Titel: Everard, über Verbesserungen an Forte-Pianos.
Autor: Everard, Pierre
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XXI. (S. 140–144)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/ar010021

XXI. Ueber gewisse Verbesserungen an Forte-Pianos und anderen musikalischen Tasten-Instrumenten, worauf Herr Pierre Everard im Junius 1822 ein Patent erhielt. Diese Verbesserungen wurden von einem Ausländer mitgetheilt.

Aus dem Londoner Journal of Arts et Sciences. November 1822. S. 230.

Mit Abbildungen auf Tafel IV.

Diese Verbesserungen bestehen in verschiedenen Abweichungen von dem gewöhnlichen Baue der Forte-Pianos. Die erste derselben ist „eine neue und verbesserte Einrichtung jenes Mechanismus, der unter dem Namen des Abfalles (echappement) bekannt ist. Gewöhnliche Forte-Pianos, ohne Abfall, oder wo die Heber der Hämmer unbeweglich sind, haben zwar den Vortheil, daß sie sich leicht spielen lassen; sie haben aber den Nachtheil, daß der Hammer, nachdem er die Saite berührte oder anschlug, leicht wieder zu derselben auffliegt, und sie in ihrer freien Schwingung hindert, ja sogar selbst oft den Ton verdirbt. Um diesem Uebel abzuhelfen, hat man an diesen Hebern einen Abfall angebracht, wodurch der Hammer frei von der Saite abfallen kann, nachdem er dieselbe angeschlagen hat. Allein durch diese Vorrichtung entsteht wieder ein großer Nachtheil für den Spieler, nämlich der, daß er immer den Finger aufheben muß, damit die Taste sich wieder bis zur Höhe der übrigen Tasten heben kann, ehe der Hammer wieder anzuschlagen oder einen Ton zu weken im Stande ist: denn, ohne daß die Taste sich bis dahin erhebt, kann der Heber nicht unter den Hammer herab gelangen.“

Diesen Schwierigkeiten soll nun durch gegenwärtige Erfindung abgeholfen werden, welche vier Stüke bei der Wirkung der Taste vereinigt. „Das erste ist die Anwendung einer Feder zur Stüzung der Schwere des Hammers, nachdem derselbe seinen Schlag vollbracht hat, und von seinem Stüzpuncte auf dem Heber abgefallen ist. Das zweite, eine Berührung, welche zwischen dem Hammer in der Nähe des Mittelpunktes seiner Bewegung |141| und der Feder oder des Hebels, der mit einer solchen Feder verbunden ist, und von derselben gestüzt wird. Statt hat zu erzeugen, um den Fall des Hammers vorzubereiten, wo sein Abfall eintritt. Das dritte, ein Hebel, welcher, während er sich um seinen Mittelpunct dreht, den Abfall des Hebers unter den Hammer bewirkt. Das vierte ein, mit einer Stellschraube so vorgerichtetes Stük, daß es den Hammer in seinem Falle auffängt, und so lang hält, als man die Taste nieder drükt, damit es demselben durchaus unmöglich wird, wieder an die Saite anzuschlagen, während die Taste durch das leiseste Heben der Fingerspize emporsteigt.“

Fig. 25 Taf. IV zeigt die Einrichtung nach dem neuen Mechanismus an einer Forte-Piano Taste, während dieselbe in Ruhe ist. Fig. 26 zeigt dieselbe in Thätigkeit, d.h., die Taste niedergedrükt und den Hammer hinauf getrieben. Dieselben Buchstaben bezeichen dieselben Gegenstände. a ist die Taste. b, der Hammer, welcher mittelst eines Zwischen-Hebels, c, durch den Heber, d, in Bewegung gesezt wird, der sich an seinem unteren Ende in einem Gelenke bewegt. Bei e ist ein Bügel an dem Schwanze des Hammers, und der Hammer wird durch eine Feder gestüzt, welche mit dem Stüke f mit einer Schraube um die Spannung zu regeln, verbunden ist. Der Heber, welcher gegen den Schwanz des Hammers wirkt, hebt denselben jedesmal, wenn die Taste niedergedrükt ist, wie Fig. 26 zeigt, und macht auf diese Weise, daß er an die Saite anschlägt. Während dieß geschieht, kommt das Ende des Hebels, f, in Berührung mit dem Schwanze des Hammers nahe an seinem Drehepuncte, und da der Hammer nun nicht mehr weiter herabsteigen kann, fällt er durch seine eigene Schwere, und treibt das Stük f in Gegensaz mit der Feder. In dieser Lage hat die Feder keine Kraft oder Wirkung auf den Hammer, welcher durch den an ihm ruhenden Heber gestüzt wird. Der hervorstehende Schweif, g, des Hebers kommt jezt in Berührung mit dem stellbaren Hemmer h, und wird, indem er gegen denselben drükt, niedergedrükt, und macht den Heber unter dem Bügel abfallen. In demselben Augenblike fällt der Hammer unter die keilförmige Spize des stellbaren Stükes i, welches denselben hindert, wieder an die Saite hinauf zu fliegen, und so lang ruhig hält, als die Taste unten bleibt.

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Verbunden mit obigem Mechanismus kommt hier eine neue Art von Dämpfung vor, welche bedeutende Vorzüge vor der bisher gebräuchlichen besizt; nämlich, die Schwingungen der Saiten mittelst einer Feder auf einmal zu unterbrechen. k und l sind zwei kleine Hebel, welche sich um denselben Mittelpunkt bewegen, und mittelst einer Feder und des kleinen Hakens, m, in gehöriger Entfernung von einander gehalten werden. An dem Ende des Hebels k befindet sich das Stäbchen n, welches den Dämpfer an die Saite hinauf bringt. o ist ein anderes an dem Hebel c angebrachtes Stäbchen, welches sich zugleich mit demselben bewegt, und den Dämpfer stüzt. Wenn die Taste niedergedrükt wird, steigt der Dämpfer herab, und erlaubt der Saite sich frei zu bewegen. Um das Forte mittelst des Pedales hervorzubringen, oder die Dämpfung von der Saite zu entfernen, ist ein Stük, p, angebracht, welches, mittelst der gewöhnlichen Pedal-Vorrichtung, auf die Hebel k herabgebracht wird, und die Dämpfung niederzieht; die kleine Feder zwischen den Hebeln gestattet dem Hebel k niederzusteigen, ohne daß die übrigen Theile des Mechanismus dadurch gestört würden. Um die Stellung der Hämmer unter den Saiten gehörig richten zu können, bildet ein Schieber q das Angel-Gelenk des Hammers, welcher mittelst einer Schraube an den Zapfen befestigt ist, so daß er nach Belieben gestellt werden kann. Der Mittelpunkt der Bewegung des Hebels, c, ist mit einer ähnlichen Vorrichtung zum Stellen versehen.

Fig. 27 zeigt zwei neue Arten, die Saiten auf dem Stege zu halten, die statt des gewöhnlichen Steges neben den Ruhestiften, wie r, in Fig. 25, an einem Ende angebracht sind. Diese Vorrichtungen können für zwei, drei oder für mehrere Saiten benüzt werden: für die stärkeren Saiten verdient jedoch die Rolle, wie bei r, den Vorzug.

Es ist höchst wichtig, dem Werfen oder Verziehen des Kastens sowohl als des Resonanz-Bodens durch die Spannung der Saiten vorzubeugen, was durch folgende Vorrichtung geschieht. a in Fig. 28 ist ein metallner Bogen aus einer Reihe solcher Bögen, welche als Stüze dient, um den Ruhe-Stift-Balken mit dem Hindertheile oder dem Nahmen des Instrumentes an der Stelle zu verbinden, wo der Hammer zu den Saiten heraufkommt. Diese Bogen sind an einem Ende mittelst einer |143| Schraube, b, mit dem Ruhe-Stift-Balken verbunden: statt daß aber das andere Ende der Bogen auf einer Querleiste ruhte, die, wie gewöhnlich, quer über den Kasten läuft, sind sie mittelst Platten aufgezogen, welche auf eine Art kammförmigen Geländers c aufgeschraubt sind, dessen Leisten Zwischenräume zwischen jeder offen lassen, und an dem Hinteren Theile des Kastens des Instrumentes befestigt sind. Alle diese Leisten c ruhen auf dem Querbalken d, auf welchem Streber oder Pflökchen e, wie die punctirten Linien andeuten, zwischen den Leisten c angebracht sind, die den Resonanz-Boden f tragen. Auf diese Weise stehen die Stüke frei von einander, und weder die Pflökchen noch der Resonanz-Boden berühren die Leisten c, und folglich kann die Spannung der Saiten den Resonanz-Boden nicht verziehen.

Fig. 29 ist eine neue Art von Fassung des gekrümmten Theiles des Kastens eines Forte-Piano's zwischen dem Stege g und dem Kasten h. Es besteht aus zwei Stüken Holz i, i, welche zu jeder Seite des Resonanz-Bodens f, und eben so des Kastens h angeleimt sind, wodurch der Resonanz-Boden sich frei schwingen kann. Diese Stüke Holzes werden in der Höhe des Steges g mittelst Schrauben j zusammengehalten, welche mit Röhren versehen sind, die durch Oeffnungen in dem Resonanz-Boden laufen.

Fig. 30 stellt noch eine besondere Hemmung dar, welche durch ein Pedal bewegt werden kann, und eine neue Wirkung in dem Tone und in den Schwingungen des Instrumentes hervorbringt. Sie wirkt durch eine Reihe von Hebeln, welche in gehöriger Entfernung von einander gestellt sind, auf den Resonanz-Boden zwischen dem Stege g und dem äusseren Kasten h. Zwei dieser Hebel, kk, sind dargestellt, wie sie sich um ihren Mittelpunct l, l bewegen, und ihre gegenüberstehenden Enden gegen den Steg g drüken, wenn die Pedale mittelst der Stäbe m, m, m, oder der daran angebrachten Züge auf sie wirken. Wenn diese Hebel in Ruhe sind, werden sie in der durch die punctirten Linien angezeigten Lage mittelst Federn oder Gewichte erhalten, welche an irgend einem schiklichen Theile des Mechanismus angebracht sind. Wenn sie in Thätigkeit gesezt werden sollen, dritten ihre Reibungs-Rollen, wie die Figur zeigt, an den Steg. |144| Von der Wirkung, die hiedurch entsteht, geschieht in der Erklärung des Patentes keine Meldung68).

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Wir haben diesen Aufsaz, ehe wir ihn übersezen ließen, einem großen Kenner der Musik-Kunst vorgelegt. Er fand den hier beschriebenen Mechanismus „sinnreich und schön, aber etwas complicirt“, und glaubt, daß, abgesehen von einer Probe mit „einem solchen Instrumente, welche allein ein richtiges Urtheil erlaubt, die Idee die Aufmerksamkeit des Publikums verdient.“ A. d. Ueb.

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