Titel: Gill, über das Schleifen und Polieren des Glas-Linsen.
Autor: Gill, Thomas
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. LXXXVI. (S. 472–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/ar010086

LXXXVI. Ueber das Schleifen und Polieren der Glas-Linsen zu optischen Instrumenten.

Von Hrn Thom. Gill, in dessen technical Repository. T. II. N. 6. S. 364.198)

Ueber die Masse der Schleifer für Convex- und Concav-Gläser.

Man befestigt einen Demant-Splitter, wie die Glaser beim Schneiden des Glases, am Ende eines hölzernen Stabes in einer solchen Lage, daß man mit demselben schneiden kann, und bringt in gehöriger Entfernung, nach der Länge der Brennweiten, welche die Linsen erhalten sollen, Löcher in diesem Stabe an. Hierauf befestigt man ein Stük Kronen- oder Tafelglas auf einem Tische oder auf einer Werkbank gehörig, und stekt durch eines der oben erwähnten Löcher in dem Stabe einen Stift, den man gleichfalls |473| auf dem Tische befestigt, und der als Mittelpunkt dient. Hierauf schneidet man das Glas mit dem Demante durch, und erhält auf diese Weise Masse für die convexen und für die concaven Linsen zugleich. Die Kanten dieser Masse werden dann an einander auf folgende Weise abgerieben oder abgeschliffen. Eines derselben wird auf einem mit Schmergel und Wasser befeuchteten Tische festgehalten, und das andere, unter steter Abwechselung der Seiten und Enden, solange gerieben, bis die krummen Linien vollendet sind. Die Arbeiter ziehen zu solchen Massen allgemein jene Stüke von Kronenglas vor, welche noch Theile der zugerundeten Kanten der halbkreisförmigen Glastafeln an sich haben.

Ueber die Model zum Gießen der Schleifer.

Man dreht aus vollkommen ausgereiftem Holze, genau nach der Krümmung der Masse und in gehöriger Dike für die Schleifer, convexe und concave Model mit kurzen walzenförmigen Zapfen an der Rükseite und mit Schraubenlöchern in denselben, um sie auf dem Baume oder auf der Doke der Lade anzuschrauben.

Ueber die Schleifer.

Aus jedem dieser Model muß ein Schleifer aus Gußeisen und einer aus Messing gegossen werden, und jeder der lezteren muß rükwärts mit Schraubenlöchern versehen seyn, damit er auf der Doke der Lade befestigt, und höchst genau nach dem Maße zugedreht werden kann. Um alle Spuren der Drehewerkzeuge zu entfernen, werden Stüke von alten zerbrochenen flachen Feilen, in oder auf eine der beiden Oberflächen gelegt, nachdem der Rüken der Feilenstüke vorläufig mit einer hinlänglich diken Lage des später zu beschreibenden Kittes belegt wurde. Der andere correspondirende convexe oder concave Schleifer wird darin solang über Feuer erhizt, bis darauf getröpfeltes Wasser zischt und Blasen schlägt, wo er dann alsogleich auf den Kitt der Feilenstüke aufgesezt und augenbliklich mit einem in kaltes Wasser getauchten Schwamme, mit welchem man seinen Rüken abwischt, abgekühlt wird. Die Feilenstüke müssen dann über alle Theile der gedrehten Oberfläche hingerieben werden, damit das Kaliber derselben |474| so genau als möglich ausfällt, und endlich müssen zur lezten Vollendung, wie man weiter unten sehen wird, Linsenblöke darin geschliffen werden.

Vorbereitung der Gläser zum Schleifen.

Das Glas, welches zu Linsen geschliffen werden soll, muß von gehöriger Güte und Dike, und soviel möglich frei von Adern und Bläschen seyn. Mit den bekannten eisernen Instrumenten wird es in gleich große kreisförmige Stüke geschnitten (oder, wie man in der Kunstsprache sagt, ausgebissen, nibbled). Gewöhnlich werden sieben solche Gläser auf einmal geschliffen; nämlich eines in der Mitte, die sechs anderen rings um dasselbe umher. Ehe sie indessen in dem messingenen Schleifer ihre Vollendung erhalten, werden sie, jedes einzeln für sich, in den Schleifern aus Gußeisen rauh geschliffen, in welcher Absicht sie an ihrem Rüken mit einer hinlänglichen Menge von geschmolzenem Kitt aus einem Löffel nach und nach begossen werden, so daß ein Zapfen hiedurch entsteht, bei welchem man das Glas halten kann. Man darf nie mehr Kitt aufgießen, als ohne abzulaufen, darauf haften bleibt, und dieses Aufgießen muß so oft wiederholt werden, bis die Kittlagen die gehörige Dike auf dem Glase erlangt haben.

Diese Gläser werden nun in oder auf dem Schleifer aus Gußeisen mit dem unter dem Namen Smergel N. 2 oder Korn-Schmergel (corn emery) bekannten Schmergel und Wasser bearbeitet, bis ihre Oberflächen beinahe convex oder concav werden; der Schleifer kommt in einen flachen hölzernen Trog, um den Schmergel aufzufangen und aufzusammeln, der dann wieder auf die unten zu beschreibende Weise zur Vollendung des Schliffes geschlämmt wird.

Ueber den Kitt zur Befestigung der Gläser an den Schleifern.

Dieser Kitt besteht aus gemeinem Peche und gesiebter Holz-Asche der Zwiebak-Bäker; diese beiden Stoffe werden in gehöriger Menge so zusammengeschmolzen, daß sie, nach der verschiedenen Temperatur der Luft, eine Masse von gehöriger Dichtheit darbiethen.

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Ueber die Vollendung des Schliffes der Linsen.

Nachdem die rauh geschliffenen Glaser auf die oben beschriebene Weise mit ihren Flächen in oder auf die Oberfläche eines der erwähnten messingenen Schleifer gebracht wurden, und der Kitt auf dem Rüken derselben vorläufig auf die gehörige Dike zurükgeführt und durch Anwendung eines erhizten flachen Eisens gehörig geebnet wurde, wird einer der Schleifer aus Gußeisen auf die oben beschriebene Weise gehizt, und auf den Kitt an der Rükseite der Linsen aufgesezt, und, wie oben, alsogleich abgekühlt. Man muß bei dem Aufkitten der sieben Gläser auf den messingenen Schleifer dafür sorgen, daß das beßte Glas in die Mitte kommt, indem dieses die beßte Linse gibt, und daß nie eines der übrigen Gläser das andere berührt, sondern immer etwas von den andern entfernt steht. So sind nun die Gläser zur Vollendung des Schliffes fertig.

Ueber die Bereitung des Schmergels durch das Schlämmen.

Der zum rauhen Schliffe in den eisernen Schleifern gebrauchte Schmergel wird so geschlämmt, daß man, in Bezug auf Feinheit, 6 verschiedene Sorten daraus erhält.

Er wird in dieser Hinsicht in ein großes, mit Wasser beinahe voll gefülltes, Gefäß gethan, und dann aufgerührt. Man läßt ihm ungefähr eine Viertel-Minute Zeit, sich zu sezen, und gießt ihm dann in ein anderes großes Gefäß über, und so fort in folgenden Zwischenräumen der Zeit in andere Gefäße. Auf diese Weise wird

N. 1, der Schmergel der ersten Viertel-Minute;

N. 2, der Schmergel der ersten Minute;

N. 3, der der zweiten;

N. 4, der der sechsten;

N. 5, der der fünfzehnten;

N. 6, der der dreißigsten.

Nachdem der Schmergel die so eben angegebene, gehörige Zeit über in den großen Gefäßen, in welchen er sich zu Boden sezte, gestanden ist, kömmt er in kleine irdene Gefäße, die sorgfältig mit Papier bedekt werden, damit kein Staub hineinfällt, und ihre respectiven Nummern, 1–6, erhalten.

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Ueber das Gestell und den Griff der Schleifer.

Ein gehörig gebildetetes Gestell von hinlänglicher Höhe und nicht hu großer Breite an der Basis muß auf dem Boden der Werkstätte fest geschraubt werden. Oben auf dem Gestelle ist ein Blok von Gußeisen mit einer männlichen Schraube befestigt, die dasselbe Caliber, wie jene an der Doke der Lade, besizt, und auf diese wird die weibliche Schraube am Rüken des messingenen Schleifers eingeschraubt. In die weibliche Schraube am Rüken des Schleifers aus Gußeisen kommt ein Griff aus Franzosenholz oder irgend einem anderen harten Holz in Form einer Zwiebel, oder eines der Quere nach breiteren Sphäroides von solcher Größe, daß man ihn leicht mit der Hand paken kann: dieser Griff hat eine männliche Schraube, mit welcher er in die weibliche des eisernen Schleifers paßt. Auf diese Weise sind diese beiden Schleifer zur Arbeit hergerichtet, welche auf folgende Art geschieht.

Ueber die Art des Schleifens in diesen Schleifern.

Man nimmt mit dem Finger etwas von dem mit Wasser zu einem diken Breie angerührten Schmergel N. 1 aus dem Gefäße, und streicht es so ziemlich gleichförmig über die Oberfläche des messingenen Schleifers hin. Um jedoch den Schmergel noch mehr gleichförmig zu vertheilen, und zu verhindern, daß er sich nicht in Klümpchen sammle, wird ein Stük vorher geschliffenes Glas von gleicher Krümmung mit dem Schleifer in demselben umher getrieben, und die äußere Kante des Schleifers mit einem feuchten Schwamme von allem Schmergel gereinigt. Hierauf wird der Linsen-Blok in oder auf den messingenen Schleifer gesezt, und das Schleifen auf folgende Art fortgesezt. Der Arbeiter faßt den Griff des Blokes mit seiner Rechten, und gibt ihm eine länglich eiförmige Bewegung über den Schleifer hin, indem er denselben etwas über den Rand desselben hinausführt, und gibt bei jedem zweiten Zuge dem Bloke einen Dreher mit der linken Hand. Zu gleicher Zeit geht er allmählich um das Gestell herum, abwechselnd rükwärts und vorwärts, so daß jeder Theil des Schleifers gleiche Reibung erhält. Sobald der Schmergel sich an das Glas anlegt, und aufhört zu schneiden, muß er mit einem nassen Schwamme sowohl |477| von dem Schleifer als von den Linsen abgewischt werden, wobei man wohl Acht geben muß, daß nichts von demselben in den Zwischenräumen zwischen den Linsen zurükbleibt.

Auf dieselbe Weise wird der Schmergel von der zweiten Nummer aufgetragen, u.s.f., bis jede Nummer durchgearbeitet wurde. N. 6 muß jedoch zweimal aufgetragen werden, um die Oberfläche der Linse zum Polieren desto tauglicher, und feiner zu machen. Wenn indessen während dieser Operation einige Rize an der Oberfläche der Linsen, auch nur unter dem Vergrößerungs-Glase, sich zeigten, so muß das Schleifen wiederholt werden. Man muß ferner alle mögliche Sorge tragen, daß der Schwamm von den verschiedenen Sorten des Schmergels während der Arbeit rein gewaschen wird.

Ueber das Polieren der Linsen.

Man hizt einen Schleifer und belegt ihn mit Kitt. Bei großen Linsen muß er mit dikem, eigens dazu verfertigten, Wollen-Tuche, bei kleineren mit gewöhnlichem Wollen-Tuche, und bei noch kleineren mit Kasimir gefüttert werden: jede dieser Fütterungen muß auf den heißen Kitt aufgelegt und dann auf oder in den aus dem Bloke befestigten Linsen so lang bearbeitet werden, bis sie die Krümmung derselben angenommen hat. Die Poren dieser Tücher werden hierauf mit Wasser und dem Schmergel N. 6 (oder mit dem feinsten Niederschlage, der sich mit der Zeit in dem Fasse bildet, in welchem der Schwamm, nachdem man mit demselben die Schleifer abgewischt hat, beständig ausgewaschen wird) gleichförmig ausgefüllt, so daß sie eine ebene Oberfläche bilden. Nachdem alles erkaltet ist, wird Putty, oder eine Mischung aus Zinn- und Blei-Oxid aus einer mit einem durchlöcherten Dekel versehenen zinnernen Büchse gleichförmig darüber gestreut, und etwas Wasser darauf gesprizt. Hierauf fängt man an zu Polieren; führt aber während dieser Operation die Züge gerade vorwärts und rükwärts über den Schleifer, und nicht, wie vorher, in eiförmiger Richtung: die übrigen Richtungen müssen genau beachtet werden. Nachdem beide Seiten der Linsen auf obige Weise geschliffen und poliert wurden, müssen sie auf jeder derselben einzeln für sich ihre Vollendung erhalten, d.h., rectificirt werden.

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Ueber das Rectificiren der Linsen.

Zu dieser Operation müssen kleine Schiefer aus folgender Metall-Composition gegossen werden, nämlich aus

1 Pf. Blei,

8 Unz. Spießglanz-König.

Diese Composition läßt sich leicht in der Lade mit Wasser befeuchteten Schleifern drehen.

Um diese Schleifer zu verfertigen, dreht man ein Loch in ein Stük Holz, welchem man die Form des zu erhaltenden Schleifers gibt, nämlich eine runde flache Oberfläche, die groß genug ist, die Linse zu fassen, wenn diese ausgekittet wird, mit einem Zapfen am Rüken zur Aufnahme einer weiblichen Schraube, welche auf folgende Weise darin gegossen wird. Man bringt die Doke der Lade in die Mitte des Loches, welches man in das Stük Holz gemacht hat, und gießt die geschmolzene obige Metall-Composition in den auf diese Weise gebildeten Model. Nachdem alles erkaltet ist, dreht man den Schleifer in der Lade vollkommen aus, und macht seine flache Oberfläche dadurch rauh, daß man sie nach allen möglichen Richtungen zerkrazt, um den Kitt besser auf derselben halten zu machen.

Ueber den Kitt zur Rectificirung der Linsen.

Pech, 1 Pf.;

Bienen-Wachs, 2 Loth;

man schmilzt beide zusammen und seiht sie durch ein Tuch.

Man nimmt zwei dieser Schleifer, nachdem sie mit dem warmen Kitte überzogen wurden, und sezt sie nach und nach auf die nassen Oberflächen der Linse, so daß sie die Krümmung oder die Krümmungen derselben genau annehmen. Der Kitt muß jedoch vorläufig zwei Furchen oder Rinnen, die bis auf das Metall des Schleifers durchgehen, erhalten haben, und diese müssen wieder von zwei anderen Furchen zur Aufnahme des äußeren Polier-Materiales durchkreuzt werden. Die Linse wird alsogleich an jeder der beiden Oberflächen des Kittes haften, sobald man sie nur anhaucht, und sich wieder eben so leicht abnehmen laßen, was bei dem Rectificiren durchaus nothwendig ist. Dieses Polieren oder Rectificiren geschieht mit dem |479| feinsten geschlämmten Putty, das man auf eine der Flächen des Kittes aufträgt, während die Linse auf der anderen gehalten wird. Das Putty kommt in ein Fläschchen mit Wasser, und nur dasjenige, was bei dem Aufrühren von demselben im Wasser schwebend erhalten wird, wird angewendet.

Ueber das Centriren der Linsen.

Dieß geschieht dadurch, daß man die Linse an dem einen Ende der hohlen Doke der Lade befestigt, welche mit einem Ringe von warmen Kitte eingefaßt wird. Man bringt nun einen Gegenstand vor die Linse, richtet ein Sehloch an dem entgegengesezten Ende der Doke gehörig vor, und dreht dieselbe langsam um. Die Linse wird solang hin und her geschoben, bis der Gegenstand, wenn man denselben auf diese Weise beschaut, unverrükt erscheint. Nachdem nun der Kitt erkaltet ist, wird die Linse in der Lade mittelst eines schneidenden Demantes kreisförmig abgedreht.

Hr. Gill verdankt die hier mitgetheilten Notizen einem alten und erfahrenen Arbeiter, der ehevor bei dem berühmten optischen Instrumenten-Macher, Hrn. Tully, in Arbeit stand. Obschon unsere baierischen optischen Instrumente gegenwärtig einen solchen Grad von Vollkommenheit erreicht haben, daß sie den englischen nicht bloß gleich kommen, sondern in Hinsicht auf Wohlfeilheit vor denselben den Vorzug verdienen, so glauben wir doch durch Uebersezung dieses Artikels nicht eine ganz überflüßige Arbeit unternommen zu haben. Man lernt hiedurch wenigstens das Verfahren der Engländer kennen. A. d. Ueb.

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