Titel: Wilson, über Bereitung künstlicher Steine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. LXXXII. (S. 459–461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/ar010082

LXXXII. Ueber Bereitung künstlicher Steine zur Einfassung von Kaminen etc. von Hn. Karl Wilson192) .

Aus dem XXX. B. der Transactions of the Society of Arts etc. In Gill's technical Repository T. II. N. 6. S. 400.

Hr. Wilson erhielt für diese Erfindung 25 Guineen.

Man nimmt zwei Bushels scharfen Triebsand und ein Bushel gelöschten und gesiebten Kalk, mengt beide mit so wenig Wasser als möglich, und schlägt sie drei bis vier Tage nach einander jeden Morgen eine halbe Stunde lang tüchtig durch, ohne sie jedoch, nach der ersten Mischung, jemals wieder zu befeuchten.

Zu zwei Gallonen Wasser in einem eigenen Gefässe gießt man eine Pinte193) erwärmter einfacher Stärke (single size), und löst hierauf ein Viertelpfund gepulverten Alaun in warmen Wasser auf, und mischt diese Auflösung mit obiger Flüssigkeit.

Man nimmt nun ungefähr eine Schaufel voll der ersteren Mischung, macht ein Loch in die Mitte derselben, gießt 3/4 Pinte der Mischung von Alaun und Stärke in dasselbe, und sezt 3–4 ℔ rohen Gips (course plaister of Paris) zu; schlägt alles gut durcheinander und mischt es so, daß es etwas steif wird. Die hiedurch erhaltene Mischung gibt man in die hölzernen Model, nach welchen die Steine geformt werden sollen, |460| und deren obere, End- und Seitenstüke abgenommen werden können.

Diese Model müssen vorläufig mit folgender Mischung gefettet werden. Man nimmt eine Pinte abgetropftes mildes Oel, die beiläufig einen Schilling kostet, und sezt derselben eine Pinte helles Kalkwasser zu, das man sich dadurch bereitet, daß man siedendes Wasser auf Kalkbroken in einem verschlossenen Gefäße aufgießt, bis es vollkommen gesättigt ist: nachdem das Kalkwasser klar geworden ist, wird es dem Oele zugesezt, wo es dann durch Umrühren, eine dike, ölige Mischung oder Emulsion gibt, die man auf die Model auftragen kann.

Wenn man die Seitenstüke der Kamin-Einfassung verfertigt, wird der Model zuerst mit der Mischung aus Sand, Kalk und Gips zur Hälfte gefüllt, dann werden zwei Drahte, die mit einer dünnen Lage Hanf oder Bindfaden umgeben, und beinahe so lang als das zu formende Stük sind, der Länge nach parallel in diese Mischung gelegt, und der Model hierauf mit lezterer vollends ausgefüllt: was von dieser allenfalls zu viel noch in demselben übrig bleiben sollte, wird mit einem flachen Brettchen abgestrichen.

Hierauf wird der Dekel oder der obere Theil des Models aufgelegt, und alles unter eine starke Hebel- oder Schrauben-Presse gebracht, unter welcher man es 20 oder 30 Minuten lang stehen läßt. Man erkennt die nöthige Länge der Zeit, während welcher die Mischung unter der Presse bleiben muß, um gehörig zu erhärten und sich zu sezen, an einem kleinen Probestüke, das man absichtlich hiezu daran stehen ließ.

Die Wände des Models werden mit eisernen Klammern und Keilen festgehalten.

Die oben erwähnten Drahte dienen in doppelter Hinsicht; einmal um den Seitenstüken Festigkeit zu geben, und dann um die Masse zusammenzuhalten, wenn sie zufälliger Weise Sprünge bekommen sollte.

Die Einfassung kann entweder glatt oder gefurcht gemacht werden, je nachdem man es wünscht. Wenn die Stüke aus dem Model kommen, erhalten sie ihre Vollendung dadurch, daß man sie mit Alaun-Wasser abreibt, und mit einer Kelle und etwas nassem Gipse ebnet.

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Eine gewöhnliche glatte Einfassung eines Kamines kommt, aus dieser Mischung, nur auf 7 Schillings; und eine von Stocadur (a reeded one) 28 Schilling, wenn sie ganz aufgezogen ist.

Im Originale folgen nun die Zeugnisse für die Güte und Dauerhaftigkeit dieser Steine, die wir hier füglich weglassen zu können glauben.

Wir haben in unseren Bergen und Alpen in Ober-Baiern die schönsten Marmor- und Gipsbrüche, benüzen aber dieselben nicht so thätig, wie unsere Nachbarn und ehemaligen Mitbürger, die Salzburger, die mit denselben, man darf beinahe sagen, einen Welthandel treiben. Die künstlichen Steine des Hrn. Wilson lassen sich nicht bloß zu Einfassungen an Kaminen, die bei uns nicht Sitte sind, sondern auch zu Thür- und Fenstergesimsen, Pilastern etc. verarbeiten.

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Ein Bushel ist 0,5734 Wiener-Mezen. Ein Gallon (Biermaß) 3,264 Wiener-Maß, und eine solche Pinte = 0, 407 Wiener-Maß.

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