt, daß am Boden sowohl als an den Seiten ein Raum von ungefähr zwei Zoll übrig bleibt. Dieser Raum wird mit grob gestoßenen Holzkohlen ausgefüllt, so daß noch einiger Zwischenraum zwischen den Kohlen übrig bleibt. Ein ähnlicher doppelter mit Kohlen ausgefüllter Dekel schließt diese Verschlage, welche demnach von allen Seiten mit einem der schlechtesten Wärmeleiter, mit Kohle umgeben sind. Diese Verschlage sind innenwendig mit Stellen versehen, um die Gefäße darauf stellen zu können, und durch die beiden Böden läuft eine Röhre, um das Wasser ablaufen zu lassen, welches aus dem geschmolzenen Eise entsteht. Diese Verschlage werden am Boden mit Eis gefüllt, das man von den Eishändlern um höchst billige Preise kauft, und nur etwas in die Erde eingesenkt, oben aber mit doppelten Brettern und zwischen dieselben gelegtem Strohe gedekt und mit einem Strohdache versehen. Hr. Silliman räth diese Strohdächer noch mit einem weiß angestrichenen Brette zu deken, welches die Lichtstrahlen zurükwirft, und spricht aus Erfahrung von her Vortrefflichkeit dieser Eiskeller. (Vergl. Silliman's American Journal of Science et Arts IV. Bd. S. 177. u. Gill's technic. Repos. Julius 1822. S. 61.)

|138|

In Deutschland, und namentlich in Baiern, gibt es viele Städte, von 6–7000 Einwohnern, wo nicht einmal die Apotheker zu Arzenei-Mitteln, viel weniger die Inhaber von Kaffeehäusern oder die Mezger zur Aufbewahrung des Fleisches Eiskeller besizen, und |139| wo man oft wochenlang nur stinkendes Fleisch für theures Geld bekommt; ein Unfug der bei der Aufhebung der ehemaligen Polizei und Uebertragung derselben an Magistrats-Räthe, die theils mit den Mezgern verwandt, theils an dieselben verschuldet sind, täglich, ärger und der Gesundheit der Einwohner gefährlicher wird. Gleiche Nachtheile hat die Aufhebung der sonst so wohlthätigen Polizei auf Gewerbs-Conceßionen und andere bürgerliche Verhältnisse. A. d. Ueb.

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