Titel: Türkisches Korn oder Mais als Viehfutter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. LXVI./Miszelle 14 (S. 377–378)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010066_13

Türkisches Korn oder Mais als Viehfutter.

Ein Landwirth macht in Tillochs Mag. und Journ. S. 433 den Vorschlag, den Mais, oder das sogenannte türkische Korn (in Tirol Türken, in Niederösterreich, Kukurus), da er in England (so wie bei uns in Alt-Baiern und in jedem Hopfenlande, wo die Rebe nicht mehr gedeiht) nur selten reift, und nie mit Vortheil gebaut werden kann, als Grünfutter oder zu trokenem Futter, zu Häkerling zu ziehen, indem wenige andere einjährige Pflanzen so schnell und üppig wachsen, und keine Grasart, Zukerrohr ausgenommen, soviel Zukerstoff enthält. Er versichert, gehört zu haben, daß man in Amerika hier und da wirklich Zuker aus demselben bereitet; wahrscheinlich war es ihm unbekannt geblieben, daß Baron v. Meidinger, im Anfange dieses Jahrhundertes, und noch vor der großen Zukertheurung als Folge der Continental-Sperre, in Oesterreich aus Mais wirklich Zuker gemacht und eine eigene Abhandlung über Bereitung des Zukers aus Maisstängeln geschrieben hat; auf jeden Fall ist das Daseyn des Zukerstoffes in den Stängeln oder Halmen dieser Pflanze erwiesen. Er räth, unter den vielen Varietäten dieser Pflanzenart, in Hinsicht auf Grünfutter und ohne alle Rücksicht auf die Frucht, diejenige zu wählen, welche die höchsten Stängel und die breitesten Blätter treibt; und diese, im vollsten Wuchse und Safte geschnitten, dem Hornviehe, so wie man es in Amerika zu thun pflegt, als Häkerling im Winter zu verfüttern. Der Versuch, den der Hr. Verfasser anstellte, geschah bloß im Kleinen, auf 3 Quadrat Yards (der Yard ist 3 engl. Fuß), auf welchen er 126 Pflanzen, 42 auf jedem □ Yard, im Junius baute. Im August hatte ein mittlerer Stängel ungefähr 3 Fuß Höhe, und wog 24 Loth. Bis in den October hinaus wogen mehrere dieser Stängel 5 Pf. Er glaubt hieraus den mittlern Ertrag eines mit Mais bepflanzten Aker-Landes, wenn derselbe im August geschnitten wird, auf 60 Tonnen, im Oktober geschnitten, auf 120 Tonnen berechnen zu können: wir wollen, weil der Versuch sehr im Kleinen angestellt wurde, einstweilen ein |378| Drittel für Reibung abziehen, und während der Hr. Verfasser das Mittel von 60 + 120 Tonnen = 90 Tonnen per Acre nimmt, (einen höheren Ertrag, als kein anderes Grünfutter gibt) nur von 40 + 80 das Mittel, also 60 Tonnen, oder 1200 Ctr. rechnen: es wird dieß genug, und mehr als jeder andere Ertrag an Grünfutter seyn.

Als Beweis, wie gern auch die nicht bloß Pflanzenfressenden Thiere dieses Futter selbst noch troken gern fressen, führt er eine Erfahrung an, die er an seinen Mastschweinen machte, welche er mit soviel Korn und Erdäpfeln, als sie fressen mochten, mästete, und auch noch auf die Wiese ließ. Er gab ihnen zur Ruhezeit einen Arm voll Mais Stängel, und sie frassen sie mit Gierde. Als in der späteren Jahreszeit dieselben zu holzig wurden, nagten sie den holzigen Theil weg, und frassen nur das süße Mark aus denselben. Unsere Nachbarn, die Tiroler, werden in diesem Verfahren keine Neuigkeit finden; wir könnten aber ihr Beispiel nachahmen.

Der Boden, auf welchem dieser Versuch angestellt wurde, war an sich schlecht, nasser Thon-Boden, aber gut gedüngt.

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