Titel: Héricart de Tury's Bericht über Sir-Henrys damascirte Stahl-Sorten.
Autor: Héricart de Thury, Louis Etienne François
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XV. (S. 85–110)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/ar010015

XV. Bericht des Hrn. Héricart de Thury, im Namen eines besonderen Ausschusses, über die von Hrn. Sir Henry, Stahl-Fabrikanten und Messerschmied der medicinischen Facultät zu Paris, place de l'Ewle de Medicine N. 6, der Gesellschaft vorgelegten damascirten Stahl-Sorten.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement pour l'Industrie nationale. December 1821. S. 351.

Vorläufige Bemerkungen.

Die Hrn. Stodart und Faraday haben durch ihre schönen Versuche über Stahl-Legierungen die Stahl-Fabrikation eben so sehr gefordert, wie in dem vorigen Jahrhunderte17) Réaumur, Torbern, Bergmann, Swedenborg, Scheele, Meyer, Swen-Rinmann, Perlt, und später, unter den französischen Chemikern, Vandermonde, Monge, Berthollet, Pelletier, Guyton-Morveau, Vauquelin und Clouet.

Réaumur's Arbeiten18) haben über die Stahl-Fabrikation großes Licht verbreitet; sie hatten mannigfaltige Verbesserungen und Vervollkommnungen in dieselbe bringen können, blieben aber unglüklicher Weise meistens unbekannt, und nur in den |86| Studierstuben einiger Gelehrten. Es ist in der That schwer zu erklären, wie und warum unsere Stahl-Fabrikanten und Stahl-Arbeiter bei den vielen Versuchen und trefflichen Lehren, die Réaumur ihnen auf die faßlichste Weise gegeben hat, ihren alten Schlendrian dem einfachen und bequemen Verfahren vorziehen konnten, daß dieser große Gelehrte ihnen mit jener Klarheit, mit jenem Geiste und in jener Vollendung vorzeichnete, die noch heute zu Tage die Schriften dieses berühmten Mitgliedes der französischen Akademie auszeichnen. Die Stahl-Fabrikanten des Auslandes wußten besser als wir (Franzosen), die Lehren und die Arbeiten Réaumurs zu schäzen und zu benüzen; sie brachten dieselbe in Anwendung, und verschafften ihren Fabriken dadurch jene Ueberlegenheit, welche sie so lang auszeichnete, und die sie auch wirklich nur der Einführung und der praktischen Anwendung der von Réaumur in seiner oben angegebenen Kunst, das geschlagene Eisen in Stahl zu verwandeln, und das Gußeisen geschmeidig zu machen, aufgestellten Grundsäze zu danken haben.

Dem berühmten Bergmann verdanken wir die ersten Angaben der Mittel, Stahl und Eisen zu analysiren; sein Verfahren, so sehr es auch übrigens damals Licht über die Natur derselben verbreitete, war aber noch unvollkommen und nicht genau genug: es wurde zeither von Vandermonde, Monge und Berthollet, nach Lavoisier's Theorie, berichtigt, und später hat Hauguelin, in seiner schönen Analyse des Stahles von Groß-Remmelsdorf eine neue Methode bekannt gemacht, die wesentlichen und zufälligen Bestandtheile des Stahles mit Genauigkeit zu bestimmen.

Die HHn. Stodart und Faraday haben, während sie sich überzeugen wollten, ob man durch Kunst irgend ein Metallgemenge veranstalten könnte, welches zur Verfertigung schneidender Instrumente tauglicher wäre, als reiner Stahl, nach einer Reihe zahlreicher Versuche über verschiedene metallische Verbindungen endlich einen Stahl erzeugt, welcher jenem von Menauckabo in Ostindien, den die Inder Wutz (wootz) nennen19), vollkommen ähnlich ist; sie haben seine Eigenschaften |87| und Bestandtheile bestimmt, und dadurch unseren Stahl-Fabrikanten ein Mittel an die Hand gegeben, ihren Stahl zu vervollkommnen, und selbst, durch Verbindung verschiedener metallischer Substanzen mit dem Stahle, eine neue Art von Fabrikat zu erzeugen. Baron Séquier, unser General-Consul zu London, beeilte sich, so bald er von dieser Entdekung hörte, zwei Stüke Wutz von der besten Sorte (die auch Wallaston dafür erkannte, die sie ihm mittheilte) nach Frankreich zu schiken.

Nachdem unser College, Hr. Hatchette, diese beiden Stüke im Bureau der Gesellschaft niedergelegt, und dieselbe mit den Arbeiten der HHn. Stodart und Faraday über den Wutz und die Stahl-Legierungen mit verschiedenen anderen Metallen bekannt gemacht hatte20), und Hr. Thenard einen besondern Fond zur Wiederholung der von denselben angestellten Versuche verlangte, beauftragte die Gesellschaft einen eigenen Ausschuß, bestehend aus den HHn. Hatchette, Baillet, Mérime'e, Bréant, Regnier und Héricart de Thury, die Versuche der englischen Chemiker zu wiederholen, und neue Versuche über die Verbindungen des Stahles mit anderen Metallen anzustellen. Unser College Bréant, welcher selbst Versuche und Erfahrungen in seinem Laboratorium in der Münze angestellt hat, ist bereits zu neuen Resultaten von hoher Wichtigkeit gelangt. Seine Stahlarten wurden den HHn. Cardeillac und Queillé, den ausgezeichnetesten Messerschmieden unserer Hauptstadt, zur Prüfung übergeben, und diese erstattete an die Commissäre der Gesellschaft die vortheilhaftesten Berichte hierüber, übergaben derselben zugleich auch verschiedene Gegenstände von hohem Werthe, welche sie aus dem Stahle des Hrn. Bréant verfertigt hatten. Unser College Mérimée, welcher im Jahr 1817 aus England Muster von Wutz mitbrachte, den er schon damals als eine erdige Stahl-Legierung betrachtete21), hat über die Arbeiten des Hrn. Bréant bereits zwei |88| Berichte im Namen der Commission erstattet, bloß um ihm das Vorrecht seiner Entdekungen zu sichern, und chronologisch zu beurkunden; denn dieser geschikte Chemiker hat mehr als 300 Versuche über Verbindung des Stahles mit Platinna, Osmium, Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Zink, Blei, Wißmuth, Braunstein, Uranium, Arsenik, Borium etc. angestellt22).

Während der Ausschuß sich mit diesen Untersuchungen befaßte, haben auch mehrere andere Chemiker sich gleichfalls mit verschiedenen Verbindungen des Stahles mit anderen Substanzen beschäftigt, und wenn wir den HHn. Stodart und Faraday die Kenntniß der Natur des Wutz und der Verbindung des Stahles und des Silbers verdanken, so müßen wir zugleich erinnern, daß die Kunst 1tens dem Hrn. Berthier den Chrom-Stahl (dessen Vorzüge durch die Berichte des Hrn. Mérimée erwiesen sind) und den Titan-Stahl verdankt; 2tens dem Hrn. Boussingault den Kiesel-Stahl nach Clouet, welcher, nach angestellter Analyse, auch nicht ein Atömchen Kohlenstoff enthält; 3tens dem Hrn. Degrand-Gurgey einen mit Platinna damascirten Stahl, über welchen dieser berühmte Fabrikant schon seit vielen Jahren arbeitete als die ersten Nachrichten über das Wutz und die Metallverbindungen mit dem Stahle aus England nach Frankreich kamen; 4tens endlich Hrn. Bréant verschiedene neue Verbindungen, unter welchen mehrere derselben Eigenschaften zu besizen scheinen, die nur den ausgezeichnetesten Stahlarten zukommen.

Diese verschiedenen Versuche und die Verbindungen, auf welche man durch sie gelangte, sind allerdings durch die Resultate, zu welchen sie bereits führten und noch unfehlbar führen müßen, von hoher Wichtigkeit für die Kunst; wir glauben jedoch hier bemerken zu müßen, daß, während man neue Verfahrungsweisen in unsere Stahl-Fabriken einzuführen sucht, wir jenen Grad von Vollkommenheit, zu welchem mehrere unserer Fabrikanten den gemeinen käuflichen Stahl bereits erhoben haben, nicht übersehen dürfen; ja wir glauben sogar, daß, in dieser |89| Hinsicht, die Stahlarbeiter, welche sich auf Verbesserung dieser Arten von Stahl verlegen, die größten Ansprüche auf Unterstüzung und Aufmunterung besizen. Denn diese Art von Stahlerzeugung hat bereits einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht, und läßt in Hinsicht auf die Natur, die Güte, die Eigenschaften und die Dauer ihrer Resultate weniger Ungewißheit, als diese neuen Verbindungen bisher nicht gewähren können, da die HHn. Stodart und Faraday selbst eingestehen, daß, z.B. in einer Verbindung des Stahles mit dem Nikel, lezterer, weit entfernt die Oxidation des Stahles zu hindern, dieselbe vielmehr gewaltig zu beschleunigen scheint23), während eben dieser Nikel in Verbindung mit Eisen dieselbe, wenn auch nicht, wie man sagte, hindert, doch wenigstens sehr verzögert oder schwächt. Wir werden hier von einem dieser Fabrikanten sprechen, der den reinen Stahl auf die einfachste Weise zu einem hohen Grad von Vollkommenheit brachte, und, ehe wir sein Verfahren in Anregung bringen, in Kürze der gewöhnlichen käuflichen Arten des Stahles erwähnen, um die Resultate, zu welchen er gelangte, desto gründlicher würdigen zu können.

1. Von verschiedenen Sorten des gewöhnlichen käuflichen Stahles.

Man erklärt den Stahl seit langer Zeit als eine Verbindung von Eisen und Kohlenstoff, in welcher zufällig sich andere Bestandtheile finden können24); indessen haben die Analysen von |90| Boussingault (Anal. de Chimie Jan. 1821. Polytechn. Journal 1821) wie es scheint, erwiesen, daß der Kehlenstoff nicht absolut nothwendig ist, um aus dem Eisen etwas zu erhalten, das die Eigenschaft des Stahles besizt, indem er, wie er sagt, nach Clouets's Verfahren, trefflichen Stahl ohne ein Atom Kohlenstoffes aus 99,20 Eisen und 0,80 Silicium erhielt.

Was uns betrifft, so glauben wir, daß der Stahl (der eigentliche Stahl) wirklich eine Verbindung von Eisen und Kohlenstoff ist, und wir gründen unsere Meinung auf die directeste, die entscheidenste und unbestreitbarste Erfahrung, die jemals gemacht wurde, auf die unseres Collegen Hatchett, welcher, nachdem er mit Guyton de Morveau die Verbrennung des Demantes durch die Sonnenstrahlen mittelst eines Brennspiegels gezeigt und erwiesen hat, daß derselbe bloß aus reinem Kohlenstoffe besteht, seinen Freunden, Welter und Clouet, vorschlug, Stahl aus einer Verbindung von Eisen und Demant, oder reinem Kohlenstoffe zu machen. Dieser schöne, aber heut zu Tage zu sehr vergessene. Versuch wurde den 12. August 1799 im Laboratorium der polytechnischen Schule angestellt. Man bediente sich eines Schmelztiegels aus weichem Eisen, den Clouet selbst aus auserlesenen Stiften clous (d'èpingle) schmiedete. Der Tiegel hatte 8 Flächen, und konnte mit einem aus demselben Eisen verfertigten Pfropfe, der genau darauf paßte, verschlossen werden.

Wir glauben hier das über diesen Versuch aufgenommene Protokoll anführen zu müssen.

„Der angewendete Demant, sagt das Protokoll, wog 907 Milligrammen. Da er nicht den ganzen Raum des Tiegels einnahm, so füllte man diesen mit Eisenfeile von demselben Eisen aus, aus welchem der Tiegel selbst geschmiedet war. Der Tiegel wurde mit seinem eisernen Propfe, den man mit Gewalt eintrieb, so geschlossen, daß so wenig Luft als möglich in dem Innern desselben zurükblieb. Der Tiegel und sein Propf wogen zusammen 55,8 Gr.; die Eisenfeile, die den Demant bedekte, 2 Gr.; die Menge des den Demant umgebenden Eisens war also 57,8 Grammen.“

|91|

„Nachdem der hervorragende Theil des Pfropfes25) abgenommen worden war, sezte man den eisernen Tiegel allein, ohne Dazwischenkunft irgend einer fremdartigen Materie, in einen sehr kleinen hessischen Tiegel, und diesen in einen zweiten gleichfalls hessischen Tiegel: der Zwischenraum zwischen diesen beiden Tiegeln wurde mit Kieselsand ausgefüllt: welcher von allen eisenhaltigen Bestandtheilen vollkommen befreit war, und der äußerste größte Tiegel wurde endlich mit einer Paste aus gestoßenen hessischen Tiegelscherben und rohem Thone verkittet, und die ganze Vorrichtung ungefähr eine Stunde lang dem Feuer einer Schmiede-Esse mit drei Gebläsen ausgesezt.“

„Nachdem alles gehörig erkaltet war, fand man in dem inneren hessischen Tiegel den eisernen Tiegel in einen Klumpen Gußstahl verwandelt; er bildete mit seinem Pfropfe und mit der Eisenfeile nur mehr eine rundliche und vollendete Masse mit Ausnahme einiger Kügelchen, die sich davon abgelöst hatten, und die nur 884 Milligrammen betrugen. Der Stahlklumpen wog 55,500 Gram.; das ganze Gewicht des erhaltenen Stahles betrug damals 56,384 Gram. Da aber das Eisen und der Demant vor der Operation 58,707 Gramme wogen, so erlitt folglich das Eisen ungefähr 2,323 Gramme Verlust. Dieß Eisen gab dem hessischen Tiegel eine Reißbleifarbe.“

Unterzeichnet Clouet, Welter, Hatchete.

Das Eisen ist während dieser Operation so vollkommen geflossen, daß es selbst auf seiner Oberfläche Spuren der schönsten Krystallisation zeigte, und es ist unmöglich zu glauben, daß irgend ein Theil des Demantes in seinem Innern unangegriffen hätte bleiben können, und nicht auf das Wenigste sich mit dem Eisen verbunden hätte; der Unterschied der specifischen Schwere selbst gestattete eine solche Vermuthung nicht26).

|92|

Der Demant ist also, wie unser College Hatchette es vermuthete, durch die Anziehungskraft, welche das Eisen bei der Temperatur, die auf beide wirkte, auf ihn äußerte, verschwunden: er verschwand aber nur als Kohlenstoff, weil das Product seiner Verbindung dieselben Eigenschaften an sich trägt, die dieser Stoff zu ertheilen vermag. Nun konnte die Verwandlung des weichen Eisens des Tiegels in Stahl keinem Zweifel mehr unterliegen, und wirklich brachte auch ein Tropfen verdünnter Salpetersäure, nachdem dieser Stahl angeschliffen wurde, auf der Stelle einen dunkelgrauen Fleken hervor, der demjenigen durchaus ähnlich war, welchen diese Säure auf jedem englischen, oder nach Clouet's Verfahren gegossenem, Stahle hervorbringt.

Man unterscheidet im Handel gewöhnlich dreierlei Arten Stahles, nämlich 1tens den rohen Stahl, 2tens Cämentstahl, 3tens den Gußstahl; künftig wird man aber auch, nach den neuesten Versuchen unserer Chemiker, eine vierte Art, den legierten Stahl aufführen müssen.

I. Roher Stahl (acier de forge).

Der rohe Stahl, den man auch natürlichen Stahl (acier naturel), Schmelz-Stahl (acier de fusion), schweißbaren Stahl (acier soudabl), auch deutschen Stahl (acier d'Allmagne) nennt, weil er vorzüglich aus Deutschland nach Frankreich kommt, wird auf dem Frischherde erhalten, wenn man gewisse leicht schmelzbare kohlenstoffhaltige Eisenerze oder Gußeisen in demselben behandelt. Insofern er nur die erste Bearbeitung erhalten hat, nennt man ihn rohen Stahl , (acier de forge, acier brut), auch Schmelzstahl (acier de fusion); wenn er aber in mehrere Zaine gestrekt und geschmiedet wurde, und man einen Büschel daraus gemacht hat, wird er Stahl von zwei Marken (acier á deux marques) und endlich von drei Marken (à trois marques), wenn diese Zaine öfters gestrekt und zusammen gewunden werden.

Dieser Stahl steht den beiden andern nach, denn er ist weich; da er indessen einige nur ihm allein zukommende Eigenschaften besizt unter welche vorzüglich der Umstand gehört, daß er nicht so leicht als die andern Stahlarten in den vorigen |93| Zustand des Eisens zurük tritt; daß er, ohne dadurch schlechter zu werden, einen größern Grad von Hize ertragen kann; daß er sich leicht schmieden und schweißen läßt, und überdieß gewöhnlich wohlfeiler zu stehen kommt, so gibt man ihm in vielen Fällen vor den übrigen Stahlarten den Vorzug.

Zu diesem Rohstahle oder natürlichen Stahle wird der im Handel in Kisten von 0,65 bis 0,90 Länge27) gepakte steyrische Stahl gerechnet, der deutsche Stahl in Stangen, die mit einem Anker und sieben im Kreise stehenden Sternen bezeichnet sind; der Kölnische in kleinen Stäben von 0.08 Länge, 0,027 Breite und 0,013 Dike, welche in Fässern gepakt werden; der ungrische in Bündeln von 4 bis 6 Stäben, die mit Eisen zusammengebunden werden, und mit einem Eichenblatte bezeichnet sind; der Solinger und der französische von Rives, aus dem ehmaligen Nivernois, aus den Pyrenäen etc., in kleinen Stäben von 0,16 bis 0,18 Länge, in Ballen gepakt.

Der Name Rosenstahl (acier á la rose), den man diesem Stahle öfters zu geben pflegt, rührt von dem gelben, pommeranzenfarbigen oder blauen Fleke her, den diese Stangen nicht selten auf ihrem Bruche zeigen. Man unterscheidet ferner noch diesen rohen Stahl unter verschiedenen Benennungen theils nach den demselben aufgedrukten Zeichen, theils nach seinem Korne und nach der Menge seiner Adern, und wohl auch nach der Zahl der Bearbeitungen, Frischungen und Hämmerungen, die ihm zu Theil geworden sind.

II. Cämentstahl.

Cämentstahl ist eine Verbindung von reinem Eisen und von Kohlenstoff bei einer hohen Temperatur28); man erhält ihn, indem man lagenweise in einer blechernen Büchse Gußeisen und Thon oder Ziegel, oder in Tiegel Stäbe aus reinem Eisen und gepulverte Kohlen, oder das in Stahlfabriken gewöhnliche |94| Cäment29) einträgt. In einigen Fabriken befeuchtet man die Kohle etwas, damit die Lagen desto dichter gebildet werden können; in andern vermeidet man hingegen dieses Benezen auf das Sorgfältigste, und nimmt nur die trokenste Kohle die man erhalten kann, damit nicht das Wasser sich auf das Eisen werfe, und dasselbe oxidire30).

Einige nehmen nur mildes und weiches Eisen als das reinste; andere mildes und hartes, indem dieses bereits Kohlenstoff enthält, und weniger lang mit dem Cämente in Berührung bleiben darf31). Eine unerläßliche Bedingung, um guten Cämentstahl zu erhalten ist, daß man gutes Eisen wähle, und das beßte Eisen ist dasjenige, welches mit der größten Sorgfalt geschmiedet wurde, und dessen Theile alle so innig wie möglich vereinigt sind; dieß ist der Fall bei dem schwedischen Eisen, bei dem Eisen aus dem ehemaligen Berry, aus der ehemaligen Grafschaft Foix, wenn es gehörig geschmiedet und gegerbt wurde32).

Der Ofen wird auf 80 bis 90° am Pyrometer geheizt, und in dieser Temperatur 5, 6, 7, 8, ja selbst 10 Tage lang, je nachdem er weit ist, enthalten, und endlich langsam ausgekühlt.

|95|

Wenn man die Stäbe aus den Büchsen zieht, so haben sie am Umfang und am Gewicht gewonnen, und zwar desto mehr, je mehr Kohlenstoff sie innwendig durchdrang; einige Stahlfabrikanten glauben auch, je mehr Theile sich während der Operation oxidirten. Die Stäbe sind an ihrer Oberfläche gewöhnlich blasig, daher auch dieser Stahl alasiger Stahl (acier boursoufflé) genannt wird. Man hizt sie neuerdings, und schmiedet sie, und sie kommen dann als Hühnerstahl (acier poule) in dem Handel vor, und werden wegen der Blasen so genannt, die sich zuweilen an ihrer Oberfläche finden.

Dieser Stahl kann ein- zweimal oder öfters cämentirt werden, je nachdem er zu verschiedenen Zweken bestimmt ist. Er ist hart, brüchig, und sein Bruch ist blättrig; die Blattern ändern sich vom Mittelpunkte gegen den Umfang hin, je nachdem der Kohlenstaub mehr oder minder in das Innere dieser Stäbe durchdrungen ist: ein Umstand, auf welchen man wohl zu achten hat. Denn es giebt, wie unser achtenswerthe Präsident in seiner technischen Chemie bemerkte33), ein gewisses Ebenmaß im Stahle zwischen Kohlenstoff und Eisen: wird dieses überschritten, so wird der Stahl schlecht, und nähert sich entweder dem Gußeisen oder dem weichen Eisen.

Der Cämenstahl läßt sich schwerer schmieden und schweißen, als der rohe Stahl; er wird desto schlechter, je öfter man ihn in das Feuer bringt, und wird, wenn man ihn oft geschmiedet hat, endlich zu weichem Eisen. Er fodert eine geringere Temperatur zu seiner Härtung als der rohe Stahl, erhält durch dasselbe ein feineres Korn, wird weniger glänzend auf dem Bruche, und läuft, wo man ihn durch Einwirkung der Wärme erhizt, leichter blau an.

Nach Tiemann muß gut cämentirter Stahl weiß seyn, und nach dem Härten weder schwarze Ränder noch schwarze Fleken bekommen.

Der Blasenstahl von Newcastle, (acier à boules de Nowcastle) von Brunck, der in der Büchse geschweißte Stahl (soudé en boîte), der wieder cämentirte |96| und aufgetriebene Stahl (recèmentè et boursoufflè) der geschmiedete Stahl (forgè) sind Arten von Cämentstahl, welchen verschiedene Zeichen aufgedrükt werden.

III. Gußstahl.

Man erhält den Gußstahl, wenn man in einem geschlossenen Tiegel rohen oder Cämentstahl mit gestossenem Glase, etwas Kalk und Kohlenpulver, oder bloß mit gestossenem Glase und Kohle schmilzt34).

Nach Vanderbroeck verfertigt man heute zu Tage den sogenannten Marschall-Stahl und Huntzmann-Stahl (acier Marschall et acier Huntzmann), indem man grauen und gekohlstofften Guß und weißen Guß mit Eisenabfällen, Eisenfeile und selbst mit Stahlabfällen zusammen schmilzt.

Man kann denselben nach Clouet's Methode35) dadurch erhalten, daß man bei dem Feuer einer Schmiedeesse drei Theile Eisen, einen Theil kohlensauern Kalk36) und einen Theil gebrannten Kalk in einem guten Tiegel zusammen schmilzt.

Gußstahl ist der schönste, der gleichste, der gleichförmigste unter allen im Handel vorkommenden Stahlarten, und kommt entweder roh vor, so wie er aus dem Guße tritt, oder geschmiedet und verfeinert.

Der rohe Gußstahl, der noch die cylindrische Form der Model an sich trägt, in welchen er gegossen wurde, hat einen dichten, ebenen, feinkörnigen, gleichförmigen, in's weißlich Graue ziehenden Bruch, läßt sich schwer schmieden, und kann nur nach hinlänglicher Bearbeitung leicht geschmiedet und geschweißt werden.

Der geschmiedete Gußstahl kommt in Stäben von verschiedener Dike vor, und läßt sich leichter schmieden und schweißen als der rohe: die Fabriken der Hrn. Marschall und Kuntzmann sind die berühmtesten.

|97|

Diese Art Stahles kann bei einer weit niedrigeren Temperatur als alle übrigen gehärtet werden37); sein Bruch ist dicht, sein Korn fein, gleich, gleichförmig; erbläßt sich ohne irgend eine Spur von einem harten oder ungleichen Korne feilen; nimmt nach dem Härten eine schöne Politur an, und seine Schneide wird, ohne die mindeste Rauhheit, so fein als möglich.

Das Mutz (Wootz) oder der Bombay-Stahl, wahrscheinlich derjenige Stahl, den die Griechen, nach Clemens von Alexandrien38), Ινδικόν Σιδηρον nannten, und der nach Pollux 39) Σιδηρον ξομωμα zu Homer's Zeiten hieß, ist Guß-Stahl, in welchem die chemische Analyse40) nichts als einen geringen Antheil von Kieselerde und Thonerde, mit Eisen verbunden, entdeken konnte. Dieser Stahl war in Frankreich schon vor jener Sendung bekannt, in welcher Dr. Scot im Jahr 1795 denselben an Sir Joseph Banks geschikt hat; denn 1tens sagt Perret41) , daß er den Stahl der Damascener-Klingen untersuchte, welcher mit dem Wutz einerlei ist, und er zeigt den Grad der Hize an, den man demselben zu geben hat. 2tens sagt Bazin 42), daß der Herzog von Orleans, als Regent, auf den Bericht, der ihm über Erzeugung von Damascener-Klingen aus Stahlstäben von indischem Stahle43) gemacht wurde, solchen aus Cairo kommen ließ; daß aber die Messerschmiede und Schwertfeger denselben nimmermehr bearbeiten konnten, und daß sie |98| denselben, ohne Anstand, für verwerflich erklärt haben würden, wenn nicht eine durch mehrere Jahrhunderte unbestrittene Erfahrung den Werth desselben begründet und ihnen folglich Achtung eingeflößt hätte 44).

Chardin und Tavernier waren die ersten, die uns mit dem indischen Stahle bekannt machten, und in dieser Hinsicht glauben wir unseren Lesern, da die Natur des Wutz heute zu Tage mit Bestimmtheit bekannt ist, ein Vergnügen zu machen, wenn wir ihnen die, vor beinahe 150 Jahren von einem dieser beiden berühmten Reisenden gesammelten Nachrichten, die von denjenigen, welche nach ihnen die Levante bereisten, ihre Fußstapfen verfolgten, und sie nur zu oft ausschreiben, ohne sie zu nennen, nur zu sehr verkannt wurden, hier mittheilen. Die Nachrichten, welche Tavernier über diesen Stahl uns hinterließ, sind um so interessanter, als er schon die Weise kannte, nach welcher die Orientalen an demselben das sogenannte damascirte, krystallinische Gefüge zwischen dem Dscheiohär (was die Engländer flowering, blumig nennen) mittelst einer schwefelsauren Mischung, deren man sich noch heute zu Tage unter dem Namen Zagh im Oriente bedient, und den Barruel für sauren schwefelsauren Thon und für schwefelsaures Eisen erklärt, durchschimmern zu lassen wissen45).

|99|

Die Perser, sagt Tavernier, verstehen sehr gut ihre Säbel mittelst Vitriols zu damasciren, und eben so ihre Messer |100| und andere ähnliche Werkzeuge46); allein auch die Natur des bei denselben angewendeten Stahles trägt sehr viel dazu bei; |101| denn sie könnten weder aus dem ihrigen, noch aus dem unserigen dasselbe verfertigen. Dieser Stahl kommt aus Golconda, |102| und ist allein derjenige, der sich damasciren läßt: auch ist er ganz verschieden von dem unseligen: denn wenn man ihn zur Härtung in das Feuer bringt, darf man ihm nur eine schwache Röthe, ungefähr wie kirschroth geben; und statt ihn, wie wir es mit unserem thun, in Wasser zu stoßen, darf |103| er nur in ein nasses Tuch gewikelt werden; denn, wenn man ihm dieselbe Hize, wie dem unserigen gäbe, würde er so hart werden, daß er bei der weiteren Verarbeitung wie Glas brechen müßte.

|104|

„Man verkauft diesen Stahl in Kuchen von der Größe eines Brotes, das man um einen Sou erhält, und, um zu sehen, ob er gut und nicht verfälscht ist, (denn mancher ist nicht gehörig zubereitet, und läßt sich nicht damasciren) schlägt man ihn entzwei: ein Stük reicht zu einem Säbel hin. Ein solcher Stahlkucken, der zu Golconda nur 9–10 Sous kosten würde, wird in Persien mit 4 bis 5 Abassis (der Abassi galt zu Tavernier's Zeiten, um 1650), 18 1/2 Sous unseren Geldes, bezahlt; und je weiter er verführt wird, desto theuerer kommt er zu stehen: in der Türkey gilt er schon an 3 Piaster, und er wird nach Constantinopel, nach Smyrna, nach Aleppo und nach Damascus verführt; an lezteren Ort kam er ehemals, als der indische Handel auf dem rothen Meere über Cairo seinen Zug hatte, am allerhäufigsten. Heute zu Tage wo der König von Golconda die Ausfuhr dieses Stahles aus seinem Lande auf alle Weise erschwert, sucht auch der Schach von Persien auf alle erdenkliche Art zu hindern, daß der bereits eingeführte nicht wieder hinausgeschleppt wird.“

„Ich schreibe diese Bemerkungen nieder“ sagt Tavernier „um diejenigen zu Recht zu weisen, welche glauben, die türkischen Säbel und Messer würden aus Stahl von Damascus verfertigt, was unrichtig ist, indem, wie ich sagte, es keinen anderen Stahl, als Golconda-Stahl, gibt, der sich damasciren läßt, ohne, wie der unserige, durch diese Operation zerfressen zu werden.“

4. Legierter Stahl.

Wir verdanken den HHn. Stodart und Faraday, welche uns die erste Analyse des Wutz mittheilten, auch die erste Kenntniß der Stahl-Legierung, namentlich der Verbindung des Stahles mit gekohlstofftem Eisen. Diese neu entdekten Stahlarten scheinen von dem wohlthätigsten Erfolge für die Künste seyn zu müßen; indessen kennen wir ihre Eigenschaften noch zu wenig, um dieselben beschreiben zu können: die Zeit, und vor allem die Erfahrung, wird uns allein die Zweke kennen lehren, zu deren Erreichung sie vorzüglich geschikt sind, und die Künste, welche sich vorzugsweise derselben an der Stelle der gewöhnlichen Stahl-Arten werden bedienen können. Wir wollen uns hier bloß darauf beschränken, diese Stahl-Legierungen |105| aufzuzählen, und diejenigen besonders bemerken, deren Erfolg bereits erwiesen ist.

1) Stahl mit gekohlstofftem Eisen und Aluminium oder Silicium. Ueber die Natur und die Eigenschaften dieses Stahles kann man die Abhandlung der Herrn Stodart und Faraday in den Annales de Chimie et de Physique October 1820 nachschlagen. Wir beschränken uns bloß auf die Bemerkung, daß nach diesen Chemikern, so wie auch nach unseren Versuchen mit dem damascirten Stahle aus gekohlstofftem Eisen des Sir Henry, die wesentliche Eigenschaft dieses Stahles darin besteht, daß er seine Damascirung auch nach dem Schmelzen ohne alle Zuthat behält.

2) Stahl mit Silber. Die Herren Stodart und Faraday haben, nachdem sie nach und nach 200, 300, 400, und endlich 500 Theile Stahles mit Einem Theile Silber legierten, hiedurch eine Stahl-Legierung erhalten, die sich obschon äußerst hart, doch vollkommen gut schmieden ließ, und welche, nach ihrer Versicherung, entschiedene Vorzüge vor dem beßten Stahle besizt, welche Vorzüge ihnen einzig und allein von dem geringen Antheile des damit verbundenen Silbers herzurühren scheinen. Man hat aus diesem Stahle verschiedene schneidende Werkzeuge von der beßten Qualität verfertigt.49)

3) Stahl und Rhodium. Diese Legierung, welche die englischen Chemiker nach dem Rathe des Dr. Wollaston mit dem beßten Erfolge versuchten, besteht aus 1 bis 2 Theilen Rhodium und 100 Theilen Stahl. Sie betrachten diese Legierung als die vorzüglichste, indem sie, wo sie von den Eigenschaften und Vorzügen des Silber-Stahles sprechen, beifügen, daß dieser Silber-Stahl dem Rhodium-Stahle allein nachstünde, dessen ausgezeichnete Härte so merkwürdig ist, daß, wenn man einige Stüke desselben durch neues Feuer erweicht, diese um 30° Fahrenheit (ungefähr 17° am hundertgrädigen Thermometer) mehr Hize fodern als das beßte Wuz, das selbst schon um 40° Fahrenheit (22° am hundertgrädigen Thermometer) mehr Hize fodert, als der beßte englische Guß-Stahl.

4) Stahl und Platinna. Das tauglichste Verhältniß |106| zur Stahlverbesserung ist, nach Stodart und Faraday, 1 bis 3 zu 100, oder noch besser 1,50 Platinna auf 100, wenn man schneidende Instrumente daraus verfertigen will. Wir wissen nicht in welchem Verhältnisse Herr Degrand-Gurgey 50), welchem die Société d'Encouragement im Jahr 1820 für seine mit Platinna damascirten Klingen eine Medaille zuerkannte, seinem Stahle Platinna zusezt; wir hatten aber Gelegenheit, uns von der Vortrefflichkeit seiner Stahl-Legierungen zu überzeugen, welche gegenwärtig nicht bloß in Frankreich, Italien, Rußland, und in Amerika, sondern selbst im Oriente, wo Degrand-Gurgey bedeutende Sendungen hin macht, den größten Absaz finden.

5) Stahl und Chromium. Den Chrom-Stahl verdanken wir unserem Collegen, dem Markscheider Herr Berthier. Er machte diese Legierung in dem Verhältnisse von 0,010 und von 0,015. Herr Mérimée, der dieselbe von einem unserer ersten Messerschmiede, Herr Cardaillac, prüfen ließ, fand, daß er vollkommen hämmerbar war, und daß die erstere dieser Legierungen sich sogar noch leichter bearbeiten ließ, als reiner Guß-Stahl. Man hat ein Messer und ein Barbiermesser daraus verfertigt: die Schneide beider, die man sehr gut fand, war hart und solid. Diese Klingen bothen eine schöne weißaderige Damascirung dar, die selbst sehr stark silberweiß glänzte. Man wird diesen Stahl zu allem brauchen können, wozu man damascirten Stahl nöthig hatte51).

Die übrigen Stahl-Legierungen wollen wir umgehen, und bemerken nur noch, daß die Herren Stodart und Faraday eine gute Legierung aus Gold und Stahl erhielten. Sie geben aber die Verhältnisse nicht an, und gestehen, daß sie noch keine Erfahrung über diese Legierungsart besizen. Herr Bréant hat ähnliche Legierungen versucht, über welche Herr Mérimée neulich einen zweiten Bericht erstattete.

|107|

Wir glauben hier noch des Kiesel-Stahles erwähnen zu müssen, den Boussingault 52) nach Art des Clouet'schen Guß-Stahles erhalten zu haben versichert, und in welchem er 99,20 Eisen und 0,80 Silicium ohne allen Kohlenstoff gefunden hat53). Dieser Stahl ließ sich schwerer hämmern, als Bérardière's Guß-Stahl; Salpetersäure erzeugte keine Fleken auf demselben, er löste sich in verdünnter Schwefelsäure schwer auf, und behielt während seiner Auflösung seinen Metall, Glanz.

Als Anhang wollen wir hier noch des Meteor-Eisens erwähnen, als einer natürlichen Chrom- und Nikel-Legierung, aus welchem man durch Schmieden damascirten krystallinischen Stahl von der beßten Eigenschaft, und vollkommen ähnlich dem indischen Stahle erhalten hat. Herr Sowerby hat eine Degenklinge aus Südafrikanischem Meteor-Eisen verfertigen lassen, die Herr Barrow mitbrachte, und in welcher Tennant bis an 10 Theile Nikel auf 100 Theile Eisen gefunden hat54). Diese Klinge erhielt durch Härtung eine große Elasticität, und ist gegenwärtig ein Eigenthum des Czar aller Reußen55).

Herr Héricart de Thury geht nun im 2 §. zur Betrachtung |108| und Würdigung der von Herrn Sir Henry vorgelegten damascirten Säbel, Messer und schneidenden chirurgischen Instrumente über, welche derselbe nach Herrn Barruel's Rathe verfertigte; er beschreibt die Stahlhütte desselben zu Bougival in der alten Mühle du Regard, die aus zwei Herden besteht, ein Rad von 6 Metern im Durchmesser treibt alle seine Polier-Werke und einen Hammer von ungefähr 75 Kilogrammen. Er beschäftigt auf dieser Hütte 25 Arbeiter.

„Was den Guß des Stahles betrifft“, so bedient Herr Sir Henry sich ohne Unterschied des englischen wie des französischen, und schmilzt entweder jeden einzeln oder beide in verschiedenen Verhältnissen gemengt, und zwar in einer Menge von 10 bis 12. Kilogrammen ungefähr. Die Bereitung, die er seinem Stahle gibt, ist eine Art von Cämentation, welcher er sowohl den rohen als den Guß-Sahl vom ersten, zweiten oder dritten Flusse unterwirft. Diese Operation dauert mehrere Tage und nach der längeren oder kürzeren Dauer derselben unterscheidet er seinen zugerichteten Stahl in Stahl von leichter, mittlerer, starker und hoher Verbindung (acier de légère, moyenne, fort et haute combinaision). Wir können und dürfen seinen Cämentations-Apparat nicht beschreiben, sind aber nicht von ihm beauftragt zu sagen, daß sein Hauptmittel gepulverte Holzkohle ist, daß er aber in einigen Fällen sich auch des gekohlstofften Eisens bediene, um dem Stahle krystallinisches Gefüge zu geben. Unter zubereiteten Stahl des Sir Henry versteht Herr Héricart de Thury also cämentirten Stahl.“

Hinsichtlich der Damascirung hat Herr Sir Henry weniger auf die Zeichnung oder das sogenannte Wasser Rüksicht genommen, als auf Veredlung des Stahles selbst. Seine Untersuchungen und Arbeiten über den Stahl brachten ihn auf die natürlichste Weise auf die Entwikelung der constituirenden Theile desselben, oder auf die Damascirung, die er bloß als Folge seiner Art, den Stahl zu bereiten, betrachtet, welche in der Stahl-Masse das damascirte Gefüge erzeugt. Da er auf das Damasciren keinen besondern Werth legt, so bemühte er sich auch nicht, die wahre indische oder orientalische Zeichnung auf seinem Stahle hervorzurufen, die man indessen auch auf seinem aus kohlenstoffhaltigen Eisen gefertigten Stahle von hoher Verbindung mehr oder |109| minder deutlich wahrnehmen kann. Uebrigens ist die Damascirung auch an diesem lezteren Stahle weder so deutlich, noch so elegant als jene am Platinn-Stahle des Herrn Degrandgurgey zu Marseille; sie ist an dem Stahle des Herrn Sir Henry, und zwar 1tens an dem Schweiß-Stahle und an allen aus diesem und aus dem Roh-Stahle gebildeten Gemengen gebändert, moirartig, gewunden, oder rosetten-ähnlich; 2tens an dem Guß-Stahle krystallinisch, schuppig, faserig, jaspisartig oder punctirt, was an diesem Stahle, wie an dem indischen, Folge der mehr oder minder vollkommenen Krystallisation der lezten Bestandtheile zu seyn scheint, welche, nach der Bereitungsart des Herrn Sir Henry, durch plözlich einwirkende starke Hize zerrissen oder von einander getrennt werden, und daher in diesem Guß-Stahle, wie in dem indischen, selbst bei'm neuen Schmelzen im Tiegel die kristallinische Damascirung behalten.

Herr Héricart de Thury unterzog die rohen Stahlarten, welche er Herrn Sir Henry zur Bearbeitung übergab, einer Analyse, und analysirte hierauf den daraus erhabenen, von Sir Henry bearbeiteten, Stahl. Folgende Tabelle gewährt eine Uebersicht dieser Analysen.

Arten des Stahles. Eisen. Kohlst. Silic. Phosph. Verschiedene nicht mehr
wägbare Substanzen.
I. Guß-Stahl
1*) Roher Guß-Stahl.
Martial oder
Marschall 98,925 0,520 0,550 0,005 Anzeig. von Braunstein
und Thonerde.
Derselbe zubereitet von
Sir Henry
98,915 0,545 0,540 – Spuren.
2) Englisch. Guß-Stahl.
Huntsmann
99,435 0,330 0,235 – Anzeigen v. Alaun.
Derselbe zubereitet von
Sir Henry
99,445 0,340 0,215 – –
3) Guß-Stahl von
de la Berardière
99,360 0,325 0,315 – Spuren v. Kupfer.
Derselbe zubereitet von
Sir Henry
99,360 0,335 0,305 – Ebenso.
––––––––––––––––––
*) Boussingault
sand in Clouet's Stahle

99,442

0,333

0,225


– –
|110|
Arten des Stahles.

Eisen.

Kohlst.

Silic.

Phosph.

Verschiedene nicht mehr
wägbare Substanzen.
II. Cäment-Stahl.
1**) Cäment-Stahl. 98,830 0,866 0,304 – Anzeigen v. Phosph.
Derselbe zubereitet von
Sir Henry
98,835 0,885 0,280 – –
III. Roher-Stahl.
1) Ungrisch. roher Stahl 98,945 0,250 0,805 – –
Derselbe zubereitet von
Sir Henry
98,950 0,265 0,785 – –
2) Roher Stahl, acier
de Rives
99,165 0,250 0,585 – –
Derselbe zubereitet von
Sir Henry
99,170 0,275 0,555 – –
–––––––––––––––––
**) Vauquelin im
Kemmelsdorffer Cäment-Stahle
( 98,531
97,587
( 0,789
0,631
0,315
0,252
0,345
1,52056)

Herr Héricart de Thury beschreibt von Seite 572 bis 578 die Proben, welche er mit dem Stahle des Herrn Sir Henry in Bezug auf seine Homogeneität und sein Korn, auf die Leichtigkeit in seiner Bearbeitung, auf seine Härte, auf seinen Körper und seine Stärke und auf seine Elasticität anstellte, und führt Seite 579 die schmeichelhaften Zeugnisse an, welche die ersten Wundärzte Frankreichs, Larrey, Percy, Dubois etc. den Instrumenten des Herrn Sir Henry ertheilten. Eben solches Lob ertheilt er auch den von Herrn Sir Henry verfertigten Waffen, und trägt am Schlisse auf Ertheilung der goldenen Medaille für diesen wakern Mann an, der ihm zwar alles zeigte, was er machte, nicht aber, wie er es machte. Hiemit entschuldigt auch Herr Héricart de Thury, der sich in den von ihm angestellten und beschriebenen Proben als feiner Stahlkenner beurkundete, den Mangel des Details in der Beschreibung der Stahlbereitung des Herrn Sir Henry.

|85|

Vergl. polyt. Journal B. 3. S. 91. Die vorstehende Abhandlung war dem Hrn. Berichterstatter noch nicht bekannt. D.

|85|

Art de convertir le fer forgè en acier et d'adaucir le fer fondu. Paris. 1722. ches Michel. A. d. O.

|86|

Revue enciclopédique. Juni 1819. Anal. d. Chimie. Oktober 1820. A. d. O.

|87|

Notice historique sur les alliages d'acrier et sur les Damas, Bulletin de la Société d'Encouragement. November 1820. Nr. 197. S. 313.

|87|

Bemerkung über das Verfahren bei der Stahl-Erzeugung in England. Bulletin de la Société d'Encouragement. 17 Jahrgang. S. 110. A. d. O.

|88|

Ueber Versuche, den Stahl durch Verbindung mit verschiedenen Substanzen zu verbessern. Bulletin de la Société d'Encouragement. Juli 1821. Nr. 205. S. 203. A. d. O.

|89|

Hr. Bréant hat dieselbe Erscheinung auch an einer Verbindung des Stahles mit Platinna, Hr. Mérimée an einer Mischung des Stahles mit Silber bemerkt, und wir haben sie mehr dann einmal auf eine sehr deutliche Weist an verschiedenen Stahl-Legierungen, die wir vergleichungsweise mit reinem Stahle in Citronen- oder andere Pflanzen-Säuren tauchten, wahrgenommen. A. d. O.

|89|

Rinamann erklärt in der Encyclopedie méthodique den Stahl als ein Eisen, welches, rothgeglüht in kaltes Wasser getaucht, härter wird, als es vor dieser Operation gewesen ist, und Hassenfratz, in seiner Siderotechnic, nennt ein Eisen, welches langsam erkaltet, alle Eigenschaften eines weichen Eisens besizt, durch das Erhärten aber, d.h. durch schnelles Erkälten eine solche Härte erlangt, daß es die härtesten Substanzen zu schneiden vermag, und zugleich auch eine Elasticität, durch welche es seine Stärke unterhalten und modificiren kann, Stahl. A. d. O.

|91|

Dieser Theil des Propfes und ein Rest des Stükes, aus welchem der Tiegel geschmiedet wurde, wurden dem Institute vorgelegt, um dasselbe über die Natur des angewendeten Eisens in Kenntniß zu sezen. A. d. O.

|91|

Einige Umstehende wünschten des Innere dieses Stahlklumpens zu sehen. Er wurde auf dem Ambosse zerschlagen, was erst nach vielen Schlägen mit einem schweren Hammer gelang. Er theilte sich in zwei Stüke, die bei der folgenden Sizung vorgelegt wurden: der Bruch war vollkommen gleichförmig und von dem schönsten Korne. A. d. O.

|93|

Im Originale ist nirgendwo das Maß, von welchem diese Decimalen genommen sind, angegeben: wahrscheinlich ist es das französische Grundmaß: Metre. A. d. Ueb.

|93|

Man bedient sich des milden und weichen Eisens, als des reinsten, oder des milden und harten, welches bereits Kohlenstoff enthält, und welches nicht mehr so lang der Cämentation ausgesezt werden darf. A. d. O.

|94|

Die gebräuchlichsten Cämente sind jene Réaumur's aus

0,8oder0,4 Talg,
0,40,4 Holzkohle,
0,40,8 Asche,
0,30,3 Kochsalz.

Einige Stahlfabrikanten ziehen heute zu Tage die thierische Kohle der Holzkohle vor, wovon wir übrigens den Grund nicht einsehen. Wir verwerfen alle Geheimnisse bei der Cämentation, indem wir gepulverte Kohle für das beste Cäment halten, unter der nothwendigen Bedingung daß die Theilchen des Eisens während der Cämentation sich durch den Wärmestoff hinlänglich von einander entfernen, um sich auf eine gleichförmige bis in ihr Innerstes dringende Weise mit dem Kohlenstoffe selbst zu verkörpern. Unter den Cämenten, die dem Stahle am meisten neue Eigenschaften zu ertheilen vermögen, müssen wir des kohlenstoffigen Eisens erwähnen, von welchem wir noch unten sprechen werden. A. d. O.

|94|

Journal de Arts et Manufactures. T. I. p. 41. A. d. O.

|94|

Thénard, traitè de Chimie théorique et pratique; de l'acier ou proto-carbure de fer. T. I. pag. 345. A. d. O.

|94|

Avis aux. ouvriers en fer sur la fabrication de l'acier. Paris de l'imprimerie du departement de la guerre. A. d. O.

|95|

Chimie appliquée aux art, par Monsier le Comte Chaptal. Paris 1807. A. d. O.

|96|

Monge, Vandermonde et Berthollet, Avis aux ouvrier en fer sur la fabrication de i'acier fondu. A. d. O.

|96|

Journal de Mines, Tom. IX et XVIII. A. d. O.

|96|

Man macht auch sehr guten Clouet'schen Stahl, wenn man Kalk statt des Kalksteines nimmt. Boussingault. Anal. de Chimie. Tom. XVI. Jan. 1821. A. d. O.

|97|

Perret, Mém. sur l' acier fondu, couronné far la Société de Genève. A. d. O.

|97|

Paedagogia II. p. 161. Colon. 1685. A. d. O.

|97|

III. S. 121. A. d. O.

|97|

Philosophical Transactions 1795. Journal de l'Institution royale vol. VII. Bibliothéque britannique T. XII. XIII. A. d. O.

|97|

Mémoire sur l' acier, couronné par la société de Genéve. A. d. O.

|97|

Bazin, Traitè de l'acier Strasb. 1737. Réaumur, Art de convertir en acier etc. A. d. O.

|97|

Diese angeblichen Stahlstäbe waren wahrscheinlich Stüke gegossenen Stahles, die allmählig in den Tiegeln erkalteten, wie die Gußblöke von Wutz. A. d. O.

|98|

Art de convertir le fer forgé en Acier. Paris. 1722.

|98|

Wir hoffen den Dank unserer Leser zu verdienen, wenn wir hier das Verfahren der Orientalen anführen, durch welches sie ihren Klingen das sogenannte Dscheiohär (Giohar) oder jenen Spiegelglanz, jenes brillantne und metallische Blizen ertheilen, das eine der vorzüglichsten Eigenheiten der orientalischen Waffen ist. Wir sind dem Hrn. Baron Puymaurin, Mitgl. d. Kammer der Depurtirten, und Director der Medaillen-Münze, die Kenntniß dieses, von Hrn. Barker, englischen General-Consuls zu Aleppo mit aller möglichen Sorgfalt beschriebenen Verfahrens schuldig. (Annual Register pour 1818.) So weit unser französisches Original, dessen Uebersezung aus dem Englischen wir (weil die Leute von uns sagen, wir übersezen gar so erbärmlich; Hesperus 1822) mit der englischen Urschrift des Hrn. Barker in den Fundgruben des Orients von Hrn. v. Hammer, Fol. Wien 1816. 5 Band. S. 40, verglichen, und nicht ganz treu gefunden haben. Der Hesperus mag die französische Uebersezung im vorliegenden |99| Bulletin S. 361 mit der unserigen nach dem Originale beleuchten. Bemerken müßen wir für unsere Leser, daß diese Fundgruben, freilich nur als Nebensache, auch manchen technischen und ökonomischen, bisher unbekannt gebliebenen, Schaz enthalten.

Methode, das Giohare (Dscheiohaer) oder den Damast (flowery grain) auf den persischen Säbeln, die man gewöhnlich Damascener-Klingen nennt, aufzufrischen. Von Hrn. Joh. Barker, General-Consul Sr. königl. brit. Majestät zu Halep.

Ich hatte mir zwei Kermani Dabans gekauft, und da ich bemerkte, daß sie an einigen Stellen gelbliche Fleken hatten, die sie entstellten, so wandte ich mich an einen Schwertfeger um das Dscheiohär aufzufrischen.

Diese Operation geschah, in meiner Gegenwart, vor Sonnen-Ausgang, weil das helle Tageslicht, wie man mir sagte, den Arbeiter hindern würde zu sehen, ob die Klinge gleichförmig roth glüht, oder nicht: denn von der vollkommenen Gleichförmigkeit des Glühens hängt das Gelingen des ganzen Verfahrens ab. Die gelblichen Fleken sind eben dadurch entstanden, daß man es an der Gleichförmigkeit des Glühens versah.

Der Schwertfeger richtete einen hölzernen Trog von der Länge der Klingen, und 4–5 Zoll Breite und Tiefe vor, und füllte denselben mit einer Flüßigkeit, die aus gleichen Theilen Schiuridsch oder Sesam-Oel, Schöpsen-Talg, Jungfern-Wachs, und persischer Naphtha (Naft, einer Art Erdharz) oder vielmehr aus den Hefen derselben bestand, denn sie würde rein zu kostbar seyn.

Er sing nun damit an, daß er in einem kleinen irdenen Topfe Holzkohlen anzündete, diese, nachdem sie in gehöriger Gluth standen, nach der Figur der Klinge auf der Erde ausbreitete, und lose Steine rings um dieselben legte, um sie bei einander zu halten.

Hierauf fächelte er sie, bis sie über und über roth glühten, und legte die Klinge flach auf die glühenden Kohlen: er hatte aber vorerst den Griff umgebogen, um denselben mittelst einer Zange paken zu können.

Sodann bedekte er die ganze Klinge auf das Genaueste mit frischer noch nie angebrannter Holzkohle, und fuhr fort, mit einem großen türkischen Flederwische so gleichförmig und so stark als möglich zu fächeln, bis die lezten Kohlen eben so roth wurden als die ersten. Als er nun glaubte, daß die Klinge heiß genug wäre (was man natürlich nur aus Erfahrung wissen kann), um in den oben beschriebenen Trog getaucht zu werden, so ergriff er diesen Augenblik, von welchem das ganze Gelingen der Operation abhängt: denn bleibt die Klinge nur etwas zu lang |100| im Feuer, so wird der ganze Dscheiohär ausgelöscht, und ist sie noch nicht heiß genug, oder nicht gleichförmig in Gluth, so entsteht der Fehler, den wir eben ausmerzen wollten.

Als er die Klinge in den Trog tauchte, schien sie mir die Farbe eines alten schmuzigen (englischen) Soldatenrokes zu haben, oder kirschroth gewesen zu seyn.

Während er dieß that, gab er sehr darauf Acht, daß kein Theil der Klinge vor dem anderen mit obiger Flüßigkeit ehe in Berührung kam, als in dem Augenblike, wo sie ganz in derselben untertauchte. Er ließ sie einige Minuten in dem Troge zum Abkühlen.

Hierauf nahm er sie wieder heraus, legte sie auf die heißen Kohlen, fächelte einen Augenblik, um das daran hängende gestärkte Fett in Feuer zu bringen, und als sie nicht mehr rauchte, ließ er sie wieder kalt werden, und schabte sachte mit dem Rüken eines Messers die Asche von der Masse ab, die noch daran hängen blieb *).

Die Holzkohle, die er brauchte, bestand aus Stüken von 1/2–3/4 Kubikzoll ungefähr; die beßte ist jene, die aus Föhren gebrannt wird: sie muß frisch und noch niemals gebraucht worden seyn, denn einmal angezündete und dann ausgelöschte Kohle taugt durchaus nicht.

Ich bemerkte, daß er die Klinge an ihrem dikeren Ende mehr als an der Spize fächelte.

Die Flüßigkeit in dem Troge kann bei einer großen Anzahl von Klingen gebraucht werden; sie wird sogar je älter desto besser, und darf nur nachgefüllt werden, wenn sie allmählig zu wenig wird.

Da die Klinge während des Härtens etwas krumm wurde, strekte er sie, und zog sie dann auf einem kreisförmigen Schleifsteine ab. Politur gab er ihr auf folgende Weise. Er legte sie auf ein Brett, und rieb mit einem Stüke Holz, Oel und Schmergelpulver tüchtig über dieselbe; endlich glättete er sie mit einem Stük Eisen so lang, bis sie vollkommen glänzte, und von einem gewöhnlichen englischen Säbel nicht mehr zu unterscheiden war. Dieses Polieren dauerte fünf bis sechs Stunden.

Um das Oel weg zu bringen, nahm er nun Kalk, und hüthete sich dabei sorgfältig, die Klinge mit seinen Fingern zu berühren, indem diese von allem Fette auf das Genaueste befreit seyn muß, wenn sie das Dscheiohär gehörig annehmen soll.

*) Das französische Original fügt hier in (?) bei: „Dieses Wiederauflegen der Klinge auf Kohlen scheint uns vielmehr dazu zu dienen, derselben eine neue Frischung zu geben, und die Härtung zu mildern, als bloß das Fett wegzubringen.“

|101|

In dieser Absicht rieb er auch noch die Klinge mit Tobak-Asche und Wasser.

Er füllte hierauf einen Kufen, woraus man Pferden zu trinken gibt, und einen kleinen bleiernen türkischen Trinkbecher mit Wasser (ein gläsernes oder porcellanenes Gefäß würde eben so gut zu brauchen seyn, nur darf man kein anderes metallnes Gefäß nehmen, als eines von Blei). *)

In diesem Becher löste er in wenigen Minuten etwas Zagh **) in reinem Wasser auf.

Er bestrich hierauf mit den Spizen seiner Finger die Klinge schnell von eben bis unten, und ließ sich's, wie es schien, angelegen seyn, daß dieses auf die möglich gleichförmigste und schnellste Weise geschehe.

Alle zwei oder drei Minuten wusch er die Klinge in dem Wasser im Kufen rein, und wiederholte diese Operation mit der Zagh-Auflösung acht- bis zehnmal, nämlich so lang, bis er sah, daß das Dscheiohär auf neues Befeuchten mit dem Zagh nicht wehr deutlicher hervortrat.

Hierauf troknete er die Klinge und beölte sie. Wenn die lezte, Operation im Winter vorgenommen wird, so muß das Wasser, in welchem man das Zagh auflöst, etwas erwärmt werden.

Die Namen, unter welchen die verschiedenen Arten von Damascener-Klingen vorkommen, sind, nach ihrem Range gereiht, folgende: 1. Kermani Daban; 2. Lahori Karà-Khorasàn; 3. Lahori Neiris; 4. Dischi Dabän; 5. Herkèk Dabàn; 6. Elif Stambul; 7. Eski Scham; 8. Bayaz Khorasàn; 9. Sari Hindi; 10. Kaum Hindi.

Es gibt Säbel, welche, wie die persischen Feuergewehre, nur mit jener Art von Stahl, der das Dscheiohär gibt, platirt oder überzogen sind; sie lassen sich aber leicht erkennen, wenn man sie am Rüken sorgfältig untersucht.

Die Kunst das Metall zu gießen, aus welchem die persischen Klingen verfertigt werden, ist verloren gegangen, obschon noch immer einzelne |102| Klumpen vorkommen, welche, ihrer Form nach, zeigen, daß sie in Modeln gegossen wurden.

Sie werden zu Klingen für Säbel, Dolche und Messer verarbeitet, sind aber zuweilen nicht hämmerbar genug, um auf irgend etwas benüzt werden zu können, wahrscheinlich weil auch die Kunst sie gehörig zu bearbeiten zugleich mit jener sie zu gießen und zusammenzusezen (denn sie scheinen nicht ein einfaches unzusammengeseztes Metall zu seyn) verloren ging.

Anweisung das sogenannte Wasser auf den persischen Flinten-Laufen aufzufrischen.

Man nimmt den Lauf, der durch Abnüzung während des Gebrauches oder durch Rost sein schönes Wasser verloren hat, und reibt ihn Mit grobem Papiere (scowering paper) oder mit etwas anderem, bis er gewöhnlichem gemeinen Eisen gleicht.

Man treibt hierauf einen Stok in denselben, der stark genug ist, um ihn mittelst desselben aufrecht zu halten, damit man während der Operation den Lauf nirgendwo berühren dürfe. Hierauf verfertigt man einen Teig aus einer Art von Schwefel (die hier Keibriht el Dschemel (Kibreet el Gemel) heißt), Salmiak und gemeinem Salze und Wasser in folgendem Verhältnisse; nämlich, von ersterem 180 Drachmen, von dem zweiten 12 Drachmen, und von dem dritten 13 Drachmen. Nachdem diese Mischung die Consistenz von etwas festem Thone erhalten hat, streicht man sie oder trägt sie so auf, daß die ganze Oberfläche des Laufes ein Zoll dik oder etwas darüber davon bedekt wird: man muß hiebei vorzüglich Acht geben, daß, während der Thon so genau als möglich an dem Laufe ankleben gemacht wird, nicht die mindeste Luft dazwischen komme, indem, wo immer ein Luftbläschen auf dem Laufe eingeschlossen bleibt, und der Teig folglich nicht in genaue Berührung mit dem Laufe kommt, dieser von den äzenden Eigenschaften dieses Teiges nicht angegriffen werden kann. Der Teig muß naß aufgetragen werden, und eine hinlängliche Zeit auf dem Laufe liegen bleiben, deren Dauer übrigens von dem Zustande der Atmosphäre abhängt. In dem Versuche, welchen ich anstellte, blieb dieser Teig mitten im Sommer der Luft in dem Schatten eines Zimmers 24 Stunden lang ausgesezt. Der Schwertfeger sagte mir, daß des Winters die belegten Läuse in eine mäßig warme Atmosphäre kommen müßen.

Die Kunst den Stahl zu den persischen Säbel-Klingen zusammen zu |103| sezen (denn er ist zuverläßig eine Mischung) ist, ohne allen Zweifel, verloren gegangen; man sagte mir aber, daß das Eisen zu den Flinten- und Pistolen-Läufen noch immer in einigen Städten Persiens und der Türkey verfertigt wird.

Man versicherte mir, daß sie durch Zusammenflechtung gewißer Mengen sehr lang, gezogenen Stahles und Eisens, die dann wieder ausgezogen, werden, und so fort, bis die beiden Metalle sich genau in einander verkörpern, verfertigt werden, wodurch dann durch obige Operation auf ihrer Oberfläche jenes, wogige und blumige Korn entsteht, welches sie so sehr auszeichnet.

Wenn dieß der Fall ist, so scheint es, daß der Thon nur die unreinen Theile dieser Composition anäzt, und die Stahladern alle in ihren Windungen sichtbar und in einem gewißen geringen Grade sogar fühlbar macht.

Chemische Versuche mit dem Sagh. (Im Auszuge.)

Hr. v. Jacquin konnte nicht mehr als 4 Grane der Analyse unterwerfen. Er beobachtete daran Folgendes:

„1. Im Wasser löst er sich größten Theils leicht zu einer wasserklaren Solution, mit Rükstand einer bloß ziegelrothen Erde auf. 2. Diese Auflösung wird a) durch reinen Ammoniak ziegelroth gefällt, und ein Uebermaß desselben bringt selbst durch längere Zeit an der Luft, keine bläulichte, Farbe hervor. b) kohlensaurer Kalk fällt ebenfalls ziegelroth. c) äzendes Kali fällt ihn Hochziegelroth. d) dasselbe im Uebermaße zugegossen, scheint nur sehr wenig wieder aufzulösen, und, die klar filtrirte Flüßigkeit wird nachher auch durch Salzsäure kaum getrübet. e) blausaures Eisenkali fällt ihn gleich dunkelblau, und f) Galläpselaufguß, gleich schwarz. g) salzsaurer Baryt fällt häufig weiß. h) schwefelsaures Silber reagirt gar nicht. i) auf Lakmus-Papier reagirt die Auflösung stark sauer. 3. Mit trokenem Aezkalk gerieben konnte ich keinen Ammoniak-Geruch bemerken. 4. Der Geschmak der Substanz ist sehr styptisch. Meiner Meinung nach besteht diese Substanz größten Theils aus schwefelsaurem Eisen (Eisen-Vitriol) mit etwas schwefelsaurer Thonerde mit Eisenoxid und Thonerde gemengt. Unter den beschriebenen Fossilien hat diese Substanz wohl die meiste Aehnlichkeit mit der von den älteren Mineralogen sogenannten Bergbutter, wovon Klaproth eine Beschreibung und Analyse von jener Art gegeben hat, die vom Ictisch und Altai kommt. Ich erinnere mich auch, Mineralogen erwähnen, es werde ein ähnliches Fossil von den Caravanen in Aegypten als Handelswaare geführt.“ Jacquin.

|101|

*) Dieser Umstand, daß man ein bleiernes Gefäß nehmen müße, zeigt deutlich, daß das Zagh eine schwefelsaure Mischung ist, die sich in einem anderen Metalle zersezen würde, wie es auch Hr. Barruch erwiesen hat, der, wie wir oben, bemerkten, fand, daß das Zagh eine natürliche Zersezung von Alaunschiefer und Schwefelkies ist, welche ein Gemenge von saurer schwefelsaurer Thonerde und schwefelsaurem Eisen bildet.

**) Das Zagh, dessen der Schwertfeger sich hier, bediente, kommt aus den Bergen der Drusen: man findet es sonst nirgendwo. Es ist eine Erde, welche von einer Mineralquelle nahe bei Ghazir erzeugt wird, und hält, wie ich glaube, viel Vitriol oder Alaun. Hr. Jos. v. Jacquin hatte die Güte, dieses Zagh einer chemischen Analyse zu unterwerfen, deren Resultat am Ende dieses Aufsazes beigefügt ist. A. d. O.

|100|

Voyage de Tavernier en Turquie, en Perse, et aux Indes. Edit. de 1676. Chap. 22. p. 607. A. d. O.

|105|

Annales de Chimie. T. XV. pag. 127. A. d. O.

|106|

Bulletin de la Société d'Encouragement. N. CXC. 1820 et CC. 1821. A. d. O.

|106|

Ueber die Verbindungen des Chromes mit dem Eisen und mit dem Stahle. Annales de Chimie et de Physique. T. XVII. May 1821. A. d. O.

|107|

Note sur les combinaisons du Silicium avec le platine etc. Annales de Chimie. T. XVI. Jan. 1821. A. d. O.

|107|

Journal des Mines. T. XVIII. A. d. O.

|107|

Annales de Chimie anglaisses. T. XIII. pag. III. Annales des Mines de France. II. Livrais. 1820. pag. 260.

|107|

Wir haben in der schönen Sammlung des Herrn Gillet de Laumont, General-Inspectors der Bergwerke, ein Stük des zu Ellenbogen bei Eger gefallenen Meteor-Steines gesehen, welches viel gediegenes Eisen enthielt, das unter Winkeln von 60 und 120° krystallisirt war, und welches Herr Gillets de Laumont als Analogon desjenigen Eisens betrachtete, aus welchem man die damascirten Klingen verfertigt. Journal de Mines T. 38 2 Semester 1815 pag. 232. Diese Bemerkung des Herrn Gillet de Laumont veranlaßte uns ehe wir noch von Sowerby's schöner Idee Kunde erhielten, ein Stük gediegen Meteor-Eisen arbeiten zu lassen. Herr Sir Henry bearbeitete dasselbe mit dem glüklichsten Erfolge, und entblößte das Gefüge desselben, in welchem wir genau jene krystallinischen Elemente fanden, von welchen Herr Gillet de Laumont spricht.

|110|

Es ist auffallend, daß Vauquelin und Herr Héricart de Thury bloß im cämentirten Stahle Spuren von Phosphor fanden. Lezterer sagte oben, er sehe den Grund der Anwendung thierischer Kohle bei der Cämentirung nicht ein. Wenn, wie gewiß ist, in der thierischen Kohle Phosphor ist, so läßt sich der Grund des Vorzuges, den einige, welche Sprödigkeit des Stahles mit Härte verwechseln, der thierischen Kohle geden, wohl vermuthen. A. d. Ueb.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: