Titel: Ueber Löthung des Gußeisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XVII./Miszelle 1 (S. 114)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010017_1

Ueber Löthung des Gußeisens.

Zwischen zwei gut geglättete Stüke Gußeisens fügte ich eine Platte dünn geschlagenes Eisen, welches ich mit jenen so zusammen drükte, daß sie sich ziemlich genau an dasselbe anschlossen. Nachdem ich hierauf eine hinlängliche Menge von Loth, das aus bloßem Kupfer und Zink bestand, bereitet, und dieses noch mit gutem Borax verstärkt hatte, brachte ich das Ganze auf einem Schmiedeherde in das Feuer, zog ruhig den Blasebalg, und glühte unter gleichmäßigem Blasen diese Stüke allmählich. So bald nun das Loth in den Fluß kam, legte es sich in Form von Kügelchen auf die Spalte, und breitete sich in dem Verhältnisse aus, als es durch die Hize immer mehr verdünnt wurde, so daß es unter dem Feuer an der obengenannten Platte in die Spalte eindrang, und auch die kleinsten Zwischenräume vollkommen ausfüllte. Wie ich dieß bemerkte, nahm ich sogleich die Stüke aus dem Feuer, und ließ sie kalt werden. Mit größtem Vergnügen sah ich, daß nur diese Art zu Löthen vollkommen gelungen war, und daß das Loth durch die Eisenblatte von Stük zu Stük geführt, alle leeren Zwischenräume, bis auf die allerfeinsten, ausgefüllt und sich daselbst angehangen hat. Nun mußte ich aber noch die Festigkeit und Dauerhaftigkeit dieser Art zu löthen auf die Probe stellen, und brachte daher das gelöthete Stük zwischen die Baken einer sehr starken Zange, und schlug mit einem sehr schweren Hammer so lang darauf, bis es neuerdings brach. Aus der Gestalt des neuen Bruches ersah ich, daß das Loth ein anderes Verhältnis dieser seiner Bestandtheile erfoderte, indem ich es durch dieses Hämmern entzwei, nicht aber, wie ich vermuthete, vom Gußeisen losgeschlagen hatte.

Es würde zu langweilig seyn, wenn ich alle die verschiedenen Arten, in welchen ich die Verhältnisse dieser Mischung abänderte, hier aufführen wollte, und es genügt folgende, als die beßte, anzugeben. Ich brachte 9 Unzen Messing in guten deutschen Platten in einen Tiegel. So bald dieses in Fluß kam, goß ich 3 Unzen Zink hinzu, und rührte so lang, bis ich beide gut mit einander gemischt sah. Nun sezte ich einen Theil Alaun hinzu, rührte neuerdings wieder, und so lang, bis alles Oxid, das es enthielt, auf der Oberfläche bemerkbar war. So bald dieß sich zeigte, nahm ich sogleich den Tiegel aus dem Feuer, und goß, langsam denselben neigend, die geschmolzene Masse über einen, in kaltes Wasser getauchten, Reisig-Besen, wodurch ich sie in außerordentlich kleine Hügelchen zertheilte.

Wenn ich in der Folge mich dieses Gemenges zum Löthen der Gußeisen-Stüke bedienen wollte, fand ich es für nöthig, den vierten Theil ungefähr feingestoßenen Borax auf jede Unze desselben zuzusezen. Durch dieses Verfahren gelang es mir, die Stüke Gußeisen fest zu verbinden, und die aus denselben verfertigten Geräthe, die ich wegen ihrer Brüche schon für verloren hielt, vollkommen herzustellen. Um sie, in so fern es ihre Gestalt erlaubt, noch fester zu machen, suchte ich sie mittelst eiserner Zaken, die schwalbenschweifartig am Rande dieser Brüche angebracht wurden, zu binden, indem dieselben auf diese Weise zugleich als Leiter für das Loth dienten.

Ein so gelöthetes Gußeisen bricht eher an jeder anderen Stelle, als an jener, an welcher es gelöthet wurde. (Aus dem Giornale di Fisica etc. Dec. II. T. V. 6 Bimestre S. 431 im Auszuge.)

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