Titel: Ueber die Kultur der afrikanischen Gladiolen und anderer Cap-Zwiebelgewächse in offenen Gartenbeeten. Von dem hochwürdigen Hrn. Wilh. Herbert.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XLIII./Miszelle 10 (S. 252–253)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010043_10

Ueber die Kultur der afrikanischen Gladiolen und anderer Cap-Zwiebelgewächse in offenen Gartenbeeten. Von dem hochwürdigen Hrn. Wilh. Herbert.

Die Samen (Hr. Herbert spricht hier vorzüglich von den Samen des Gladiolus blandus und einiger Bastarden desselben mit Gladiolus angustus) müßen alsogleich (im Frühjahre) auf amerikanische Beete gesäet und gut begossen werden. Anfangs Oktobers, oder so bald als die Blätter anfangen zu verwittern, müßen die jungen Zwiebel aus der Erde genommen und getroknet werden: sie können dann zu jeder Zeit wieder in die Erde gepflanzt werden, nur müßen sie 8 Zoll tief unter die Erde kommen, damit ihnen der Frost nicht schaden kann; denn starker Frost zerstört sie, wenn er sie an der Oberfläche trifft. Die Sämlinge blühen, wenn sie gehörig angetrieben werden, im nächsten Jahre: alte Zwiebel blühen häufig von Junius bis September, je nachdem sie gelegt wurden. Wenn die Erde zu schwer und reich ist, so muß sie mit Sand gemengt werden, damit die Zwiebel nicht den Krebs bekommen, oder faulen, wenn der Boden zu lang das Wasser zurük hält.

Gladiolus tristis hält sicher am meisten aus; seine Blätter widerstehen dem strengsten Froste, und selbst der anhaltende Schnee und Frost des lezten Winters hat die Blätter nur etwas gelb gemacht, und an den Spizen verbrannt. Er blüht im Freien im Mai, Junius und Julius, und ich habe 5 Jahre lang die Zwiebeln unangerührt unter der Erde gelassen. Ich habe den Gladiolus hirsutus im September im Freien in die Blüthe gebracht, er verlangt aber einen mehr sandigen Boden, und bekommt in meinen Betten, die sehr fruchtbare verfaulte Holzerde haben, den Krebs.

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Die beßte Methode, die Gladioli, die in Töpfen blühen sollen, (wenigstens die im Freien blühenden Sorten), zu behandeln, ist diese, daß man die Töpfe, sobald die Zwiebeln in dieselben eingelegt sind, ungefähr 8 Zoll tief unter die Erde in das Gartenbeet sezt, und dann im Frühjahre, sobald die stärkeren Winterfröste vorüber sind, näher an die Oberfläche rükt; oder daß man sie, wo man sie gleich Anfangs höher in die Erde sezt, mit Moos, Blättern126) oder Sägespänen auf dem Beete bedekt.

Sehr viele andere Cap-Gewächse aus derselben Familie (Ensatae), vorzüglich Watsonia Meriana, Ixia flexuosa, Trichonema roseum, gedeihen auf dieselbe Weise ohne alle besondere Pflege. Ixia longiflora ist sehr dauerhaft, und blüht schön und reichlich, will aber einen mehr sandigen Boden.

Ich bin überzeugt, daß die afrikanischen Gladioli bald die Lieblinge der Blumenfreunde werden müßen, sobald diese nämlich sie nur einmal in ihrer Schönheit blühen sahen, und sich überzeugten, wie leicht sie zu ziehen sind, und wie endlos viele Varietäten sich aus dem Samen derselben durch Blendung der Sorten erzeugen lassen: sie sind gewiß so schön, wie Ranunkeln und Tulpen.

Als ich vor einigen Jahren noch zu Mitcham in Surrey lebte, baute ich mehrere Cap-Zwiebeln, und selbst die Aristeen mit faserigen Wurzeln im freien Grunde und in demselben Boden, in welchem ich meine Hyacinthen zog, mit dem beßten Erfolge. Die Beeten wurden Nachts und bei frostigem Wetter bis in den April hinein mit doppelten Matten auf Steken bedekt. Die Erde wurde aus Kuhdünger, abgefallenen Blättern und seinem Sande gemengt. In dieser Erde trieb der Gladiolus cardinalis und die Watsonia rosea schlanke ästige Stämme mit 70–80 Blumen, und Aristea spiralis, so wie Aristea Melaleuca (die, so viel ich weiß, noch nirgendwo in England blühte) trieben 9–10 blühende Stämme aus Einer Wurzel. Babiana rubro-cyanea hatte 19–20 Stämme aus einer kleinen Menge im Topfe in dieselbe Erde gepflanzte Zwiebelbrut. Allein die Holzerde erzeugt an den delicateren Sorten dieser Zwiebel, so wie an den Hyacinthen, leicht den Krebs, der am beßten durch reinen Sand abgehalten werden kann, welcher um die Zwiebel gelegt wird, und dadurch die Berührung der Erde abhält. Der Sand ist den Wurzelfasern nimmermehr nachtheilig, greift aber doch, wenn er naß ist, zuweilen die Zwiebel an. (Aus den Transactions of the London Horticultural Society im Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture. December 1822. S. 38.)

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Die Blätter der Roßkastanie, welche groß sind, und nicht leicht vom Winde verweht werden, geben eine vortreffliche Winterdeke für die zarten Zwiebelknospen. A. d. O.

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