Titel: Herrn Guilbaud's Thier-Both (bateau zoolique).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XVII./Miszelle 18 (S. 120–121)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010017_18

Herrn Guilbaud's Thier-Both (bateau zoolique).

Herr Guilbaud zu Nantes hat, statt der Dampfmaschine, die Kraft der Thiere, vorzüglich der Pferde, bei seinen Bothen angewendet. Er findet dieselbe vortheilhafter und auf jeden Fall weniger gefährlich. Seit vier Monaten fährt er täglich mit seinem Paket-Bothe auf dem Erdre, und legt in einer Stunde eine Streke von 17,340 Fuß oder 1 1/2 lieue de poste mittelst zweier Pferde zurük, die nach vierstündiger Arbeit, nichts weniger |121| als ermüdet sind; denn sie wirken, da die bewegliche schiefe Fläche des Borgnis (Traité des machines par Borgnis) hier als Triebwerk eine Hauptrolle spielt, hauptsächlich durch ihre Schwere. Sein Both ist 46 Fuß lang, und 8 1/2 Fuß breit, taucht vorne 18 Zoll tief, rükwärts 21 Zoll tief. Bei voller Ladung verdrängt es 20 bis 22 Millieres (200 bis 220 Ztr.) Wasser. Die zwei Pferde treiben ein doppeltes Schaufel-Rad, das 30 Fuß im Umfange hat, und sich 14 mal in einer Minute umdreht. Sie treten auf einer schiefen Fläche, die aus Pfosten von 5 Zoll Breite besteht, welche quer an zwei Ketten ohne Ende befestigt sind, die mit ihrer oberen Krümmung die Achse der beiden Schaufelräder, mit der unteren einen anderen Cylinder umfassen, der als zweiter Stüz- oder Drehepunct der beweglichen schiefen Fläche dient.

Eine genauere Beschreibung hievon ist im Bulletin de la Société d'Encouragement N. 217 S. 203 nicht gegeben; es reicht aber, wie wir glauben, diese kurze Angabe hin, um jeden Schiffs-Zimmermann ein ähnliches Both bauen zu lassen. Die Berichte zweier Commissionen sprachen sich sehr vortheilhaft dafür aus, und eine Erfahrung von 4 Monaten, während welches dieses Both wöchentlich 8 Reisen am Erdre von Nantes nach Nort und zurük, bei Tage und bei Nacht, immer glüklich vollbrachte, ermuthigte Herrn Guilbaud zum Baue eines größern Thier-Bothes, das nun zwischen Nantes und Orleans regelmäßig gehen soll.

Bisher entschuldigten wir unsere scandalöse Schiffahrt stromaufwärts auf der Donau mit Mangel an Steinkohlen und an Wasser. Wenn man aber jezt mit 2 Pferden 200 Ztr. stromaufwärts 1 1/2 Post-lieues weit in einer Stunde ohne alle Anstrengung treiben kann, so wäre es wahrlich einmal Zeit, diejenigen selbst vor die Schiffe zu spannen, die sich der Einführung einer verständigen Schiffahrt bei uns so sehr widersezen.

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