Titel: Ueber Ledergärberei und Färberei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. LXVI./Miszelle 24 (S. 380–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010066_23

Ueber Ledergärberei und Färberei.

Hr. Joh. Neilson, Leimfabrikant zu Linlithgrow in Schottland, ließ sich ein Patent, dd. 19. Jun. 1819, auf die Anwendung gewisser Pflanzenstoffe zum Ledergärben und Färben ertheilen, welche bisher in dieser Hinsicht nicht gebraucht (not hitherto used) wurden. In der im Repertory of Arts, Manufactures et Agriculture, Dezember 1822, S. 14. gegebenen Erklärung nennt er als diese Pflanzen:

Saxifraga crassifolia, (G. F.)176) cordífolia, u. orbicularis . Rheum sibiricum (w) crispum u. tataricum. Geranium macrorrhizon, reflexum, lividum, phaeum, angulatum. Heuchera americana (G. F.) u. villosa, Polygonum undulatum oder canadense (w). Rhodiola rosea.

Nachdem er diese Pflanzen aus der Erde genommen hat, wäscht er sie von Erde und Sand rein, und braucht sie entweder frisch oder getroknet. Frisch wirken sie schwächer, wenn nicht, wie er sagt, ihr vegetabilischer Stoff! durch mäßige Hize, Dampf oder warmes Wasser, zerstört ist!! In jedem Falle müssen, sie, wie er uns lehrt, geschnitten und entweder gestossen oder gemahlen, und dann auf die zur Gärbung auf die gewöhnliche Weise vorbereiteten Häute oder Felle in wässeriger Auflösung angewendet werden, warm oder kalt, wie die Lederer und Lederbereiter es mit der Lohe zu thun pflegen.

Hr. Neilson berechnet die Stärke seiner neuen Pflanzen im Vergleiche mit englischer Eichenrinde wie folgt:

Man braucht zweimal so viel Blätter der Saxifragen dem Gewichte nach als Eichenrinde: von den Wurzeln der Saxifragen eben soviel, als von der Eichenrinde.

Rheum sibiricum u. tataricum ist der Wurzel der Saxifragen gleich; crispum ist etwas schwächer.

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Die Geranien und Polygonen kommen an Stärke beinahe den Blattern der Saxifragen gleich, und die Wurzel der Heuchera ist den Wurzeln der Saxifragen gleich: die der Rhodiola ist aber beinahe doppelt so stark.

Diese Beobachtungen gelten übrigens nur von frischen Pflanzen: getroknet verlieren sie zwei Drittel an Gewicht, und auch etwas an Kraft. Die Pflanzen müssen dann ausgezogen werden, wenn ihr Wachsthum aufgehört hat.177)

In Hinsicht auf Färberei empfiehlt Hr. Neilson, statt der Sumach-Galläpfel- oder Eichenrinde-Brühe und Beize, obige mit F bezeichnete Pflanzen im Aufgusse! mit Wasser, indem sie halb so stark, wie Sumach, und nur um drei Viertel!! schwächer seyn sollen als Galläpfel.

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G bedeutet, daß alle Theile der Pflanze Gärbestoff enthalten; w daß dieser vorzüglich im Gärbestoffe enthalten ist; u. F, daß sie zugleich Färbemittel ist.

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Schade, daß diese Pflanzen im mittleren Europa so wenig als in England wild wachsen, einige derselben ausgenommen, und bisher nur in botanischen Gärten vorkommen, so daß man über ihre Cultur im Großen noch so wenig weiß, als über die Güte des damit gegärbten Leders. A. d. Ueb.

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