Titel: Vergoldete rothe Töpferwaare des Herrn Legros d'Anisy.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XXXIV./Miszelle 36 (S. 269–270)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009034_36

Vergoldete rothe Töpferwaare des Herrn Legros d'Anisy.

Herr Mérimée erstattete im Bulletin de la Société a. a. O. S. 157, Nachricht über die vergoldete rothe Töpferwaare, welche Herr Legros d'Anisy verfertigt. Dieser französische Wedgwood bedient sich hierzu nicht der englischen Goldfirnisse, die kein Gold enthalten, sondern des wirklichen Goldes, in dem er weniger Gold dazu braucht, als wenn er Goldblättchen auftrüge, obschon man mit einem Dekagramme Goldes 40 Metres bedeken kann. Herr Mérimée hat einen Monat lang einen, ohne vorläufige Untersuchung aus dem Haufen herausgenommenen vergoldeten Napf am Feuer gebraucht, ohne daß die Vergoldung |270| an der inneren Seite dadurch gelitten hatte: an den englischen vergoldeten Töpfen ging die Vergoldung weg, wie die Milch darin lauer war. Herr Legros d'Anisy und Herr Mérimeé bemerken, daß die Vergoldung nur auf rothem Thone die gewünschte Wirkung hervorbringt59).

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Daß der rothe Thon die Vergoldung trefflich verträgt, kann jeder Tobakraucher, der aus den sogenannten türkischen Pfeifenköpfen raucht, deutlich ersehen: Sie dauern Jahre lang, ohne daß das Gold sich bei täglich mehr dann 20 mal wiederholter Reibung abtrüge. Die ehrlichen Ungarn, treu der alt türkischen Sitte, wußten hiervon an ihren Debraziner Pfeifen Vortheil zu ziehen, während die schlauen Böhmen an ihrem Bunzlauer Geschirre das vergolden versahen. Wir Baiern sind ehrlicher und schlauer als die Ungarn und Böhmen, benüzen unsern rothen Thon gar nicht, und führen ihn nach Oestreich. Kein Land ist reicher an dem herrlichsten Thone, als Baiern; aber auch kein Land hat ihn noch weniger benüzt. Nemo propheta in patria! Und was von Propheten gilt, wird wohl auch von irdener Waare und vom Thone gelten. Anm. d. Bericht-Erstatters.

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