Titel: Bekleidung der königl. baier. Armee mit inländischen Fabrikaten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XLIII./Miszelle 16 (S. 255)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010043_16

Bekleidung der königl. baier. Armee mit inländischen Fabrikaten.

Sr. Majestät unser allergnädigster König haben in Allerhöchst ihrer landesväterlichen Sorgfalt für Unterstüzung und Förderung des inländischen Gewerbfleißes dd. 10. November 1822 zu befehlen geruht, daß zur Bekleidung der Armee, so weit die Kosten hiezu aus dem Aerar bestritten werden, nur inländische Fabrikate verwendet werden sollen.

Dankbar die Weisheit und Wohlthat dieses Allerhöchsten Befehles anerkennend, der von den wohlthätigsten Folgen für die inländische Industrie seyn muß, sehen wir indessen mit Schmerzen aus dem in Nr. 7. des neuen Kunst- und Gewerbs-Blattes, 15. Febr. 1823. S. 39, hierüber mitgetheiltem Programme, daß auch „die königl. Straf- oder Zwangarbeits-Anstalten, bezüglich der eigenen Fabrikate mit zur Concurrenz zugelassen werden.“

Ueber das Nachtheilige der Beschäftigung der Sträflinge mit einer Arbeit, für deren Erlaubniß sie thun zu dürfen, der rechtliche Bürger schwere Steuern und Abgaben zahlen muß, ist nur eine Stimme im ganzen gebildeten Europa. Das Verhältniß dieser Beschäftigungsart wird aber bei Gelegenheit dieser Concurrenz noch mehr in die Augen springen: denn erstens ist es natürlich, daß diejenige Fabrik, bei welcher der eigentliche Arbeitslohn nichts, oder nicht viel mehr als nichts kostet, und welche überdieß über ein ungeheueres Kapital disponiren kann, jeder andern den Vorsprung abgewinnen, und jede andere so drüken kann, daß diese in Gefahr kommt, sich aller Concurrenz begeben zu müßen. Könnte oder thäte jene Fabrik dieß nicht, so müßte sie Vorwürfe gegen die Administration gründen und so dem Staate selbst zum positivesten pecuniären Nachtheile gereichen. Zweitens wird, insofern sich Fabrikanten finden sollten, die mit jener Fabrik concurriren wollten oder könnten, in Hinsicht, daß hier wie man zu sagen pflegt, unter dem Fabrik-Preis gearbeitet werden muß, auch nur geringe Arbeiten geliefert werden. Drittens dürfte eine solide Fabrik, oder auch nur ein guter Tuchmacher mit 2 bis 3 Stühlen, sich wohl hüten mit Sträflingen zu concurriren, und auf solche Art die Beförderung inländischer Industrie schwerlich erreicht werden.

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