Titel: Hoyau's Beschreibung der Bramah'schen Maschine zur Erzeugung der Mineral-Wasser.
Autor: Hoyau, M.
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. I. (S. 1–14)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/ar010001

I. Beschreibung der Maschine des Hrn. Bramah zu London zur Erzeugung der Mineral-Wasser1). Von Hrn. Hoyau.

Aus dem Bulletin de la Société pour l'Encouragement de l'Industrie nationale. Julius 1822. S. 216. Im Auszuge.

Mit Abbildungen auf Tab. I. und II.

Es unterliegt keinem Zweifel, denn es ist Thatsache, daß, so wie wir durch die Fortschritte der Chemie der Mineral-Wasser bei einzelnen Hunderteln genau analysiren lernten, wir auch im Stande sind, dieselben eben so wieder zusammen zu sezen, wie sie aus der Hand der Natur hervor gingen. Glüklicher Weise ist diese Zusammensezung so leicht, daß man diese künstlichen |2| Mineral-Wasser durch dieselbe häufig wohlfeiler, als von der Quells selbst her beziehen, und eben deßwegen auch mehr allgemein anwenden kann.

Die höchste Schwierigkeit bei der künstlichen Bereitung der Mineral-Wasser war bisher die Verbindung des geschwefelten Wasserstoff- und des kohlensauren Gases mit dem Wasser, welche beiden Gase nicht durch reichlichere Auflösung derjenigen Körper, welche sie enthielten, sondern bloß durch höheren Druk mit demselben innig verbunden werden konnten: denn je höher der Druk, desto sicherer und leichter die Verbindung.

Die hier beschriebene Maschine des Hrn. Bramah zu London hat auch keinen anderen Zwek, als Wasser, in Verbindung mit verschiedenen Substanzen, mit diesen Gasen zu sättigen. Die Aufgabe war: dieses Wasser in einem vollkommen geschlossenen Gefäße einzusperren, das zugleich stark genug ist, um der Ausdehnungskraft des zusammengedrükten Gases zu widerstehen (was leicht möglich war), das damit gesättigte Wasser in Flaschen zu ziehen, und es sodann in den Handel zu bringen. Man fand es indessen vortheilhaft, die Maschine so einzurichten, daß sie ununterbrochen das gesättigte Wasser liefern konnte, und hierin besteht der Vorzug der Maschine des Hrn. Bramah, welche auf folgende Weise gebaut ist:

A, Tab. I. und II., ist ein Gefäß, in welchem der Körper zersezt wird, welcher das Gas liefert; B ein Gasometre, welches das Gas in dem Verhältnisse aufnimmt, als er sich bildet, und einen Rührer durchläßt, dessen Achse und Kurbel man über dem Gasometer sieht.

C ist ein Gefäß, welches die salzige Auflösung enthält, womit das Gas verbunden werden muß.

D eine Punpe, welche die Flüßigkeit und das Gas in ein eingeschlossenes Gefäß treibt, das dieselben aufnehmen muß.

E ein kugelförmiger Verdichter, der das Wasser und das Gas aufnimmt, und in welchen die Vereinigung beider geschieht.

Dieß sind die Hauptstüke der Maschine. Die übrigen hiezu gehörigen Theile sind:

Ein Flugrad F mit einer Kurbel G, das auf einer in einen Winkel gebogenen Achse H aufgezogen ist, und den Stämpel der Pumpe bewegt. Eine Gabel I, welche an ihrem Ende ein |3| Halsstük K trägt, das den Zapfen der gekrümmten Kurbel H umfaßt: die beiden Arme dieser Gabel enden sich in zwei durchlöcherte Tazen, durch welche ein Bolzen L läuft, welcher sie mit dem Gestelle M des Stämpels und N der Pumpe verbindet. Dieses Gestell bildet ein Rechtek, welches aus zwei Querstüken OO besteht, die durch die zwei kleinen Säulen PP vereint sind, deren beide Enden die Schrauben QQ aufnehmen, welche die Querstüke OO auf die Lager aufdrüken, mit welchen die Säulen versehen sind. Das obere Querstük hat eine Stange R, welche als Leitungs-Stange dient, und durch ein kupfernes Auge S läuft, das sich in der Mitte eines festen Querstükes T der Maschine befindet.

Der Stämpel N ist ein kupferner Cylinder, welcher durch eine Büchse oder Krone von ausgetieften Leder U (Fig. 2.), wie an hydraulischen Pressen, läuft. Der Zaum oder der umgestülpte Rand dieser Krone ist an der Oeffnung der Krone befestigt, und mittelst einer Schraubenmutter V in diese Oeffnung eingeschraubt. Der Körper der Pumpe D hat einen breiten Ansaz oder Zaum X, der demselben als Lager dient, wodurch er auf dem Querstüke Y der Maschine befestigt wird.

Das obere Ende des Körpers der Pumpe ist mit einer Schrauben-Platte Z geschlossen, welche eine Röhre a trägt, die in die Klappen-Büchse führt. Diese Büchse b bildet, mittelst der Rühre a, mit der Platte U einen Körper. Sie enthält die beiden Klappen c und d, wovon die eine das Wasser und das Gas in den Körper der Pumpe führt, die andere beide entweichen läßt, und denselben den Weg in das Gefäß C mittelst der Röhre h öffnet, die sie dahin leitet. Jede Klappe befindet sich im Grunde eines walzenförmigen Loches f, welches sich mittelst eines Schrauben-Pfropfes g schließen läßt.

Wir müßen hier noch der Röhre h erwähnen, die man in Fig. 2 im Durchschnitte sieht, und die unter der Einleitungs-Klappe c hinläuft. Diese Röhre läuft durch die ganze Maschine unter dem Systeme der Klappen hin, und steht an einem seiner Enden mit dem Gasometre B, an dem andern mit dem Gefäße C in Verbindung, welches die Auflösung enthält. Ihre beiden Arme sind durch die Hähne ii unterbrochen, deren einer has Eindringen der Flüßigkeit, der andere jenes des Gases |4| sperrt. Mittelst dieser Hähne regelt man das Verhältniß des Gases bei dieser Mischung, und folglich den Sättigungs-Grad der Flüßigkeit.

Die Röhre e bringt diese Mischung, die durch die Pumpe aufgezogen wird, in den sphärischen Raum k, wo die Sättigung geschieht. Dieses Gefäß ist mit folgenden Theilen versehen: 1tens mit einer Einleitungs-Oeffnung l; 2tens mit einem Rührer m; 2tens mit einer Sicherheit-Klappe n; 4tens mit einem Auslauf Hahne o, deren sinnreiche Einrichtung wir jezt beschreiben wollen.

Die Einleitung-Oeffnung l, Fig. 3. Tab. I. nimmt das Ende der Röhre e auf, die mit einem kleinen Aufsaze versehen ist, dessen Durchmesser beinahe jenem der Mündung gleich kommt. Der Grund des Loches ist mit einer ledernen Scheibe versehen, die in ihrem Mittelpuncte ein Loch hat, welches dem Innern der Röhre e gleich kommt. Das Innere der Mündung ist schraubenförmig ausgebohrt zur Aufnahme der männlichen Schraube p, durch welche die Röhre e läuft. Diese männliche Schraube dient, den Aufsaz der Röhre e auf die kleine lederne Scheibe aufzudrüken, und dadurch die Röhre an den Ballon E hermetisch anzudrüken. Das Einleitungs-Stück ist an dem Ballon E auch durch sein Vorsprungs-Ende q befestigt, welches die weibliche Schraube r aufnimmt; der äußere Aufsaz ist durch eine Lederscheibe davon geschieden, welche der Flüßigkeit und dem Gase in der Kugel den Durchgang hermetisch versperrt.

Man hat zur innigeren Vereinigung des Gases für dienlich erachtet, die Berührungs-Puncte des Gases mit der Flüßigkeit zu vermehren, und in dieser Hinsicht in dem Ballon eine Scheibe m, Fig. 2, angebracht, die durchlöchert und auf einer Achse s aufgezogen ist, welche durch den Mittel-Punct der Kugel läuft, und bei der Tubulirung t hervortritt. Leztere besteht aus drei abgesonderten Theilen: 1tens aus dem Körper, der durch eine in dem Ballon angebrachte Oeffnung läuft, und durch eine lederne Scheibe zwischen seinem Aufsaze und der inneren Fläche der Kugel davon getrennt wird. 2tens aus einer weiblichen Schraube u, welche auf dem hervorspringenden Theile des Körpers der Tubulirung aufgeschraubt wird, und |5| zum Andrüken des besprochenen Aufsazes gegen die innere Fläche des Ballons dient, so daß sie hermetisch die Oeffnung schließt, die diese Tubulirung aufnimmt. Da es äußerst wichtig ist, die Entweichung des Gases und der Flüßigkeit durch die Einführungs-Oeffnung der Achse des Rührers zu hindern, und dieselbe so genau als möglich zu schließen, ohne dabei die Kraft, welche den Rührer dreht, vermehren zu müßen, so hat Hr. Bramah in dem Körper der Tubulirung t einen Kranz von Leder angebracht, der jenem der Pumpe ähnlich ist, und auf dieselbe Weise mit einem Schrauben-Pfropfe w geschlossen wird. Diese Art von Ring, die in Fig. 4 dargestellt ist, schließt um so genauer, als das Gas sich stark ausdehnt, indem der Druk auf den kleinen Leder-Cylinder dann viel größer ist, und denselben starker an die Achse2) andrükt. Diese Achse, deren eines Ende in einer Pfanne v, das andere in einem Loche x sich dreht, hat ein kleines Triebrad y, welches von einem anderen auf der Spindel H aufgezogenen Rade z bewegt wird: diese beiden Räder sind gleich, und der Rührer dreht sich so oft als die Kurbel. Die Sicherheits-Klappe n, deren Oeffnung 1 1/2 Linie im Durchmesser hält, besteht aus einer Tubulirung, welche mit der Kugel einen Körper bildet, und auf welche eine Röhre aufgeschraubt wird, die mit einem kleinen, in der Mitte durchbohrten, Schrauben-Pfropfe geschlossen ist, so daß die Stange der Klappe durch dieselbe laufen kann. Diese Stange ist mit einem Aufsazgewichte i'' versehen, welches die Klappe auf ihre Oeffnung aufdrükt, und dessen Schwere so berechnet ist, daß man im Ballon einen Druk von 15–20 Atmosphären erzeugen kann, ehe das Gas zu entweichen vermag: die Röhre, welche die Stange der Klappe aufnimmt, ist mit einer Seiten-Oeffnung |6| versehen, um das Gas entweichen zu lassen, wenn die Klappe sich hebt. 3tens endlich aus der Tubulirung des Auslauf-Hahnes, welches eben so, wie jene des Rührers, befestigt ist. Dieser Hahn, der eigentlich eine Klappe ist, führt eine kleine Röhre a', die bis in den Grund der Kugel reicht. Der Körper desselben ist gleichfalls mit einem Loche b' versehen, welches sich mit dem ersteren verbindet, und in einen hohlen Kegel sich endet, der das Ende des Zapfens c' aufnimmt, die die Sperre oder Klappe bildet. Dieser Zapfen, welcher glatt ist, geht durch eine Werk-Büchse, die das Ende der Tubulirung bildet. Es ist an dem Theile, welcher durch den Pfropf der Büchse geht, der ihm als Schraube dient, mit einem sehr starken Ansaze versehen, und hat eine Kurbel d', mittelst welcher man ihn vor- oder rükwärts treiben, d.h. die Oeffnung der Röhre b' öffnen oder schließen kann. Ein, nahe an dieser Oeffnung angebrachtes, Loch e' läßt die gesättigte Flüßigkeit durch, und ein kleiner Ansaz f', der in die Bouteille gebracht wird, leitet die Flüßigkeit, mit welcher man sie füllt. (Fig. 4.)

Das Stük g', welches diesen Ansaz trägt, ist ein Halsstük, das den Körper des Hahns aufnimmt: die Oeffnung dieses Halsstükes ist vertical-oval. Diese Form gestattet eine kleine lederne Scheibe zwischen den Körper des Hahnes und die innere Oberfläche des Halsbandes g' zu bringen, um den Durchgang aus dem Loche e' in die Röhre f' zu schließen. Man fängt also damit an, das Loch e' auf die Oeffnung der kleinen Röhre f' zu reiben, und man drükt diesen Theil des Ringes g' auf die äußere Oberfläche des Cylinders mittelst der Schraube h', wodurch die Verbindung e' mit f' geschlossen wird. Die kleine Röhre f', hat an ihrer Basis einen Vorsprung, und führt daselbst die Kapsel i', welche die Scheibe k' aufnehmen muß, die aus irgend einer biegsamen Substanz, wie z.B. Leder oder Kautschuk, verfertigt wird. Um sie an ihrer Stelle zu erhalten, hat man auch dem Körper der kleinen Röhre f' einen Vorsprung gegeben, so daß die Scheibe sich auf diese Röhre so lang aufschrauben läßt, bis sie den Grund der Kapsel i' berührt.

Zwischen dem Stüke i' und dem Grunde des Halsstükes hat man einen platten Ring befestigt, der am Panzer l; so angebracht ist, daß derselbe, da er einen Theil des Cylinders bildet |7| sich drehen und in die gehörige Lage stellen kann: dieser Panzer dient dem Arbeiter als Schuzwehr gegen die Scherben der Flaschen, wenn diese bei dem Füllen der gasartigen Wasser sprängen.

Die Flaschen, deren man sich in England bedient, haben die Form m'; die Spize, in welche sie sich enden, dient bloß dazu, daß sie niemals gerade gestellt werden können, folglich, so lang noch irgend etwas von Flüßigkeit in denselben vorhanden ist, der Kork feucht gehalten, und die Entweichung des Gases gehindert wird, welche unvermeidlich Statt haben würde, so bald der Kork troken ist. Wenn die Flaschen gefüllt sind, taucht man sie am Halse und Korke in Harz, um sie hermetisch zu schließen.

Die bewegliche Scheibe k', von welcher wir oben sprachen, dient, die Flasche in dem Augenblike der Füllung so zu schließen, daß kein Gas entweichen kann; um sie mit ihrem Halse an dieser Scheibe angedrükt zu erhalten, hat man einen Knecht n' angebracht, der sich mittelst eines Gewindes o' drehen und stellen läßt. Ein Theil dieses Gewindes ist auf dem Knechte aufgeschraubt, der andere auf einer hölzernen Stüze p', welche mittelst eines Bolzens r' an einer anderen gegossenen Stüze q' befestigt ist, die mit der Maschine ein Ganzes bildet. Eine Kerbe s, in der Stüze p' läßt sie in jede nach der verschiedenen Größe der zu füllenden Flaschen nöthige Lage stellen.

Der kugelförmige Verdichter E besteht aus zwei kupfernen Halbkugeln, deren jede einen Ansaz zur Verbindung derselben mittelst 12 Bolzen besizt, welche durch den Ansaz derjenigen Halbkugel, die den Hahn trägt, durchlaufen, und sich in den Aufsaz der anderen Halbkugel einschrauben. Vier andere Bolzen befestigen diese lezte Hälfte der Kugel auf einem Ringe von Gußeisen t. (Siehe Fig. 2 und 4.)

Alle oben beschriebenen Stüke ruhen auf einem Gestelle von Gußeisen, welches aus zwei ähnlichen Stüken u' besteht, die mittelst zweier anderer gegossenen Stüke, i', die ein Ganzes mit denselben bilden, und Mittelst zweier eiserner Sprizen x', die an ihren Enden mit Ansäzen und mit weiblichen Schrauben y versehen sind, zusammengehalten werden. Dieses Gestell trägt die Hauptstüke z' des Achbaumes H. Die vier geneigten Säulen a'' |8| ruhen jede auf einer eigenen Unterlage, durch welche zwei männliche Schrauben laufen, die die Maschine auf einer großen eisernen oder hölzernen Tafel befestigen.

Die hier nicht erwähnten Theile werden weiter unten in der Erklärung der Figuren vorkommen.

Wenn man von dieser Maschine Gebrauch machen will, füllt man das Gefäß C mit der Salz-Auflösung, welche die Basis des zu erzeugenden Wassers bildet; hierauf bringt man jene Substanzen in den Recipienten A, deren Zersezung das Gas erzeugen soll, und gießt die Flüßigkeit, welche die Zersezung bewirkt, auf dieselben. Das sich entwikelnde Gas hebt das Gasometer B, welches mittelst eines Gewichtes an dem Ende einer Kette, die über eine Rolle läuft, im Gleichgewichte erhalten wird. Ein kleiner Rührer c'' dient zum Umrühren der Mischung und zur Beförderung der Gas-Entwikelung.

Nachdem dieß geschehen ist, läßt man die Pumpe spielen, indem man das Flugrad dreht, und öffnet in gehöriger Weite, (welche man durch Uebung bald bestimmen und aus der Beschaffenheit des Wassers, von welchen man ein paar Bouteillen zur Probe abzieht, bald kennen lernt,) die beiden Hähne ii. Wenn man findet, daß das Wasser genug Gas aufgenommen hat, fängt man an, die Flaschen zu fällen, und stellt die Hähne ii so, daß ihre Oeffnung unwandelbar fest bleibt, und während der Zeit, als eine Flasche gefüllt wird, eben so viel gesättigtes Wasser wieder in den Verdichter zufließt. Auf diese Weise geht die Arbeit ununterbrochen fort, und man kann, wenn der Arbeiter geschikt ist, in einer Stunde 150 bis 200 Flaschen füllen. Der Arbeiter, der die Flaschen zu füllen hat, nimmt den Hebel n' zwischen die Beine, und drükt das andere Ende desselben so weit herab, daß die kleine Röhre f' in den Hals der Bouteille gelangen kann. Hierauf sezt er die Spize der Flasche in eine kleine, an dem Hebel n' zur Aufnahme derselben angebrachte, Vertiefung, und drükt, indem er sich auf den Knecht stüzt, die Mündung der Flasche auf die Scheibe k', um erstere zu schließen. Er dreht nun den Hebel d' des Hahnes, wodurch die Klappe e' sich öffnet, und die Flüßigkeit in die Flasche läuft. Indessen würde die atmosphärische Luft in der Flasche das Einströmen der Flüßigkeit in dieselbe hindern, wenn der Arbeiter nicht von |8| Zeit zu Zeit den Hebel n' bewegte, und dadurch die Mündung der Flasche öffnete. So bald er sieht, daß sie voll ist, schließt er augenbliklich den Hahn, zieht die Flasche schnell zurük, und verschließt sie mit dem ihm zur Seite liegenden Korke. Diese Arbeit muß so schnell als möglich geschehen, damit das Gas nicht aus dem Wasser entweicht.

Da die Flaschen bei dem Füllen leicht springen, muß der Arbeitet an der Hand, mit welcher er die Flasche ergreift, mit einem starken Handschuhe versehen, und sein Gesicht mit einem Visire bedekt seyn, er ist vom Halse an bis auf die Füße mit einer ledernen Schürze bekleidet, und stellt noch überdieß den Panzer so, daß sein ganzer Leib dadurch geschüzt wird: denn die Zerplazung geschieht zuweilen mit solcher Stärke, daß die Glasscherben die Kleider durchschneiden und in den Leib eindringen könnten. Eben dieß geschieht auch noch bei'm Zubinden der Flaschen, und bei dem Eintauchen derselben in Pech.

Fig. 7 und 8 stellt eine kleine Maschine zum Zubinden der Flaschen dar; sie besteht aus einem starken Stüke Holz 1, auf welchem einem Pfosten 2 und eine Stüze 3 aufgezogen ist; ersterer nimmt eine männliche Schraube 4 auf, an deren Ende sich eine Kurbel 5 befindet. Diese Schraube läuft durch eine Schraubenmutter, welche in den Pfosten 6 befestigt ist, der dem Pfosten 2 gleich kommt, und in einem in dem Stüke befindlichen Falze sich hin und her schieben läßt. Man wird leicht einsehen, daß, je nachdem man die Kurbel rechts oder links dreht, das Stük 6, in welchem die männliche Schraube fest steht, vor oder rükwärts geschoben werden muß. Der obere Theil dieses Stükes ist mit einer Platte 7 beschlagen, in welcher eine Spalte vorkommt, die sich in ein kleines Loch endet (Fig. 8): der untere Theil ist gleichfalls mit einer Platte, 8, versehen, welche mittelst Schrauben daran befestigt ist, und diesen Pfosten in dem Falze erhält. Ein Halsstük 9 hält die männliche Schraube 4, und die Pfanne 10 der Stüze 3 nimmt das Ende derselben schraube auf. Auf diese Weise ist sie an ihren beiden Enden festgehalten, und kann keine andere, als die nöthige Umdrehungs-Bewegung, erlauben, durch welche der Pfosten 6 vor- und rükwärts gebracht wird.

Bei Anwendung dieses Maschine wird die zu bindende |10| Flasche, nachdem man den Bindfaden am Halse derselben vorgerichtet hat, in die horizontale Lage gebracht, in welcher man sie in Fig. 7 sieht; die Spize derselben wird in eine Vertiefung eingesezt, die sich in dem Pfosten 2 befindet, und der untere Theil des Bindfadens in die Spalte der Platte 7 eingeführt. Man läßt hierauf die Schraube wirken, die, indem sie das Stük 6 anzieht, den Pfropf über den Hals der Flasche zusammenzieht: man schlingt sodann den Knoten, und die Flasche ist gebunden, und darf, zur Vollendung ihrer Verschließung, nur mehr mit ihrem Halse in Pech getaucht werden.

Wir können diesen Aufsaz nicht ohne die Bemerkung schließen, daß es auch möglich ist, künstliche Mineral-Wasser in gewißen Fällen ohne solche Maschinen zu verfertigen3). Es entwikelt sich aus eigenen Verbindungen, wie z.B. aus der Kreide (dem kohlensauren Kalke), wenn man Schwefel- oder Kochsalz-Säure darauf gießt, das Gas mit einer Expansiv-Kraft von 15–20 Atmosphären, und es bedarf keiner anderen Vorrichtung, als einer Verbindung zwischen diesem Gase und dem Gefäße, welches das, damit zu sättigende, Wasser enthält. Indessen wird eine solche Maschine, welche jeden Sättigungs-Grad möglich macht, und zugleich auch das Gas sehr rein darstellt, immer sehr bequem für den Fabrikanten seyn.

Erklärung der Figuren Tab. I. und II.

Taf. 225. Fig. 1. Aufriß der Maschine von der Seite des Hahnes.

Fig. 2 allgemeiner Durchschnitt der Maschine nach der Achse der vorzüglichsten Stüke derselben.

Fig. 3 Tubulirung der Einleitung in den kugelförmigen Verdichter, im Durchschnitte und einzeln dargestellt.

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Fig. 4 Durchschnitt der Tubulirung der Einleitung der Achse des Führers, der Sicherheits-Klappe und des Hahnes, aus welchem die Flaschen gefüllt werden, aus dem allgemeinen Durchschnitte besonders dargestellt.

Diese beiden lezteren Figuren sind in doppelt so großem Maßstabe, als Fig. 1 und 2, gezeichnet.

Fig. 5 Seiten-Aufriß der Maschine.

Fig. 6 Grundriß im Allgemeinen.

Fig. 7 Ansicht der kleinen Maschine zum Binden der Gefäße.

Fig. 8 ein Stük derselben besonders dargestellt.

Dieselben Gegenstände sind in allen Figuren mit demselben Buchstaben bezeichnet.

A, Recipient aus verzinntem Kupfer, in welchem das Gasometre eintaucht, und in welchem die Zersezung der Körper geschieht, welche das Gas erzeugen. B, Gasometre; er muß durch ein der Schweine desselben beinahe gleichkommendes Gewicht an dem Ende einer Kette, welche über eine Rolle läuft, im Gleichgewichte erhalten werden. C, ein kupfernes und verzinntes Gefäß, welches die salzige Auflösung enthält, die man mit Gas sättigen muß. D, Drukpumpe. E, kugelförmiger Verdichter aus Kupfer, in welchem die Verbindung mit dem Gase geschieht. F, Flugrad. G, Kurbel. H, eine in einen Winkel gebogene Achse, die den Stämpel der Pumpe bewegt. I, eine eiserne Gabel, welche die Bewegung der Kurbel des Achsbaumes H dem Gestelle des Stämpels mittheilt. K, Halsstük an dem Stiele der Gabel I, welches den Zapfen der Kurbel des Achsbaumes H umfaßt. L Bolzen, welcher die Gabel mit dem Querstüke des Stämpel-Gestelles verbindet, und als Achse für die schwankende Bewegung dieser Gabel dient. M, Gestell, welches den Stämpel trägt. N, Stämpel, welcher aus einem kupfernen Cylinder besteht. OO, Querstüke des Gestelles. PP, Säulen, welche die Seiten des Gestelles bilden. QQ, Mutterschrauben, welche die Querstüke O mit den Säulen P verbinden. R Stange, welche die Bewegung des Stämpels leitet; sie ist in der Mitte des oberen Querstükes des Gestelles M befestigt, und ihre Achse ist mit jener des Stämpels dieselbe. S, ein kupferner Ring, der den Lauf der Stange R leitet, die |12| durch denselben läuft. T, Querstange, auf welche der Ring S aufgezogen ist. U, Krone von umgeschlagenem Leder, durch welche der Stämpel läuft. V, Schraubenring zum Zusammendrüken des umgeschlagenen Randes der Krone U, und zum Schließen der Pumpe. X, breiter Ansaz, durch welchen Bolzen laufen, die zur Befestigung der Pumpe D dienen. Y, Querstük des Gestelles der Maschine, auf welchem der Ansaz X ruht, und das die Bolzen aufnimmt, welche die Pumpen befestigen. Z, aufgeschraubte Platte, die den Grund der Pumpe bildet.

a, Röhre, die zur Klappen-Büchse führt. b, Klappen-Büchse. c, Einleitungs-Klappe in die Pumpe. d, Ausfluß-Klappe. e, Röhre, welche die Flüßigkeit und das Gas in den Verdichter E leitet. ff, walzenförmige Löcher, zur Aufnahme der Klappen c und d. gg , Schraubenpfröpfe zur Verschließung der Löcher f. h, Röhre, welche das Wasser und das Gas in die Pumpe leitet. ii, Hähne, welche das Verhältniß der Mischung des Wassers und des Gases bestimmen. k, Innenseite den Ballons E. l, Tubulirung der Einleitung des Wassers und des Gases. m, Rührer aus verzinntem Kupfer. n, Sicherheits-Klappe. o, Hahn, durch welchen die in der Kugel gebildete und enthaltene gashaltige Flüßigkeit abfließt. p, männliche Schraube zur Befestigung der Röhre e in der Mündung der Tubulirung l. q, das Ende des Stükes l mit in einem Aufsaze. r, weibliche Schraube zum Andrüken des Grundtheiles des Stükes l gegen die äußere Oberfläche der Kugel, nachdem man eine lederne Scheibe dazwischen gebracht hat. s, Achse des Rührers. t, Tubulirung, durch welche die Achse s läuft, u, weibliche Schraube, welche die Tubulirung t auf der Kugel befestigt: man bringt noch eine lederne Scheibe zwischen dem Grundstüke dieser Tubulirung und der Kugel an. v, Pfanne, in welcher sich der Zapfen der Achse s dreht. w, Schrauben-Pfropf zum Zusammendrüken des Randes des kleinen ledernen Kranzes, der die Achse des Rührers umgiebt. x, Loch, in welches das andere Ende der Achse s eintritt. y, kupfernes Triebrad auf der Achse des Rührers. z, ein anderes an der Achse H befestigtes Rad, welches das vorige Rad bewegt, das den Rührer in Umtrieb sezt.

a', Röhre, welche die Flüßigkeit zum Hahne leitet. b' Loch |13| in dem Körper des Hahnes, als Verlängerung der vorigen Röhre. c', Zapfen, der die Klappe des Hahnes bildet. d', Hebel, womit man den Zapfen c' drehen kann. e', Loch, durch welches die Flüßigkeit ausgeleert wird. f', kleine Röhre, welche die Flüßigkeit in die Flasche leitet. g', Halsstük, welches die Röhre f' trägt. h', männliche Schraube, welche dieses Halsstük den Körper des Hahnes andrükt. i', Kapsel, die die Röhre f' umhüllt, auf welche letztere sie aufgeschraubt ist. k', Scheibe aus Leder oder Kautschuk. l', Panzer aus Kupfer, um den Arbeiter gegen die Glasscherben zu sichern, wenn die Flaschen beim Füllen springen. m', Flasche, in der Lage, in welcher sie beim Füllen gehalten werden muß. n', Hebel oder Knecht, um die Mündung der Flasche gegen die biegsame Scheibe in der Kapsel i' anzudrüken. o', Gewinde des Knechtes. p', hölzerne Stüze derselben: ein Stük des Gewindes ist an ihr, das andere an dem Knechte angebracht. q' eiserne Stüze, auf welcher die vorige befestigt ist. r', Bolzen zur Befestigung der Stüze p' auf q'. s', Kerbe auf der Stüze p', um diese nach der Größe der Flaschen zu heben oder zu senken. t', Ring aus Gußeisen, auf welchem die Kugel E befestigt ist. u, Gestell der Maschine. v', Querstüke aus Gußeisen, welche die beiden Theile des Gestelles verbinden. x', andere Querstüke aus geschlagenem Eisen. y', weibliche Schrauben der lezteren. z', Halsstüke der Achse H.

a'', Säulen des Gestelles. b'', Hahn zur Entleerung der Luft, wenn man das Gasometer B in den Recipienten A einsenkt. e'', Rührer: dieses Stük besteht aus einer an einem Ende mit einer Kurbel versehenen Achse, und hat an dem anderen Ende ein Kreuz, um die Mischung zu rühren, welche das Gas entwikelt. d'', Griffe, an welchen man die Kette befestigt, durch der das Gasometer aufgehängt wird. e'', Röhre, welche über die Wasserfläche steht, und mit dem Hahne i correspondirt, welcher das Gas in die Pumpe leitet. f'', großer Hahn zur Entleerung der in dem Recipienten A enthaltenen Mischung. g', Stüzen aus Gußeisen, welche mit dem Gestelle einen Körper bilden, und zur Stüzung des Recipienten A dienen. h'', Klappe an der Mündung der Röhre, welche die Flüßigkeit nach der Pumpe leitet: sie hindert das Eindringen fremder Körper in die |14| Pumpe, und ist in dieser Hinsicht mit einem Siebe versehen, daß sehr kleine Löcher hat. i'', Gewicht, mit welchem man die Sicherheit-Klappe n belastet.

Fig. 7 und 8. 1, unteres Querstük der Maschine zum Binden der Flaschen. 2, feststehender aufsteigender Pfosten. 3, Stüze der Pfanne des Schrauben-Endes. 4, Schraube, welche auf den Kork der Flasche drükt. 5, Kurbel, mittelst welcher man die männliche Schraube dreht. 6, bewegliche Doke, welche den Druk mittelst der männlichen Schraube hervorbringt deren Schrauben-Mutter sie führt. 7, gespaltene Platte zur Aufnahme des Bindfadens, welcher den Kok hält. 8, Platte, welche die Doke 6 in dem Falze des Stükes 1 hält. 9, Halsstük, welches die Drukschraube zurük hält. 10, Pfanne, in welcher sich die Spize der Schraube dreht.

Seit der Zeit, als man durch erweiterte physikalische und chemische Kenntniße die Bestandtheile und den Gasgehalt der Mineral-Wasser ausmitteln lernte, war man auch bemüht, die Mineral-Wasser durch Kunst darzustellen. Mehrere derselben werden bereits durch Kunst von derselben Heilkraft erzeugt, als sie uns der Schooß der Erde spendet. Vorschriften mit Abbildungen der Apparate findet man in Götting's Taschenbuch für Apotheker und Scheidekünstler; in Trommsdorf's Journals der Pharmacie; in Grens- und Gilberts Annalen der Physik; in Scheerers-, Gehlens- und Schweigger's chemischen Journalen, in Buchner's Repertorium der Pharmacie, so wie in jedem guten Handbuch der Chemie. Die Maschine des Hrn. Bramah zeichnet sich vor allen uns bekannt gewordenen Apparaten, um Wässer mit Gas zu sättigen, durch den sichern Erfolg der Verbindung am vortheilhaftesten aus, weshalb wir wünschen, daß sie in den verschiedenen Gegenden Deutschlands, welche von den vorzüglichem Mineral-Quellen entfernt liegen, erbaut und durch wissenschaftliche Männer jene Mineral-Wasser künstlich erzeugt würden. Der gegenwärtig überaus wohlfeile Preis der Schwefelsäure erlaubt die Anwendung dieser Säure zur Gasentbindung an allen Orten, so daß eine Flasche künstliches Mineral-Wasser nur auf einige Kreuzer zu stehen kommt. D.

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Ich habe diese Vorrichtung in den königl. Werkstätten angewendet, um die Achsen an der archimedischen Schraube des Cagnardelles damit einzufassen; sie hat mir vollkommen gelungen. Hr. Baron Cagnard de la Tour, dem die Wissenschaften so viele Entdeckungen verdanken, und der uns neuerlich eine wichtige Arbeit über die Ausdehnung der Gasarten schenkte, hat dieser Vorrichtung seinen Beifall geschenkt. A. d. O. Es sind hier, wie an manchen anderen sinnreichen Maschinen mehrere Vorrichtungen angebracht, die man bei anderen, höchst disparaten, sehr gut benüzen kann. A. d. Ueb.

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Man findet im III. Jahrgangs dieses Bulletin S. 118 die Beschreibung eines sehr einfachen, von Hrn. Austin erfundenen, Apparates, um das Wasser mit kohlensaurem Gase zu sättigen. Auch Hr. Planche, hat einen tragbaren Apparat zur Verfertigung der Mineral-Wasser erfunden. (Vergl. Journal des Sciences médicales Année 1809 und Archives des découvertes t. III. p. 164.) A. d. O.

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