Titel: Landwirthschaftliche Lehranstalt in Schleißheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1822, Band 9, Nr. XXXIV./Miszelle 41 (S. 272)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj009/mi009034_41

Landwirthschaftliche Lehranstalt in Schleißheim.

Sr. Königl. Majestät von Baiern beschlossen die Gründung einer landwirthschaftlichen Lehranstalt in Schleißheim bei München, über deren Zwek und innere Einrichtung ein, vom Direktor dieser Anstalt, Herrn Wimmer verfaßtes Program in der Fleischmannschen Buchhandlung in München erschienen ist. Die Zöglinge dieser Anstalt werden in 3 Klassen getheilt. Die erste Klasse besteht aus solchen, deren Beruf es ist, sich zu untergeordneten Gehülfen bei der Landwirthschaft, oder irgend einem landwirthschaftlichen Gewerbe auszubilden; die Zweite aus solchen, welche sich für alle Zweige der ausübenden Landwirthschaft und die hiemit in Verbindung stehenden Gewerbe bilden wollen, ohne auf eine höhere wissenschaftliche Bildung Anspruch zu machen; die Dritte endlich aus razionellen Landwirken welche sich im ganzen Gebiethe der Landwirtschaft und ihren Hilfswissenschaften theoretisch und praktisch zu unterrichten wünschen. Von den Zöglingen der I. und II. Klasse verlangt die Anstalt: 1) daß sie wenigstens ein Alter von 16 Jahren und ein untadelhaftes Betragen nachweisen; 2) des Lesens und Schreibens, wie es in den Landschulen gelehrt wird, kundig sind; worin jene der II. Klasse eine etwas größere Uebung und Befähigung erlangt haben sollen: und daß sie hierüber eine Prüfung der Anstalt bestehen; 3) daß bei ihrem Eintritt der Betrag eines halbjährigen Kostgeldes, das für die der ersten Klasse jährlich ein Hundert Gulden, und für die der Zweiten zwei Hundert Gulden im 24 fl. Fuß beträgt, vorausbezahlt, und die zweite Hälfte im nächstfolgenden Monat März Die Zöglinge der III. Klasse sollen: 1) ein Alter von 13 Jahren erreicht, und eine anständige Erziehung erhalten haben; 2) mindestens die Absolution des philosophischen Kurses nachweisen, und eine summarische Prüfung an der Anstalt bestehen; und 3) das Kostgeld von dreihundert Gulden, zu den Zeiten und in dem Verhältnis, wie die Zöglinge der beiden andern Klassen erlegen An dieser Anstalt können auch Ausländer unter gleichen Bedingungen Antheil nehmen. Diese Anstalt wird den 15. November 1822 eröffnet, die Zahl der sich bereits gemeldeten Zöglinge beträgt bis jetzt an fünfzig. Sr. Königl. Majestät von Baiern haben für das Staatsjahr 1822/1823 zehn Stipendien, jedes zu 50 Gulden und fünf, jedes zu 100 Guldenbestimmt. Unser Mitbürger, Herr Finanzrath und Banquier Freiherr v. Schäzler in Augsburg übernahm vorerst auf zwei Jahre die Leistung der Kosten für 15 Zöglinge aus der ersten Klasse der hier nächstgelegenen Landgerichten Göggingen, Friedberg und Aichach, ferner für drei, der zweiten, und für einen der dritten Klasse. Auch nehmen an dem Unterrichte und den Versuchen dieser Anstalt mehrere Güterbesizer Theil. Von den Kenntnissen und dem gemeinnüzigen Streben der hiezu ernannten Lehrer läßt sich ein gutes Gedeihen dieser, für Baiern höchst nöthigen, Lehranstalt erwarten.

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