Titel: Ueber den Bau der Wasserkresse oder Brunnkresse
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XXXIV./Miszelle 3 (S. 256–258)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009034_3

Ueber den Bau der Wasserkresse oder Brunnkresse

theilte der berühmte Cultivateur, Hr. Bellenden Ker Esqu. F. R. S., im IV. Bde. der London Horticultural Society's Transactions einen sehr interessanten Aufsaz mit, welchen auch Hr. Gill in seinem technical Repository Mai 1822 S. 337. wegen seiner Gemeinnüzigkeit aufgenommen hat. Hr. Brodberry ist bisher, wie Hr. Bellenden Ker bemerkt, der Einzige, der in England, wo man bisher allen Unterricht über den Bau dieser Pflanze vermißt, (wodurch sich such Hr. Bellenden Ker zur Abfassung dieses Aufsazes veranlaßt |257| fand) diese Pflanze im Großen für den Londoner Markt baut. Wir Deutsche waren also in dieser Hinsicht den Engländern voraus; denn unsere fleißigen Erfurter bauten seit undenklichen Seiten Wasserkresse im Großen, und der ehrenwerthe alte Christ. Reichart hat in seinem Land- und Gartenschaze (VI. Aufl. 2ter Thl. S. 299,) einem Buche das wir unsern Lesern, die es noch nicht kennen sollten, nicht genug empfehlen können, die Wartung und Pflege dieser Pflanze sehr genau beschrieben. Da die englische Methode etwas von der deutschen abweicht so wollen wir dieselbe hier in Kürze angeben.

Die Herren Bradberry und Bellenden Ker unterscheiden zuvörderst drei verschiedene Abarten der Brunnen- oder Wasserkresse (Sisymbrium Nasturtium L., oder Nasturtium officinale Recent.) deren bisher in keinem botanischen Werke Erwähnung geschieht: eine grünblättrige (grun-leaved), eine braun- und kleinblättrige (Small brown-leaved) und eine braun- und großblättrige (Large brown-leaved.) Sie haben alle denselben Geschmak die braunblättrige wird aber auf dem Markte vorgezogen, theils wegen der Farbe, theils weil sie mehr Blätter hat. Die grünblättrige läßt sich am leichtesten bauen, und die klein- und braunblättrige ist die dauerhafteste. Herr Bradberry zieht nur die braun- und großblättrige, weil diese die einzige ist, die auch dort gedeiht, wo man kein seichtes Wasser haben kann, vor. Der uralte Ray in seiner Synopsis of brit. Plants, 3 Ed. S. 301 erwähnt einer Abart mit kleinen Blättern, die früher blüht; diese wird aber nicht gebaut.

Herr Bradberry überzeugte sich bald, daß die Pflanzen besser gedeihen, und selbst einen bessern Geschmak hatten, wenn sie in Reihen, die mit der Richtung der Strömung des Wassers parallel liefen, gepflanzt werden, das Wasser in seinem Laufe nicht so sehr gehindert ist, in dem es zwischen den Reihen ein offenes Rinnsaal findet, und selbst die Ernte und die Reinigung der Pflanzen vom Unkraut und von den anhängenden Unreinigkeiten leichter bewerkstelligt werden kann. Diese Reihen müßen, bei tieferem Wasser, fünf, sechs, ja selbst sieben Fuß weit von einander entfernt seyn, während bei seichtem eine Breite von 18 Zoll zwischen denselben hinreicht. Die Kresse gedeiht am beßten im feuchten Wasser, das ungefähr nur anderthalb Zoll tief ist, und dann später durch die heranwachsende Pflanze selbst bis auf 3 Zoll aufgedämmt wird: in tiefem Wasser werden die Wurzeln zu leicht mit ausgezogen. Man muß daher jedesmal feuchteres Wasser dem tieferen vorziehen.

Die Pflanze muß für den Markt geschnitten, nicht gepflükt werden, wie man es gewöhnlich thut, was ihr sehr nachtheilig ist. Auch zu oftmaliges Schneiden macht die Köpfe klein.

Das Kostspieligste bei der Kultur dieser Pflanze ist, daß sie zweimal des Jahres auf ihren Beeten gereiniget und versezt werden muß, in dem sich der Schlamm zu häufig um die Wurzel ansezt, und Wasserlinsen51) und andere Wasserpflanzen unter die Kresse kommen, und sie in ihrem Wachsthume hindern: vor 5 bis 6 Monaten nach Anlegung eines neuen Beetes erhält man die Kresse fast wie in einem für den Markt brauchbaren Zustande.

Die Anlegung der neuen Beeten geschieht auf folgende Weise. Man fängt oben am Bache an, und räumt alle Reihen weg; reinigt hierauf das Beet des Baches von allem Schlamme und Unrathe (welcher jedoch guten Gartendünger gibt), und wählt unter der Masse der herausgeschaften |258| Wanzen diejenigen jüngern Individuen, die die jüngsten sind, und die meisten Wurzeln haben. Diese sezt man nun in den Grund des Bachbeetes auf den Schotter reihenweise in gehöriger Entfernung, und belegt jede mit einem Steine. Im Schlamme wächst die Kresse nicht gern, und bekommt auch keinen guten Geschmak, wo viel Schlamm um ihre Wurzeln ist, den man aber sorgfältig entfernen und durch Steingerölle oder Schotter, oder durch Kalk ersezen muß. Es ist unumgänglich nöthig, daß das Wasser stets Abzug und Strömung hat, denn sonst hört die Kresse auf zu wachsen. Die Zeit, wo man die Bette erneuern muß, ist im Mai und Junius, und dann im September bis November: diese Erneuerung und Anpflanzung muß aber nach und nach geschehen, damit man immer etwas zu schneiden hat. Kresse, die im November gepflanzt wurde, kann im Frühjahr geschnitten werden.

Wenn die Kresse bereits dreimal geschnitten wurde, fängt sie an, sich zu bestoken und dann kann sie, je öfter desto besser geschnitten werden. Im Sommer muß an sie kurz abschneiden, und das Wasser in gehöriger Höhe darüber halten 5 wo der Boden gut ist, gibt jedes Beet wöchentlich seine Ernte. Während des Winters muß das Wasser etwa Höher gedämmt werden als im Sommer, 4 bis 5 Zoll hoch, in dieser Hinsicht läßt an den Pflanzen etwas Mehr Kopf.

Es ist wesentlich, die Kresse in reinem Wasser, so nahe an der Quelle desselben zu pflanzen, in dem es daselbst weniger friert, und die Kresse den ganzen Winter gesammelt werden kann. (Herr Bradberry hat 5 Acres in der Nähe guter Quellen mit Kresse bestellt, und sendet täglich, außer Sonntags, acht Duzend Bündel Kresse auf den Markt, wo er allem den Preis derselben um die Hälfte herabdrükte, und dessen ungeachtet entstehen immer noch neue Rivale gegen ihn, als den Ersten, der die Kresse in England baute.)

|257|

Dieß ist gewiß nur dann der Fall, wenn das Wasser zu wenig strömt, zu wenig Fall hat. A. d. Ueb.

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