Titel: Bericht der Ausschuß-Kommission des Hauses der Gemeinen über Dampfböthe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XI./Miszelle 50 (S. 139–140)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009011_50

Bericht der Ausschuß-Kommission des Hauses der Gemeinen über Dampfböthe.

Dieser äußerst merkwürdige, auf Befehl der Regierung gedrukte, Bericht enthält nicht bloß eine urkundliche Geschichte der Dampfböthe vom Jahr 1736 an, so Hull das erste Patent auf Dampfböthe nahm, um Schiffe mittelst derselben in und aus dem Hafen zu bugsieren, bei welchen er sich der sogenannten atmosphärischen Maschine des Newcomen bediente, und von den Versuchen des Herzogs von Bridgewater und Miller's zu Dalwinston an, welcher zwei Schiffe verband, und das Rad in der Mitte spielen ließ, und erwähnt des ersten im Jahr 1781 zu Lyon gebauten 140 Fuß langen Dampfbothes des Marquis de Gouffroy, das auf der Saone ging, des im Jahr 1791 erbauten Dampfbothes des Lord Stanhope, und des im Jahr 1801 zur Beschiffung des Clyde und Forth erbauten Dampfbothes des Hrn. Symington, sondern erzählt, wie Heinr. Bell zu Glasgow dem Hrn. Fulton im Jahr 1807 das erste Modell eines Dampfbothes nach heutiger Art gab, mit demselben nach America ging, und lezterer mit den Maschinen der HHn. Boulton und Watt seine ersten Dampf-Fahrten auf dem Hudson's Flusse machte, und wie, auf eine beinahe unglaubliche Weise, die Zahl der Dampf-Schiffe |140| sich in America so schnell vermehrte, daß es jezt derselben bereits an 300 zählt, die im stäten Gange sind, während in England, wo Bell bei seiner Wiederkehr nach Glasgow im Jahr 1811 das erste Dampfboth, (the Comet von 25 Tonnen für den Clyde mit einer Kraft von 4 Pferden baute) die Dampf-Schifffarth sich nur sehr langsam verbreitete, und erst 7 Jahre später, nämlich im Jahr 1818 der Rob. Roy, (ein Dampfboth von 90 Tonnen und einer Kraft von 30 Pferden von HHn. Denny und Napier in Glasgow erbaut) das erste Both war, welches regelmäßige Fahrten zwischen Greenock und Belfast machte, und den Engländern bewies, daß die Dampfböthe auch die See halten können. Ein Anhang enthält die Liste der gegenwärtig in England im Dienste befindlichen Dampfböthe, deren Zahl aber in dem vor uns liegenden Auszuge nicht angegeben ist. Aus den hier theilweise mitgetheilten Aussagen der Capitäne über die Dampfböthe ergibt sich nicht bloß die Vortrefflichkeit und Sicherheit dieser Art von Schiffen vor allen anderen, die sich vorzüglich in dem lezten stürmischen Winter erprobte, der bei Mann's Gedenken der schlimmste für die Seefahrer war, sondern auch der hohe Antheil, den die Regierung an der Förderung der Dampfböthe nimmt, welchen sie jezt einstweilen das ganze Wasser-Postwesen übertragen zu wollen scheint. Wenn uns nicht unsere alte Lehrerinn, die Geschichte, sehr trügt, so wird es mit den Dampfböthen, wie mit den Kartoffeln, ergehen, sie werden nach 150 bis 200 Jahren auch auf dem festen Lande allgemein werden. (Aus dem Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. N. CCXLIV. September 1822. S. 220.)

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