Titel: [ohne Titel]
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XXXIV./Miszelle 1 (S. 255–256)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009034_1

W. Hedges über blaue Hortensien, und über die Kultur der Hortensien (Hydrangea hortensis) überhaupt.

Herr W. Hedges J. R. S. überzeugte sich durch Reihen von Versuchen: 1) daß die blau blühende Hortensie keine Spielart der rothblühenden ist, sondern daß eine und dieselbe Pflanze ein Jahr roth, das andere Jahr blau blüht, je nachdem sie in verschiedenen Boden gesezt wird; 2) daß weder Salz noch Salpeter in geringer Menge mit der Erde gemischt, wie man behauptete, die Hortensien blau blühen macht; 3) daß nicht jeder Moorgrund die Hortensien, wie man angab, blau färbt, obschon dieß mit dem Moorgrunde in der Nahe von London der Fall ist; 4) daß Hortensien, in reinen bleichgelben Lehmgrund verpflanzt, blau blühen, und wieder roth blühen, so bald man sie aus demselben in gute Erde versezt; 5) daß nicht das in diesem Thone enthaltene Eisen die Ursache dieser Erscheinung ist, und daß ihm wenigstens die so oft empfohlene Eisenfeile, als Zusaz zu der Erde, in welcher die Hortensien stehen, bei allen seinen vielen damit angestellten Versuchen nie blaue Blumen geben wollte. Warum übrigens dieser gelbe Lehmgrund sie Hortensien blau blühen macht, dieß gesteht er aufrichtig, nicht zu wissen.

Um steten Nachwuchs zu haben, schneidet er jedes Jahr einige junge Schößlinge mit drei bis vier Knoten so ab, daß ein Knoten hart am unteren Ende des Schößlinges sizen bleibt. Diese Schnittlinge stekt er in reiche fruchtbare Erde, stellt sie in ein warmes Beet, und bedekt sie mit einem Glassturze, beschattet sie des Mittags, und besprizt sie wöchentlich zwei- bis dreimal des Abends aus einem feinlöcherigen Gießkolben, damit sie feucht bleiben. Das Sturzglas bleibt immer auf denselben. Man kann übrigens im Juli sie auch durch Ableger, wie die Nelken, vermehren. Die Schnittlinge und die Ableger werden bis Ende Augusts eingewurzelt seyn, wo sie dann, oder spätestens in den ersten Tagen des Septembers, einzeln in kleine Töpfe versezt, und unter genau geschlossenen Fenstern gehalten werden mäßen. Wenn man ihnen zu dieser Zeit noch mit einer gelinden Düngerwärme nachhelfen kann, so ist es um so viel besser. Unter dem Fenster müßen sie beschattet, und wie vorher begossen werden. Um die Mitte oder Ende Oktobers kommen sie in die Orangerie oder an einen anderen Ort, wo sie gegen Frost und Nässe geschüzt sind, und während des Winters alle 8 bis 14 Tage begossen werden. Ende Mais oder Anfangs Junius sezt man sie in guten reichen Boden in den Garten, und läßt sie dort bis September, wo sie wieder herausgenommen und in Töpfe |256| kommen, und während des Winters vor Feuchtigkeit und Frost bewahrt werden müßen. Man kann sie auch, statt sie im Frühling zu versezen, in Töpfen lassen; sie müßen aber dann zweimal während des Sommers versezt werden. Auf beide Arten kann man schöne und starke Stöke erhalten, die im nächsten Frühjahre selbst getrieben werden können. Man kann (in England, aber nicht bei uns) die Stile selbst im Winter im Freien lassen, sie blühen jedoch besser, wenn sie den Winter über in einem Hause geschuzt stunden. Diejenigen, welche in Töpfen blühen sollen, werden, so bald im Frühjahre ihre Knospen zu schwellen beginnen, in frische Erde in Töpfe (wenn die Stöke sehr groß sind) von 8 Zoll im oberen Durchmesser, mit Beseitigung der alten Erde von ihren Wurzeln, verpflanzt, und vorne an die Fenster der Orangerie gestellt: sie werden dann bis im Junius blühen. Während der Blüthe müßen sie reichlich begossen werden: am beßten ist es, die Töpfe in eine Schüssel mit Wasser zu sezen, damit sie immer feucht bleiben. Sollen sie früher blühen, so müßen sie im Jäner verpflanzt, und in ein Treibhaus gebracht werden. Die Erde, deren Hr. Hedges sich bedient, ist, wo sie roth blühen sollen, eine Mischung von Lehmen und Moorerde, oder Lauberde mit etwas Sand, und wo sie blau blühen sollen, gelber Lehmen. (Aus den Transactions of the Horticultural-Society, und aus diesen in Gill's technical Repository. August 1822. S. 133.)

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