Titel: Neue Methode, Pflanzen in Orangerien und Treibhäusern zu begießen. Von Jos. Sabine, Esq. F. R. S. etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. LXVI./Miszelle 11 (S. 375–376)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010066_10

Neue Methode, Pflanzen in Orangerien und Treibhäusern zu begießen. Von Jos. Sabine, Esq. F. R. S. etc.

Herr Georg Loddiges, Teilnehmer an her Firma Loddiges und Söhne (der berühmten Besizer eines der größten und reichsten Handelsgärten in Europa) erfand folgende einfache und Zeit und Mühe ersparende Methode, seine Pflanzen in den Häusern zu begießen, welche weit wohlthätiger auf die Gewächse wirkt, als das gewöhnliche Begießen derselben mit der Gießkanne.

Eine bleierne Röhre von einem halben Zoll im Lichten wird an einem Ende des Treibhauses in dasselbe geleitet, und so gelagert, daß der Hahn, der das Wasser absperrt und zufließen läßt, leicht gedreht werden kann. Von dem Hahne aus läuft sie entweder oben oder an der hinteren Wand des Hauses hin oder innerhalb an den Fenstern, und zwar horizontal und gerade durch das Haus. Sie ist an der Wand oder an der Deke mittelst eiserner in gehöriger Entfernung angebrachter Hälter befestigt. Von dem Puncte an, wo diese Röhre horizontal zu werden beginnt, ist sie mit sehr feinen Löchern versehen, durch deren jedes, wenn der Hahn geöffnet wird, das Wasser in einem |376| feinen Strome herausquillt, während es herabfällt, sich bricht, und so in Gestalt eines schönen Sommer-Regens auf die Pflanzen herabrieselt. Die Löcher werden mittelst einer feinen Nadel, welche wie eine Ahle an einem hölzernen Griffe befestigt ist, in die Röhre eingebohrt, und da man diese Löcher nicht fein genug machen kann, so muß man die allerfeinsten Nadeln hiezu wählen, von welchen dann auch viele während der Operation abspringen. Die Löcher müssen so eingebohrt werden, daß das Wasser in jeder erfoderlichen Richtung sich vertheilen kann, und in dieser Hinsicht muß die jedesmalige Lage der Röhre und die Stellung der zu wassernden Pflanzen bei den Einbohren dieser Löcher genau erwogen werden. Die Löcher müssen im Durchschnitte, zwei Zoll von einander entfernt und horizontal seyn: am Anfange der Röhre sollten sie etwas weiter von einander, am Ende derselben etwas näher an einander stehen, wegen des verhältnißmäßig größeren und geringeren Drukes des Wassers, welches gleichförmig durch das ganze Haus vertheilt werden muß. Eine Röhre ist für ein mittelmäßig langes Haus genug: eines der Häuser der HH. Loddiges, welches auf diese Weise gewässert wild, ist 60 Fuß lang. Wo das Haus länger ist, muß nothwendig die Röhre weiter seyn. Der Wasserbehälter, aus welchem die Röhre ihr Wasser erhält, muß so hoch über dem Niveau der Röhre liegen, daß das in dieselbe aus ihm einströmende Wasser Schnelligkeit genug erhält, um rasch genug fortzulaufen, indem es sonst bei den Löchern nur tropfenweise heraus kommen würde. Da man übrigens die Gewalt des einströmenden Wassers durch den Hahn nach Belieben regeln kann, so kommt alles darauf an, daß man dem Wasser Gewalt genug zu verschaffen wisse.

Allerdings gehört zur glüklichen Anlage dieser Vorrichtung einige Genauigkeit; wenn man aber diese nicht scheut, so ist der Vortheil, den man von derselben erhält, wie man bei den HH. Loddiges sich überzeugen kann, auch wirklich ganz außerordentlich. (Aus den Transactions of the London Horticultural Society.)

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