Titel: Stodart und Faraday über Stahl-Legierungen.
Autor: Stodart, J.
Faraday, Michael
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XIV. (S. 75–85)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/ar010014

XIV. Ueber Stahl-Legierungen. Von J. Stodart und M. Faraday. Vorgelesen in der Sizung der königl. Gesellschaft zu London dd 21. März 1822.

Auszug aus den Philosophical Transactions für das Jahr 1822 in den Annales de Chimie. September 1822. S. 62.

Nachdem die in dem Laboratorium des königl. Institutes im Kleinen angestellten Versuche über Stahl-Legierungen erwünschte Resultate gaben, und sowohl in England als im Auslande allgemeines Interesse erregten15), so wurden wir dadurch aufgemuntert, diese Versuche mehr im Großen anzustellen, und wir haben das Vergnügen zu versichern, daß die dadurch erhaltenen und zu Kunstarbeiten verwendeten Produkte nicht nur den früheren im Kleinen gewonnenen nicht nachstehen, sondern dieselben vielleicht noch übertreffen. Ehe wir indessen im Großen zu arbeiten anfingen, wiederholten wir die ersten Versuche mit aller möglichen Sorgfalt, und stellten sogar neue Verbindungen dar, wie Stahl mit Palladium, Stahl mit Iridium und Osmium, und endlich auch noch Stahl mit Chromium. In dieser lezteren Reihe von Versuchen waren wir vorzüglich glüklich, indem wir aus Erfahrung das Feuer gehörig zu regieren gelernt hatten. Indessen stießen wir doch auch hier öfters auf viele Schwierigkeiten, unter welchen das Springen der Tiegel die größte war. Wir haben noch keinen Tiegel finden können, der im Stande gewesen wäre, der zur vollkommenen Reduction des Titanerzes nöthigen Hize zu widerstehen, und wir glauben, fragen zu dürfen, ob man jemals das Titanerz auf diese Weise reducirt hat. Unsere Oefen sind vielleicht mehr als irgend andere hiezu geeignet: bis jezt konnten wir jedoch keine hiezu brauchbaren Tiegel finden16).

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Die Metalle, welche mit dem Stahle die beßten Legierungen geben, sind: Silber, Platinna, Rhodium, Iridium, Osmium und Palladium. Alle diese Legierungen wurden jezt, mit Ausnahme der lezteren, im Großen verfertigt. Indessen hat man auch von lezterer vier Pfund Stahl mit 1/100 Palladium auf einmal geschmolzen, und diese Legierung ist wirklich sehr gut, zumal für Instrumente, die die höchste Zartheit in ihrer Schneide fodern.

Unsere Versuche im Großen wurden in einem Stahl-Ofen zu Sheffield angestellt, und da wir dieselben nicht selbst leiten konnten, überließen wir die Aufsicht hierüber einem sehr geschikten Werkmeister, auf welchen wir uns verlassen konnten. Wir überschikten ihm den Stahl mit dem Metalle, mit welchem die Legierung vorgenommen werden sollte, in dem genauesten Verhältnisse, und er hatte den Auftrag, beide in den Ofen zu sezen, und unter seiner Aufsicht lange Zeit in dem vollkommensten Fluße zu erhalten, ehe sie gegossen wurden. Er mußte bei dem Gusse die Aufsicht führen, und das gegossene Stük wurde bei einer Hize, die eben hinreichte, dasselbe unter dem Hammer hämmerbar zu machen, in Stangen von gehöriger Größe geschmiedet. Bei der Rüksendung wurde das Product chemisch und mechanisch untersucht, und mit den früheren ähnlichen Producten des Laboratoriums verglichen. Nach dem äußeren Ansehen sowohl, als nach dem Gefüge des Bruches, konnten wir so ziemlich die Eigenschaften desselben im Allgemeinen, erkennen; seine Härte, Feinheit und übrigen Eigenschaften wurden, nachdem es gehörig verarbeitet, gehärtet und angelassen wurde, auf verschiedene Weise geprüft.

Das beßte Verhältnis, Silber mit dem Stahle zu verbinden, ist zu 1/500; nimmt man mehr, so bleibt ein Theil des Silbers mechanisch mit dem Stahle verbunden, wie man sich durch Behandlung dieser Legierung mit verdünnter Schwefelsäure überzeugen kann.

Mit Platinna und Rhodium läßt der Stahl sich aber in den verschiedensten Verhältnissen verbinden, und eben dieß scheint auch mit Iridium und Osmium der Fall zu seyn. Man hat die Platinna von Einem Hundertel bis zu 80 Hunderteln mit dem Stahle zu einem Korne von 500 bis 2000 Granen, und das |77| Rhodium von Einem Hundertel bis zu 50 vollkommen verbunden. Gleiche Theile Stahl und Rhodium gaben ein Korn, welches, poliert, eine Oberfläche von seltener Schönheit darboth. Diese Farbe ist die schönste, die man sich an einem Metall-Spiegel denken kann; es wird, auch wenn man es noch so lang der Luft aussezt, nicht matt. Die Dichtheit dieser schönen Legierung ist 9,176. Platinna und Stahl gaben, in demselben Verhältnisse, ein sehr schönes Korn; seine sehr stark krystallinische Oberfläche macht es aber zu Metall-Spiegeln untauglich. Wir haben uns in dem Laboratorium überzeugt, daß, mit Ausnahme des Silbers, das beßte Verhältniß, in welchem man das Metall einem Stahle, der zu schneidenden Instrumenten bestimmt ist, und durch Legierung besser werden soll, zusezen kann, ungefähr ein Hundertel ist. In diesem Verhältnisse wurden auch alle verschiedenen Metalle dem Stahle im Großen zugesezt. Wir müßen hier bemerken, daß man bei dem Schmelzen der Legierungen im Laboratorium keinen Fluß zusezte, und daß nie ein solcher nöthig schien.

Eine Legierung von 8 Pfund guten indischen Stahles mit 1/500 Silber, die zu Sheffield verfertigt wurde, zeigte an ihrer Oberfläche und auf dem Bruche ein sehr schönes Ansehen. Sie war härter, als der beßte Gußstahl, selbst als das indische Wuz (wootz), und ohne alle Neigung unter dem Hammer und bei dem Härten Risse zu bekommen. Man ließ mehrere Gegenstände zu allerlei Gebrauch daraus verfertigen, und alle waren von vorzüglicher Güte. Wahrscheinlich wird man diese Legierung nicht nur zu allen Messerschmied-Arbeiten, sondern auch zur Verfertigung von Griffeln oder Meißeln verwenden können: der unbedeutend höhere Preis wird der Einführung derselben nicht im Wege stehen können. Man kann sich dieser Legierung überall, wo man guten Gußstahl nöthig hat, mit Vortheil bedienen.

Eine Legierung von 10 Pfund desselben Stahles mit 1/100 Platinna, zu Sheffield in Stangen gearbeitet, zeichnete sich durch die glatte Oberfläche und die Schönheit des Bruches aus. Unserer Beobachtung zu Folge, so wie jener der Arbeiter, die verschiedene Messerschmied-Waaren daraus verfertigten, war diese Legierung zwar weniger hart, hatte aber viel mehr Körper; eine Eigenschaft, die sie in allen jenen Fällen, wo Zähheit eben so |78| nothwendig ist als Härte, sehr schäzbar macht. Der höhere Preis, den die Platinna verursacht, wird die Anwendung dieser Legierung in den Künsten nicht hindern; denn die höheren Kosten werden durch die Vortheile, die sie gewährt, reichlich ersezt.

Die Legierungen des Stahles mit Rhodium sind vielleicht die trefflichsten unter allen; allein die Seltenheit des Rhodiums erlaubt keinen sehr allgemeinen Gebrauch derselben. Auch die Legierung mit Osmium und Iridium ist sehr brauchbar; allein aus demselben Grunde im Großen nicht anwendbar. Vielleicht kann man sich aber einst eine hinlängliche Menge dieser Metalle verschaffen, um feine Instrumente oder Gegenstände des Luxus daraus zu verfertigen.

Ein Gegenstand von der höchsten Wichtigkeit für uns war, bei diesen Versuchen uns zu überzeugen, ob die erhaltenen Produkte vollkommen dieselben waren, die wir zu erlangen wünschten. Wir mußten in dieser Hinsicht Analysen anstellen, und obschon das Verfahren, welches wir hiebei befolgten, an sich sehr einfach war, wird es nicht überflüßig seyn, dasselbe hier anzuführen.

Um zu sehen, ob der Stahl sich mit der Platinna gehörig verbunden hat, löst man einen kleinen Theil dieser Legierung in verdünnter Schwefelsäure auf. Die Auflösung geschieht mit Heftigkeit, und es bleibt ein schwarzer Bodensaz, der aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Eisen und Platinna besteht. Durch Ausglühen verschwindet der Kohlenstoff und Wasserstoff; man entfernt das gebildete Eisen-Oxid mittelst Kochsalzsäure, und löst den Rükstand in etwas Königs-Wasser auf. Wenn man mit dieser Auflösung ein Stük Glas befeuchtet, und dieses dann mittelst einer Weingeist-Lampe und eines Löthrohres erhizt, so reducirt sich das Platinna-Oxid zu einem metallischen Ueberzuge auf dem Glase.

Die Stahl- und Silber-Legierung wird mittelst sehr verdünnter Schwefelsäure analysirt, in welcher man das über bleibende Pulver kochen muß, und nachdem sich dieses zu Boden gesezt hat, kocht man es in concentrirter Hydrochlor Säure. Das Eisen und das Silber sind nun aufgelöst, und, wenn man diese Auflösung mit Wasser verdünnt, so schlägt lezteres sich als Silber-Chlorür nieder. Man kann auch das Pulver in Salpetersäure |79| auflösen, und dann mit Hydro-Chlorsäure und Ammonium niederschlagen.

Die Legierung aus Stahl und Palladium läßt, nach ihrer Behandlung in schwacher Schwefelsäure, und in dieser gekocht, ein Pulver zurük, welches, nachdem der Kohlenstoff durch Verbrennung, und das Eisen zum Theile durch kalte Hydrochlorsäure abgeschieden wurde, in lezterer warm aufgelöst oder im Königswasser, ein Palladium-Chlorür gibt. Diese Auflösung durch Queksilber-Cyanür niedergeschlagen gibt ein Palladium-Cyanür, welches, auf eine Glasplatte aufgetragen und erhizt, dieselbe mit einem Metall-Ueberzuge bedekt.

Der Rükstand, welchen die Legierung mit Rhodium nach dem Kochem mit schwacher Schwefelsäure zurük läßt, läßt sich eben so leicht analysiren.

Wenn man die Stahl- und Iridium- oder Osmium-Legierung mit schwächer Schwefelsäure behandelt, den Rükstand in derselben Säure gekocht, und dann mit Soda in einem silbernen Tiegel bis zur Rothglühhize erhizt hat, verdünnt man die Masse in Wasser, und, nachdem man Schwefelsäure im Ueberschusse zusezte, destillirt man sie. Das Osmium geht in den Recipienten über, wo man es an seinem Geruche und an dem blauen Niederschlage erkennt, den es mit der Galläpfel-Tinctur gibt. Um das Iridium zu erhalten, behandelt man den Rükstand der Destillation mit Wasser, scheidet das Eisen mit Hydrochlorsäure, und löst dann das Iridium im Königs-Wasser auf.

Diese verschiedenen Legierungen werden nicht alle von Säuren gleich angegriffen. In Hinsicht auf geringere Empfindlichkeit gegen Schwefelsäure folgen sie in folgender Ordnung auf einander: Stahl, Chromium-, Silber-, Gold-, Nikel-, Rhodium-, Iridium-, Osmium-, Palladium- und Platinna-Legierung. Auf den Stahl ist die Einwirkung kaum merklich; die Silber-Legierung entwikelt nur wenig Gas, und die Gold-Legierung wird schwach angegriffen. Alle übrigen entwikeln Gas im Ueberflusse, die Platinna-Legierung aber das meiste.

Wenn man diese verschiedenen Legierungen analysirt, wird man während der Einwirkung der Säuren auf dieselben interessante Erscheinungen bemerken, und es gibt vielleicht keine auffallenderen. Wenn man diese Legierungen in schwache Säuren |80| taucht, so unterscheiden sich einige derselben nicht bloß durch ihre besonderen Eigenschaften von einander und von dem Stahle, sondern sie führen auch zu Betrachtungen über den Zustand der Theilchen dieser Stoffe in den innigen Mischungen oder Verbindungen, welche deutlichere und richtigere Ideen über diesen Gegenstand veranlassen können.

Wenn man ein Stük Stahl, und ein Stük desselben Stahles, der mit Platinna legiert ist, in schwache Schwefelsäure taucht, so wird das legierte Stük unmittelbar mit großer Heftigkeit angegriffen, entwikelt viel Gas, und wird in kurzer Zeit aufgelöst, während dieselbe Säure kaum auf den Stahl wirken wird. Der Unterschied zwischen diesen beiden Wirkungen ist so groß, daß während dieser Zeit das legierte Stük hundertmal mehr Gas entwikelt, als der Stahl.

Eine sehr geringe Menge Platinna vermag dem Stahle diese Eigenschaft zu ertheilen. 1/400 vermehrt die Einwirkung der Säure bedeutend; sie ist bei 1/200 und bei 1/100 noch sehr stark. Bei 10 p. C. Platinna wird die Platinna nur schwach angegriffen; bei 50 p. C. ist die Einwirkung der Säure nicht mehr stärker, als auf den Stahl selbst, und eine Legierung von 90 Theilen Platinna und 20 Theilen Stahl wird von der Säure gar nicht mehr angegriffen.

Die Einwirkung der übrigen Säuren auf diese Legierungen gleicht jener der Schwefelsäure, und ist so, wie man sie erwarten konnte. Schwache Hydrochlorsäure, Phosphorsäure und selbst Sauerkleesäure greift die Platinna-Legierung leichter an, als den Zink, und Weinsteinsäure und Essigsäure lösen sie schnell auf. Man erhält auf diese Weise leicht Auflösungen, welche eine geringe Menge von Eisen-Protoxid enthalten.

Die Ursache dieser verstärkten Wirkung der Säuren auf die Legierungen ist wahrscheinlich, wie sie H. Davy vermuthet, elektrischen Ursprunges. Man kann sie als das Product des legierenden Metalles betrachten, welches in der Legierung selbst so gelagert ist, daß seine Theilchen mit jenen des Stahles volta'sche Verbindungen bilden, und zwar entweder unmittelbar, oder durch Erzeugung einer bestimmten Legierung, welche in dem übrigen Stahle zerstreut ist, und dann wäre die ganze Masse eine Reihe solcher volta'schen Verbindungen. Oder man könnte sich |81| auch denken, daß, so bald die erste Einwirkung der Säure auf jede Oberfläche der Legierung geschehen ist, sich Theilchen absondern, welche, wenn sie nicht reine Platinna sind, dieselbe wenigstens in sehr mächtigem Verhältnisse enthalten, und, in so fern sie in innigster Berührung mit der übrigen Masse sind, mit derselben sehr kräftige volta'sche Verbindungen bilden. Man kann auch, nach einer dritten Ansicht, sagen, daß die verstärkte Wirkung der Säure aus einer mechanischen Theilung des Stahles durch die Platinna entsteht, so daß dadurch, wie am Proto-Schwefeleisen, die Theilchen von der Säure schneller angegriffen werden.

Obschon wir uns nicht im Stande glauben, entscheiden zu können, welcher von diesen drei Ursachen die Verstärkung der Wirkung zuzuschreiben ist, oder in wie fern jede derselben dazu beiträgt, so nehmen wir doch keinen Anstand, die zweite als diejenige zu betrachten, welcher man, wo nicht ausschließlich, doch beinahe gänzlich dieselbe zuzuschreiben hat. Die Ursachen, welche uns zu dieser Ansicht bestimmen, sind: daß diese beiden Metalle sich in allen Verhältnissen, welche wir versuchten, verbinden, und daß sie, in keinem Falle, deutliche Spuren von Trennung von einander zeigen, wie dieß z.B. an dem Silber und Stahle der Fall ist, daß, wenn man statt der Säuren, schwache Reagentien wählt, die Legierung nicht so auf diese zu wirken scheint, als wenn sie aus einer unendlichen Menge kleiner volta'scher Verbindungen von Stahl und Platinna, sondern als ob sie aus Stahl allein bestünde; daß die Masse einen Platinna-Draht nicht mehr negativ macht, als den Stahl, was wahrscheinlich geschehen müßte, wenn die dritte Ansicht Statt hätte; daß sie in einer feuchten Atmosphäre nicht früher rostig wird: und daß endlich, wenn man sie in Salz-Auflösungen, wie in Kochsalz Auflösung etc. taucht, keine Wirkung zwischen denselben hervorgeht. In diesem Falle wirkt die Legierung gerade so, wie der Stahl, und unter den von uns bisher versuchten Mitteln fand sich keines, welches eine volta'sche Wirkung hervorzubringen im Stande gewesen wäre, und welches nicht auch alsogleich, während es das Eisen auflöste, einen Theil Platinna davon abzuschneiden vermocht hätte.

Ein anderes interessantes Phänomen, welches die Einwirkung der Säure auf diese Stahlarten hervorbringt, ist der Unterschied, |82| der dann Statt hat, wenn sie noch weich, und wenn sie gehärtet sind. Wenn man in dieselbe verdünnte Schwefelsäure zwei Stüke Platinna-Legirung legt, wovon das eine noch weich, das andere gehärtet ist, und man untersucht beide nach einigen Stunden, so findet man auf dem lezteren eine Lage eines kohlenartigen, metallischen, schwarzen Pulvers, die an ihrer Oberfläche etwas faserig ist. Das erstere aber bedekt sich mit einer dichten Schickte einer grauen metallischen Substanz, die dem Graphite gleicht, sanft sich anfüllt, mit einem Messer sich schneiden läßt, und, der Menge nach, sieben- bis achtmal mehr beträgt, als das Pulver an dem gehärteten Stüke. Dieses Pulver scheint keine Kohle zu enthalten, und ähnelt sehr demjenigen, das Hr. Daniell beschrieb, und durch Behandlung des Gus-Eisens mit Säure erhielt.

Derselbe Unterschied hat auch am Stahle an und für sich Statt, ist aber nicht so auffallend, weil der Stahl weit weniger schnell von der Säure aufgelöst wird, länger darin bleibt, und das erzeugte Pulver angegriffen wird.

Wenn man das, entweder vom weichen Stahle oder von seiner Legierung gebildete, Pulver nicht lang in der Säure läßt, so gleicht es genau sehr fein vertheiltem Reißbleie, und scheint kohlenstoffiges Eisen, und wahrscheinlich auch legiertes Metall, zu seyn. Wasser verändert es nicht; Luft aber zersezt es und oxidirt das Eisen. Läßt man es lang in der Säure, oder kocht man es in derselben, so geht es in denselben Zustand über, wie das aus dem harten Stahle oder aus seiner Legierung erhaltene Pulver.

Wenn man diese Rükstande in schwacher Schwefel- oder Hydrochlorsäure kocht, so löst das Eisen sich auf, und es bleibt ein schwarzes Pulver zurük, welches der fortgesezten Einwirkung der Säure widersteht. Es scheint, daß man von den Legierungen mehr, als vom reinen Stahle, an diesem Pulver erhält. Nachdem es gewachsen und getroknet wurde, entzündet es sich an der Luft bei einer Temperatur von 150 bis 200 Graden, (300–400 Fahrenh.) und brennt, wie ein Pyrophor, mit vielem Rauche; wenn man es aber anzündet, brennt es wie Erdharz, mit glänzender Flamme. Der Rükstand ist Eisen-Protoxid und das legierende Metall. Es tritt also, während der Einwirkung |83| der Säure auf den Stahl, ein Theil Wasserstoff mit einem Theile Metalles und Kohle in Verbindung, und bildet eine entzündbare Mischung, die von der Säure nicht angegriffen wird.

Die Einwirkung der Salpetersäure bringt auf diese Pulver einige auffallende Wirkungen hervor. Das von reinem Stahle gebildete Pulver wird ganz aufgelöst, und eben dieß hat auch dann an der Legierung Statt, wenn das mit dem Stahle verbundene Metall in der Salpetersäure eben so leicht auflösbar ist. Wenn das Pulver aber durch eine Legierung entsteht, deren Metall in der Salpetersäure nicht auflösbar ist, so erhält man dann einen schwarzen Rükstand, der von der Säure nicht angegriffen wird, und der, nachdem er sorgfältig gewaschen und getroknet wurde, verbrennt, so bald man ihn erhizt. Von einigen der angeführten Metalle detonirt er selbst, wenn er sorgfältig bereitet wurde.

Das Knallpulver, welches man aus der Platinna-Legierung erhält, wenn man sie mit Königs-Wasser behandelt, gibt eine Auflösung, welche viele Platinna und sehr wenig Eisen enthält. Eine sehr geringe Quantität von diesem Pulver in Papier eingehüllt, und erhizt, detonirte mit vieler Stärke und mit schwachem Lichte. Auf die Oberfläche von erhiztem Queksilber geworfen, machte es bei 200° (400° Fahr.) bald seine Explosion, aber nur unvollkommen bei 188° (370° Fahr.); wenn man hingegen die Hize langsam verstärkt, so zersezt sie sich ruhig, ohne zu detoniren.

Die Legierungen des Stahles mit Gold, Zinn, Kupfer und Chromium wurden im Großen nicht versucht; wir haben im Laboratorium das Gold in verschiedenem Verhältnisse dem Stahle zugesezt, nie aber ein so günstiges Resultat, wie bei den oben erwähnten Legierungen, erhalten, und, so viel wir zu beurtheilen im Stande sind, verbessern Kupfer und Zinn wegen der Unvollkommenheit der Tiegel den Stahl durchaus nicht. Mit dem Titan gelang es uns nie den Stahl zu verbinden.

Hr. Berthier, der den Stahl zuerst mit dem Chromium verband, spricht von dieser Verbindung sehr günstig. Wir haben nur zwei Versuche angestellt. 1600 Gran Stahl wurden mit 16 Gran reinem Chromium in einem der besten Tiegel geschmolzen |84| und der Hize eines der beßten Windöfen ausgesezt; die Metalle flossen, und man hielt sie einige Zeit über im Flusse. Man fand das Korn gut, und es ließ sich gut hämmern; es war zwar hart, zeigte aber keine Neigung zu Rissen; seine Oberfläche boht, nachdem sie poliert und etwas von schwacher Schwefelsäure angegriffen wurde, ein krystallinisches Ansehen dar. Nachdem die Krystalle unter dem Hammer verlängert und die Oberfläche wieder frisch poliert wurde, erhielt man durch Anwendung von Säuren eine sehr schöne Damascirung. Bei einem zweiten Versuche, wo man 1600 Gran Stahl mit 40 Gran Chrom legierte, erhielt man ein viel härteres Korn, als das vorige; es war indessen hämmerbar, wie Eisen, und gab gleichfalls eine sehr schöne Damascirung.

Es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß, wenn man statt des Stahles reines Eisen nimmt, die Legierungen sich nicht so leicht oxidiren. Drei Hundertel Iridium und Osmium gaben, mit reinem Eisen geschmolzen, ein Korn, welches man nach dem Schmieden und Polieren mit anderen Stük Eisen, Stahl und verschiedenen Legierungen, einer feuchten Atmosphäre aussezte, und unter allen war es das lezte, das Rost an sich zeigte. Die Farbe desselben war deutlich blau, und es ward durch das Härten viel härter. Indem wir diese Eigenschaft an dieser Legierung wahrnahmen, vermutheten wir die Gegenwart des Kohlenstoffes in demselben; allein es war uns, ungeachtet aller angewendeten Mühe, unmöglich, eine Spur davon zu entdeken. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß es außer der Kohle noch andere Körper gibt, die dem Eisen die Eigenschaft des Stahles ertheilen können, und obschon wir nicht mit Hrn. Boussingault, der den Kohlenstoff durch Kieselerde oder ihre Basis in dem Stahle ersezt, übereinstimmen können, halten wir doch seine Versuche in dieser Hinsicht für sehr interessant, und einer neuen Untersuchung würdig.

Wir müßen hier noch bemerken, daß die beßte Weise, den Stahl in diesen Legierungen anzulassen, in der Anwendung eines heißen Metall-Bades besteht, das ungefähr 20 bis 40 Grade (70–100 Fahrh.) über der für den beßten Gußstahl nöthigen Temperatur erhizt ist. Wir müßen überdieß noch wiederholtes Anlassen empfehlen, d.h., das erste, wie gewöhnlich, vor der |85| ersten Operation zum Polieren; das zweite unmittelbar nach der lezten Politur. Dieses zweite Anlassen wird vielleicht Manchem überflüßig scheinen; allein die Erfahrung hat sehr bald gezeigt, daß es höchst nüzlich ist. Wir haben dieses Verfahren nach der Analogie bei Verfertigung der Uhrfedern gewählt.

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Diese Versuche über Stahllegierungen mit Rüksicht auf Stahlverbesserung theilten wir im 2ten Bande dieses Journals S. 91 mit. Hiemit vergleiche man auch den Bericht des Hrn. Héricart de Thury der folgenden Abhandlung. D.

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Es gelang uns, in diesen Oefen Rhodium, und selbst Platinna, obgleich unvollkommen, in Tiegeln zu schmelzen. A. d. O.

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