Titel: Schießpulver Schießpuler unter Wasser zu entzünden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XVII./Miszelle 33 (S. 124–125)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010017_33

Schießpulver unter Wasser zu entzünden.

Herr Sirullas macht in den Annales de Chimie, Oktober 1822. S. 197 folgende Schlag-Mischung zu diesem Behufe bekannt.

Man reibe auf einem Reibsteine 100 Gramme Brechweinstein und drei Gramme Ofenruß oder gemeine Kohle sorgfältig mit einander ab, und reibe innenwendig Tiegel, die 75 bis 80 Gramme halten, nur auf drei Viertel angefüllt werden dürfen, und an ihren Rändern etwas abgenüzt sind, mit Kohlenpulver aus, um die Wände derselben etwas zu überziehen, und dem Anhängen des Kohlenkegels vorzubeugen, der nach dem Glühen übrig bleibt. Nachdem man die Mischung in den Tiegel brachte, bedeke man dieselbe mit einer Lage gepülverter Kohlen, und verkitte die Oeffnungen. Nachdem man den Tiegel 3 Stunden lang in einem starken Reverberir-Ofen-Feuer gehalten hat, nimmt man denselben heraus, und läßt ihn 6–7 Stunden lang abkühlen. Dieser Zeitraum ist nöthig, um der Luft, die immer etwas in die Tiegel eintritt, Zeit zu verschaffen, die äußere Lage der Schlag-Mischung zu verbrennen; denn wenn man sie zu frisch herauszieht, hat immer Explosion Statt. Man beeilt sich hierauf, dieselbe, ohne sie zu zerbrechen, in ein Gefäß mit weiter Oeffnung zu bringen: mit der Zeit theilt sie sich von selbst in mehr oder minder große Stüke, die sich Jahre lang vollkommen brauchbar erhalten lassen.

Wenn die Glühung auf obige Weise vorgenommen wurde, so ist das Product außerordentlich schlagend, so daß es, ohne den mindesten Druk, bei bloßer Berührung mit dem Wasser einen Knall, wie ein starkes Feuergewehr erzeugt.

Statt des Brechweinsteines kann man sich auch folgender, eben so stark schlagender, Mischung bedienen: man reibt 100 Gramme Spießglanz, 75 Gr. verkohlten Weinstein und 12 Gramme Ofenruß gehörig unter einander ab.

Mit diesen Schlagkohlen läßt das Schießpulver unter dem Wasser sich leicht entzünden. Man brachte, zum Versuche, ein Loth Schießpulver in eine starke, an einem Ende verschlossene, Rohre. Das Schießpulver nahm ungefähr den vierten Theil des Raumes derselben ein. Auf das Schießpulver legte man, eine Erbse groß, Schlagpulver, und schloß alsogleich die Oeffnung der Röhre mit einem Korke. Dieser Kork war in der Mitte mit einem kleinen Loche versehen, welches mit fettem Kitte geschlossen war, der weich genug blieb, um seiner Zeit mittelst eines spizigen Körpers leicht durchstochen werden |125| zu können. Diese Röhre wurde in einem großen Gefäße 3 bis 4 Fuß tief unter Wasser gethan, und dann mittelst einer an einem langen Stabe befestigten stählernen Spize in einer gewissen Entfernung der verkitteten Oeffnung durchstochen. In dem Augenblike, als das Wasser in die Röhre drang, entzündete sich das Pulver. Die Röhre sprang bei dem Versuche, und ein Gewicht von der Schwere eines Kilogrammes, mit welchem man die Röhre belegte, um sie in ihrer Lage zu halten, wurde aus dem Gefäße herausgeworfen.

Hr. Serrullas hat noch mehrere Verbindungen des Potassium mit Kupfer und Spießglanz, mit Silber und Spießglanz, mit Eisen und Spießglanz, mit Wißmuth, mit Zinn und mit Blei untersucht, und bemerkt daß die Kohle, mit welcher er diese Mischungen bloß bedekte, um sie gegen Einwirkung der Luft zu sichern, die Eigenschaft erhielt sich an der Luft von selbst zu entzünden. Die Verbindung von Wißmuth und Potassium fand er als den empfindlichsten Hygrometer. Er hofft auch auf diese Weise das Potassium leichter, als gewöhnlich, darstellen zu können.

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