Titel: Ueber eine verbesserte Methode, den Stahl zu brennen oder weich zu machen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XVII./Miszelle 2 (S. 114–115)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010017_2

Ueber eine verbesserte Methode, den Stahl zu brennen oder weich zu machen.

Es ist gewiß höchst sonderbar, das Gußstahl auf dieselbe Weise hart und weich gemacht wird, und doch ist es so.

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Wir haben immer wahrgenommen, daß jene Theile der Stange des Bohrers, welche der gehärteten Spize zunächst liegen, sich eher und leichter als andere Stellen an der Stange werfen, und daß eben so diejenigen Theile, welche der Schneide oder der Spize eines Meißels oder Griffels zunächst gelegen sind, sich außerordentlich leicht biegen, wenn sie nicht stärker, als es ohne diesen Umstand nöthig seyn würde, verfertigt worden sind. Indessen hat man von diesen täglich in die Augen fallenden Thatsachen, soviel wir wissen, im Allgemeinen noch keinen Nuzen gezogen. Einige verständige Personen haben jedoch diesen Umstand zu ihrem großen Vortheile benuzt, nicht nur, um den Guß-Stahl schneller als auf irgend eine andere Weise zu brennen, sondern auch um denselben von jenen harten Puncten zu reinigen, die man gewöhnlich Stifte (pins) nennt, und die den Stahlarbeitern bei dem Feilen und Drehen des Stahles so viel Mühe und Aergerverursachen.

Diese weise, den Stahl zu brennen oder anzulassen, besteht darin, daß man ihn sorgfältig, beinahe bis zum Härtungs-Puncte, erhizt, und dann alsogleich in Wasser löscht oder kühlt; je näher die Hize dem Härtungs-Puncte kommt, desto weicher wird der Stahl werden.

Artikel aus Guß-Stahl müssen jedesmal angelassen oder gebrannt werden, ehe sie planirt, oder durch Hammerhärtung dichter gemacht werden können: es ist unglaublich, wie sicher sie sich, nach dieser Behandlung, unter dem Stahle streken.

Selst umgegossenes Wutz (oder Ostindischer Guß-Stahl, Woots) kann auf diese Weise, kalt, sehr leicht, und zu hoher Vervollkommnung der daraus verfertigten Artikel, planirt werden, vorausgesezt, daß man ihn bei dem Formen nicht überhizte, und daß er, unter derselben Vorsicht, sorgfältig gehärtet wurde. Hrn. Henry's Stahl57) beweise dieß. Wir haben in unserer lezten Notiz über Stahl und Eisen S. 132 (P. J. B. 9 S. 110) gezeigt, wie schneidende Werkzeuge aus Guß-Stahl gehärtet werden müssen. Es ist um so weniger nöthig, unseren Lesern die Vortheile des Anlassens des Stahles vor dem Härten mit dem Hammer, nach obiger Methode, zu beweisen, als wir dem trefflichen Stahlarbeiter, Herrn Stancliffe dieselbe verdanken, der sie von einem Feilen-Schmiede zu Lancashire hat.

Die Fabrikanten der Uhrmacher-Instrumente zu Lancashire danken ihre Kunst und Geschiklichkeit einer Colonie der verfolgten Huguenoten aus Genf, mit welcher dieselbe nach England kam, und unsere beßten Arbeiter sind die Abkömmlinge dieser verfolgten Huguenoten. (Aus Gill's techn. Repos. N. 10. S. 275 über Stahl und Eisen.)

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Polytechn. Journal. S. 85.

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