Titel: Varley über ein Löthrohr mit zwei Schnäbeln.
Autor: Gill, Thomas
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XXIV. (S. 152–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/ar010024

XXIV. Ueber ein Löthrohr mit zwei Schnäbeln, von der Erfindung des seel. Hrn. Varley. Von Hrn. Gill.

In dessen technical Repository. N. X. S. 245.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Herr Berzelius sagt in seinem Werke über das Löthrohr, daß, um Verkalkung zu bewirken, die Oeffnung in dem Schnabel des Löthrohres weiter als gewöhnlich, um aber Reducirung zu erhalten, feiner als gewöhnlich seyn müße.

Unter allen den verschiedenen Löthröhren, die in Herrn Children's Uebersezung des schäzbaren Werkes des Herrn Berzelius 71) beschrieben sind, kommt aber nicht ein einziges |153| vor, das diese nothwendigen Eigenschaften besäße; der Arbeiter befindet sich also in der traurigen Nothwendigkeit, entweder die Schnäbel seines Löthrohres, oder das Löthrohr selbst, immerdar zu ändern, wo er bei seiner Arbeit abwechselnd oxidiren und reduciren muß.

Wir schäzen uns glüklich, diesem Mangel durch Beschreibung und Abbildung eines Löthrohres abhelfen zu können, welches der seel. geistreiche Hr. Varley schon vor einer Reihe von Jahren erfunden, und während einer laugen Reihe chemischer, mineralogischer und mechanischer Arbeiten angewendet hat, weil er damit augenbliklich, bloß durch Umkehrung des Löthrohres, den Schnabel wechseln und damit Wirkungen hervorbringen konnte, die kein anderes Löthrohr ihm gestattete. Er machte damit Silberloth, und löthete mit diesem Lothe einen Boden in einen silbernen Becher, den er mittelst dieses Löthrohres rings umher glühend machte. Ein anderer wichtiger Umstand bei diesem Löthrohre ist der, daß man dabei öfter athmen und seinen Lungen freies Spiel geben kann.

Fig. 31, 32 und 33 Tab. V. stellt Hrn. Varley's Löthrohr in natürlicher Größe dar, so wie wir es, von Hrn. Tuther verfertigt, besizen. Der Körper desselben besteht aus dünnen zusammengelötheten Messing-Röhren, wovon Fig. 32 auf den inneren dünneren Theil von Fig. 31 genau paßt. Das Mundstük ist von Silber, und oval, wie Fig. 33 zeigt. An jedem Ende des Querstükes des Instrumentes ist ein Stük Messing mit einem Schrauben-Loche in demselben angelöthet: eines dieser Stüke ist in a im Durchschnitte dargestellt. In diese Löcher werden zwei Schnäbel, bb, eingeschraubt, die von ganz verschiedenem Durchmesser sind, und Röhren, welche nach Innen hervorstehen, und das Entweichen der verdichteten Dämpfe durch die Schnabel hindern, enthalten.

Es ist für ein Laboratorium oder für eine Werkstätte eben nicht nöthig, daß der Schaft des Löthrohres aus zwei Stüken besteht: er kann aus einem und etwas länger verfertigt werden. Es ist auch nicht nothwendig, daß beide Enden Schraubenstüke haben; es ist genug, wenn eines mit einer Schraube versehen ist, um einen Schnabel mit einer anderen Oeffnung einzusezen; |154| es können auch beide Enden fest, und mit einer weiteren Oeffnung versehen, und an den Spizen kegelförmig seyn, so daß man Kegel von Platinna darauf aufsezen kann, wie Hr. Berzelius empfiehlt.

Dieses Löthrohr kann auch sehr leicht aus verzinntem Eisenbleche verfertigt, und mit messingenen Schnäbeln versehen werden, so daß man in Hinsicht auf Wohlfeilheit gewiß nichts an demselben auszusezen haben wird. Und wenn man bedenkt, wie sehr es den gewöhnlichen Löthröhren der Uhrmacher und Juweliere etc. mit der dünn zulaufenden Spize in Hinsicht auf Leichtigkeit in der Anwendung vorzuziehen ist, so wird man gestehen, daß es allgemein angewendet zu werden verdient.

Herr Varley fand frischen oder ungesalzenen Spek besser als jedes andere Brennmateriale zur Speisung der Lampe, als deren Gefäß er ein irdenes Butter-Schiffchen brauchte. Der dike Wikel von Dochtgarn lag in dem Schiffchen, und der Docht selbst in dem Schnabel desselben, über dessen Ende er hervorragte.

Der berühmte Miniatur-Glasarbeiter am Strand, Herr Lorenz Finn, hält Kokosnußöl für das beßte Brenn-Mittel, und Herr Barbon, ein trefflicher Barometer- und Thermometermacher hatte bloß ein ovales irdenes Näpfchen als Lampe, an dessen einem Ende der Docht lag72).

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Vielleicht hat kein Werk noch die Ehre so vieler Uebersezungen, und so schneller Mittheilung in den vollständigsten Auszügen, man darf beinahe sagen, Abdrüken in allen Journalen, vorzüglich in den englischen, französischen, erhalten, wie das Werk des Hrn. Berzelius über das Löthrohr. Wenn wir von diesem Werke nicht, wie die Engländer, ganze Quartale durch fortlaufende Auszüge in unserem Journale mittheilen (worüber uns Vorwürfe zu Ohren kamen), so geschah es bloß, weil wir in unsere deutschen technischen Leser mehr Vertrauen sezen, und der Ueberzeugung sind, daß jeder deutsche Techniker das Werk des Hrn. Berzelius das schon 1821 in einer, von Hrn. Rose besorgten, deutschen Uebersezung in der Schrag'schen Buchhandlung in Nürnberg erschienen ist, nicht erst jezt aus einem Journale kennen zu lernen braucht. A. d. Ueb.

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Der Uebersezer erlaubt sich zu zweifeln, ob, für den Fall, daß mit Oxidirung und Reducirung vor der Flamme des Löthrohres schnell gewechselt werden soll, durch dieses Löthrohr etwas gewonnen, und ob es nicht zwekmäßiger ist, in dieser Hinsicht, zwei Löthröhre von verschiedenem Kaliber neben sich liegen zu haben, die man schneller wechseln kann, als man hier auf- und abschraubt. A. d. Ueb.

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