Titel: Wie der Firniß aufgetragen werden muß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XI./Miszelle 6 (S. 123–124)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009011_6

Wie der Firniß aufgetragen werden muß.

Der, in ein enghalsiges Fläschchen gegossene Firniß, wird mitten auf den stachen Reiber ausgegossen, in dem man lezteren auf die Mündung des Fläschens legt, und dieses schnell umstürzt, wodurch der Reiber gerade eine hinlängliche Menge von Firniß einsaugen wird, um eine bedeutende Flache damit zu überziehen. Dieser Reiber muß dann in einen doppelten feinen Leinwandlappen eingehüllt, und was von diesem übrig bleibt, hinten auf dem Rüken desselben zusammengelegt werden, so daß es einen Zapfen bildet, bei welchem man den Reiber halten kann: die Flache des Leinwand-Lappens muß mittelst des Fingers in der Mitte mit etwas frischem Lein-Oel befeuchtet werden, welches entweder mit Alkanna-Wurzel gefärbt seyn kann, oder nicht. Das zu überfirnissende Geräthe muß dem Lichte gegenüber gestellt werden, damit man die Wirkung des Firnisses leichter beurtheilen kann: eine Flache von einem bis zu acht Quadrat-Fuß kann auf einmal überfirnißt werden.

Der Reiber muß schnell und leicht auf der Oberfläche des zu überfirnissenden Geräthes hin- und her gerieben, und das Reiben so langfortgesezt werden, bis der Firniß beinahe troken ist: dann muß der Wollen-Wikel neuerdings mit Firniß befeuchtet, es darf aber kein Oel mehr auf den Leinwand-Lappen angebracht, und das Reiben muß wieder so lang fortgesezt werden, bis der Firniß wieder beinahe so troken wird, wie zuvor. Hierauf muß eine dritte Lage von Firniß auf dieselbe aufgetragen werden; dann wieder eine mit etwas Oel, und dann wieder zwei andere, wie vorher, ohne Oel: und so fährt man fort, bis der Firniß eine gewiße Dike erreicht hat, was nach einigen Wiederhohlungen dieses Verfahrens der Fall seyn wird. Dann kann man etwas Alkohol innenwendig auf dem Leinwand-Lappen anbringen, ehe man den Wollen-Wikel mit Firniß befeuchtet, und dann schnell, leicht und gleichförmig über die ganze überfirnißte Oberfläche hinreiben, wodurch sie vollkommen stach und ihr Glanz sehr erhöht wird. Der Leinwand-Lappen muß hierauf mit etwas Oel und Alkohol, ohne Firniß, befeuchtet, und die überfirnißte Fläche unter den so eben bemerkten Vorsichts-Maßregeln so lang gerieben werden, bis sie beinahe troken ist, wo man sodann auch die Wirkung dieser Operation sehen wird. Fände man dieselbe noch unvollendet, so muß diese Operation fortgesezt, und der Alkohol, so wie oben bemerkt |124| wurde, so oft die Reihe an ihm kommt, angewendet werden, bis endlich die ganze Oberfläche gleichförmig und schon polirt ist.

Es wird vielleicht manchem unserer Leser scheinen, daß obiges Wer fahren langweilig, und mit unnöthiger Kleinlichkeit zu weitläufig beschrie den ist: man wird indessen, wo man es versucht, finden, daß dieß nicht der Fall ist, zumal wenn man andere Methoden zu firnissen damit vergleicht. Man erhält hier dieselbe Wirkung, ohne daß es nöthig wäre, jene Hize anzuwenden, die man bei Weingeist-Firnissen, wo diese auf die gewöhnliche Weise aufgetragen werden, anwenden muß; die Politur ist vollkommen, ohne daß es der Mühe bedürfte, nach und nach mit dem Pinsel Lagen von Oel-Firniß aufzutragen, der immer, von einer Lage bis zur anderen, Zeit zum Troknen fodert, bis er so die wird, daß man mit dem Bimssteine und Wasser eben abreiben, und dann mit Trippel vollkommen poliren kann.

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