Titel: Wagenmann über den Metallmohr.
Autor: Wagenmann,
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XXXVI. (S. 211–221)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/ar010036

XXXVI. Ueber den Metallmohr (moiré metallique), die Bedingungen seiner Entstehung und dessen zwekmäßigste Anfertigung. Von Herrn Wagenmann, in Berlin109).

Es könnte überflüßig scheinen, über einen Gegenstand noch etwas zu sagen, über den von so vielen Seiten, von Layen und Gelehrten, gesprochen worden, und dessen Epoche in dem Gebiete technischer Bearbeitungen wenigstens jenseits ihres Kulminationspuncts steht; indessen ist es auch nicht zu läugnen, daß Alles, was bisher über diesen Gegenstand gesagt worden, aus einem zu einseitigen Gesichtspuncte genommen war, als daß die, ich darf sagen sowohl für den Techniker, als für die Wissenschaft, wirklich interessanten Seiten gehörig beleuchtet worden wären. Ich habe es längst für Pflicht gehalten, die Erfahrungen, die ich bei meiner practischen Bearbeitung sammelte, vorzulegen um das Wenige nicht ungenüzt zu lassen, und dadurch vielleicht Veranlassung zu weitern Versuchen und Resultaten zu geben.

Wenn man verzinntes Eisenblech der Einwirkung einer Säure, oder eines Salzes, aussezt, welche auf das Zinn eine |212| auflösende Kraft zu äußern vermögen, so verliert sich die gleichförmig glänzende Oberfläche, und es tritt an deren Stelle eine krystallinische Zeichnung, durch eine ungleiche Lichtreflexion der Oberfläche, welche mattere und glänzendere Stellen zeigt. Diese Erscheinung, oder vielmehr die so gezeichneten Bleche, belegte der Erfinder, d.h. der Erste, welcher darauf aufmerksam machte und sie benuzte, mit dem Namen moirè metallique, Metallmohr. Diese Erfindung ist der neuesten Zeit aufbehalten worden, obgleich die Erscheinung selbst so allgemein ist, daß sie tausendfach beobachtet seyn muß. Wird z.B. ein Stük verzinntes Blech dem Rauche des Holzes ausgesezt, oder in einem verzinnten Gefäße eine Speise zubereitet, Essig oder Wein aufbewahrt u. dgl. m., so zeigt sich jedesmal, wenn das Blech nicht bereits durch Walzen, Hämmern, Schäuern u. dgl. seine, durch's Verzinnen erhaltene, Oberfläche verloren, diese Erscheinung; jedoch erreicht sie nie den hohen Glanz, der das durch künstlichere Mittel erzeugte moiré auszeichnet, und wird durch leichtes Reiben wieder zerstört.

Wird ein verzinntes Eisenblech durch Walzen, Hämmern, Reiben oder dergleichen, mehr oder weniger auf seiner Oberfläche zerstört, so zeigt sich die Erscheinung des Metallmohrs, auch bei dem künstlichen Beizen mit Säuren, mehr oder weniger unvollkommen, und verschwindet zulezt ganz, indem die Oberfläche ein immer kleineres körniges Gefüge annimmt. Es geht daraus hervor: daß die Erscheinung des Metallmohrs von der, durch das Erkalten des Zinns entstandenen, Oberfläche des Blechs abhängig ist, was übrigens dem aufmerksamen Beobachter schon bei dem bloßen Anblike nicht entgehen kann. Wirklich kann man auch, wenn man ein mehr oder weniger bearbeitetes Blech nimmt, demselben seine Eigenschaft, ein schönes moiré zu geben, wieder ertheilen, wenn man dessen Oberfläche von Neuem in Fluß bringt und erkalten läßt. Geschieht dieß nur theilweise, so zeichnen sich diese geschmolzenen Theile, auch wenn das Blech zuvor ganz neu war, deutlich aus, indem von deren Mitte aus Strahlen nach den zunächst gelegenen ungeschmolzenen Theilen zulaufen; verzinnt man ein Stük Blech von Neuem, oder schmelzt man die Oberfläche eines verzinnten Blechs, so wird sich der Mohr auf verschiedene Weise zeigen, je nachdem die Abkühlung langsamer, |213| oder schneller, vor sich gegangen; im erstern Falle werden die Figuren größer, gleichförmiger, und öfters regelmäßig krystallinisch erscheinen, im leztern mehr kleine, gemischte Figuren, ohne bestimmte Form, entstehen, und ist die Abkühlung nur theilweise rasch erfolgt, so werden sich diese Theile durch kleinere, unregelmäßigere Formen auszeichnen, oder kleine, strahlige Figuren bilden.

Diese Erscheinungen beweisen hinlänglich: daß der Metallmohr der natürlichen Fügung des Zinns bei'm Erkalten (Krystallisation) seine Entstehung danke; wirklich zeigt sich auch die Krystallisation des Zinns deutlich, wenn man ein verzinntes Eisenblech in ein Zinnbad taucht, und bei'm Erkalten beobachtet, während dessen man auf seiner Oberfläche verschiedene Zeichnungen entstehen sieht. Zugleich bemerkt man, wenn man auf Eine Stelle bläst, um das Erkalten zu befördern, daß hier kleinere Figuren entstehen. Diese Bildungen auf der Oberfläche gehen indessen durch ein leichtes Reiben verloren, weßhalb man sie bei den verzinnten Blechen nicht bemerkt. Die Krystallisation des Zinns selbst aber geht bis auf die Oberfläche des Eisens durch, und deßhalb können durch Beizen mit Säuren immer wieder die gleichen Figuren hervorgebracht werden.

Wenn man Zinn schmelzt, und dasselbe in dem Gefäße, oder auf eine Platte ausgegossen, erkalten läßt, so zeigt dessen Oberfläche, nach dem mehr oder weniger langsamen Erkalten, mehr oder weniger große und regelmäßige, meist dendritische Zeichnungen, und das ganze Zinn hat ein krystallinisches Gefüge, wie man dieß wahrnehmen kann, wenn man vor dem gänzlichen Erstarren das flüßige Zinn ausgießt, oder wenn man das erkaltete Metall in flüßigem theilweise abschmelzen läßt. Wird die glatte Oberfläche eines solchen Zinnstüks der Wirkung der Beizen ausgesezt, so zeigen sich ähnliche, schillernde Figuren, wie auf dem verzinnten Bleche. Eben so bildet sich der Metallmohr auf Zinnwaaren, welche in Formen gegossen sind, jedoch ist in diesem Falle die Krystallisation noch mehr gestört, durch den Zwang, welchen das Zinn bei seiner Erstarrung erleidet. Ist die Form nicht sehr heiß gewesen, so erscheint der Mohr von granitartigem Gefüge, welches um so kleiner ausfällt, je kälter die Form gewesen.

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Die Erscheinungen, welche ich bis jezt aufgezählt habe, geben nur einen allgemeinen Ueberblik über das Wesen des Metallmohrs. Es ist ein allgemeines Naturgesez: daß jeder Körper, bei seinem Uebergange aus dem flüßigen in den festen Zustand, in seinem Innern ein bestimmtes Gefüge annimmt, welches sich in solchen Fällen, wenn der flüßige Körper viel schwerer ist, als das Medium, wenig nach Außen manifestirt, indem sich die äußere Form nach den Gesezen der Schwere bildet. Die freiliegenden Flächen der Krystalle werden aber von den Auflösungsmitteln ungleich angegriffen, und daher durch das Beizen ungleich rauh, was eine verschiedene Reflexion des Lichtes zur Folge hat. Ich werde auf diese Erscheinungen zurükkommen, wenn ich die technische Bereitung des Metallmohrs beschreibe.

Wenn es erwiesen ist: daß der Metallmohr von der Krystallisation des Zinns abhängig ist, so läßt sich voraussehen: daß die Vermischung des Zinns mit andern Metallen einen entscheidenden Einfluß haben müße. Diesen Einfluß sowohl, als auch den Einfluß des Metalls, welches der Verzinnung zur Unterlage dient, zu zeigen, soll jezt mein Bemühen seyn.

Wird gutes welches Eisenblech mit Bancaszinn, was nach meinen Erfahrungen, (nachdem es durch ein ganz mechanisches Verfahren gereinigt worden), keine Spur fremder Beimischung hat, verzinnt, so bildet lezteres, bei mäßig langsamen Erkalten, große unregelmäßige, meistens krummlinig begränzte, Figuren, mit großen Dendriten, von ziemlich gleicher Längen- und Breiten-Dimension, untermischt, welche sich, unter Winkeln von circa 96° und 84°, gewöhnlich nur einfach, oder doppelt gefiedert, verästen. Mischt man aber unter das Zinn eine kleine Quantität Silber, z.B. 1/500 des Gewichts, so zeigt sich die Krystallisation auffallend verändert, indem die dendritische Form vielmehr hervortritt, die Längendimension im Verhältnisse zur Breitendimension um das Dreifache und Vierfache wächst, die Verzweigungen feiner, und mehr zusammengesezt erscheinen, und die Zeichnungen deutlicher hervortreten. Bei einem größern Zusaze von Silber nehmen diese Erscheinungen zu, die Verästungen der Figuren werden feiner und häufiger, und werden am Ende so klein, daß sie nur als ein Gefüge von kleinen Nadeln erscheinen. Kupfer, dem Zinn beigemischt, wirkt zwar dem Silber |215| ganz analog, doch ist die Wirkung etwas schwächer, und deßhalb kann dasselbe in größerer Quantität beigemischt werden, doch reicht, wie ich nachher zeigen werde, 1/100 desselben hin, das schönste strahlige moirè zu bilden. Antimon und Wißmuth wirken auf gleiche Art, aber ungleich schwächer, als jene, dagegen haben das Arsenik sowohl als das Zink eine ganz verschiedene Wirkung, und bringen kleine unregelmäßige Polygone hervor, die um so kleiner werden, je größer der Zusaz dieser Metalle ist. Merkwürdig ist es: daß bei einer Mischung des Zinns mit Kupfer (oder Silber) und Arsenik zugleich sehr häufig mehrere, gewöhnlich vier, Dendriten, die aus einem gemeinschaftlichen Mittelpuncte entsteigen, sich in ein unregelmäßiges Polygon zusammenstellen. Unter allen von mir versuchten Metallen äußerte das Eisen den geringsten Einfluß, und die Krystallisation des Zinns bleibt noch immer unverändert, wenn auch ein bedeutender Antheil Eisen damit verbunden ist. Man wird zu der Annahme versucht: daß das electrochemische Verhalten der Metalle die auffallend verschiedene Wirkung derselben begründe; nur läßt sich dann schwer erklären, daß gerade das Arsenik und das Zink, welche in ihrer elektrochemischen Eigenschaft die entgegengesezten Pole unter den Metallen einnehmen, eine gleiche, den übrigen Metallen entgegengesezte, Wirkung hervorbringen. Die geringe Wirkung des Eisens würde allerdings in seinem beinahe gleichen elektrochemischen Verhalten mit dem Zinn zu finden seyn. Alle Metalle, welche das Krystallisations-Bestreben des Zinns vermehren, vermehren auch dessen Härte, dabei wirken die beiden Metalle, welche die Krystalle kontrahiren, der Arsenik und das Zink, stets nachtheilig auf die Geschmeidigkeit, während die übrigen Metalle, wenigstens bei kleinen Verhältnissen, solche vermehren. Wird der Zusaz der Strahlen bildenden Metalle größer, so wird allerdings das Zinn auch spröder, indem die kleinen nadelförmigen Krystalle ein poröseres Gefüge bilden. Das Antimon und Wißmuth, vorzüglich aber das Leztere, vermehren in kleinen Verhältnissen von 1/200 und 1/100 die Dichtigkeit und den Glanz des Zinns, und diese Mischungen werden ungleich schwieriger von den Säuren angegriffen, als das reine Zinn. Dagegen vermindern Kupfer und Silber von der einen, und Arsenik und Zink von der andern Seite, den Glanz |216| des Zinns auffallend; auch werden diese Mischungen ungleich leichter von Säuren angegriffen, als das reine Zinn. Zinn mit Zink vermischt wird am leichtesten angegriffen, und wird schon an der Luft oxydirt und blind, auch ist lezteres Metall, selbst in sehr kleinen Quantitäten, als zu 1/500, nachtheilig.

Die Erscheinung: daß mit Verkleinerung der Krystallform, entweder durch Beimischung, oder durch rasches Erstarren, größere Härte, und mit dem körnigen Gefüge Sprödigkeit gegeben ist, findet auch bei anderen Metallmischungen statt, und vielleicht vermehrt das Hämmern, Walzen und Streken der Metalle, deren Geschmeidigkeit gerade durch Ausdehnung der Formen nach einzelnen Dimensionen. Es würde von nicht geringem Interesse seyn, das Verhalten der Krystallform zur Härte und Geschmeidigkeit, besonders bei Metallmischungen, zu untersuchen. Es bleibt bei den oben beschriebenen Erscheinungen besonders bemerkenswerth: daß so unbedeutende Antheile fremder Metalle so bedeutend auf die Krystallisation des Zinns einfließen, und die Eigenschaft des Antimon und Wißmuth, in sehr kleinen Verhältnissen dem Zinn beigemischt, dessen Dichtigkeit und Glanz zu vermehren, und dessen Auflösbarkeit in Säuren zu vermindern, dürfte für das Verzinnen mit Vortheil zu benuzen seyn. Das Verhalten des Bleis zum Zinn habe ich nicht unter ähnlichen Gesichtspuncten untersucht, doch darf man annehmen: daß diejenigen Mischungen, welche mit glänzender Oberfläche erkalten, am stärksten der Einwirkung von Säuren widerstehen, und daß durch einen Zusaz von Antimon oder Wißmuth diese Eigenschaft noch vermehrt werden kann. Glüklicherweise haben andere Rüksichten den Techniker schon längst auf ähnliche Mischungen geleitet, indem dieselben zu gleicher Zeit vorzugsweise Glanz und Härte besizen.

Ich komme nun an diejenigen Erscheinungen, welche bis Verschiedenheit der Unterlage der Verzinnung zur Folge hat. Wenn das reine Bancaszinn, auf guten weichen Blechen, in großen, unregelmäßigen Gestalten krystallisirt, so gibt es dagegen Bleche, auf welchen dasselbe eben so kleine Polygone bildet, als ob es mit Zink, oder Arsenik, versezt wäre; diese Bleche sind immer von grobem Gefüge und spröde, jedoch habe ich ihr chemisches Verhalten nicht genauer versucht. Noch auffallender |217| zeigt sich aber der Einfluß der Unterlage, wenn man Silber- oder Kupferbleche verzinnt; bei beiden sondert sich das Zinn in unregelmäßige Polygone von verschiedener Größe, welche durch scharfe, vertiefte, Gränzlinien abgesondert sind; innerhalb dieser Linien zeigen sich mehrere concentrische Polygone, durch seidenartig schillernde Streifen gebildet, und um einen deutlichen Mittelpunkt gelagert. Diese beiden Metalle sind es gerade, welche, dem Zinn beigemischt, dessen Tendenz zur strahligen Krystallisation vorzugsweise befördern, während sie nur als Gegensaz des Zinns dieses in eine polygonische Form zwingen. Kein Versezen des Zinns mit andern Metallen ist vermögend, die Krystallisation desselben auf diesen Metallen bedeutend abzuändern, wogegen ein Zusaz von Kupfer auf dem spröden Eisenbleche bald die dendritische Form hervorbringt, wobei jedoch die Polygonform nicht leicht ganz verschwindet. Es wäre noch zu versuchen, welche Wirkung die Zinkbleche als Unterlage auf die Krystallisation des Zinns ausüben, wie sich Mischungen aus Kupfer und Zink (Messing) verhalten, und Versuche, welche beseitigt werden müßen, ehe sich eine allgemeine Folgerung aus den angeführten Erscheinungen ziehen läßt. Für den Zwek gegenwärtiger Abhandlung liegt mir nur noch die Beschreibung des praktischen Verfahrens bei der Bereitung des Metallmohrs, mit Hinsicht auf die angeführten Erscheinungen, ob.

Wenn man zur Bereitung des Metallmohrs schon verzinnte Bleche anwendet, so kann man solche, wenn ihre Oberfläche noch ungestört ist, in diesem Zustande dem Beizen unterwerfen, jedoch erhält man hiebei immer nur die unregelmäßigen großen Figuren, mit einzelnen großen Dendriten, weil die englischen Bleche größtentheils mit reinem Bancaszinn verzinnt sind. Diese Formen haben bei großen Flächen viel Schönes, sind aber zu kleinern Gegenständen nicht geeignet. Schmelzt man jedoch den Zinnüberzug von Neuem, so ist man durch die Wahl der Umstände des Erkaltens im Stande, die Krystallisation kleiner und mannigfaltiger zu machen. Man bedient sich zum Schmelzen eines Kohlfeuers, über welches man die Bleche ruhig hinbewegt, und die geschmolzenen Theile sogleich weiter schiebt, um das Verbrennen des Zinns zu verhüten. Läßt man |218| das Blech nun wieder ruhig erkalten, so bekommt man dieselbe Krystallisation, welche man gewöhnlich auf den englischen Blechen findet; ein leichtes oder stärkeres Blasen während des Erkaltens macht die Figuren kleiner, und bringt, wenn das Blasen auf einzelnen Stellen stärker geschieht, manche Abwechselung hervor. Gießt man, während das Zinn geschmolzen ist, auf die Rükseite des Blechs einen feinen Wasserregen mittelst einer Gießkanne, so erhält man kleine sternförmige Figuren, gießt man aber das Wasser mit Einemmale auf, so bildet sich ein granitartiges Gefüge, das jedoch stets, auch auf der nicht begossenen Seite, eine rauhe Oberfläche bekommt. Berührt man die Rükseite des geschmolzenen Blechs bloß stellenweise mit kalten Körpern, Metallstäben, nassen Schwämmchen u. dgl., so entstehen an diesen Stellen eigene Gebilde; legt man endlich die geschmolzene Tafel augenbliklich in kaltes Oel, so bekommt man eine Krystallisation, die sich zu ganz kleinen Gegenständen recht gut eignet.

Statt die ganze Oberfläche des Blechs zu schmelzen, kann man dieses auch stellenweise thun. Man bedient sich hiezu am beßten eines glühenden Löthkolbens, welchen man über die Rükseite des Blechs hinführt, und damit die Umrisse beschreibt, die man auf dem Bleche haben will. Die mit dem Löthkolben gezogenen Stellen bilden moosartig gefiederte Streifen, oder, wenn derselbe auf einzelnen Puncten gewirkt hat, sternförmige Figuren, und man kann auf diesem Wege Einfassungen, schnekenförmige Gewinde u. dgl. machen, die jedoch nicht mehr das freie, natürliche Ansehen haben, als der auf den obigen Wegen gebildete Mohr. Man kann sich in einzelnen Fällen auch des Blaserohrs bedienen, und damit ebenfalls einzelne Stellen nach Belieben schmelzen; die Wirkung ist ganz wie bei dem Löthkolben. Da theils das Schmelzen des Zinnes auf den verzinnten Blechen mit Unbequemlichkeiten verbunden ist, und öfters dabei ein Theil des Zinns verbrennt, theils aber das von den Blechfabrikanten angewandte Zinn nicht die Schönheit der Krystallisation hervorbringt, welche man durch eine geschikt gewählte Mischung erhält, so thut man besser, wenn man die zum Metallmohr bestimmten Bleche, nachdem sie bis zum Zusammenlöthen bearbeitet sind, von Neuem verzinnt. Das Kupfer und Silber haben, wie ich |219| oben gezeigt, vorzugsweise die Eigenschaft, schöne dendritische Krystallisationen hervorzubringen; Lezteres ist jedoch nicht zu einem glänzenden Mohr geeignet, da man sich bei dem Beizen der Salzsäure bedienen muß, welche immer Hornsilber absezt, und die Figuren trübe macht; das Kupfer dagegen eignet sich sehr gut, wiewohl das Zinn, und das nachherige moiré nicht vollkommen die Reinheit besizt, wie bei Anwendung des reinen Zinnes; man hilft diesem Uebelstande ab, wenn man Arsenik beimischt, und selbst die Krystallisation gewinnt durch diesen Zusaz an Mannigfaltigkeit, so lange die dendritische Bildung überwiegend ist. Die beßte Zinnmischung ist, nach meinen Erfahrungen, auf 100 Theile Bancaszinn 1 bis 1 1/2 Theile Kupfer und 1/2 Theil Arsenik.

Ich übergehe das Mechanische des Verzinnens, da dieses in vielen Schriften genügend beschrieben ist, und bei schon verzinnten Blechen gar keine Schwierigkeit hat. Wenn die Bleche aus dem Zinnbade kommen, so werden sie eben so, wie oben von den geschmolzenen Blechen gesagt worden, behandelt, um die Krystallisation mannigfaltiger zu machen. Bei den meisten Gegenständen genügt jedoch das Blasen, und nur zu ganz kleinen Sachen wende ich das Einlegen in Oel an. Die verzinnten Gegenstände werden nun mittelst eines Lappens mit Sägespänen von dem Fette gereinigt, und können nun, wenn sie keiner weitern Bearbeitung bedürfen, gleich dem Beizen unterworfen werden. Zum Beizen werden drei verschiedene Flüßigkeiten abwechselnd angewendet, nämlich: Aezlauge, verdünnte Salpetersäure, und verdünnte Salpetersalzsäure; die erstere dient theils zur Auflösung des noch anklebenden Fettes, hauptsächlich aber als Auflösungsmittel des Zinnoxydes, welches die Salpetersäure erzeugt. Das eigentliche Beizmittel ist die Salpetersalzsäure; wollte man sich jedoch derselben ausschließlich bedienen, so würde das Blech immer einen unangenehmen Metallschimmer behalten, welcher durch eine eigene Spiegelung, unter gewißen Sehwinkeln, die Figuren des Mohr unsichtbar macht. Dieser Schimmer wird durch die Salpetersäure hinweggenommen, welche die ganze Oberfläche corrodirt, dadurch aber ein mattes Ansehen gibt, welches durch die Einwirkung der Salpetersalzsäure beseitigt wird.

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Bei dem Beizen folgen die Operationen in folgender Ordnung:

1, Einlegen in Aezlauge und Abwaschen,
2, in Salpetersalzsäure und Abwaschen,
3, in Aezlauge und Abwaschen,
4, schnelles Durchziehen durch Salpetersäure und Abwaschen,
5, Einlegen in Aezlauge und Abwaschen,
6, in Salpetersalzsäure und Abwaschen,
7, in Aezlauge und Abwaschen;

und, wenn es nöthig ist, nochmals Einlegen in Salpetersalzsäure und Aezlauge. Die Hauptsache ist: daß nach jedem Einlegen in Säure das Zinnoxyd durch die Aezlauge ganz entfernt werde, weil ohne dieses Fleken entstehen, welche nachher schwer zu beseitigen sind. Von verzinnten Kupferblechen ist noch wenig Anwendung zu Metallmohr gemacht worden, auch ist es sehr schwierig, eine ganz glänzende Verzinnung auf denselben hervorzubringen, weßhalb auch der Mohr nicht den höchsten Glanz erreicht, doch habe ich mehrere sehr schöne Stüke auf diese Art hervorgebrächt. Die zinnernen Gußwaaren haben, wie ich schon oben gezeigt, niemals die schöne Krystallisation, die auf den Blechen erscheinen; in kalte Formen gegossen, zeigen sich immer granitartige Gebilde, welche, wenn man ganz reines Bancaszinn anwendet, sich durch einen vorzüglichen Glanz auszeichnen. Bei Gegenständen, welche warm gegossen werden mäßen, ist ein kleiner Zusaz von Kupfer am beßten, da die Anwendung von Arsenik hier nicht rathsam wäre. Reines Bancaszinn läßt sich, abgesehen davon, daß es ein ganz unansehnliches moiré bildet, nicht heiß gießen, indem die Krystalle sich so scharf sondern, daß sie sich trennen (Brüche bilden).

Noch verdient hier das sogenannte Moiré-Papier Erwähnung, worauf ein Engländer patentirt ist; es ist dieß feine Zinnfolie auf Papier geklebt, und bildet ein moiré, wie der kalte Guß von reinem Bancaszinn. Es hat mir noch nicht gelingen wollen, die Zinnfolie in größern Stüken, ohne einen Theil zu zerstören, in Fluß zu bringen, welches doch nothwendig erfoderlich ist, indem die geschlagene, oder gewalzte, Zinnfolie, wie oben gezeigt wurde, kein moiré bilden kann. Dieser Gegenstand hatte bisher |221| zu wenig Werth für mich, um die nöthige Mühe darauf zu verwenden, da es sonst nicht fehlen kann, einen Weg zu dessen Bereitung ausfindig zu machen.

Aus den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. 1822. Sechste Lieferung. S. 173.

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