Titel: Die Tribunal-Perrüke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XVII./Miszelle 39 (S. 126–127)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010017_39

Die Tribunal-Perrüke.

Wir haben zu gehöriger Zeit das, in der Gesuchte der Cultur der Menschheit merkwürdige, Patent, welches Herr Wilh. Ravenscroft sich im Jahre der Gnade 1822 auf eine Tribunal-Perrüke (Forensic Wig) geben ließ „an der man den Schwanz nicht wegstehlen kann“, angezeigt. Dieses Patent wird in dem Londoner Journal of Arts, N. XXI S. 120 mit der sehr neuen Bemerkung dem Publikum mitgetheilt „daß man zweifelt, ob der geneigte Leser dasselbe auch verstehen wird.“ Wir sind auf dem festen Lande, den Gracien sey Lob und Preis dafür in Ewigkeit! über das Jahrhundert der Tribunal-Perrüken hinaus, und wenn wir auch in mancher Hinsicht noch weit hinter den Gentlemen auf der großen Insel zurük sind, so sind wir ihnen doch wenigstens in Hinsicht der Perrüken um die volle Länge eines Perrüken-Schwanzes voraus. Merkwürdig ist es indessen, daß, während unsere alten Geken sich schämen, mit Ehren grau geworden zu seyn, sie auch noch so einfältig sind, ihre grauen Haare mit Höllenstein-Auflösung oder Bleioxiden zu schwarzen und dadurch ihre Augen in Gefahr des Erblindens und ihre Ohren des Taubwerdens zu bringen, die Engländer ihre Perrüken, wenigstens die Staats- |127| und Tribunal-Perrüken alle, lediglich aus grauen Haaren verfertigen (grizz or grey hair). Es scheint, daß man in England die italienische Mode, die nun auch in Deutschland so ziemlich allgemein zu werden anfängt, und die der Gesundheit durch Beseitigung aller durch das Tragen fremder Haare so oft entstandenen ekelhafter und selbst lebensgefährlicher Krankheiten so zuträglich ist, seidene Loken statt der Loken aus fremdem Haare zu tragen, noch nicht kennt, sonst würde man dieselben wenigstens bei einer hochnothpeinlich halsgerichtlichen Perrüke per Patentum applicirt haben.

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