Titel: Beobachtungen über Wartung und Pflege der Erdbeeren, und die schnelle Bildung der Blumen und Früchte derselben. Von dem hochw. Hrn. Thom Garnier. (Im Auszuge übersetzt.)
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XVII./Miszelle 41 (S. 127–128)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010017_41

Beobachtungen über Wartung und Pflege der Erdbeeren, und die schnelle Bildung der Blumen und Früchte derselben. Von dem hochw. Hrn. Thom Garnier. (Im Auszuge übersetzt.)

Die Erdbeeren verlangen einen sonnigen und luftigen, jedoch gegen die scharfen und rauhen Winde geschüzten Standort. Sie wachsen bei Herrn Garnier auf einem dunklen sandigen Lehmboden von ungefähr 2 Zoll Tiefe, dessen Unterlage ein feiner weißer Sand ist, den man sich wohl hüthet umzurühren. Dieser Grund wird zwei Schaufeln tief umgestochen, dann an der Oberfläche 2 Zoll dik mit einem Gemenge von gleichen Theilen reichen gelben Lehmen, verfaulten Dünger und Schlamm belegt, und dieses mit einer Gabel gehörig eingegraben. Er macht hierauf seine Beete 4 Fuß 4 Zoll weit, und läßt wenigstens 2 Fuß breite Gänge zwischen denselben. Die Ausläufer der meisten Sorten werden 18 Zoll weit von einander gepflanzt, und eben so weit kommt eine Reihe von der anderen. Die Rosenbeere (Roseberry) und die gemeine Scharlachbeere (common scarlet 63)) fodern nicht so viel Raum, und können 16 Zoll weit von einander, die Reihen selbst einen Fuß weit von einander gepflanzt werden. Die Sorten, die er den übrigen vorzieht, und vor allen baut, sind: die Ananas-Erdbeere (pine), Downton, Mathven-Castle, Hautboy, Hudson's Bay, Wilmot's späte, Scharlach-Erdbeere (Wilmot's late scarlet), gemeine Scharlach-Erdbeere, Keen's Imperial64), und die beiden Chili-Erdbeeren: et läßt aber keine dieser Sorten langer als ein Jahr |128| in der Erde. Frühe im August, so bald nämlich die Erdbeeren-Lese vorüber ist, wirft er alle Beeten um, gräbt sie auf die oben angegebene Weise um, und düngt sie, um die Pflanzen für das nächste Jahr aufzunehmen. Er wählt zu diesem Ende die stärksten und am beßten eingewurzelten Ausläufer der alten weggeworfenen Pflanzen aus. Wäre es zu dieser Zeit eben sehr heiß, und der Boden stark ausgedörrt, so müßte man bis zum nächsten Regen warten.

Auf diese Weise erhielt Hr. Garnier die größten und schönsten Erdbeeren in der ganzen Nachbarschaft. Tiefe Erde hält er für durchaus unentbehrlich zum Gedeihen dieser Früchte; denn die Erdbeeren schlagen oft in einem Sommer zwei Fuß tiefe Wurzeln. Die Ananas- und Roseberry-Erdbeere gedeiht zwar besser in einem harten und feichten Boden, sie muß aber immer in einer offenen, und nie, wie es nur zu häufig geschieht, in einer schattigen Lage in irgend einem Winkel des Gartens gebaut werden.

Die außerordentliche schnelle Bildung der Blumen und Früchte an den Erdbeeren betreffend, bemerkt Hr. Garnier, daß er am 1. Mai 1820 einige junge, gut eingewurzelte, Ausläufer der Mathven-Castle in ein Beett verpflanzte, in der Hoffnung, noch im Spätherbste einige wenige schlechte Früchte von derselben zu erhalten; zu seinem großen Erstaunen hatte er aber schon am 3. Julius eine bedeutende Lese sehr schöner und vollkommen reifer Erdbeeren. Diese Pflanzen trugen noch bis zum 20. August, 14 Tag länger als die anderen, jedoch nicht so reichlich, als die im August gepflänzten. Im vorigen Jahre pflanzte er mehrere Ausläufer der Roseberry erst am 1. Julius; sie wuchsen so üppig, daß sie in wenigen Tagen andere Ausläufer hervorbrachten, und am 7. September zeigte er vor der Hampshire Horticultural Society zu Winchester einen Stok von diesen Pflänzlingen, der Blüthen und bereits reife Früchte zugleich hatte. Er glaubt daher, daß, wenn man junge, gut eingewurzelte, Ausläufer der Roseberry, Wilmot's late-scarlet und Commonscarlet Anfangs Mai's an offene und sonnige Stellen pflanzt, diese auch dann noch Früchte dringen werden, wenn alle anderen aufgehört haben zu tragen. (Aus dem 4 Bd. der Transact. of the Lond. Horticultural Society, in Gill's technical Repository. November 1822. S. 325.)

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Den Gartenfreunden, die Hrn. Dufresne's schäzbares Werk über die Erdbeeren-Sorten (sur les fraisiers) nicht kennen sollten, einpfehwir angelegentlich die zweite Ausgabe desselben. A. d. Ueb.

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Wahrscheinlich kommen einige dieser Sorten mit englischen Namen auch in deutschen Gärten vor.

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