Titel: Verbesserung im Schiffbau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XVII./Miszelle 17 (S. 120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010017_17
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Verbesserung im Schiffbau.

Man baut in England nicht bloß Schiffe aus Eisen, sondern auch, halb aus Eisen und halb aus Holz. Hieraus beruht nämlich jene Verbesserung im Baue der Bothe und Barken, auf welche Robert Bill im Junius 1822 ein Patent nahm, und welche im Londoner Journal of Arts N. XXI S. 117 erklärt ist. Herr Bill baut den Boden der Bothe aus Holz, und die Seiten aus Eisen. Er empfiehlt seine Bauart vorzüglich für Canal-Bothe, die gewöhnlich 70 Fuß lang, 7 Fuß breit und 4 Fuß tief sind. Wenn die verschiedenen Bretter mit Furchen und Zungen versehen sind, so schlägt er Eisenstreifen statt der Latten zwischen den Brettern auf die gewöhnliche Weise vor. Statt die Seiten mit Planken auszusehen, nimmt er Eisenplatten, die ungefähr 9 Pfund aus den Quadrat-Fuß wiegen. Diese Platten dürfen nicht breiter seyn als 2 Fuß 10 Zoll, und in der Länge müssen sie 3 bis 4 Zoll Zugabe für die Nieten erhalten.

Man bringt hierauf mit Eisen gerippte Kniestüke in solcher Entfernung von einander an, daß die Kanten der Platten auf die Mitte der Kniee zu liegen kommen: in gehöriger Entfernung werden an jeder Seite der Mittels rippe Löcher angebracht, welche mit anderen Löchern in den Platten correspondiren, worauf man alles zusammen nietet, so daß das Both wasserdicht wird. Es ist vorteilhaft die Nieten in den Platten einzusenken, um eine ebene Fläche zu erhalten, und die Füße der Kniee müssen stark genug seyn, um auf dem Boden des Schiffes angenietet werden zu können.

Um die Bothe an den Seiten noch mehr zu stärken, schlägt Herr Bill vor, an dem oberen Rande derselben „Winkeleisen“ aus dünnen Eisenstangen oder schmalen Eisenplatten, die im Durchschnitte ein L darstellen, aufzunieten. Eben solche „Winkeleisen“ können auch diagonalzwischen die Kniee gestellt werden.

Da die Vorder- und Hintertheile der Bothe der abwechselnden Trokenheit und Nasse am meisten ausgesezt sind, und daher bald zu Grunde gehen, so firnißt Herr Bill dieselben auf folgende Weise. Er kocht das Holz in einer Mischung von Pech oder Theer bei einer Hize von 350° und darüber61) 6 bis 12 und 14 Stunden lang, zieht dann die heiße Flüssigkeit plözlich ab, und übertüncht das Holz mit einer dünnen Lage Firniß. Er gibt Acht, daß, bis der Firniß aufgetragen ist, das Holz sich nicht erkühlt, indem es sonst zu viel Firniß verschlingen würde: sobald das Holz aber überfirnißt ist, läßt er es erkalten. Ein Theil Kohlen-Theer und 5 bis 6 Theile Kohlen-Theergeist geben einen guten Firniß62).

Herr Bill verfertigt das Eisen zu seinen Kniehölzern selbst, um diese zugleich so leicht und so stark als möglich zu machen. Er nimmt zu diesem Ende ein Stük Eisen, von gehöriger Größe für ein Kniestük, 4 Zoll breit und 3 Zoll dik, und ein anderes Stük, die Rippe 2 Zoll breit, und 3 oder 4/8 dik. Diese Rippe kommt auf der Mitte der vorigen Stange zu stehen, wird in einem eigenen Ofen zur Schweißhize gebracht, und dann durch ein Paar Walzen gezogen, wovon die untere mit einer eigenen Furche versehen ist, und zwischen welchen mittelst gehörigen Drukes die beiden Stangen vereinigt werden.

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350° Fahrenheit ist = 141° Reaumur. A. d. Ueb.

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Herr Bill sagt aber nicht, ob er Stein, oder Holz-Kohlen-Theer meint. A. d. Ueb.

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